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icnen vernommen.

Montag, 8. November 1913.

klbend-Ausgabe.

Nr. 522. ♦ 63. Jahrgang.

Nrufevae genommen!

Ein neuer Erfolg des Fliegerleutnants Immel- mann. — Abgesrplagsne ruffiscye Angriffs bei Riga und Iakobstadt. — Jwanjica von den Gesterreichern besetzt. — wieder über 3000 Serben gefangen, 10 Geschütze und Munition erobert.

Oer Tagesbericht vom 8. November.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 8. November. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

In den Bogescn schlossen sich nördlich von Celles an die Besetzung eines feindlichen Minentrichters durch unsere Truppen lebhafte Rahkämpfe mit Hand­granaten und Minen an. Am H i l s e n f i r st wurde dem Gegner ein vorgeschobenes Grabenstück entrissen.

Leutnant Jmmelman» schoß gestern westlich von D o u a l das 6. feindliche Flugzeug ad, einen mit drei Maschinengewehren ausgerüstet» englischen „Bristol"-Doppcldecker.

Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfrldmarsitzalls von k)indendurg.

Südlich und südöstlich von Riga, ferner westlich von Jakob st ad t, beiderseits der Eisenbahn Mitau-Jakobstadt, und vor Dünaburg, griffen die Russen nach starker Fcuervor- bereitung mit erheblichen Kräften an. Ihre An­griffe sind teilweise unter schweren Beriusten für sie abgeschlagen.

kfeeresPrupps des GeneralfelvmarfchaSs Prinz Leovold von Bayern.

Keine wesentlichen Ereignisse.

Heeresgruppe des Ge -erals von Linfingen»

Russische Angriffe nordöstlich von Czartoysk blieben erfolglos. 3 Offiziere, 271 Mann fielen gefangen in unsere Hände.

Balkankriegsschauplatz.

Oesterreichisch-ungarische Truppen habe» Jwanjica und den Bijneac (896 Meter), 750 Kilometer nordöstlich davon erreicht.

Deutsche Truppen sind im Angriff auf die Höhen s ü d - l i ch von K r a l j e v o. Zlvischen Kratjevo nnd Krusevac ist die westliche Morawa an mehreren Stellen über­schritten. Krusevac wurde bereits in der Rächt vom 6. zum 7. November besetzt, über 3000 Serben sind unver­wundet gefangen genommen. Tic Beute besteht, soweit bis­her feststeht, aus 10 Geschützen, viel Munition und Material, sowie erhebliche Verpflegungsoorräten.

Im Tale der südlichen (Binacka) Morawa wurde Praskovce durchschritten.

Oberste HocreSleitung.

*

Die heutige Kriegslage.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

I-. Berlin, 8. Rov. (Eig. Meldung. Zens. Mn.) Aus dem Westen wird auch heute nichts Wesentliches gemeldet.

Im Osten ist auf der ganzen Front nach der lebhaften Kampftätigkeit der letzten Tage größere Ruhe eingetre- ren. Die russischen Gewaltvorstößr bei Jlluxt und Czartorysk sind zusammengebrochen, nach­dem dem Feind abermals die allcrschwcrsten Ver­tu st e zugefügt worden waren. Auch bei D o w n o, wo fünf starke Angriffe einsctzten, sind die Russen zurückgeschlagen worden.

Vom Balkankriegssch an Platz werden überall gute Fortschritte, zahlreiche Gefangene, viel Beute gemeldet. In K r a l j e w o an der westlichen Morawa gab eS erbitterte Häuserkampfe. Dort sind uns wieder Ge­schütze in großer Zahl in die Hand gefallen, was daraus zu erklären sein dürfte, daß die Serben den Versuch machen wollten, ihre Artillerie nach Novibazar über die einzige in dieser Gegend ihnen zur Verfügung stehende Straße durch das Gebirge zu bringen. Diese Bemühungen sind durch unser schnelles Vordringen gescheitert, ein großer Gcschützpark wurde von unseren Truppen «m- z i n g e l t und genommen. Weiter ö st l i ch am Südufer der Morawa wird heftig gekämpft. Die Orte S a l i c e und S t a l a c sind von »ns erobert worden. Auch hier ist den Serben jetzt der Durchbruch verlegt. Es bleiben ihnen für ihre Nückwörtsbewegung nur ganz schlechte Wege nach S ü d o si e n offen, die durch unwirtliches gebirgi­ges Gebiet führen. Unsere bulgarischen Verbündeten sind wieder bemerkenswert vorwärtsgekommen. Bulgarische Reiterei rückte in P c t o w o ein. Weiter südlich bet Kalkandele wurden französische Angriffe zurück- gewiesen.

Vom italienischen Kriegsschauplatz wird berichtet, daß die Österreicher sich wieder in den Besitz von P o d g o r a

gefetzt haben. Auf der Höhe von Doberdo sind nur noch zwei Grabenstücke von 80 bis 100 Meter Länge in Händen der Jralicner, deren Offensive, wie schon gemeldet, im Zusam- m c n b r e ch c n ist.

Oie Ereignisse auf dem Balkan.

Eine große Niederlage der Franzosen und Engländer in Mazedonien.

Biele Gefangene, unübersehbares Kriegsmaterial in den Händen der Bulgaren. — Die Ebene von Leskowac erreicht.

— Fortsetzung der Offensive in der Ebene von Kossowo.

W. T.-B. Sofia, 7. New. (Nichtamtlich.) Amtlicher Be­richt vom 5. Nov.: Auf der ganzen Ausdehnung der Front verfolgen wir die geschlagene Armee des Feindes, der sich auf üb erstürztem Rückzug befindet. Unsere nördlich N i s ch a w a operierenden Truppen näherten sich dem Morawatal und traten bei Paracin in direkte Verbindung mit den deutschen Truppen, die vom Norden vorrücken. Um 3 Uhr nachmittags nahmen wir die Festung N i s ch. Wir verfolgen schnell den auf dem Rückzug befindlichen Feind.

Unsere im Tale der bulgarischen Morawa vorgehenden Truppen drangen in die Ebene von Leskowac vor.

Unsere Offensive in der Ebene von Kossowo wird «ruf der ganzen Front fortgesetzt.

Bei Prilep, Kriwolac und S t r u m i tz a hielten wir die Offensive der Engländer und Franzosen an und warfen den Feind unter beträchtlichen Verlusten für ihn zurück. Biele Gefangene und unüber­sehbares Kriegsmaterial aller Art fiel in unsere Hände.

Die Proklamierung einer Teilung Serbiens.

Nisch für immer bulgarisch.

IV. T.-B. Sofia, 7. Nov. (Nichtamtlich. Bulgarische Lele- graphen-Agentur.) Der Generaliflimns S ch e k o w hat an den Ministerpräsidenten Radoslawow folgendes Tele­gramm gerichtet: „Es ist mir besonders angenehm, Ihnen zu melden» daß nach hartnäckigen blusigen Kämpfen, die drei Tage gedauert haben, heute nachmittag um 3 Uhr die Festung Nisch von unseren tapferen siegreichen Truppen erobert und dort die Flagge Bulgariens für immer gehißt worden ist. Dieser glänzende Erfolg, der die siegreichen Fahnen des bulgarischen Volkes in Waffen mit neuem Ruhm bedeckt, bahnt den Weg für Ihre patriottsche Politik zur Einigung der ganzen Nation unter der Majestät des Königs." — Radoslawow erwiderte: „Der glänzende Ausgang der dreitägigen Kämpfe unserer siegreichen Truppen gegen einen zähen Feind unter den Mauern von Nisch, dessen Er­oberung durch Waffengewalt ein historisches Ereignis ist und wo die nationale Flaggefür immer zur Ehre des Königs und der Dynastie und zum Ruhme der tapferen bulgarischen Soldaten wehen wird, bereitet mir und meinen Kollegen große Freude. Der Ministerrat verneigt sich vor den siegreichen Fahnen, die eine vollkommene Stütze der Politik der nationalen Einheit sind."

Berliner Preßstimmen über das bulgarische Kriegsziel.

Berlin, 8. Nov. (Zens. Bln.)' Zur Verkündigung der Teilung Serbiens durch Radoslawow sagt die „Vossische Zeitung": Indem Radoslawow am Tage von Nisch als

Krtegsziel die Beibehaltung der serbischen Stadt bezeichnet, wies er zum erstenmal öffentlich ans die Absicht einer Teilung Serbiens hin. Es ist mich der Lage der Dinge cmztnrehmen, das; Radoslawow stärker sein wird als Asguith, der seiner­zeit die Selbständigkeit und Unabhängigkeit Serbiens als eines der Kriegsziele der Verbündeten ausgab.

Die Siegesfreude in Sofia.

W. T.-B. Sofia, 7. Nov. (Nichtamtlich. Bulgarische Telegr.-Agent.) Anläßlich der Einnahme von Nisch kam es gestern abend neuerlich zu Kundgebungen. Tie Menge zog unter Vorantritt von Musikkapellen und unter Voran- ttagung von Fahnen in bulgarischen, österreichischen, uugari- schen, deutschen und türkischen Farben vor die Gesandt­schaften der verbündeten Staaten, wo sie in langanhallende Kundgebungen für die verbündeten Länder ausbroch Die Musil spielte die Nasionalhymnen der verbün­deten Länder, überall wurden Reden gehalten. Vor der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft hoben die üicdircr die von bem Gesandten Tarnowski der S«che Bulga­riens erwiesenen außerordentlichen Dienste hervor. Der Ge­

sandte erschien auf dem Balkon, dankte für die Kundgebungen nnd schloß mit dem Ruf: Es lebe Bulgarien! Es lebe König Ferdinand! Es lebe die tapfere bulgarische Armee!

Dieselben Vorgänge wiederholten sich vor der deut­schen und der türkischen Botschaft.

Neue diplomatische Vertretung' Bulgariens in Stockholm.

W. T.-B. Sofia, 7. Nov. (Nichtamtlich.) Nachdem Schwe­den seine Zustimmung zur Erichtung einer diplomatischen Vertretung Bulgariens in Stockholm erteilt hat, ist der ftüherc bulgarische Geschäftsträger in Parts Grekow zum bulgari­schen Geschäftsträger in Stockholm ernannt worden. Er wird demnächst nach Stockholm abreisen.

Die Räumung von Monastir:

Sofia, 8. Nov. (Zens. Bln.) Nach Athener Mitteilun­gen haben die aus Monastir flüchtenden serbischen Behörden die bulgarischen Notabcln mit sich geschleppt. Biele davon wurden mißhandelt und getötet. Monastir ist von den serbischen Behörden befreit. Die Leitung der Stadt liegt in den Händen eines aus bulgarischen und griechischen Mir- gern bestehenden Komitees.

Die Engländer im Vormarsch gegen die Vulgaren.

IV. T.-B. London, 8. Nov. (Nichtamtlich.) Die englische Gesandtschaft in Athen erhielt ein Telegramm, wonach gegen» wärtig zwei englische Divisionen, das sind 40000 Mann, den Bulgaren entgegenmarschieren.

Die verbündeten als Herren in Salonikis

W.T.-B. Saloniki, 8. Noo. (NichtamMch. D«cht- bericht.) Wie die „Agence .Havas" erfährt, soll mit den griechischen Behörden ein Abkommen getroffen worden sein, welches den Alliierten gestattet, eine Lan­dung sv rücke zu bauen mrd eine neue Straße anzulegen, um die Verbindung zwischen dem Hafen und dem Bahnhof zu erleichtern. Die Ortsbehörden willigten ein. einen Teil der -Hafen- anlaaen für die Landung der Truppen der Alliierten zur Verfügung zu stellen unter der Bedingung, daß die Anlagen nicht für die Landung griechischer Trup­pentransporte benötigt werden, vie unveränderte Haltung der griechischen Regierung.

In Frankreich und Italien gibt man sich keinen Illusionen hin.

Er. Genf, 8. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) In Pariser leitenden Kreisen wird die Lösung, welche die griechische Ministerkrisis gefunden hat, dahin beurteilt» baß die Haltung Griechenlands im europäischen Konksikt unverändert bleibt, da alle politischen Faktoren des Landes mit Ausnahme der vcnizelolistischen Partei jeder Änderung der griechischen Neutralität abgeneigt sind. Griechenland im Konfliktsfalle.

Eine beruhigende halbamtliche Note.

Sr. Athen, 8. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Bln. T.-U.) Die Nachricht von dem Zusammenstoß starker bulgarischer und französischer Stteitkräfte in unmittelbarer Nähe der griechischen Grenze hat hier, wie bereits gemeldet, sehr ernst­hafte Besorgnisse erweckt. Der Ministerpräsident Zaimis hatte die Beantwortung einer Interpellation abgelehnt, durch welche die griechische Regierung gefragt wurde, welche Stellung sie einzunehmen gedenke, falls der Krieg auf griechisches Gebiet hinüberge spielt werden sollte. Die Blätter veröffentlichen nun eine halbamt­liche Note, in welcher der Standpunkt Griechenlands in dieser heiklen Frage folgendermaßen festgelegt wird: Die sich nahe unserer Grenze abspielenden Kampfe zwischen den Truppen des englisch-französischen Expeditionskorps und den Bulgaren haben hierorts in verschiedenen Kreisen weit­gehende Besorgnis über eine ungewollte Hineiirziehung Griechenlands in den Krieg erregt. Diesbezügliche Anfragen, die nach Sofia berichtet wurden, sind in freundschaftlicher Weise beantwortet worden. Wir glauben, versichern zu können, daß die bulgarische Regierung eine Ver­letzung der griechischen Grenze nach Möglichkeit zu vermeiden bestrebt sein wird. Die bulgarische Armee in Mazedonien hat, wie in Sofia erklärt wird, ein nur be­schränktes Programm, das mit der Besetzung Serbisch-Maze- doniens bis Monastir und des Geländes nördlich davon feine vorläufige Erledigung finden würde. An eine weitere Ausdehnung der Operationen wurde Bulgarien nur denken, wenn es sich durch englisch - französische Angriffe dazu gezwungen sähe. Die griechische Regierung ihrerseits wird, falls der Krieg tatsächlich auf griechisches Gebiet über­greifen sollte, sofort bri beiden Parteien feierlichen formellen Protest einlegen und aus der wetteren Ent- wickkung der Ereignisse möglicherweise noch andere Kon, scquenzen ziehen.