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vienstag. 9. November 1915, KbSNd - KUSgübe. Nr. 824. . 63. Jahrgang.
Leskovac von den vulgaren genommen!
Die Beute von Krufeoac: 50 Geschütze, über 7000 Gefangene.
weitere erfolglose russische Angriffe bei vüna- burg. — weiteres Vordringen südlich «raljevo und «rujevac. — vie Morava auch von der Nrmee vojadjeff bereits mehrfach überschritteu.
Der Tagesbericht vom 9. November.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 9. Novenrber. (Amtlich.)
westlicher «rkeysschauplatz.
Es sind keine Ereignisse von Bedeutung zu nccldcn.
Versuche der Franzosen das ihnen am Hilsenfirst entrissene Grabenstück zurückzugewinncn, wurden vereitelt.
Gestlicher Rriegsßchauplatz.
Heeresgruppe des Generalfsldmarschall» von kfindenburg.
Die russischen Angriffe wurden auch gestern westlich und südlich von Riga, wcstl.ch von Jakob st adt und vor Dünaburg ohne jede» Erfolg fortgesetzt. In der Nacht vom 7. zum 8. November waren feindliche Abteilungen westlich von Dünabnrg in einem schmalen Teile unserer vorderen Stellung cingedrungcn. Unsere Truppen warfen sic im 0) e g e n a n g r i f s wieder zurück und machten 1 Offizier, 372 Mann zu Gefangenen.
Heeres>§ruppe des GensraifeldmarschMs
Prinz Leopold von Vätern
Inh Lause der Nacht fanden an verschiedenen stellen Patronillenkäinpfe statt.
Heeresgruppe des Generals v^n Lin'ingen.
In einem erfolgreichen Gefecht nördlich von K o m a r o w fam Sthr) wurden 366 Russen gefangen genommen.
Balkankriegsschauplatz.
Südlich von Kraljevo und südlich von Kruscvac ist der Feind aus seinen Nachhutstellnnge» geworfen. Unsere Truppen sind in weiterem Vordringen. Die Hohen bei E j n i s ans dem linken Ufer der südlichen Morava sind erstürmt.
Die Beute von Krusevac erhöhte sich auf 50 Geschütze, darunter 10 schwere; die Gefangencnzahl auf üöer 7000.
Die Armee des Generals Bo j adj e ff hatte am 7. Nov. abends nordwestlich von Aleksinac, sowie westlich und südwestlich von Risch die südliche Morava erreicht und im Verein mit anderen von Süden vergehenden bulgarischen Hecrestcilen Leskovac genommen.
Oberste Heeresleitung.
*
Bedeutende «riegsbeute in «ragujevac.
Br. Berlin, 9 Nov. (Eig, Drahtbericht. Zens. Bln.) Aus dem Feld wird dem „B. T." berichtet: In der Nacht vor dem Einmarsch der Armee Gallwitz in Kragujevac haben Komitatschis versucht, das Arsenal in Kragujevac in die Luft zu sprengen. Jedenfalls ist mit der Munitionsfabrik unseren Truppen bedeutende Kriegsbeute in die Hand gefallen. Die neueren Maschinen darin sind sämtlich deutschen Ursprungs. Außerhalb der Stadt liegen 14 Gebäude, die bis unter das Dach mit Munition gefüllt sind.
Die Zlucht des Nönigs Peter.
Berlin, 9. Nov. (Zens. Bln.) über den König von Serbien wird verschiedenen Morgenblättwn aus dem k. k. Kriegs- pcessequartier unter dem 7. Nov. gemeldet: König Peter hat am 1. Nov. noch in Jagodina geweilt, wo er eine Parade der Schumadia - Division ersten Aufgebots abhielt. Die Division ist von vier Regimentern aus ein einziges zusammengeschmolzen. Am 5. Nov. passierte Kön-g Peter Krusevac i-rch setzte von dort die Flucht in südwestlicher Richtung nach Kurschumlija fort.
Oie Verlegung des serbischen «önigshoses nach Montenegro abgelehnt.
Budapest, 9. Nov. (Zens. Bln.) Wie aus Sofia gemeldet wird, hat der König von Montenegro den serbischen König zu sich geladen, was jedoch a b g e l e h n t wurde. Der Hauptgegner der Verlegung des Hofes nach Montenegro ist Paschitsch, der Nikita nicht traut. Der Hof soll sich jetzt in Mitrowitza befinden.
Ein serbisches Amazonenkorps.
Genf, 8. Nov. (Zens. Bln.) „Todesbataillon" benennt sich daS von der Witwe Marinowitfch gegründete serbische Amazonenkorps, dem bisher 390 Mädchen beitraten, ausgerüstet mit Mausergewehren, Pistolen und Dolchen.
Bulgarische Freude über die Öffnung des Donanweges.
Br. Wien, 9. Nov. (Eig. Drahtbcricht. Zens. Bln.) Die „Südslawische Korrespondenz" meldet aus Sofia: Die hier eurg et roH eneir Berichte aus dem bulgarischen
Donaulhasen Widin meDen iden begeisterten Empfang, der bei Einlaufen der österreichffch-ungari- schen Schiffe diesen bereitet wunde.
Oer Eindruck des Zolles von Nisch in Paris.
Schwacher Trost.
Paris, 8. Nov. (Zens. Bln.) Obwohl die Presse seit einigen Tagen die Räumung von Nisch als b e- vor stehend erwarten ließ, machte die Nachricht vom Falle der Festung einen tiefen Eindruck auf die Pariser Bevölkerung, und man gesteht ein, daß ider erste Teil des Feldzuges auf dem Balkan mit einem unüestreitöaren Erfolg der Mittelmächte ab- geschlossen hat, und daß die Verbindung zwischen diesen und der Türkei schon hergestellt ist. Man tröstet sich über die Niederlage ber Serben, indem man erklärt, die sevbffchen Armeen hätten der Übermacht weichen müssen, seien aber nicht vernichtet. Nun beginne ber zweite Abschnitt des Balkanfeldzuges. Das Ziel der Verbündeten sei, die ecfolgteVereinigung zwischen dem bulgarischen, deutschen und österreichisch-ungarischen Heere wieder zu brechen. Große Besorgnis hegt man nur bezüglich bes Tarbanellenkorps, da man befürchtet, daß die Türken, von Denffchlanid reichlich mit Munition versehen, die Offensive auf der Halbinsel Gallipoli ergreifen werden, und daß infolge der nun cintretenden schlechten Jahreszeit, wo- durch die Unterstützung durch die Notte Hinfällig wer- iden würde, ein Angriff der Türken zu einer Katastrophe für die gelandeten Truppen führe. Man fragt sich, ob es unter diesen Umständen nicht besser wäre, die Expeditionstruppen von den Dardanellen z u- rückzu rufen und Hiermit das Liandnngskorps in Saloniki zu verstärken.
Eine neue Niederlage der Englönd-er und Franzosen in Mazedonien.
Zahlreiche Gefangene cingebracht.
Sr. Budapest, 9. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Ans Sofia wird gemeldet: Die Ententctruppen haben eine neue Niederlage erlitten. Zwischen Kriwolac und Prilep, wo die Bulgaren in der Defensive sind, richteten die Ententetruppen gestern heftige Angriffe gegen die bulgarischen Stellungen, die aber von den Bulgaren unter r i e s i g en Verlusten für den Gegner zurückgeschlagcn wurden. Es wurden zahlreiche Gefangene gemacht.
Kuf dem Balkan soll die Entscheidung gesucht werden.
IV. T.-B. Bern, 8. Nov. (N'ch omllich.l Der Pariser Berichterstatter des „Secolo" hebt bei einer Bctrachtunq über die Bedingungen des Endsieges des VierverbrudeS hervor, daß die Versuche, die deutschen Lia-en im Artms zu durchbrechen, ihren Zweck nicht erreicht haben, daß die italienische Offensive nicht alle Wünsche des Ob-r?o:nmandos erfüllt habe und daß der erste Teil der Ballt nipartie für die Alliierten bereits verloren sei. Der Berichteritoüer glaubt, daß diese Lage von dem sehr eigenartigen Eh.:rrkt:r des gegenwärtige» Krieges akhänge, und ist überzeug!, daß die französische und die deuffche Desensivorgamsation er Westfront dcr.rrl.ig voll- komnren sei, daß jeglicher Bewegungskrieg unmöglich sei. Tie Alliierten müßten heute ihre HOstunig darauf setzen, den großen Schlag der Deutschen aus dem Balkan ni eine unhcls- bare deutsche Niederlage zu Ver.vrrdeln. (Und wenn auch die ,> nheilbare deutsche Niederlag'" ausbteiLt?)
Der Weg durch Albanien.
Rotterdam, 9. Nov. (Zens. Bln.) „Daily Chronicle" meidet aus Paris: In parlamentarischen Kreisen
verlautet, .daß entgegen aller Dementis bie französische Regierung dennoch entschlossen sei, französische Truppen in Albanien auszuschiffen. Die Anwesenheit französischer Truppen in Manien werde im übrigen notwendig erachtet, um eine endgültige Besetzung Albaniens durch Serbien zu verhüten, das bereits >die Notwendigkeit betont hcche, sich nach Albanien zurück- zuzieüen. _
Die Kriegslage in Serbien.
3ur Einnahme von «rusevac.
Mit einer Geschwindigkeit ohnegleichen erfolgen die Operationen in Serbien und treiben so der Vollendung entgegen. Nach Kraljevo Nisch, nach Nisch Krusevac, das van den Truppen der Armee Gallwitz besetzt wurde. 3000 unvecwundcte Serben wurden gefangen genommen, außerdem fanden sich in den Lazaretten noch 1500 Verwundete vor. Die
B e u t e cm Material besteht bisher in 10 Geschützen und viel Munition und Vorräten an Lebensmitteln. Es muß schon sehr schlecht um die Widerstandskraft des serbischen Heeres stehen, wenn sie Wasfenplätze wie Kragujevac, Kraljevo und Krusevac mit so riesigen Vorräten, mit einem solchen Geschützpark wie in Kraljevo unseren Truppen überlassen muß. Mit der Einnahme von Krusevac ist das Tal der Morawa von der Abzweigung der (westlichen) serbischen Morawa, die nördlich von Krusevac stattfindet, bis zur Donau abwärts und ebenso das Tal der serbischen Morawa bis Uzice ganz in unseren Händen. Und wann die Verbindung zwischen der Armee Gallwitz und den von Nisch herandrängenden Bulgaren statt- flnden wird, kann nur noch eine Frage von Tagen sein. Bei Paracin fand mit den aus dem Timoktal von Osten her enrückenden Bulgaren bereits vor einigen Tagen die strategische Verbindung statt. Eine Kreisstadt von etwa 7000 Einwohnern, war Kruscvac einst die Residenz des alten Serbenreiches. Noch heute ragen dort die Trümmer des ehemaligen Palastes empor, in dem Zar Lasar, der letzte Herrscher des Serbenreichs, einst Hof hielt, bis er am 16. Juni1389 in der Schlacht auf dem A m s e l s e l d von den Türken besiegt und getötet wurde. Mit der Räumung von Kruscvac dürfte der endgültige Rückzug der serbischen Feldarmee aus die montenegrinische Grenze seinen Anfang genommen haben, aber hinter ihnen her folgt die Armee K o ev eß, die sich bei Trstenik auch bereits den Übergang über die angeschwollene serbische Morawa erkämpft hat.
Nun kommt Herr Kitchener aus der Amtsstube seines Kriegsministeriums dahergezogen, um vielleicht selbst nach dem Rechten zu sehen, und um von dem drohenden Zusam- nienbruch noch zu retten, was noch zu retten ist. Vorher wird der edle Lord vielleicht noch einen kurzen Besuch in Saloniki abstatten, um sich dort versönlich von den Verhältnissen zu unterrichten und dem englischen Führer Ratschläge zu pebeii. Was er dort erfahren wird, wird ihm wenig angenehm klingen. Die Lage der serbischen Truppen gestaltet sich immer ungünstiger. Der linke Flügel der österreichisch-ungarischen Armeen ist über Arilje bereits bis zu den Höhen nördlich Jvanjika, vorgedrungen und hat sich damit der Gegend von Ülovibazarbereits auf 50 bis 60 Kilometer genähert. Dieser Flügel ist also bereits weit liach Nordosten vorgedrun- geii und steht jetzt schon 30 Kilometer südlich Cacac. Damit hat er einen großen Teil der aus den: westlichen Morawatal und dem nördlich davon gelegenen Höhengeländc nach Montenegro führenden Rückzugsstrahen iii Händen. Die Entfernung von der Morawa bis Novibazar beträgt 110 Kilometer. Der Ostslügel der Heeresgruppe Mackensen hat Krusevac bereits hinter sich. Damit hat sich die ganze Front der Armee Mackensen und, die bulgarischen Truppest bedeutend zusamm.engeschoben und verengt. Bei Beginn der Operation betrug die Strecke von der unteren Drina bis Negativ, und von dort bis Pirot 4 20 Kiloo- m c t e r, die jetzige Frontausdehnung von Uzice bis in das Morawatal und nach Nisch nur noch 210 Kilometer. Durch diese Verkürzung der Front ist es möglich gewesen, eine unmittelbare Verbindung zwischen den einzelnen Kolonnen hcrzustellen, in sämtlichen Nebentälern mit starken Abteilungerl vorzugehen und das gesamte Zwischengelände besetzen zu können, was bei dem Charakter des dortigen Kriegs und der Gebirgsgegend besonders wichtig erscheint. Dadurch kann auch die ganze Offensive viel schneller vorwärts getragen werden. Auch von den Montenegrinern werden die Serben kein« unmittelbare Unterstützung erhalten können, sie werden nicht einmal in der Lage sein, den Serben die Rückzugsstrahen offen zu halten, da sie selbst von der Arinee S a r k o t i c von Norden her in breiter Front von der Ndriatischen Küste bis nach Vffegräd crngegriffest werden. Von Süden her dringen die Bulgaren ^ebenfalls erfolgreich vor. Nach den letzten amtlichen Berichten sind die Bulgaren bereits in die Ebene von Leskovac im Morawatal vorgedrungen — diese Stadt selbst ist jetzt in ihrer Hand! — und machen in der Eben« von Kossowo auf der ganzen Front weitere Fortschritte. Damit ist aff, das erfolgreiche Vorgehen gegen P r i st i n a festgestellt. 2fo der griechischen Grenze haben die Bulgaren in verschiedene» Gefechten, sowohl bei Strumitza wie im Wardarta» und in der Gegend von Prilep, französisch-englische Am griffe abgewiesen, und der General S a r a i I soll serbischer Vorstellungen gegenüber erklärt haben, er könne vorläufig nicht helfen, da er angesichts des ungestümen Vordringens der Feinde zunächst aus die Vereinigung seiner Truppen lM ihrer Verstärkung bedacht sein müsse. Danach würden vc» dem Eingreifen neuer Truppentransporte keine neuen Aw griffe gegen die bulgarischen Stellungen, zu erwarten seist Das serbische Heer bliebe nach wie vor aus sich allein ani gewiesen. Das ist die Lage, die Lord Kitchener bei seinemj Bruche in Saloniki vorfinden wird
