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Samstag, 13. November 1915.
Kbenö-Ausgabe.
Nr. 532. * 63. Jahrgang.
Die patzhöhe des Iastrobac- gebirger bereits genommen!
Ueber NOO neue Gefangene.
Der Tagesbericht vom 13. November.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 13. Nov.
(Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Destlicher Kriegsschauplatz.
Die Lage ist unverändert.
Vereinzelte russische Vorstöße wurden abge- wiesen.
Balkankrtegsschauplatz.
Die Verfolgung im Gebirge schreitet fort. Die Paßhöhcn des I a st r o b a c (Berggruppen südöstlich von Krusevac) sind von unseren Truppen g e - n o m m c».
über 1100 Serben fielen gefangen in unsere Hand, ein Geschütz wurde erbeutet.
Oberste Heeresleitung.
Die Ereignisse auf dem Balkan.
Die Kümpfe in Mazedonien.
Wrcn, 12. Nov. (Zeus. Bln.) Von der griechischbulgarischen Grenze meldet die „Neue Freie Presse" vom 2. November: Dir Bemühungen der Verbündeten, über Kriwolat im Wardartal vorzudringcn, scheinen nach serbischen Meldungen bisher gescheitert zu sein Dagegen har das Vordringen der Bulgaren gegen K r t s ch e w v unbeschreibliche Panik in Monastir erzeugt. Was flüchten konnte, flüchtete auf Anraten des französischen Konsuls. Die den bulgarischen regulären Truppen voranseilcnden Freischär- l e r haben sich bis in die Umgebung Monastirs vorgewagt, das von serbischen Truppen entblößt ist. Im Wardartalc verkehren die Züge nur für Militärbedarf zwischen Gewgelr und Kriwolak. Die Verluste der Verbündeten wiegen die Zahl der ncugelandeten Truppen auf. Alle verfügbaren Räume sind mit Verwundeten belegt. Nach Aussage serbischer Flüchtlinge bemächtigt sich eine düstere Stimmung der serbischen Bevölkerung. Man befürchtet eine Katastrophe der serbische» Armeen. Bei den Kämpfen vor Slrunntza machten die Franzosen einige bulgarische Gefangene, darunter Offiziere. Tie Engländer haben schwere Batterien hcrangeschafft. Sie befinden sich ebenfalls im Abschnitt Gewgcli-Hdowa. Die Verbündeten beobachten mißtrauisch die Gruppierung griechischer Truppen um Saloniki und längs der Eisenbahn.
Der serbische Bericht.
W. T.-B. Paris, 12. Nov. (Nichtamtlich.) Serbischer Kriegsbericht vom 10. Nov.: Wir bezogen in guter Ordnung Verteidigungsstellungen südlich und östlich Kral- i e w o, östlich von Iwanitza sowie auf der Ostfront auf dem linken Ufer der südlichen M o r a w a, wo im Laufe des Tages am 10. Nov. erbitterte Kämpfe stattfanden.
vis englischen Verstärkungen in Serbien.
Die Nachricht von der Empörung der Albanesen nur ein Gerücht.
W. T.-B. Saloniki, 13. Nov. (Nichtamtlich. Agence Havas.) Von der Front der Alliierten ist nichts zu melden. Die neuen englischen Truppen verstärkten den rechten Flügel der Alliierten. In gut unterrichteten Kreisen halt man das Gerücht von einer Empörung der Albanesen gegen die Serben nicht für richtig. Aus Nordserbien ist keine glaubwürdige Nachricht eingetroffen. Die Verbannung des Bischofs Epiphanias, der nach Naxos verbracht worden ist, ruft lebhaftes Aufsehen hervor.
vor freie weg nach Konstanlinopel.
Genf, 13. Nov. (Zens. Bin.) Wie dem „Corriere della Sera" aus Bukarest gemeldet wird, kommen fortwährend in W i d d i n auf der Donau starke deutsche und österreichische Material- und Truppentrarisportean, die teilweise auf dem Bahnwege weitergehen, teilweise den Wasserweg bis Rustschuk benutzen und dann mit der Bahn weitergebracht werden, so daß die Verbindung zwischen Deutschland, Österreich, Bulgarien und der Türkei eine vollendete Tatsache sei.
Das Schicksal der serbischen Heere;
Das charakteristische Moment der militärischen Lage in Altserbien besteht darin, daß die serbischen Kräfte von den Truppen der Zentralmächte und Bulgarien in einem weiten Halbkreis umschlossen sind, der aus der Gegend südlich Uzice über Jvaniiiea,
Alexandrovac, Ribere, Gegend westlich Ni sch, Leskovac, bis in die Gegend südlich Pristina führt, wobei die am weitesten vorgedrungenen Abteilungen im Storden und Süden nur etwa 130 Kilometer voneinander entfernt sind. Die Linie aus «der Gegend südlich Jvanijica bis Pristina, in deren Mitte Novi- bazar liegt, stellt die einzige freie Seite «dar, über die allein noch ein Rückzug der Serben mögliche ist. Die Schwierigkeiten des serbischen Rückzuges wachsen da- durch, daß nur ganz wenige Straßen zur Verfügung stehen, auf «denen sich das ganze Heer mit seiner Artillerie, Trains und Kolonnen zusammenpressen mutz. Dadurch wird der Abmarsch immer mehr verzögert. Um ihn überhaupt zu sichern und ausführen zu können, müssen immer stärkere Teile der Hauptkräfte zum Kampfe eingesetzt werden. Unterdessen dringen die äußeren Flügel der Verbündeten immer weiter vor, nehmen immer zahlreichere Rückzugsstraßen in die Hand und verengen dadurch den freien Raum, der den Serben noch zur Verfügung steht. Als neuestes Moment ist das erfolgreiche Vorschreiten .der österreichisch-ungarischen Truppen aus der Gegend von Uzice zu erwähnen, die in direkt südlicher Richtung auf Nowo-Varos vorgegangen sind, dabei die Gegend von Sirugojne erreicht und damit den halben Weg nach Nowo-Varos zurückgelegt haben. Dadurch wird die westliche Flanke der über Jvanijica auf Sienica vormarschierenden Kolonnen gesichegt und jede Störung dieses slügelumfassendcn Vorgehens verhindert.
Der stete Rückzug des serbischen Heeres und die Schwierigkeiten, die sich seiner Ausführung cntgegen- stellen, haben auch aus den Zusammen«hang und den inneren Wert des Heeres sehr ungünsftg eingewirkt. Vielfach wird in den Berichten vom Kriegs- Schauplatz bereits von der beginnenden Auflösung «des Heeres gesprochen. Es zeigt sich dies zunächst in der außerordentlich großen Menge von Kriegsmaterial aller Art, das den verfolgenden Truppen übemll in die Hand gefallen ist und das «mit jedem Tag weiter ansteigt. Die Gesamtzahl der eroberten Geschütze wird jetzt schon in zuverlässigen Berichten.au«s über 500 angegeben, die Zahl der Gefangenen auf über 50 000 beziffert. Unter Hinzurechnung der blutigen Verluste, «die bei dem außerordentlich hartnäckigen Widerstande der Serben sehr h o ch gewesen sein müssen, kommt man leicht ans einen Gesamtvcrluist von mindestens 80 000 Mann. Dies bedeutet bei dem an und für sich nicht sehr hohen Stande der serbischen Armee eine außerordentlich schwere Einbuße. Es nmß ferner berücksichtigt werden, daß die Serben, wie sie es auch früher getan haben, in schwierigen Logen, wenn eine Rettung ausgeschlossen erscheint, die Truppenverbände einfach a u f l ö s e n, so daß die Leute einzeln zu entkommen und ihre Hcimatsdörfer zu gewinnen suchen. Dies kann namentlich bei den Truppenteilen leicht geschehen, die keine eigentliche europäische Uniform tragen, sondern mehr die Nationaltracht unter Anlegung militärischer Abzeichen beibehalten haben. Letztere sind leicht zu entfernen, so daß der ehemalige Waffenträger wieder als Zivilist erscheint. Danach kann die Auflösung des serbischen Heeres einen noch viel höheren Grad angenommen haben, als dies allein aus der Zahl der Gefangenen hervorgeht, und der Unterschied zwischen Gefangenen und blutigen Verlusten gegen die ursprüngliche Kopsstärke stellt nicht diejenige Truppenstärke dar, die sich der drohenden Umklammerung entzogen haben sollte. Daß tatsächlich von Der Auslömng «der Truppenteile Gebrauch gemacht ist, ergibt sich aus den vielen Tausenden von weggeworfenen Waffen, die längs der Rückzugs- straßen aufgefunden worden sind, sowie aus den stehengelassenen Geschützen, bei denen die Stränge .durchschnitten waren.
Aus dem Süden werden den Serben keine englisch-französischen Hilfstruppen entgegenmarschieren, denn die Versuche der Franzosen und Engländer, die bulgarischen Stellungen an der griechischen Grenze zu durchstoßen und sich den Weg nach Norden frei zu machen, sind gänzlich gescheitert. Die Franzosen sollen in den Kämpfen im Wavdartale und 'bei Prilep sogar sehr schwere Verluste erlitten haben. Berücksichtigt man alle diese Verhältnisse, so muß die Lage des auf sich allein angewiesenen Sevbenheeres als hoffnungslos bezeichnet werden. Zwar ist der Kreis um die serbischen Truppen noch nicht vollkommen geschlossen, es steht ihm immer noch ein freier Raum zur Verfügung, über den die Serben ihren Rückzug fortsetzen können. Nach der ganzen taktischen und örtlichen Lage und deni Zustand des serbischen Heeres ist es aber wenig wahrscheinlich, daß starke Teile über ihn nach Montenegro oder Albanien entkommen werden. Mit jedem Tage, an dem die Zentralmächte und die Bulgaren ihre Verfolgung sortsetzen, und namentlich mit den äußeren Flügeln längs der monte
negrinischen und albanischen Grenze weiter in «der Richtung auf Novibazar Vordringen, muß sich die Lage ungünstiger gestalten.
-ö
Die Stimmung in Griechenland.
Wien, 12. Nov. (Zens. Bln.) Nach Mitteilungen, die eine österreichische volkswirtschaftliche Persönlichkeit, die soeben von Griechenland zurückgekehrt ist, an den Vertreter der „Neuen Freien Presse" machte, ist der N a t i o n a l st o l z des griechischen Volkes aufs tiefste verletzt durch die englische Gewaltherrschaft auf den griechischen Inseln und vor allem durch die Landung in Saloniki, das die fremden Truppen wie chre eigene Stadt behandeln. Ein Teil des Volkes erwartet, daß in einem gewissen Zeitpunkt die griechische Armee die E i n s ch i s f u n g der ftemven Truppen verlangen werde, ein anderer Teil rechnet sogar auf Entwaffnung und Internierung der Eindringlinge. England bewuchere im Handel Griechenland und Bulgarien unerhört und liefere obendrein schlampig und schlecht. Mit wahrer Sehnsucht sehe daher der Balkan der Eröffnung des freien Handelswegs mit den Mittelmächten entgegen.
Fortdauernde Vermehrung des Expeditionskorps.
Di-. Lugano, 13. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Dln.) Der Berichterstatter des „Corriere della Sera" meldet aus Saloniki: Die Truppenlandungen der Verbündeten werden in den letzten Tagen mir außerordentlicher Lebhaftigkeit gefördert. Bis Mitte November soll das französisch-englische Truppenkontingent auf sehr bedeutende Höhe gebracht werden. Wenn es nur noch zur rechten Zeit cintrifft, fügt der Berichterstatter hinzu. Sehr bedeutend ist die Zahl der griechischen Truppen in Saloniki, sie könnte nicht größer sein, wenn Griechenland eine militärische Aktion in dieser Gegend beabsichtige Man schätzt die griechischen Soldaten in Mazedonien auf 300 600.
Meldungen über einen angeblichen Truppen- durchlatz Rumäniens.
Trauben, die den Russen zu hoch hängen?
De. Bukarest, 13. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bkfl.s Die Agence Balance, eine vom Viervcrband gegründete Presseagentur, veröffentlicht folgende Mittellnng: Gegenüber den rein phantastischen und tendenziösen Meldungen über einen beabsichtigten Durchmarsch r u s si sch er Truppen durch rumänisches Gebiet wird ums aus bester Quelle mitgeteilt, daß der russische Minister des Auswärtigen! Ssascmow dem rumänischen Gesandten in Petersburg erklärt hat, die ruffische Negierung habe niemals die Möglichkeit ins Auge gefaßt, ohne Zustimmung Rumäniens auch nur durch das kleinste Gebiet Rumäniens zu marschieren.
Rokowzow in besonderer Mission in Rom.
Do. Stockholm, 13. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) In politischen Kreisen Petersburgs zirkuliert ein anhaltendes Gerücht von einer Reise des früheren Premierministers Grasen Kokowzow in einer besonderen politischen Mission nach Rom.
Italiens Stellung zum Balkankrieg.
Lugano, 12. Nov. (Zens. Bln.) Italienische Blätter veröffentlichen eine halbamtliche Note über die Stellung Italiens zum Balkankriege. Es geht daraus klar hervor, daß Italien sich nur dann an den bisherigen Operationen gegen Bulgarien beteiligen würde, wenn Bulgarien Albanien besetzte u«nd etwa die albanische Küste des Adriatischen Meeres für sich in Anspruch nehmen würde. In allen anderen Fällen würde sich Italien kaum mehr zu einer „politischem Unterstützung" seiner Freunde hergeben.
Der Urieg gegen England.
Churchill bietet seine Demission an.
IV. T.-B. London, 13. Nov. (Nichtamtlich.) Churchill bot Asquith seine Demission an, da er nicht in den 1 1 e i n cn Kriegsrat ausgenommen worden sei und nicht in gut bezahlter Untätigkeit verharren wolle.
Winston Churchill ist kaum mehr als vierzig Jahre alt, hat aller bereits ein reich bewegtes Leben hinter sich. Als Sohn des konservativen Politikers Lord Spencer Churchill und Nachkomme derer von Marl- üorough zog es ihn schon frühzeitig zum Militärdienst, aber die Lust zum Kriege und nach Abenteuern trieb ihn bereits als Zwanzigjährigen dazu, leine englische Uniform mit der spanischen zu vertauschen, um 1898 aus Kuba gegen die Vereinigten Staaten zu kämpfen. Kannr war dieses Abenteuer beendigt, so zog er wieder in englischer Aufmachung nach Indien und nach dem Sudan, um dann im Burenkriege zu kämpfen. Wieder umgesattelt, wurde er von den Buren in Pretoria als Kriegskorrespondcnt der „Morning Post" gefangen genommen, aber es gelang ihm zu entkommen. Er kehrte nach England zurück «und wurde, durch seine Artikel und Reden bekannt geworden, schon als Sechsund- zwanzigjähriger in das Unterhaus gewählt. Das. geschah noch im Jahre 1900. s
