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12 Ausgaben.

Ferrums r

Tagblatt-H-us" Nr. 6650-53.

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Nr. 531. * 63. Iahrgang.

Samstag» 13. November 1915.

Morgen - Nusgabe.

Verfolgungskämpfe auf der ganzen serbischen Zront.

Kdgewiesene russische Nachtangriffe bei Sepe- now. -- Zestgenommene russische Kundschafter in österreichisch-ungarischer Uniform. Weiter andauernde italienische Vorstöße gegen den Brückenkopf von Görz unter schweren Verlusten zurirckgeschlagsn. Die Höhen im Ibartal von den Deutschen erstürmt.

O«r österreichisch-ungarische Tagesbericht«

W.T.-B. Wien, 12. Nov. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 12. November, mittags:

Russischer NriegLschauplatz.

In den Kämpfen nordwestlich von Czartorysk wurden gestern 4 Offiziere und 230 Mann gefangen genommen. Bei Sepenow haben wir mehrere Nachtangriffe abgewicscn. Hinter unserer Putilowka- front wurde ein Offizier des russischen Infanterie­regiments Nr. 407 festgenommen, der sich in, öster­reichisch-ungarischer Uniform durch unsere Linien ge­schlichen hatte, um K u n ds cha f t e r d i e n st e zu ver­sehen. Ofsizicrsabtcilungen haben festgestellt, daß die am Kormyn stehenden feindlichen Truppen unsere V e r- mundete nieder gemacht haben. Hier wurden auch russische Horchposten in österreichisch-ungarischer Ünrsorm angetroffen.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Nach einer verhältnismäßig ruhigen Nacht wieder­holte sich gestern vormittag das heftige italienische Ar- tillcriefcuer an der ganzen Kampffront des gestrigen Tages. Hierauf griff feindliche Infanterie abermals den Brückenkopf von Görz und die Hochfläche von D o b e r d o unaufhörlich an. Wieder brachen alle Stürme unter furchtbarsten Ver­lusten der Angreifer zusammen. Wieder haben unsere Truppen alle ihre Stellungen fest in Händen. Vor­stöße des Gegners bei Zagora und im Vrsiv- Gcbiet teilten das Schicksal des Hauptangriffes.

An der Dol o mi tc n f r on t griffen die Italiener auch in den letzten Tagen unsere Stellungen auf der Spitze und den Hängen des C o l di L a n a mehrmals vergebens an. Die amtlichen Presseberichte der italieni­schen Heeresleitung über die Ereignisse in diesem Naume sind vollkommen falsch und können wohl nur auf unrichtigen Meldungen beruhen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Auf der ganzen Front sind die Verfolgung s- kämpfe im Gange. Im I b e r t a l haben deutsche Truppen vor Bogutovac die beiderseitigen Höhen erstürmt. Die Armee des Generals v. Gallwitz nähert sich den Höhcnkämmcn des I a str e ba v - Ge­birges. Die neuerliche Beute beträgt 1400 Mann, 11 Geschütze und 16 Munitionswagen und einen Brücken­train.

Die bulgarische Armee hat an ihrer ganzen Front die MorawaÜbergänge erzwungen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Fcldmarschalleutnant.

*

Die heutige Kriegslage.

(Bon unserer Berliner Abteilung.)

L. Berlin, 12. Stob. (Eig. Drähtericht. Jens. Bln.) Die Kriegslage in Serbien gestaltet sich von Tag zu Tag, man darf fast sagen, von Stunde zu Stunde, günstiger. Um so lächerlicher wirkt es, daß die V i e r v c r bands­presse sich anscheinend bemüht, die Wirkung der besseren Organisation der gemeinsamen Kriegsführung der Mittel­mächte so darzustellen, als bewege sich die deutsche militärische Schlagkraft auf absteigender Linie.Giornale d'Jtalia" war zuerst beauftragt, zu veröffentlichen, daß die deutsch-öster- reichischc Offensive in Serbien der letzte Verzweiflungsakt der Mittelmächte sei, sic sich noch einmal einen leichten Er­folg zu verschaffen wünschten, bevor der völlige Zu­sammenbruch käme. Die serbischen Truppen wäre« zwar gezwungen gewesen, sich etwas znrückzuzichen, würden sich aber in den voraus bestimmten Stellungen noch lange und glänzend zu verteidigen wiffcn, bis der große Aufmarsch der Heere der Entente vollzogen wäre. Mit ihrem serbischen Abenteuer hätten die Mittelmächte die großen Mißer­folge an der englisch-französischen und russischen Front zu verwischen gesucht. Gleichzeitig hätten Friedensbe­mühungen eingesetzt, über die durch (bekanntlich entstellte und erlogene) deutsche Preffeäußerungen Verwunderliches gemeldet wurde. In Wahrheit aber sieht die militärische Lage in Serbien und an den übrigen KamPffronten ganz anders auS, es steht überall gut. Wenn, woraus wir schon hin- wiesen, am 9. und 10. November eine gewisse Verzögerung

unseres Vormarsches festzustellen war, so lag dies daran, daß wir in das serbische Bergland hineinkamen und unsere Truppen hierfür besonders zusammenstellen mußten. Die Serben haben große Teile ihrer Artillerie verloren. Dies wird für den Ausgang dieser Kampfhandlung wohl aus­schlaggebend sein, hat aber für sie zunächst auch einen großen Vorteil gehabt: sie hatten sich des schweren Materials entledigt und konnten in schnellerem Tempo in das gebirgige Gelände hinein als die deutschen und österreichischen Truppen mit dem gesamten Artilleriepark den Fliehenden Nachfolgen mußten. Auch kann ein Rückzug meist schneller bewerkstelligt werden als die Verfolgung. Doch gegenwärtig sind die deut­schen und österreichischen Truppen in energischem Auf- st i e g begriffen und haben bereits das I b a r a t a l erreicht. Auch bei Burs schreiten die Gefechtshandlungcn erfolg­reich fort. Die bulgarische Kavallerie ist nordwest­lich von Pristina in strategisch wichtige Ortschaften ein­geritten.

Der ö st erreich! sch-ungerische Hauptbericht hat schon mitgeteilt, daß der C o l d i L a n a vorübergehend in italienischem Besitz war. In der Tat konnte sich der Feind auf diesem wichtigen Punkt neun Stunden behaupten, wurde aber dann zurückgeworfen. Im gesamten Küstenlande haben nach dreitägiger Pause die Angriffe wieder eingesetzt, aber am Monte Sabotino und bei P o d g o r a halten die Österreicher überall ihre Stellungen. Man versteht nicht recht, wie die Regierungen der Ententemächte behaupten können, daß sic an der West- und Ostfront Erfolge gehabt hätten, die wir durch den Einmarsch in Serbien hätten verdecken wollen. Wenn uns von militärischer Seite be­stätigt wird, daß sich die serbische Armee in immer größerer Auflösung befindet, so ist dies doch für die gesamte Macht unserer Feinde eine bedeutende Einbuße. Denn ganz abge­sehen davon, daß in den eisernen Ring, der um uns geschloffen werden sollte, endgültig ein Keil getrieben wurde, sind die an­geblichen Erfolge der Engländer und Franzosen worunter man nur die Offensive in der Champagne verstehen kann, die ein teilweises Borrücken mit unverhältnismäßig großen Opfern erkaufte, ein Borrücken, das durch wohlgeglückte Teil­offensiven inzwischen zumeist wieder wettgemacht wurde, weiter die mit gewaltigen Massen ausgcführten Angriffe der Russen, die überall zusammenbrachen und wobei, wenn wir kleine verlorene Landstrccken wiedererobcrn mußten, die erobernden Truppen noch über ihre früheren Stellungen hinaus vorrückten alles in allem nur eine tatsächliche Ver­schlechterung der Gesamtlage des Gegners.

Und was die angeblichen deutschen Friedens- Wünsche betrifft, so weiß das deutsche Volk, daß es ein­heitlich entschlossen ist, durchzuhalten, bis die gebrachten Opfer uns erlauben, einen dauernden Fr i e d c n zu verlangen, der unser würdig ist und den Taten unserer Waffen entspricht. Begann der Krieg wegen der Unterschätzung der Kraft Deutschlands durch unsere Feinde, so wird er so lange fortdauern müssen, als sie diese Kraft weiter unterschätzen werden.

Die Ereignisse auf dem Balkan.

Das fortschreitende Vordringen der Verbündeten in Serbien.

Br- Wien, 12. Stob. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Aus dem k. und k. Kriegspreffequartier wird demB. T." unter dem 12. November gemeldet: Das serbische Heer ist durch das fortschreitende Vordringen der Verbündeten nunmehr zu- cückgedrängt. Tie Montenegriner sind dabei durch k. und k Grenztruppen gebunden, die ö st l i ch T r e b i n j e ihre Gegenangriffe abschlagen. In den Seitentälern der westlichen Morawa ist das Gesamtbild etwa folgendes: Eine österreichisch-ungarische Kolonne rückt auf der Straße Uzice-Novovaros vor und hat die Serben 20 Kilometer südlich von Uzice aus dem Bergnest Sirogojno geworfen. Eine zweite k. und k. Gruppe hat sich hinter I v a n i j i c a der Beiggruppe Orvena-Gora-Okoliksta bemächtigt und geht jetzt gegen den 1139 Meter hohen Zupanovica vor, von wo aus die Serben neuerlich die Straße nach Sjenira zu speren suchen. Eine dritte k. und k. Gruppe säubert südlich der Straße Sacak-Jvanijica das Cemorno -Ge­birge bei Kanona von feindlichen Banden. Die Bran­denburger sind im I b c r t a l bis zu den Mnrmorbrüchen und Goldwäschereien von Slatina gelangt, und haben in Tolovi-Planina, deren höchster Gipfel der 1443 Meter hohe Ravnisto ist, den verzweifelten Widerstand der dorthin verdrängten serbischen Abteilungen zu überwinden. Südlich Trstenik ist die Höhenlinie zwischen den Bergen Gloc und P o g l e d beim Dorf Lcscovica genommen. Der rechte Flügel der Armee Gallwitz hat die Höhe zwischen Aleksandrova und Prus erstürmt. Das Zentrum erstürmte östlich des Rasma die Rordhängc der I a st r e b a c.

Baron Burian über den serbischen Zusammenbruch.

Die Enthüllung über Englands verderbliches Spiel.

W.T.-B. Köln, 12. Stob. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Ein Berliner Telegramm derKöln. Ztg." hebt die erfreu­lichste tt Verein st imntung in den Nnterrednngen des österreichischen Ministers des Äußern Baron Burian mit dem Reichskanzler und den übrigen Leitern der auswärtigen

Politik hervor. Er stellte der Rede Greys vom 28. Sept., in welcher es heißt:Unseren Freunden auf dem Balkan jede mögliche Unterstützung ohne Vorbehalt und Einschränkung zu bieten", die Rede Greys vom 9. Nov. gegenüber, nach welcher diese Worte keine militärische Bedeutung haben. Der Zusammenbruch Serbiens treffe mit der vollen Ent­hüllung des Spieles, das England mit den Mächten treibe, zusammen. Dieser denkwürdige Ausspruch wird in der Er­innerung der Völker fortleben.

Fluchtartiger Ruckzug der Serben.

Bulgarische Kavallerie bereits in Pristina?

W. T.-B. Wien, 12. Nov. (Nichtamtlich.) DieReichS- post" meldet auS Sofia: Die Lage des serbischen Heeres gestaltet sich auf der bulgarische» Front immer verzweifelter. Der Rückzug ist stellenweise fluchtartig. Hier und dort versuchen Teile des absterbenden Heereskörpers verzweifelte Borstöße, so in der Gegend von M o n a st i r, wo die bulgari­schen Kräfte einen serbischen Angriff blutig abgcwiesen haben und siegreich über Prilep hinausdrangen. Nach einer sonst nicht beglaubigten weiteren Meldung soll die bulgarische Kavallerie bereits in P r i st i n a eingerückt sein.

Grey über Englands Leistungen für Serbien.

W. T.-B. London, 12. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Im Unterhaus sagte im Laufe einer kurzen Erklärung über Serbien Grey, nachdem er nachdrücklich versichert hatte, daß keine nnnötige Verzögerung eingetreten sei, England habe Schiffe für die Transporte der französischen Truppen aufgebracht.

Graf Wolff-Metternich vom König von Rumänien empfangen worden.

w. T.-B. Bukarest, 12. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Ter deutsche Botschafter in Konstantinopel Graf Wolff- Metternich ist vom König in Audienz empfangen worden.

Für einen Knschlutz Rumäniens an die Mittelmächte.

Br. Budapest, 12. Nov. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Der Berichterstatter desBester Lloyd" in Bukarest berichtet: Die Konservativen Jassys sandten eine Abordnung cm M a r g h i l o m a n mit dem Verlangen, daß er sich entschieden für einen Anschluß Rumäniens an die Mittel­mächte und deren Verbündeten ausspreche.

Der erste große rumänische Gctreidctransport auf der Donau.

Br. Bukarest, 12. Nov. (Eig. Drahtberichk. Zeus. Mn.) Nach langwierigen Unterhandlungen und Über­windung mannigfacher Schwierigkeiten ging der erste Donauschleppzug aus Braila stromauf­wärts nach einem ungarischen Hasen ab. Der Schleppzug trug annähernd 20000 Tonnen Futtermittel. Der getroffenen Abmachung ge­mäß werden weitere Transporte folgen.

Ein weiterer englischer Transportdampser von einem v-Boot angeschossen.

W.T.-B. London, 12. Nov. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Amtlich wird mitgeteilt: Das Transport­schiff ,-Southland" wurde aus der Fahrt nach Alexandrien in der Zweiten Septemberhälste im Ägüischen Meere torpediert, erreichte jedoch Mudros in eigenem Dampfe. An demselben Abend wurden die Truppen auf andere Schiffe gebracht. Neun Mann sind getötet worden, zwei verwundet und zweiundzwanzig vermißt, die vermutlich ertranken.

Ein widerlegtes Gerücht.

Keine deutschen Unterseeboote in der Straße von Gibraltar versenkt.

W.T.-B. Berlin, 12. Nov. (Nichtamtlich. Draht- bericht.) Der Zeitungsdienst der englischen Groß- Funkenstation Paldhn vom 10. November verbreitet die Nachricht, 'daß in Spanien bas Gerücht ginge, in der Straße von Gibraltar seien zwei deutsche Unterseeboote durch englische Kreuzer ver­senkt worden.

Anmerkung des W.T.-B.: Wie wir von zuständiger Seite erfahren, ist die Nachricht frei erfunden.

Englische Munitionstransporte unter der Flagge von Lazarettschiffen?

W. T.-B. Berlin, 12. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Stoch Meldungen aus Spanien wurden dort in letzter Zeit wiederholt englische Lazarettschiffe auf dem Wege nach dem Mittelmeer beobachtet. Dies wäre an sich nicht weiter zu . verwundern, da von Gallipoli und Saloniki andauernd Ver­wundete und Kranke nach der Heimat gebracht werden müssen. A u f f ä l l i g ist aber, daß sich die Meldungen über das Sich­ten englischer Lazarettschiffe ganz erheblich gehäuft hat, scitdenl die Tätigkeit deutscher und österreichischer Untersee­boote im Mittelmeer in vermehrtem Maße einsetzt. Weiter wurde beobacktet, daß viele Lazarettschiffe tief beladen die Straße von Gibraltar ostwärts passieren. Die Vermutung liegt nahe, daß die Schiffe Munition und anderes Kriegsmaterial befördern. So schmählich ein solches Verfahren der Engländer auch sein würde, so könnte es keine