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Der Roman.
Nr. 265.
Lrettag. 12. November.
1915.
(18. Fortsetzung.) DCf FlttC|d?« (Nachdruck verboten.1
Roman v,
AIS Herbert sich verabschiedet hatte, um wieder in sein Bureau hinüberzugehen. kehrte er an der Tür noch eimnal iim.
„Ach, Mütterchen, sag' mal, kannst du mir Wohl mit zwei- bis dreihundert Mark aushelfen? Ich habe da zuletzt für den Klub eine ganze Menge vermöbelt, um die Eröffnung nicht wieder hinausschieben zu lassen — und ich mag nicht jode Quark-Rechnung vorlogen, wenigstens nicht sofort-na und dann gestern . . ."
„Aber ja, mein Jung, von Herzen gern. Sieh mal, ich harte vor, dir zu Weihnachten fünfhundert zu schenken — wenn du zu Januar dein Bureau bei dir einrichtest, grbt's doch so allerhand Ausgaben, habe ich mir godacht. Also gebe ich dir jetzt dreihundert und der Rest bleibt für den Weihnachtsbaum — ist's so recht?"
„Mein gutes Altchen ■— tausend Dank! Aber du hast dir das vielleicht mühselig zusaimmengespart. . ."
„Ach nein, mühselig nicht! Sich mal, früher ging's ja mir dem Sparen schlimm, da warst Lu da, und die vielen kleinen und großen Gesellschaften, da hat's nur immer grad so gut gereicht. Weißt du, Vater hat nie
mit mir geknausert-o nein, das war nie seine Art!
Und auch jetzt, seit du fort bist, und wir auch so viel richiger und eingozogener leben als alte Leute_— auch ;etzt gibt er mir keinen Pfennig weniger in die Wirtschaft und fragt nicht, was ich mit dem Übriggebliebe- nen tue, und natürlich — jetzt bleibt so ganz' nett übrig alle Monat. 9ta, und für mich brauch' ich's doch nicht, ich habe ja alles. Da wollt ich dich nun mit überraschen — eine junge Wirtschaft frißt viel weg. Das versteht 'n Mann nicht so zu beurteilen. Sonst, der Vater gäb's dir ebenso gern, wenn die Börse mal 'n Loch hat, aber oben 'n Mann versteht das nicht so, oder hat's wenigstens in alten Jahren vergessen. Drum — wenn's mal so extra was ist, lieber Jung', ldann sag's mir lieber, ich hab's dazu!"
Frau Malwine klopfte lachend auf ihre Tasche mit dom ausgiebigen Wirtschastsportomonnaic und ließ sich erst nochmal von Herbert Gesicht und Hände küssen, ehe sie in ihr Zimmer hinaufftieg, das Geld zu holen.
Herbert blieb unten und stellte sich an das Fenster. Träge, als käme ihnen das Scheiden von oben schwer an, wirbelten die ersten Schneeflocken in kleinen Shiralwindungen zur Erde.
Herbert folgte jedem weißen Sternchen, das in seinen Sehkreis traf, nachdenklich mit den Augen, bis Ls auf dem Pflaster seine duftige Schönheit zevspritzte.
Ob er dabei an den Schnee dachte, ob er Hm ein Sinnbild des Falles aus schönen, heiteren Höhen
wurde-! Er schrak zusammen, als seine Mutter
ihm seitwärts einen Briefumschlag in die schlaff herab- hängende Rechte schob.
„Hier, Herbertchen — es sind nun doch gleich dre ' nzen fünf Blauen •— wer weiß, der Weihnachtsmann t doch vielleicht noch etwas im Sack." . ,
„Nein, Mütterchen ..." " i
Edela Rüst.
„So laß doch, Junge — ich habe ja die größte Freude daran. Nu Hab' dich nicht so — adieu, ich muß in die Küche, Lauters kommen heut abend und Meißners, und ich weiß wahrhaftig noch nicht recht, was wir ihnen vorsetzen werden. Wenn du im Klub sein mutzt, laß doch Dina herüberkommen, du holst sie dann ab!"
„Dazu wird's sicher zu spät, aber ich will's Dina sagen. Also Papa Lauter kommt heut nicht in »den Klub? Ganz gewiß nicht?"
„Ganz gewiß nicht — er hat vorläufig doch Wohl von gestern genug, und das litte auch der Lucifer nicht!"
Frau Lucy Lauter war von Herbert in „Lucifer' ilmgetanft, weil sie Mann und Haus mit dein kleinen Finger regierte.
„Wie ich mir vorkäme, wenn jemand von mir sagen würde: „Das litte auch Dina nicht!" Kannst du dir das vorstellen, Mutter?" Herbert lachte sein sonniges Lachen, und seine kleine Mutter hätte ihm am Liebsten noch eine ./heimliche Liebe" in die andere Hand gedrückt, nur daß sein sonniges Lachen ihn durch den Tag begleiten möchte!
So stolz war sie aus ihn, der sich nicht „regieren" ließ. Endlich ging er, und Frau Wkalwine nahm ihr Wirtschaftsbuch und zog damit nach der Küche. Es ivar doch ein schöner Morgen gewesen nach dam entsetzlichen Abend.
*
Dina ging am Abend zu den Schwiegeraltern hinüber, Herbert war nicht zu bewegen gewesen, sie zu be-. gleiten.
„Ich bitte dich, Kind, den ersten Abend, den wir Wiänner unter uns sind — — es geht einfach nicht!" „Papa geht ja auch nicht hin!"
„Komme mir doch nicht mit sowas! Wenn ich mein eigener Großvater wäre, ginge ich wahrscheinlich auch nicht, da hätte ich noch acht Tage an gestern zu zehren und überwinden. Denn sie haben sich gestern alle cttvas übernommen, die alten Herren! Auf die zählen wir auch nicht zunr Stamm — wollen gar nicht auf sie zählen, ausgenommen die' älteren Junggesellen! Also adieu, Kindchen, amüsiere dich nach Kräften, ich habe noch 'ne Handvoll abzuarbeiten."
„Du kommst mich doch aber holen, Herbert!"
„Wo kann ich denn? Ihr übernachtet doch nicht gleich bei den Alten!" ;
„Aber du willst auch heute wieder im Klrch übernachten?"
Herbert lachte gezwungen laut. ,
„Das kann ja hübsch werden! Entzieh mir doch lieber gleich den Hausichlüssel! Du wirst dich nim daran gewöhnen müssen, daß ich ganz ungezwungen st» oft in den Kliib gehe, wie es mir lieb ist — dazu ist der Klub da!" . ,
Dina stand noch immer auf der Schwelle, seines Arbeitszimmers, einen weißen, langen Schleier um den Kopf, in einem weichen, weiten, langen Abende
