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§reit<rg, 12. November 1915.
Morgen - Nusgabe.
Nr. 529. - 63. Jahrgang.
Oie MoraWa beiMeKsinae überschritten via Russen bei Rafalorvka an den Stqr zurvck- gsworfen. — Ein italienischer Angriff gegen Görz unter schweren feindlichen Verlusten zurüchgeschlagen. — Ein starker montenegrinischer Angriff abgeschlagen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 11. Nov. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet dom 11. November, mittags:
Russischer RrisgZschauplatz.
Westlich von Czartoryst wiesen wir einen russischen Angriff ab. Westlich von Rafalowka warfen österreichisch-ungarische Truppen, vom Feuer deutscher Artillerie begleitet, den Feind an den Styr zurück, wobei 7 Offiziere, 200 Mann und 8 Maschinengewehre in unserer Hand blieben. Sonst nichts Neues.
Italienischer Rriegsschauplatz.
Die Italiener nahmen ihre Anstrengungen, Görz zu gewinnen, von neuem auf. In der Pause nach der dritten Jsonzoschlacht hatten sie Ersatzmannschaften eingereiht und weitere Truppen im Görzischen zusammengezogen. Gestern setzten sie nach mehrstündiger heftiger Artillerievorbereitung an der ganzen Front von Plava bis zum Monte bet sei Busi mit starken Kräften zum allgemeinen Angriff ein. Wieder schlugen die tapferen Verteidiger alle Stürme, teils durch Feuer, teils im Handgemenge unter schwersten B e r l n st e n des Feindes ab, dessen Angriffslust in einem abendlichen Unwetter für diesen Tag vollends erlahmte.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Östlich von T r e b i n j e schlugen wir einen starken montenegrinischen Angriff ab. Der Feind erlitt grosse Vertu st c. Die von U z i c e südwärts vor- dringcnden österreichisch-ungarischen Truppen hatten gestern den halben Weg nach Nova Varos zurück- gclcgt. Nordöstlich von I v a n i j i c a warfen wir den Feind aus mehreren Stellen aus dem Cemerno- Rücken. Die deutschen Divisionen des Generals von K o e v e st drängen die Serben im Gebiet der S t o I o v i P l a n i n a zurück. Östlich davon erkämpften sich k. und k. Streitkräfte den Aufstieg auf die Krnja Jela und den P o g! e d. In T r st e n i k fielen 1000 Serben in unsere Hand. In B r n i a ck a B a n j a, südwestlich von Trstenik, haben die Serben ein Feldspital mit 1000 verwundeten Soldaten und Offizieren und einen Arzt zurückgclassen.
Die Armee des Generals v. Gollwitz kämpft nordöstlich von Brus und an den Nordfüsicn des Jastre- bac-Gebirges.
Bulgarische Streitkräfte überschritten bei A l c k s i n a c die Morawa.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschallcutnant.
Dis Ereignisse auf dem Balkan.
Oer vormarich auf Novibazar.
Tic Zusammendräugung der serbischen Armee von vier Seiten.
Br. Berlin, 11. Nov. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Das „B. Z.‘‘ meldet aus dem k. und k. Kriegspresfeauartier unter dem 10. November: Das allgemeine Vorrücken der Verbündeten gegen die Linie Novibazar - Mitrowitza- P r e st i u a drängt die vier serbischen Armeen auf einen immer engeren Raum und auf ganz wenige Bergstraßen zusammen, auf deren Serpentinen Mann und Zugtier zu Hunderten erschöpft zusammcnbrechen. Bon Norde» her rügt die Armee K o e v c ß in die rechtsseitigen Täler des Fluß- grbiets der westlichen Morawa vor, 10 Kilometer südwestlich von Jvanijica erstürmten fdie k. und k. Truppen den 1221 Meter hohen Gipfel der Crevena Gora und gewannen dadurch Raum auf der Straße nach Sjenica, das zwischen Novivaros und Novibazar liegt und mit ihnen die letzten Sammelplätze im SandschgA darstellt. Die österreichisch-ungarischen Truppen haben sich Sjenica bereits auf 30 Kilometer genähert, links davon drängt eine andere k. und k. Kolonne starke serbische Kräfte auf die serpentinenreiche Straße von Kral- jevo nach Jvanijica vor sich her. . Durch die Einnahme dieses Ortes im Nückcit abgeschnitten und zum Teil versprengt oder abgesangen. setzten sich die Serben auf 100 Meter hinter dem Dorfe Kapna aus einer Vccgstellung des V r a n fest und leisteten verzweifelten Widerstand, der durch das Eingreifen der inzwischen herangeführten k. und k. Artillerie gebrochen wurde. Wieder links anschließend gehe» die Brandenburger und die Württcntberger beiderseits des Jbarflusses gegen Novibazar vor. Auch die Armee Gollwitz schwenkte nach Südwesten ein »nd nahm 25 Kilometer hinter Kruscvac den Ort Alexandrovac und die Höhen südlich von Ribara ein. Die Bulgaren haben mit der Besetzung von B l e k s i n a c die letzte Stadt sn der südlichen Morawa in ihre
Gewalt gebracht. Sie schicken sich jetzt an, den Fluß zu über- »ueren, «m auch dir aus dem linken Morawaufer bei dem Dorfe Preilovac gelegene Eisenbahnstation Alexan- d r » v a c der Orientlinie zu besetzen. Die Zusammendrän- gnng der serbischen Armeen bringt es mit sich, daß jetzt hier, wie an der ganzen Front ihre gesamten noch verfügbaren Hauptkräfte mit den Armeen der Verbündeten im Kampfe stehe».
Oer erste Rampf der Bulgaren mit den Engländern.
W. T.-B. Mailand, 11. Nov. (Nichtamtlich.) Der Sonderberichterstatter des „Secolo", Magrini, drahtet aus Saloniki, Samstag feien die Bulgaren zum erstenmal mit den Engländern in dem Kampf gekommen, die bei Doiran 15 Tote und Verwundete gehabt hätten. Der serbische Oberst L e s ch i a n i n, der zum General Sarrail entsandt worden ist, teilte Magrini mit, daß er seit vier Tagen ohne Nachrichten ans Alt-Serbien sei.
vas Elend der flüchtenden Serben.
IV. T.-B. London, 11. Nov. (Nichtamtlich.) Die „Daily Mail" veröffentlicht den Bericht eines Engländers über das Elend in Serbien. Darin heißt es: Als die Bevölkerung ans Belgrad bei Regen und nassem Schnee nach Süden zog, mußten Männer und Frauen knietief durch Moräste waten. Viele Frauen hatten Säuglinge auf dem Arm und Kinder an der Hand. Inmitten von Kuhherden, Schafen und Schweinen sah man Greise und Kinder. Manchmal geriet der Zug hilflos in Unordnung; nichts verriet eine Panik, man konnte rrur dumpfe Reden wahrnehmen. So schleppten sie sich fort, uieist ohne zu wiffen, wohin. Wovon sich die Men- schenmassen nährten, wußte niemand, denn die wenigen Herbergen längs des Weges sind leer. Zum Schluß sagt der Verfasser in seinem Bericht über die Stimmung in Risch: Dort war jeder zollbreit Boden von übermüdeten und durchnäßten Menschen gedeckt. Die allgemeine Klage war, daß die Alliierten noch immer nicht zu Hilfe gekommen seien.
Rückkehr der serbischen Flüchtlinge aus Rumänien.
W. T.-B. Bukarest, 11. Nov. (Nichtamtlich. Meldung des Wiener k. k. Telegr.-Korresp.-Bur.) Der hiesige serbische Gesandte Marinkowiffch hat vor einigen Tagen die serbischen Flüchtlinge auf rumänischem Boden besucht. Nach halbamtlichen Mitteilungen befinden sich in Turn-Soverin gegen 3000 und in der Umgebung und in den Dörfern an der Donau gegenüber dem ehemaligen serbischen Ufer gegen 8000 Flüchtlinge. Die rumänischen Behörden und die Bevölkerung nehmen sich der Flüchtlinge an. Infolge der Bemühungen der österreichisch-ungarischen Regierung sind gegen 1000 Flüchtlinge in ihre Heimat zurückgekehrt.
Die Bedeutung der Balkanoffensive.
Betrachtungen eines holländischen Blattes.
Amsterdam, 11. Nov. (Zeus. Bln.) Das deutschfeindliche Wochenblatt „Nieuwe Amsterdamer" (Nr. 45) schreibt: „Serbien ist nicht das Ziel. Das Gebiet, das Serbien heißt, muß einfach enteignet werden für den neuen Weg von Mitteleuropa über Kousiantinopel und Kleinasien nach Persien und Indien. Von zwei Seiten, als ob es ein Tunnelbau wäre, bohrt mau sich gegenseitig entgegen. Wenn die Verbindung einmal da ist, können die Mittelmächte alles bekommen, was sie brauchen. Baumwolle und Getreide stielen wohl die größte Rolle. Dieser Krieg gegen Serbien hat die Bedeutung eines indirekten Angriffes auf den Sueskanal. Wenn das Hindernis Serbien einmal gewonnen ist, kam: dieser Weg eine Bedrohung für den britischen Imperialismus, die französischen Kolonien, den Einfluß des Merverbandes in dem fernen Orient werden. Das ist ein Plan, wie ihn nnr ein Alexander von Mazedonien oder ein Napoleon hat ausdenken können. Eine ungehinderte Verbindung der Mittelmächte über Konstantinopel mit Asien bedeutet einen viel größeren, der englischen Seeherrschaft versetzten Schlag, als ein Tirpitz, ein Ballin ihn je sich haben träumen können, und Rußland ist sich wohl klar, daß seine „freie Verfügung über die Dardanellen" dadurch in das Reich der Illusionen verwiesen worden ist."
Auflösung der griechischen Kammer?
Br. Berlin, 11. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Im Gegensatz zn einer anderen Meldung, die über eine Vertagung des griechischen Parlaments bis 1916 zu berichten weiß, meldet das „B. T." ans Genf: Nach einer Athener Meldung des Lyoner „Progräs" wird die Nachricht bestätigt, dasi die griechische Regierung die Auflösung der Kammer beschlossen habe. Die Wahlen sollen auf den 19. Dezember festgesetzt sein.
Venizclos' angebliche Vorschläge.
IV. T.-B. Lhon, 11. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) „Progres" meldet aus Athen: Venizelos machte der Regierung folgenden Vorschlag: Um eine Kammerauflösung zu vermeiden, soll der Kriegs minister sein Bedauern über den Zwischenfall in der letzten Kainmersitzung aus- drücken oder die Venizeliften werden der Kammersitzung nicht beiwohnen, wodurch die anderen Deputierten genötigt sein werden, die für die Abstimmung gesetzlich vorgesehene Stimmenzahl aufzubringen. Man weiß nicht, ob die Regie
rung den Vorschlag annehmen wird, glaubt jedoch, daß die Mehrheit der Kabinettsmilglieder für die Auflösung der Kammer ist.
Die Frage über Italiens Beteiligung am Balkaufeldzug.
Br. Kopenhagen, 11. Nov. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Nach einer Meldung des „Temps" ist Italien für die Beteiligung an dem Balkaufeldzug nunmehr entschlossen. Die Landung der Truppen soll an der montenegrinischen Küste versucht werden, da angeblich Saloniki keine größeren Truppeiunassen mehr aufnehmen kann als sich gegenwärtig schon dort befinden. Die Italiener wollen in erster Reihe die Montenegriner am Kampfe gegen Österreich- Ungarn unterstützen und danach versuchen, einen Vorstoß gegen die Flanke Mackensens zu unternehmen.
Forderungen an Griechenlands strikteste Neutralität.
Griechenlands Neutralität und Griechenlands neutrale Haltung sind fast seit Anbeginn des Weltkrieges vielumstrittene Fragen gewesen. Ehedem freilich gipfelten die Betrachtungen meist in der Erörterung, ob Griechenland für alle Fälle neutral bleiben wevde oder nicht, wobei sich selbstverständlich der Vierverband die größte Mühe gab, das Reich der Hellenen in den Blutkampf mit hineinzuziehen oder man nahm seine neutrale Halbung unter die Lupe, um sestzustellen, wie sich diese gegenüber dieser oder jener Partei der beiden kämpfenden Großmächtegruppen äußere und rechtfertigen lasse. Besonders aber, seit Bulgarien eine tätige und fühlbare Hand in diesem Völkerringen führt und Griechenland bewaffnete Neutralität erklärt hat, sicht jeder Schritt, den König Konstantins Regierung unternimmt, oder jedes Wort, das ihr im Zusammenhänge mit dem Kriege cms dem Munde fließt, im Mittelpunkt des Interesses.
Trotz mchrfacher Proteste muß das Griechentum die Landungen der englisch-französischen Truppen über sich ergehen lassen, es muß zusehen, wie diese Fremdlinge auf seinem Boden sich häuslich einrichten, Äs wollten sie nimmermehr von dannen gehen oder wie sie durch das Land zichen, um das Land des Kanipies, Serbien, zu erreichen. Griechenland läßt Liesen offenbaren Völkerrechtsbruch über sich ergehen, weil es eben allein zu schwach ist, dem despoti- schen Vorgehen der Gallier und Angelsachsen zu wider- stchen und weil die Bedrückung von diesen Setten im Falle des Widerstandes nur noch größer sein würde. Denn allzuschwer liegt es diesen im Magen, daß sich der König der Hellenen nicht voll und ganz zu ihren Gunsten erklärte, bevor Bulgarien angriff, und daß er sich auch jetzt noch nicht auf ihre Sette stellt, da sie mit Mann und Roß und Wagen gekommen sind, um die fehlende griechische Hilfe durch ihr eigenes Können zn ersetzen und weil König Konstantin es offenbar nicht in Zukunft tun will, wenn die vereinigten deutschen, österreichisch-ungarischen und bulgarischen Heere die Trümmer des Serbenheeres samt seinen Helfern, dem Expeditionskorps, entweder vernichten oder mit starkem Druck nach Griechenland zurücstverfen. Nur die eine von beiden Möglichkeiten ist gegeben, wenn die letztere bei dem oft fluchtartig ausartenden Rückzug der feindlichen Stteitkräste wohl auch die größte Wahrscheinlichkeit für sich hat.
Was aber wird !dann geschehen? Bulgarien, wie auch Deutschland und die Donaumonarchie haben wiederholt bei der griechischen Regierung Protest gegen die englisch-französischen Truppenlandungen erhoben. Griechenland hat diesen Zug durch sein Land erdulden müssen, weil ihm der Arm des Stärkeren fehlte, der die Eindringlinge hätte vertreiben können. Befindet sich Griechenland aber nun noch immer in derselben schwierigen Lage wie vorher oder bietet sich Hm Gelegenheit, sich der Expeditionstruppen zu erwehren, wenn sie von jenseits der Grenze wieder zurückfluten? Kann es nicht in derselben Weise Verfahren wie seinerzeit Holland mit den übertretenden Belgiern und Engländern? Der griechische Fincmzminister Twagumis hat sich zur selben Frage dieser Tage geäußert und dabei der Ansicht Ausdruck gegeben, daß den Serben kraft der Gesetze der Neutralität die Entwaffnung wohl ohne weitere Bedenken zuteil werden würde, — aber wie soll man sich gegen die Verbündeten Engländer und Franzosen verhalten?
Das ist eine Frage, die nicht nur in den griechischen Blättern zurzeit erörtert wird, sondern der selbst in der englischen Presse bereits Raum gewidmet wird. Wenn dabei die Londoner viel zitierte „Morni-ng Post" so einsichttg ist und zu dem Resultat gelangt, daß Bulgarien von Griechenland die Einhaltung strikter Neutralität, d. h. die Entwaffnung und In- ternierung des anglo-französischen Heeres fordern und diese Forderung durch drei Faktoren unterstützt werde: den Völkerrechtsbrauch, den Einfluß der Mittel-
