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SS. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ansgaben. — BezugS-PreiS: durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch die

Verlag: Langgafle 27.

«n»eigen«Vrei»r

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15 Psq., sür auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklame» die Pctitzcile sür Wiesbaden 50 Pfg., sür auswärts 1 Mk.

Etwas vom Mrchentmuen.

Daß die katholische Kirche in vielen Dingen die Zeichen der Seit besser zu beurteilen weiß als die Protestanten, darauf ist schon oft hingewiesen worden. Wir haben selcht einmal daran erinnert, daß die hiesige romisch-katholische Gemeinde eine Zeit wenigstens einen Versuch gemacht hat, den Gerichtsvollzieher für die Beilrestbung der Kirchensteuern abzuschaffen, und daß dre altkattiolrsche Gemeinde heute noch prinzipiell auf ferne Mitwirkung vernichtet. Für Frankreich richtet sich sogar der Papst zurzeit, wenn auch mehr der Not als dem eigenen ^.rreo folgend, auf völlige Trennung von Kirche und Staat ern. Neuerdings hat sich nun hier auch ein römisch-kachotrscher Kirchenbauverein gebildet, der in einem Ausruf Grund- sähe vertritt, die selbst der entschiedenste Gegner, des katholischen Kirchenwesens nur billigen kann, wreser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die erforderlichen Mittel für die Errichtung neuer Kirchen durch freiwillige Gaben aufznbringen. Jetzt klopfen die Sammler und Sammlerinnen des Vereins bei den, Katholiken an, um alle zum Eintritt in den Verein einzrrlaven und Bei- träge entgegenzunehmen. Mögen sie überall freundliche Aufnahme finden. Wiesbaden, die Weltkurstadt dav nicht Gaben von auswärts heischen, mutz es vielmehr als eine Ehrensache betrachten, für die notwendigen Kirchen selbst aufzukommen. Als Moses die Israeliten auf­forderte, für das heilige Zelt und seine Geräte Gaben zu opfern, da opferte das Volk so eifrig, daß alsbald nicht bloß das Notwendige, sondern Überfluß vorhanden war. Sei dies ein Beispiel und eilt Sporn zu gleichem Opfer- smn! Gemeinsames Zusammenwirken führt zum Ziel!

Wenn wir recht sehen, ist -damit eine,bedeutungsvolle 8endung gegen die bisher beliebte Praxis, beim Kirchen­bauen eingetreten. Das gewöhnliche Mittel zur Auf­bringung der Kosten für die Kirchenbauten waren bisher die Kirchensteuern, die ja nötigenfalls — und das trat in der Regel bei neuen Kirchenbauten ein — erhöht werden konnten. Dies Mittel wirkte prompt, denn, wer da nicht mittun wollte, wurde einfach durch den Gerichtsvollzieher dazu gezwungen. Auch die Gebäude und Grundstücke, die gar kein Interesse an der Kirche haben, Müssen diese Erhöhungen der Kirchensteuer mitmachsn, o ist ja noch neuerdings vom preußischen Landtag ent schieden worden.

. Bequemer noch ist es, den Fiskus oder die Kommunen sur sich bauen zu lassen. Mit welchen Gefühlen die aber lösche Aufgaben übernehmen, das haben die Berliner und mebricher Kirchenbauprozesse zur Genüge gelehrt. Sie haben auch gezeigt, wie gefährlich es ist, sich un 20. Jahr­hundert noch auf vergilbte Rechtstitel aus dem Mittelalter

zu berufen, die erst aus dem Staub der Akten ausge- graben werden müssen, die jedenfalls aus bem Bewußt­sein der heutigen Gemeindeglieder völlig verschwunden sind. Gewiß hat der Staat seinerzeit mancherlei Kirchen­güter eingezogen und damit die Verpflichtung über­nommen, die Kirche auf andere Weise zu entschädigen. Das hat er aber durch die Protektion, die er der Kirche bisher aift allen Gebieten hat angedeihen lassen, reich­lich getan.' Und wenn er das Geld für Chausseebanten, Landesmeliorationen, Schulen und dergleichen oder auch, wie in den Frecheitskriegen, für die Verteidigung des Vaterlandes verwandt hat, so war das auch ein Gottes­dienst. Es wäre wirklich an der Zeit, wenn unter, diese Rechnungen einmal ein Strich gemacht und den Kirchen deutlich gesagt würde: „Wir sind jetzt quitt. Ihr.mögt behalten, was ihr habt; aber in Zukunft sorgt selbst sur euch! Ich habe auch noch andere Kinder, die ich gegen euch nicht zurückstellen darf. Die Sektierer, die aus euch hervorgegangen sind, deren Vorfahren doch auch zu dem von mir konfiszierten Kirchengut beigetragen haben, die Juden und Heiden sind nicht so anspruchsvoll wie ihr. In Elsaß-Lothringen ist heute schon die Bechulfe des Staates für kirchliche Zwecke außerordentlich einge­schränkt. Tort ist z. B. durch Gesetz bestimmt, daß die Kirchensteuer — sie beträgt für den einzelnen Protestan­ten ziirzeit nur 6 Prozent der Staatssteuer — nur zur Erhöhung der Gehälter der (Geistlichen und zur Aus- zah-lung von Pensionen an Pfarrer, ihre Witwen und Waisen verwandt werden darf. Zur Bestreitung von anderen kirchlichen Bedürfnissen irgend welcher Art darf sie nicht herangezogen werden. Für sie müßten die freu willigen Sammlungen aufkommen, und sie kommen auch dafür auf. Es wäre fürwahr kein Schade, wenn das

überall so wäre! . .

Daß man in hiesigen katholischen Kreisen, dem modernen Empfinden in diesen Dingen, dys sich übrigens, pie der Aufruf zeigt, mit dein altjüdischen durchaus deckt, RechmMg trägt, k»nn vonr llbera^D^Standpmikt <M» nur flüSHg begrüßt werden. ■ —e—.

Politische Übersicht.

Pfleget die Wälder.

In vorbildlicher Weise ist der h e s si s ch e Sta a t nicht nur aus die Erhaltung seiner großen Waldbestani e, sondern auch auf ihre künstlerische Pflege bedacht, wie der nachfolgende Erlaß beweist, den -das .großherzogliche F-inanzministeriuni, Abteilung für Forst- und Kameral- verwaltung, an die Oberförstereien des ^.andes gerichte.

1>nt 58lr haben mit Ermächtiaung d-S grotzherroolichen Ministe­riums der Finanzen veranlaßt, daß Ihnen v. Sattschs „Forst­ästhetik" in zweiter Auslage zum Dienstgebräuche zugehen wird. Wir verbinden hiermit die Absicht, Sie aus die Bedeutung der waldschönheitspslege sür die forstliche Praxis hinznwetsen und Ihnen eine eingehende Beschäftigung mit diesem neue» wicht,gen

Feuilleton.

Ein- und Ausfälle.

(Für das „W iesbadener Tagblatt".)

Von Joseph Kaislcr.

Kotzebue und Strindberg.

Das Theaterpublikum ist ein geheimnisvolles Wesen. ^>ele sagen, es sei eine böse Bestie und der arme Dichter unsicherer Tierbändiger, der seinen Kopf in ihren Mutenden Rachen stecken müsse. Ein Großer wie Grill- f^vzer dagegen bleibt trotz trüber Erfahrungen dabei, ovJpi der entscheidende, ja am Ende sogar gerechte ' “fe dB Dramatikers. • ,

• , 0 !t s wirklich ein Tier, so ist's sicher eines der ^evefsantesten und beobachtenswertesten im großen Möglichen Garten des Herrn. Selbst für den söge-

nuten Kenner hat es immer neue Verblüffungen und erraichungein. Ein Frechdachs sagt diesem Publikum Junten Rätselwesen von der Bühne ins vielgestaltige Du bist blöd und borniert, du trägst so viel oI§ k»u Köpfe hast, du bist niedrig und gemein L^puckt ihm als Schlußpunkt noch eins ins grinsende

* .front ftrh .darüber.

8fn.tr:; 1 u > m als octylUBpuTtn rioaj t-m»

Und das merkwürdige Ding freut sich darüber, Lt^'halb tot, schreit sich heiser: Recht hat er, und

srwl OPirrt r ■_ (rt

tot, icyrerr itaj 9011er:

» r Frechen mit seinem besten Dank. Ern kühner gäMer kommt, er sagt diesem Wesen, daß es zu emem Aost«" "deligen Geschlcchte gehöre und Witt es gütig erfpV** 1 ' daß eine so hohe Stellung auch Pflichten auf- e , J 0, Da bäumt sich das komische Geschöpf trotzig auf, stntz sdoltiert. es faucht und zischt vor Wut und Haß qW den Verwegenen davon, di? dieser widerspruchsvollen Launenhaftigkeit v. ges^darstcchendste Eigenschaft dieses Wesens eine un- Ehrlichkeit, - die sich oft brs -zur -brutalen - steigert. Dieses Geschöpf ist heute da»

einzige, das nicht posiert. Es besteht aus hundert Einzel­

wesen, von denen jedes seine Pose hat. Kernes dieser Einzelwesen will z. B. sentimental sem, weil das un­modern ist. Das Publikum aber wirft die Maske der Übermenschenhärte ab und heult, wenn es von Tod und llnalück nur reden hört. Dieses Publikum besteht „au- Einzelwesen, die draußen auf der Straße ihr Vergnügen mit kühler Anständigkeit maskieren wenn sie nach emem pikant gerafften Kleid schielen. Im Publikum unter­getaucht, wiehern diese ach so Anständigen ohne Gene vor Befriedigung, wenn sie -auf der Bühne nur eur

^^Meses Publikum' besteht aus hundert. Einzelwesen, von denen iedes literarischen Geschmack posiert, wen das zur Bildung gehört. Jeder einzelne wurde es als Be­leidigung zurückweisen, wenn -man ihn fragte, ob -ec Schiller oder Kotzebue höher stelle. Als Publikum ver- aesscn sie diesen Bildungsfirms sofort und bereiten Kotzebue einen begeisterten Triumph, wie sie wn für Schiller nie hatten. Tie Einzelwesen, die das Publikum bilden, sind von der ritterlichsten Anständigkeit, --re behandeln die Dame ihrer Wahl mit der größten Hoch­achtung und dec zartesten Galanterie, ja halten es sogar für eine Ehre, für einen Franenruf un Zwertampf da»

"^Neulich^sah^ich eine Aufführung von Strindbergs „Fräulein Julie". Ter Dichter bemüht sch, in dem Kammerdiener Jean die männliche Raub­tierkraft, aber auch den Plebeier möglichst -scharf zu zeichnen. Daß einer der Zuschauer diese Kraft üib alaube ich nicht. Mer mit dem Plebejer ^oan erklärte sich das Publikum vom ersten Moment -an solidarisch. Jede seiner drastischen Beschimpfungen Juliens ivurde mit freudiger Zustimmung c»!^enommen.- Man war sichtlich entzückt von derSchiie-digkeft, i nt der er sich von der Gefallenen „loseste . Man war so entzückt, das; man nur die sympathischen Hoheiten hörte, nicht, was der Dichter mit ihnen sagen wollte.

Zweig der Forstwtrtschastslehre anzuempfehlen. Zwar sind unsere Waldungen glücklicherweise reich an Beispielen dcuur, daß von alters her Waldschönheit und Waldschönheitspslege dem hcstischen Forstwirt vertraut gewesen sind. Es läßt sich jedoch nicht ver­kennen, daß die Neuzeit immer gebieterischer die allgemeine Be. achtung forst ästhetisch er Grundsätze bei der Walöbewrrtschaftnng fordert. In einer Zeit, in der die Erhaltung und Pflege der Naturdenkmäler Gegenstand unserer Landesgesetzgebung gewor- den ist, werden notorische Verstöße gegen die Walüschvnheitspnege in weiten Kreisen peinlich empfunden: die Kritik trifft dann weniger den einzelnen, als die Forstoerwaltung überhaupt. Ans diesen Gründen ist cs geboten, daß Sie bei lebet forst- wirtschaftlichen Maßregel sich auch darüber sorgfältig R e ch e n s ch a s t geben, «teile in f 0 rstästhetischer Hinsicht wirken wird. , Co wenig es den Intentionen o. Salischs ent,prechen wurde eine seinen Beobachtungen und beachtenswerten Fingerzeige als starre Regeln allgemein vorzuschreiben, so können wir doch nicht um­hin zu betonen, daß mir bei offensichtlicher Bernachlasngung forst- ästhetischer Rücksichten, z. B. bet Kahlabtrieb von Bestanden, die für die Erhaltung einer schönen lanüichastUchen Silhouette von Bedeutung sind, den verantwortliche!^ Wirtschaiter künftig zur Rechenschaft ziehen müßten. Da die Schönheit des Waldes vorz zugsweise von den Wegen ans genossen wird, ist in der nächsten Umgebung viel begangener Wege besondere Sorgfalt bei allen forstwirtschaftlichen Maßnahmen am Platze. Selbstverstaridlich werden e nach der Lage Ihrer Dienstbezirke, r- B. tu der Nahe arößerer Städte, der Badeorte, besuchter Sommerfrischen, die Auf- gaben der Waldschönheitspslege weiter oder enger zu fassen fern. Aber auch an Orten, die noch wenig vom Verkehr berührt sind, können sich die Verhältnisse unvorhergesehen wesentlich umge- statten, etwa durch einen Bahnbau, Entdeckung von Heilquellen und dergleichen/ Man wirb daher auch an entlegenen Otten die Waldschönheitspslege keineswegs außer acht lassen dürfen. Ander­seits darf wie das auch v. Salisch mit Entschiedenheit türvor- hebt, die'Waldschönheitspslege nicht zu einer unrentablen Park. Wirtschaft auSarten oder zu Künsteleien fuhren. Es muß dem Forstwirt stets vor Augen bleiben, daß seine Aufgaben m erster Linie praktische und ökonomische sind. Aber er muß, mtxm er seinem Berns gerecht werden will, mit bem Nützlichen stets das Schöne in der Waldbewirtschastung zu verbinden unss«n. W>r iiellen Ihnen schließlich anheim, bei der Neuheit einer wissen« schastlichen Behandlung der Waldschönheitspslege, die auf feiner forstlichen Bilüungsanstalt^ als besonderes Lehrfach die ihr gebührende Geltung gefunden hat. Wahrnehmungen und K-rsabriinaen die Sie auf dem Gebiete der angewandten Forst, ästhetik zu machen Gelegenheit haben, in dem Wirtschaftsrat zur

Erörterung ^ bringen Landwirtschaftsministerium

tartt m lemW dazu die „Köln. Ztg ", bekamiftich über -die Pflege der Schönheitswerte unserer Wälder etwas anders.

Ei» Japaner über die Zukunft Japans.

In den „Studien für Geschtchts- und- Staatstmssen- schuft", die von der John Hopkins-Umversttat rn Balti- more hemusgegeben werden, hat der Japaner Yukiwafa Hattori eine Arbeit über die Geschichte des Außenhandels von Japan seit der Restauration der kaiserlichen Herr- schaft im Jahr 1868 veröffentlicht Die Entwickelung der Unterrichtsmethoden, die wahrend der letzten So Jahre in Japan stattgefunden hat, hat nicht nur das Bildungsniveau des Volks und dre wisienfchastliche Be- tätigung revolutioniert, sondern auch -dazu beigetragen, daß Japan, das damals eine einsiedlerische Nation und

um wenigstens fünf Jahrhunderte hmter-der Zeit z^uck-

geblieben war, heut e einen wichtigen -Faktor im^Welt-

Man' freuteH der Plebejer die eben noch^ Um- worben« ein« Dirne schimpfte, man verstand als einzige von den vielen Feinheiten, daß dieser Kvaftmersich lakaienhaft vor einem Höheren, /d-em Grafen, zitterte. Man begrüßte es sichtlich.als Erlösung,-als der Renom­mist erklärte, daß er die poetischen Geschichten von seiner Jugendliebe -aus einer Zeitung gestohlen habe. Tenn das hatte nicht gestimmt, -das hatte m-au ihm nicht nach- empfinden können. Kurz, mau war verfug über diesen sympathischen Derwandt-en auf der Buhne.

Ich bin fest überzeugt, der einzige Schatten m dieser Freude war bei vielem auf -dem Heimwege -i-re bedauernde Überlegung: Es ist doch schade, -daß Buhne und cqn-'k- lichkert sich nicht immer decken.. Dieser famose ^ean schickt seine unbequeme Geliebte ^sifach mit emem Rasier­messer in die Scheune und sie sckmerdct sich den Hai» -durch. Im Leben sind leider die Weiber nicht so opferwillig, noch die Gesetze so n-achslchtlg.

Die Antwort.

Sehr geehrter Herr!

Ich alaube wirklich, Sie sind manchmal nicht ganz aesund Ich will nicht gleich wie Sie m die Zoologie verfallen, sonst hätte ick vielleicht etwas anderes gesagt. Was wollen Sie denn- nu eigentlich von dem armen Publikum. Haben Sie vielleicht in den Kleinstädtern nickt aelacht? Haben Sie sich nicht amüsiert? Naturllch müssen Sw sagen, daß Ihnen Schiller lieber ist all» Kotzebue, das gehört zu Ihrem Geschäft. Wollen Sie vielleicht behaupten, daß Sie sich die Augen zuhalten, -wenn eine Dame i-m hübschen Negligck ans der Bichne erscheint? Sie Schäler, Sie!

Und nu gar das Getue mit Strindbevg., Sie tun ja als ob der mit seinem Jean (übrigens ein Patent- kert Sie sind wahrscheinlich noch sehr jung und haben noch nicht die nötige Lebenserfahrung, das zu schätzen) weiß Gott was für hohe, am Ende -gar moralische Ab-