Verlag Langgasse 21
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„Tagblatt-Hans" Nr. 6650-53.
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Donnerstag, tl. NsVeinÄer 1915.
Morgen'klusgabe.
Nr. 527. ♦ 63. Jahrgang.
Oie l^öhe Gkolifta bei Jvanijiea genommen. *
Der vergebliche russische Knsturm bei Ezarto- rqsk. — Erhöhte italienische Slrtillerietätigkeit. — Italienischer Zlugzeugangriff auf Nabresina. weitere Erfolge in Serbien.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 10. Nov. (Nichtamtlich.) Amtlich verkantet vom 10. November, mittags:
Russischer Rriegsschauplatz.
In Ostgalizicn herrscht seit dem Mißerfolg der letzten russischen Angriffe gegen unsere Strypa- frvnt wieder Ruhe. — Ein russischer Durchbruchs- Versuch westlich von Czartorysk wurde unter hefti- gcn Kämpfen durch deutsche und österreichisch- ungarische Truppen vereitelt.
Italienischer Rriegsschauplatz«
Die Tätigkeit der italienisch cu Artillerie war gestern im allgemeinen wieder lebhafter. Feindliche Angriffe aus den Südteil der P o d g o r a st e l- l u n g, gegen Z a g v r a, bei P l a v a und auf den C o I di Laua wurden abgewiesen. Auf Nabresina abgeworfene Fliegerbomben töteten mehrere Zivilpersonen, darunter eine Frau und drei Kinder.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Österreichisch-ungarische Truppen der Armee des Generals v. K o e v e ß haben südwestlich von Jvanijica die stark besetzte Höhe Okolistu genommen und auf E l d o v i t e, den Südausläufer der Jolica Planina, eine aus mehreren hintereinanderliegendeu Schützengraben bestehende Stellung gestürmt.
Südwestlich von K r a l j e w o dringen deutsche Streitkräfte beiderseits der Jbar vor; südwestlich von Krusevac gewannen sie den Raum von Alexan- d r o v a c.
Die Bulgaren warfen den Feind bei Nisch und Aleksina auf das linke Ufer der südlichen Morawa zurück.
Der Stellvertreter des Chefs des GcneralstabS; v. Höf er, Feldmarfchalleutnant.
Oie Ereignisse auf dem Balkan.
Oer erste scharfe vorstotz in das Herz Montenegros.
Eroberirng drei hoher Bergzüge.
Br. Wien, 10. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Bin.) Die Kriegsberichterstatter hiesiger Blätter melden aus dem Kriegsprcsscglmrtier: Die Offensive an der Ostfront von Montenegro hat mit großer Wirkung eingesetzt. Der mächtige Triglaw, worauf die montenegrinischen Batterien standen, der O r l o v a c urid der W a r d a r, der eine uralte nunmehr zerstörte Ruine trägt, sind genommen worden. Der Marsch gegen die D i k s ch i t s ch ist der erste scharfe Vorstoß in das Herz Montenegros.
Der Weg nach Ronstantinopel.
Br. Wien, 10. Nov. (Eig. Draihtbericht. Zeus. Bln.) Die „Wiener Allg. Ztg." erfährt aus Sofia, daß die große Brücke z w i s ch e n P i r o t und N i s ch bei Sackovat bereits hergeftellt wurde. In längstens zehn Tagen wird man wohl von Wien und Budapest über Belgrad und Sofia nach Konstantinopel fahren können.
Telegrammwechsel zwischen den Städten Berlin und Sofia.
W. T.-B. Berlin, 10. Nov. (Nichtamtlich.) Die herrlichen Siegestaten btä verbündeten bulgarischem Heeres, die zuletzt in der Einnahme von Nisch einen ihrer Höhepunkte erreicht haben, führten zu einem Telegrammwechsel zwischen Berlin und Sofia. — In dem Telegramm des Oberbürgermeisters Wermuth an die Stadtverwaltung in Sofia heißt es: „Mit rückhaltloser Betounderung sehen wir. sieht die Welt das bulgarische Königreich in einmütiger Erhebung gegen den Landesseind und die ihm verbündetem Mächte seinen alten Ruhm aufs neue bekräftigen. Indem die ReichShamptstadt Berlin die in den Vorjahren zur Hauptstadt des Bulgarenreiches angesponnemen Beziehungen herzlichst aufnimmt, bringt sie heute der Schwesterstadt angesichts der jüngsten herrlichem Erfolge der bulgarischen Waffen mit der Versicherung der aufrichtigen Sympathien des deutschen Bürgertums für die Bulgaren und ihre gute Sache die wärmsten Glückwünsche dar."
In seiner Drahtantwort erwiderte der Oberbürgermeister
Rad eff (Sofia): „Am der Seite Deutschlands, Öste-rreich- Ungarns und der Türkei stehend, kämpft das bulgarische Heer für Recht, Freiheit und Kultur und wird diese Pflicht bis zu dem Ende erfüllen, denn >es kämpft für die Befreiung seiner Brüder in Mazedonien und Ostseibien aus der Knechtschaft. Die herzlichen Beziehungen zwischen Altkaiserlich- Bcrlin und Jung-Sofia sind und werden für immer brüderlich bleiben, denn die Bürger der beiden Städte haben mit ihrem Mute auf den Schlachtfeldern treue Brüderschaft geschlossen. Heute erschien über der Witoscha-Ähwesterstadt der erste deutsche Zeppelin, allgemein bewundert und stürmisch begrüßt von der haupfftädtischen Bevölkerung.
Alle Achtung den Kriegern, sanfte Rühe den Gefallenen und ruhmvolle Heldentaten den Verbündeten."
Ein Hilferuf Paschirschs an die Griechen.
Br. Genf, 10. Nov. (Gig. Draihtbericht. Zenf. Bln.) Pariser Blätter melden aus Saloniki, 'daß >dort ein Aufruf Paschitschs eingetroffen ist, der mit den Worterl schließt: „Kommt schleunigst nach Mazedonien rrnd helft uns!" Die Blätter schließen daraus, Laß der Widerstand der Serben am Ende ist.
Die Vestechungsgelder des Vierverbandes.
2565 Millionen für Sofia.
Sofia, 10. Nov. (Zenf. Bin.) Das Sofioter Blatt „Utro" meldet über die Bestechungen, die die Entente in Sofia bewerfftelligte: Die Bulgarische Nationalbank hatte auf die Kupons der bulgarischen Anleihen % Millionen Franken bei Pariser Banken deponiert. Diese Summe beschlagnahmte bei Ausbruch des Krieges die französische Regierung. Hierauf beschloß die bulgarische Regierung, auch die Depots der französischen Banker: rn Sofia zu beschlagnahmen. Als sie die Summen suchte, stellte es sich heraus, daß diplomatische Agenten der Entente bei der Bulgarischen Nationalbank auf Rechnung des agrarffchen Llbge- ordneten Dafchkaloff folgende Summen einzahlten: Am 26. August 200 000 Franken, 29. August 200 000 Franken, 31. August 600 000 Franken, 3. September 600 000 Franken, 6. September 600 000 Franken, 9. September 500 000 Franken, 30. September 50 000 Franken, 3. Oktober 20 000 Franken, insgesamt 2470 Millionen Franken.
Für andere Personen' wurden bei der Nationalbank eingezahlt: 21. August 30 000 Franken. 26. August 60 000
Franken, 27. August 2,5 Millionen Franken, 2. September
200 000 Frankem, 3. September 100 000 Franken, 7. Sept, 20 000 Franken, 15. September 75 OOO Franken, 17. Sept. 5000 Franken, 19. Sept. 40 000 Franken, insgesamt 3,03 Millionen Franken. Den größten Teil dieser Summen zahlte der ehemalige französische Minister des Äußern Cruppi, ein, als er vor einigen Wochen in Sofia war.
Oie neue Front in Serbien.
Rach den Meldungen der beiden letzten deutschen und österreichisch-ungarischen Heeresberichte sind die beiden Lückeir nördlich uni» südlich von Nisch geschlossen worden. Die Armee des Generals Bojadjess hat den Ort Alexsinac im
Morawatal zwischen Nffch und der Vereinigung der serbischen und bulgarischen Morawa besetzt, wo ja auch die Bahnlinie Nisch - Belgrad vorüberführt und haben denFeind auf das linke Ufer der südlichen Morawa gedrängt. Und ebenso ist der Ort Lescovac irtt Tal der bulgarischen Morawa südlich von Nisch von den Bulgaren genommen worden. Damit ist der Weg nach Vranje frei. Es ist nach dein vorliegenden österreichischen Bericht aber auch die stark befestigte Okolk i st a h ö h e besetzt und der Raum von Alexandra w a c genommen worden. Das heißt mit anderen Worten, daß die gange Dalli nie der Morawa, in der die Bahn Belgrad-Risch-Uesküb hin- führt, in den .Händen der verbündeten Armeen ist. Und wenn es den Bulgaren bereits gelungen ist, den Bahnbetrieb von Sofia bis Pirot wieder aujßmnehmen, so ersteht man daraus, daß die Serben nicht einmal im Umkreis der Forts van Pirot den Bahnkörper gründlich zu zerstören vermocht haben. Und vielleicht wird es deshalb auch bald möglich sein, die Bahnlinie Belgrad - Nisch- Pirot wieder betriebsfähig zu machen. Die Front der Verbündeten ist also jetzt, wie nebenstehende Karte zeigt, iin Osten Serbiens lückenlos. Sie biegt aus der ungefähren Nord-Süd- Lirrie Vranje - Leskovac- Nisch bei Krusevac nach Westen um und folgt von da aus dem Lause der westlichen (serbischen) Morawa, hat aber diese Tallinie schon an den meisten Stellen — südlich Krusevac und Kraljevo — nach Süden hin überschritten. Durch dieses schnelle Vordringen sind die Serben zu schleunigem Rückzug gezwungen worden, und wenn berichtet wird, es seien nur noch wirre Hausen, die auf die montenegrinische Grenze zurückfluten, so klingt das nicht unwahrscheinlich.
Die angeblichen Wühlereien gegen das Herrscherhaus in Griechenland.
Berlin, 10. Nov. (Zenf. Bln.) Der „B. L.-A." schreibt: An allen den Stellen, die hier über griechische Verhältnisse als unterrichtet gelten dürfen, hält man die Nachricht über antimonarchische Störungen für glatt erfunden. Sie seien lediglich durch den Wunsch entstanden, daß im Interesse der Entente solche Vorkommnisse sich ereignen möchten, wie sie hier geschildert sind. Gehe man die einzelnen Bewegungen durch, so ergebe sich zunächst, daß cs sich bei der letzten Bewegung, die übrigens im Jahre 1910 und nicht, wie das Telegramm sagt, 1907, stattfand, um einen politischen Reinigungsprozeß handelte, dem jede antidynastische Spitze fehlte.
Eins Teilung Albaniens?
Rotterdam, 10. Nov. (Zenf. Bln.) Der „Nisuwe Rotter- dauffche Courant" meldet aus Gens: In einem Leitartikel über die griechische Ministerkrise sagt die „Stampa", daß ein griechisch-bulgarisches Abkommen bestehe, worin Griechenland die Ansprüche Bulgariens auf Nordalba- nt eu anerkennt, während Bulgarien seinerseits den Griechen kein Hindernis bei der Besetzimg Südalbaniens in den Weg legen werde. Bei der Besetzung von Nordalbanirn würden die Bulgaren von Deutschland und Österreich-Ungar«'
