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KS.604.

Abend-Arrsgade.

2. Klatt.

Niksbailener Tsgblatt.

Dienstag,

27 «, Deremder 1904 *

SÄ. Jahrgang.

Vermischtes.

* Pariser Spielzeug. Die französischen Spidwaren- raLrikanteu versorgen die ganze Welt mit ihren lustigen graziösen Werkchen und nicht nur auf den Noule- raM von Paris, sondern auch auf den Straßen anderer aroßen Städte, auch tu Berlin, n»ivd ihre Ware im Lärm -es weihnachtlichen Lebens seilgeboten. Da ist es inter­essant, über diese nichtigsten Konkurrenten «der deutschen Spielwarenindnstrie einige Aufschlüsse zu erhalten, wie sie „Dhe World's Wort" gibt. Man teilt die Spiclwaren- macher in zwei Klassen: in die großen Fabrikanten und t>je kleinen Hairdwerker, die Spi-elwaren Herstellen. Die .Gesellschaft der kleinen Fabrikanten und Erfinder" hat W Mitglieder,' ihr gehören die Leute an, die zu Hause Spielzeug wachen: das ,-Syndikat französischer Fabri­kanten von Spielzeug und Scherzartikctn" hat 200 Mit-

ölio&er, die reiche Kapitalisten und Inhaber großer Wadnken sind. Die wichtigsten Fabriken sind alle in Wäris- Bon den wenigen, die sich in den Provinzen be- : Mden, sind die wichtigsten die für Steinmurmeln in ^ »en Eevennen, die für Holzspielzeug in den Vogesen, im Iura und in Saint Claude: es gibt auch einige Fabri- laatcjt in Nancy und Epinal. Die hauptsächlich ver- fcrtigten Gegenstände sind Waffen und militärische Ans- Mungen, Puppen, Pferde und Wagen, Metallspiel- ö^uge, Hauseinrichtnngcn, Uhren, musikalische Jnsttu- mente, Spielzeug aus Kartonnagen, Spiele, Farben- W ^ Tuschkasten, Brüsken und Larven, Kotillongc- Icheiikc, mechanische Spiele, singende Bügel, elektrisches und Wissenschaftliches Spielzeug, Spielzeug aus Gummi uns Leder, kleine Sportartikel. Auch damit ist die Auf- »aylung noch nicht erschöpft, denn so vielgestaltig und vcr- Irrend wie das große Leben selbst ist auch die kleine des Spielzeugs, in deren winzigen und niedlichen normen sich die Welt der Großen abspiegelt. Die ärmste «tatse der Fabrikanten ist die, welche aus Papiermache ff* F° rcn herstellt. Das Material ist sehr billig und y Bedarf nur geschickter Hände und eines erfinderischen ^eine Wunderwerke daraus zu schassen, die °«in mit Blattgold überklebt und ausgeputzt werden. Es «änderbar, daß in Frankreich, wo die Frau und ^ Torlette so im Mittelpunkt steht, die Puppe die

größte Nolle in der französischen Spiekwarenindustrie spielt. Die Herstellung der Puppen geht von einer großen Aktiengesellschaft ans, die ein Monopol dafür besitzt und über ein Kapital von 3 800 000 Frank verfügt. Sie beschäftigt 2000 Arbeiter und Arbeiterinnen und verfertigt jährlich 80 000 angezogene Puppen in jeder Preislage von 80 Centimes bis zu 000 Frank das Stück. Nicht angezogene Puppen werden täglich 15 000 verfertigt, im Jahr also 4 500 000 Stück. Die ausge- breitetste Spielwarenindustrie ist die der Metallarbeiter, die eine große Anzahl verschiedener Zweige und Arten umfaßt. Große Maschinen arbeiten hier und das kleinste Spielzeug für 20 Pfennig geht durch viele Hände hindurch und wird in ungeheuren Maschinen geformt und poliert. Ein anderer höchst ausgedehnter Zweig ist die Herstellung von Spielzeug aus Kautschuk. Bor 1736 war Kautschuk in Europa unbekannt, doch erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hat man seinen Wert

für die Herstellung von Puppen erkannt. Seitdem ist der Handel mit Kantschukpuppcn außerordentlich ge­stiegen. Die Puppen aus weichem elastischen Gummi, die roh bemalt sind und eine kleine quietschende Pfeife im Bauch haben, sind sehr billig. Figuren ans hartem Kautschuk sind viel teurer. Der Gesamtwert der in Frankreich verfertigten Spielwaren betrug tm Jahre 1871 18155 250 Frank. Im Jahre 1900 war diese Summe auf 24 612 000 Frank gestiegen. Aber 25 000 Menschen arbeiten in Frankreich 'daran, Spielwaren hcrzustellen.

* Teures Rcgenwajscr. Aus Ostfriesland wird der „Köln. Ztg." geschrieben: Unser Land ist Wohl der einzige Bezirk in Deutschland, in dem noch Wasser verkauft wird, und noch dazu Rcgeiiwasfcr. In Emden kostete im letzten Sommer das Liter davon bis zu 10 Pf.: denn hierzulande wird auch leider noch zumeist Regen­wasser, wenn nicht gar.Kanalwasser getrunken. Häufige Typhus- und Malariafälle sind die natürliche Folge da­von: auch jetzt gibt es Typhus in vier Orten. Die Be­mühungen, besseres Trinkwasser zu beschaffen, stoßen leider fast überall auf recht große Schwierigkeiten. Ob- 'w'ohl die ganze Oberfläche von Ostfriesland von unzäh­ligen wasserreichen Kanälen, Tiefen und Schlöten durch­zogen wird, stieß man doch bei dem Marschortc Rcucn- landc, wo unlängst ein Brunnen erbohrt werden sollte,

erst in einer Tiefe von 0 Meter auf Grund'wasscr und eist in einer Tiefe von 50 Meter ans klares, frisches Trinkwasser, das aber erst noch vom Eisengehalt befreit werden muß. Auf der kleinen Insel Wilhelmsburg aber «wurde selbst bis zu einer Tiefe von 65 Meter noch kein Wasser gesunden: bei 40 Meter traf man aus eine schwere, schwarze Tonschicht, die vermutlich bis zu 90 Meter hinabgeht. Erst 'wenn man diese völlig durchstoßen haben wird, ist ein Erfolg zu erhoffen.

Nom DsMu-Mer-Ammi.

In letzter Zeit ist der Plan einer Kanal-Werbindung zwischen Donau und Oder ernstlich erwogen worden. Die Linie würde von Wien aus die March benutzen, dann deren Nebenfluß Bcczwa bis zur Wasserscheide. Beim Übergang in das Odcrtal würde du Höhenunter­schied von etwa 36 Metern zu überwinden sein, wozu bei dem nördlich von Prcrau gelegenen Ort Grvß-Aujezd eine geeignete Anlage geschaffen werden mutz. Um deren Ausführung in mög­lichster 'Vollkommenheit zü sichern, «wurde ein Wettbewerb mit hohen «Preisen ausgeschrieben. Der Lohn für die drei besten Entwürfe be­stand tu 100 000, 75 000 und 50 000 Kronen. Es waren nicht weniger als 281 Entwürfe eingegangen. Infolgedessen nahm das Preis- «gericht von vornherein eine Aus­scheidung vor, indem es zunächst die Entwürfe beiseite ließ, die sich «ausschließlich mit dem Fortschasfcn der Boote auf dem Trockenen beschäftigten. Man beschränkte sich also auf die Schiffshebewerke. Der erste Preis von 100 000 Kronen ging an eine Gesellschaft von fünf österreichischen Ingenieuren, deren Entwurf zwei gleichlaufende schiefe Ebenen von mäßiger Neigung mit «elektrischem Zahnradbetrieb vor­sieht. Die Kosten sind aus 6 Mil­lionen Kronen berechnet. Den zweiten Preis erlangte eine Gruppe von deutschen und öster­reichischen Ingenieuren, die einen langen schwebenden Zylinder von sehr großem Durchmesser anlegcn wollen, der durch einen in seinem Innern angebrachten Motor gedreht wird und dabei die Hebung und «Senkung der Schiffe bewerk­stelligt. Dieser zum mindesten eigenartige Enkwmrf sollte in der ersten Anlage 6’ i Millionen kosten, über den dritten Preis ist überhaupt nicht entschieden worden.

Klerus Ghrsmk.

Der Kunstmaler Anton Aßmuffen in Hamburg, wel­cher seit dem 12. November spurlos verschwunden war. wurde jetzt als Leiche aus der Alster gezogen.

Gerüsteinsturz. 'Infolge Überlastung brach in Qued­linburg ein Baugerüst zusammen, wobei drei Maurer schwer verunglückten. Einer starb auf dem Transport nach dem Krankenhaus.

An Stelle der Postwagen in Bayern werden zunächst in München Kraftwagen treten, deren Einführung, wie man hofft, bedeutende Ersparungen zur Folge haben wibd.

Das Unterseeboot „Korrigan", so wird aus Biscrta, 20. Dezember, gemeldet, mochte gestern interessante Ver­suche. Es blieb 12 Stunden unter Wasser, ohne daß die Besatzung irgendwie litt.

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Vom Vüchertisch.

, * „P aus Utes Fra u", Roman von Victor von ,Z 5 "negg. (Verlag: F. Fontane. Berlin.) Eine Schichte — die von der Ehe zwischen dem ernsten, ^ber alternden Mann und seiner jungen Frau, ^ad ehrlich treu sein möchte und der lockenden j;„ ^ verwandter Jugend doch nicht widerstehen, kann. ;*>£,oft gesungene Geschichte — aber Kohlenegg ) t€ so, daß sie wieder jung wird, vls ob wir sie eben ?7'wal hörten. Denn nicht Romansiguren er. ie „i?^so Tragödie von der Jugend und von« Alter, DW t 7 Sasammeil kommen können, sondern individuelle ; T n von Fleisch und Blut, die dem alten Lied ihren ^7/?6^nartrgen Klang geben. Ebenso plastisch klar lll^Z Kohlenegg die äußere Welt, das Leben seiner Und in einer Art ist seine Kunst mit -der ilein-7 Fontanes verwandt. Er weiß diese alltäglichen ^ kleinsten Ereignisse des täglichen Lebens als Ansdruck der feinsten Empsinönngs- Su gestalten, ihre Gleichgültigkeit mit einem Tife, “ ,en ' sust 'dramatisch an mutenden Erbeben zu • K.

>ig-oinrad Helmperg crs D c n k w ü r - Fuk)r." Kulturhistorischer Roman von C. von Manzetti. Dritte bis slknste Auflage. lüilif 1 " 4 BerlagSgesellschaft, München.) Endlich ein- ächt 7 «owan, in dem die katholische Weltanschauung Em,.. "'^vische Arbeit verpfuscht hat. Nichts von nst von der uukünstlerischen Tendenz, die

licht- 7.7^ Arbeiten ungeniesibar macht. Die Ge- 'uder ^ ^Bencdiktincrinönches, eines jener großen erz yQU)r naives, in reiner Einfalt unbeirrbares erbe» .,Z«) durch alle Stürme führt. Und die Stiirme »Oipkg M ans. Es ist die Zeit des beginnenden ott mif 7 Aufklärung, intfc mancher mnß da nur seinen "üS ws«', Möglichen Gewalten, die ihn von links und «»W !7' ^ngeii. Die Autorin zeichnet nicht nur o Kult Urbild der Zeit farbenprächtig und ein­

drucksvoll, sondern sie weiß auch diese innere Stimmung der gärenden Zeit in den «verschiedensten individuellen Stufen überzeugend zu charakterisieren. $

* „Der Narr der Zarin." Roman von O. Mysing. (Berlin, Verlag Otto Janke.) Ein amü­santer Unterhaltungsroman ohne irgend welchen künst­lerischen Ehrgeiz, aber für seinen Zweck gewandt und lebendig erzählt, und die Kenntnisse von der Zeit, die er schildern will, mit Geschick verarbeitend. Das Thema des Romans ist in gewissem Sinne aktuell, wie heute eben alles aktuell ist, was sich irgendwie mit Rußland «beschäftigt. Der Roman spielt im Nnhland Katharinas und ihres Günstlings Potemkin. Mit den wechselnden Phasen des historischen Kampfes, den Katharina mit ihrem Sohne, dem Großfürsten Paul, kämpft, sind ge­schickt die Erfindungen deö Autors verflochten. Die sympathisch gezeichnete Gestalt einer deutschen Prinzessin und eines deutschen Edelmannes, die verunglückte Ein­führung Diderots, des Enzyklopädisten, am Petersburger Hof sollen das Interesse noch erhöhen. -V

* „Schneeschuh und Schlitten für Spurt, I a ft ft und Berkeh r". Ein Handbuch für jedermann von Max Schneider. Mit 85 Illustrationen. lF. Fontane u. Ko., Berlin-Grnnewald, Taubcrtstrasie 1.) Preis qchcstet 2 M. W Pf. Durch das trefflich anSaestattetc und reich illustrierte Buch, welches den bekannten Pionier ans dem Gebiete des Winter­sports, Max Schneider, zum Verfasser hat, ist die Sportliteratur um ein Werk von dauerndem Wert bereichert worden. In dem­selben wird auf Grund lanqiühriacr Eisahrnnq und aründlicher Sachkenntnis alle? des Wissens Notwendige über Schneeschuh'- laufen, Schlittenscgeln, Rcnnwolffahrtcn und Sportschlitten, rutschen in äußerst instruktiver Weise behandelt, so daß a»S diesem praktischen Handbuch sowohl der erfahrene Wintersportswann wie der jugendliche Anfänger jede gewünschte Belehrung schöpfen

fnin * „DerKricg zwischen Rußland und Japan." Auf Grund zuverlässiger Quelle» bearbeitet von Walter Erd- man» v. .Kalinowski, König!. Prenß. Hanptm. a. D. Hest -l. Mit einer Anlage und 5 Skizzen. lBerlag der Licbel- ichen Buchhandlung, Berlin.) Preis l M. 75 Pf. In dem so­eben erschienenen 1. Hefte schildert der Bersasser auch diesmal zunächst die russischen Kreozcrsahrtcn und die durch die Beschlag­nahme von srcmden Schissen enlstandenen völkerrechtliche» Bei- Wickelungen. Sehr anschaulich ist dann der Durchörnchsverliich

der russischen Flotte, der so tragisch endete, gezeichnet. Es solgen daun Angaben über Verstärkungen und Neugkiederungen der russischen und japanischen Armee, Betrachtungen über die Bolts- stimumng und namentlich die finanzielle Lage der Kriegsühren- den. Dann wird der Feldzug in der Mandschurei behandelt, die Gefechte bei Kaiping, Daschitsao, Haitschvng und die Kämpfe am Siakavlin-, Jnschulin- und Fanselin-Paß. In ausführlicher, fach­männischer Beschreibung reiht sich die 'Schilderung der erbitterten, mörderischen Kämpfe, das blutige Ringen bei Liaujang an. Be­trachtungen über die Folgen dieser Kämpfe schließen den ansehn­lichen Band, den eine Anlage mit den Streitkräficu der Dian- dschnrci-Armcc und 5 give Kartenskizzen bereichern.

* „Katechismus des guten Tones it n & der feinen Sitte" von Eonstanze v. Franken. 1). Auslage. (Max Hesscs Bcrlag in Leipzig.) Preis geb. 2 M. öl) Pf. Ein Bnch, das es, wie das vorliegende, in den wenigen Jahren seit seinem Erscheinen zu elf Auflagen gebracht hat und jetzt mit dem dreinnddreißigste» Tausend seinen Weg in die Welt nimmt, be- darf eigentlich keiner weiteren Emvschlnng. In der Tat ist uns von all den zahlreichen Büchern des gleichen Genres keines be­kannt, das eine so große Reichhaltigkeit des Stof'cS in so ge- drängter Kürze und seine für jedes Alter nnd jedes Geschlecht gleich verläßlichen Ratschläge in so verständlicher und dabei an- genehmer, öfters humoristisch gefärbter Weise brächte.

* Allen HauS- und Grundbesitzern wird die Mitteilung von dem Erscheinen des „Deutschen H a u s b c s i tz e r - K ä l c „- ders pro 100ö" jDeutscher Verlag in Berlin 81V. n, Preis 1 M. 50 Pf.) sicher eine willkommene sein. Der überall bekannte bereits im 10. Jahrgang erschienene Kalender ist von Rechts­anwalt vr. Bieber-Berlin bis ans die neueste Zeit rrgänzt und bearbeitet worden. Er ist in allen wichtigeren Hausange- legcnheiten ein höchst praktischer Ratgeber und enthält zahlreiche beachtenswerte Muster für Verträge nnd allerlei Klageschrisien Der beigefügte Notizkalender für jeden Tag des Jahres erhöbt den Wert deö BnchcS wesentlich.

* Deutschlands Pflichten in D e u t s ch . S tt b l

wcstnfrik a". Bon Th. R c h b v d , Professor an der Großh Technischen Hochschule zu Karlsruhe. (Berlin 3W. 48 Wilhelms strafte 29, Dietrich Reimer iE ruft Bnhscn). Preis 80 Pf.)

* Ban der bekannten Anthologie „P h a r n S am Meere d e S Lebe n S" , die einst Karl IS enteile gesammelt Friedrich 'Bode n st c d t neu bearbeitet bat, erschien die' "A Auflage. (Leipzig, Bcrlag von Jul. Baedeker., Das Bnch das allerdings in einzelnen Partien noch eine moderne Revision ver­tragen könnte (unter strenger Ausscheidung von Platituden) ist jedenfalls auch jetzt als brauchbarstes Senteuzcnwerk an-,»sehen in dem man bequem alle gewünschten Ziiatc finden sg„»