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Dienstag, 9. November 1915.
Morgen * Ausgabe.
Nr. 523. * 63. Jahrgang.
)
Oer Uebergang über die Morawa bei Trstenik erzwungen.
Abgeschlagene russische Angriffe in Wolhynien. — Erfolgreicher österreichischer Gegenangriff auf dem Lol di Lana. — Die ksöhenstellungen bei Ivanjica genommen. — Der Ausgang in das Becken von Leskovac wird erkämpft.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 8. Not,. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 8. November, mittags:
Russischer ttriegsschauplatz.
Bei S a p a n o w an der Jkwa, am Kor m i n b a ch und westlich von Czartorysk wurden russische Angriffe abgeschlagen. Sonst nichts Neues.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Ruhe an der S ü d w e st f r o n t hielt im allgemeinen auch gestern an. Im Nordabschnitt, an der Hochfläche von D v b c r d o, hatten unsere Truppen wieder einzelne Vorstöße des Feindes abzuwciscn. Um den Col di Lana wurde heftig gekämpft. Nachmittags fiel die Spitze dieses Berges in die Hände der Italiener, abends wurde sie von unseren Truppen durch einen Gegenangriff zuriickgewvnnen. Die feindliche Artillerie hat das Feuer auf die Südwestfront von Riva eröffnet.
Südöstlicher Rrregsschairplatz.
Die beiderseits des Moravica-Tales vordringenden österreichisch-ungarischen Kolonnen warfen den Feind aus seinen Höhenstcllungen nördlich von Jvanjica.
Die deutschen Truppen der Armee des Generals der Infanterie v. Kocvest kämpften aus den Höhen südlich von K r a l j e w o. Flußabwärts bei T r st e n i k haben sich unsere Streitkräfte den Übergang über die hochgchende M o r a w a erkämpft. K r u s e v a c und die Höhen östlich davon sind in der Hand des Generals v. Gailwitz. Die bulgarische Armee gewinnt in erfolgreichen Fortschritten die Ausgänge in das Becken von Leskovac.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs, v. Hofer, Feldmarschalleutnant.
Die Ereignisse auf dem IZalkan.
Der verblüffende deutsche Vormarsch.
Immer mehr erlahmende Widerstandsfähigkeit der Serben. — Die notdürftig ausgebauten Verteidigungsstellungen. — Ofsizi-rsmangcl beim Gegner. — Dir erste und wichtigitc Phaje des serbische» Feldzuges beendet.
Br. Berlin, 8. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Der Berichterstatter des „L.-A." meldet aus dem Felde unter dem 7. November: Der Angriff der Armee Gallwitz und Kocvcß geht mit verblüffender Schnelligkeit weitert Die gewaltigen Fortschritte wären kaum möglich, wenn die serbische Armee einen ernstlichen Widerstand leisten würde. Cs ist schwer erklärlich, warum diese Armee, die am Anfang unserer Offensive so bemerkenswerte Zeichen ihrer Kampftüchtigkeit und Entschlossenheit gab, den ernstlichen Kampf so schnell aufgcgeben hat. Was die serbischen Stellungen im allgemeinen anbelangt, so sind diese mit den russischen Stellungen nicht zu vergleichen. Sie sind durchweg sehr einfach und weniger sorgfältig ausgeführt. Sogar die soviel gerühmte Stellung von Kragujevac, die im Rufe der Uncin- nehmbarkeit stand, war nichts anderes als eine provisorisch vorbereitete Feldstellung. Die Einnahme von Vervcrius war eine große Überraschung für die Serben, die mrt einem so schnellen Vormarsch nicht rechneten, gestützt darauf, daß es der deutschen Armee nicht möglich sein würde, unter den unglaublich schlechten Wcgeverhältnissen so schnell vorwärts zu kommen. Bemerkenswert ist, daß am Anfang der Offensive die meisten Gefangenen M a z e d o ni e r waren. In der letzten Zeit sind etwa 70 Prozent Gefangene Serben, so daß man schließen kann, daß dir jetzt vor uns fechtenden Truppen den Kern der serbischen Armee bilden. Unter den Gefangenen befinden sich wenig Offiziere. Nach den Aussagen der Gefangenen ist in der serbischen Armee großer Offizicrmangel, so- daß die gegenwärtigen Offiziere anS den Unteroffizieren hervorgcgangcn sind, die am Balkanfcldzuge teilgenommen haben. Durch die Vereinigung der deutschen und bulgarischen Hauptmacht bei Krivir ist nun auch das endgültige Zusammenwirken der beiden Armeen verbürgt, so daß die erste und wichtigste Phase des Feldzuges Äs beendet betrachtet werden kann.
Artillerie- und Gewehrseuer bei lvallandoroo.
Br. Rotterdam, 8. ssiov. (Eig. Dralhtbericht. »Zens. Mn.) „Reuter" meldet aus Saloniki: Aus der Gegend von Wallandowo hörte man gestern viel Artillerie- und Gewehrseuer. Einzelheiten fehlen noch, aber gefangene bulgarische Soldten erzählten an der griechischen Grenzwache, daß die dort kämpfende bulgarische Division eine Umfassungsbcwcgung unternehme und aus die Franzosen einen starke Druck ausübe. Einige bulgarische Granaten sollen die Bahn nördlich von Gewgeli getroffen haben.
Die Franzosen in die Defensive gedrängt.
Die Verbindung mit den Serben bei Jstip noch nicht hergestellt.
Br. Kopenhagen, 8. Nov. (Eig. Drahöbericht. Zens. Bln.) Das „Journal" berichtet aus Saloniki, daß die französischen Trllppeu zur Defensive übergcgangcn seien. Tic Verbindung mit den s e r b i s ch e n Truppen, die um Jstip in verzweifelter Lage kämpften, sei noch nicht hergestcllt.
Türkische Kundgebungen anläßlich der
Verbindung Berlin-Sofia-konstantinopel.
W. T.-B. Konstantinopel, 8. Nov. (Nichtamtlich. Dnchtbericht.) In verschiedenen Provinzstädten finden anläßlich der Herstellung der direkten VevbinÄung der Türkei mit den Mittelmächten vaterländische Kundgebungen statt.
Kundgebungen vor der deutschen Gesandtschaft.
Berlin, 8. Nov. (Zens. Mn.) In seinem Bericht an den „B. L.-A." über den Jubel in Sofia wegen des Falles von Nisch meldet Kurt Aram u. a.: Bor der deutschen Gesandtschaft begrüßte in Abwesenheit des Gesandten sein Bertreter die jubelnden Scharen, dankte für die Kundgebung, gab der Freude über die Siege der verbündeten Völker Ausdruck und schloß mit einem Hoch auf die verbündeten Fürsten, Heere und Völker. Nachdem die „Wacht am Rhein" gespielt worden war, hielt ein Bulgare in deutscher Sprache eine Rede. Unter unzähligen Hochrufen und den Klängen der bulgarischen Hhmne zerstreute sich alsdann die Menge.
Die Schwierigkeiten des Expeditionskorps.
W. T.-B. Paris, 8. Nov. (Nichtamtlich. Drccht- bericht.) Blättermeldungen aus Saloniki zufolge sind die Bewegungen des Expeditionskorps in SMmipAe- idonien infolge des DLangels an Eiisenbahnen und Straßen ä u tz e r st langsam. Die Hilfsquellen des Landes sind außerdem durch die Balkankriege erschöpft. Man begegne immer wieder unerwarteten Schwierigkeiten. Kürzlich mußten die Franzosen, da keine Pferde vorhanden waren, ihre Batterien mit Büffeln in Stellung bringen. Ferner ist die Wit- terung äußerst ungünstig. Alle Straßen und Wege sind von den letzten Regengüssen aufgeweicht und grundlos.
Der Nachschub zur Front.
W. T.-B. Paris, 8. Nov. (Nichtamtlich. Draht- dericht.) „Petit Parisien" meldet aus Athen: Der eng- lische Gesandte in Athen meldet, daß zwei englische Divisionen nach der bulgarischen Front unterwegs sind; andere Kontingente sollen folgen. Ferner wird gemeldet, daß die Alliierten täglich 1 o b i s 2 0 Eisen- bahnzüge mit Truppen von Saloniki an die Front abigeihen lassen können.
Der Zeldzug in Serbien.
Amtliche deutsche Darstellung.
Aus dem Großen Hauptquartier wird Uns geschrieben: Als sich in der zweiten Hälfte des Monats September der Aufmarsch der verbündeten Heere auf dem nördlichen Donanufer vollzog, dachte man in Serbien noch nicht an die von dorther drohende Gefahr. Es galt für die Verbündeten, den Serben möglichst lange in seinem Glauben zu belassen, um dann überraschend mfi starker Kraft cm verschiedenen Stellen gleichzeitig serbischen Boden betreten zu können. Hielten auch nicht die Hauptkräfte der Serben das südliche Donanufer beisetzt, so ergaben doch die angestellten Erkundungen, daß der Feind ebenfalls hier auf der Hut war und die Noüdgrenze seines Reiches mit fortlaufenden Verteidigungsanlagen versehen hatte, zu deren Besetzung nicht unerhebliche Truppen und Artillerie bereit standen. Den Hauptstützpunkt der Verteidigungsanlagen bildete die Festung Belgrad, jenes alte Bollwerk, das seinerzeit von den Türken angelegt, der ruhmvolle Kriegsschauplatz Prinz Eugenscher Truppen gewesen war. Hier sollten 200 Jahre später die Nachkommen jener siegreichen Heere, wiederum zum Bunde vereint, sich ihrer Vorfahren würdig erweisen.
Unter dem Oberbefehl des Gcneralfeldmarschalls van Macke n s e n hatte sich der Apsmarfch der Armeen Koeveß und Gallwitz planmäßig vollzogen. In den ersten Oktober- tagcn standen die deutsch-österreichisch-ungarische Armee im Save-Dlmau-Dreieck, die deutsche Armee zwischen Tcmcs-
und Karassluß. An der Savemüwdung und an dem Donaubogen bei Ram sollte zuerst der Übergang erzwungen werden, dort war die Masse der Geschütze in Stellung gebracht, dort hatten die Pioniere in mühevoller nächtlicher Arbeit Brücken und Übersetzmaterial aller Art bercitgestellt. Vom Feinde war in den Zeiten der Vorbereitungen wenig zu merken; hin und wieder feuerte serbische Artillerie vom südlichen Ufer, doch ohne Erfolg; hier und dort mahnten serbischo Flieger, noch nicht zu offen die Karten aufzudeckcn. Ihrem zu häufigen Erscheinen wurde indessen bald von den inzwischen eingetroffenen deutschen Fliegerabtei lun gen ein Ziel gesetzt; in breiter Front überflogen sie serbisches Gebiet, bekämpften im Lustkamps ihre Gegner, belegten die Arsenale und Militärlager ausgiebig mit Bomben und ergänzten durch ihre Aufklärung jenes Bild, das man sich mi oberster Stelle über den serbischen Aufmarsch gemacht hatte.
Am 6. Oktober begann an genannten Stellen das sich von Stunde zu Stunde steigernde Art-llerieseuer und mit ihm die unmittelbare Vorbereitung zum Donauübergang. Das Oberkommando beabsichtigte, zunächst auf den Höhen südlich Belgrad und beiderseits der Anatema-Höhe, später rechts und links der Morawa, Brückenköpfe zu schaffen, unter deren Schutz die Truppe befähigt sein sollte, das zur Offensive erforderliche Material auf das südliche Donauufer zu ziehen. Gleichzeitig ausgeführte kleinere Unternehmungen längs der Drina, an der nfittleren Save sowie an der Donau zwischen Bk. Gradiste und Orsowa, sollten den Feind über die Absichten der Verbündeten im unklaren lassen. Am späten Nachmittag des 6. Oktober stießen im Beisein des Geneval- feldmarschalls v. Mackensen die ersten Freiwilligen bei Palcmk vom ungarischen Donauufer ab. In schneller Fahrt wurde der reißende Strom überwunden und in gespanntem Schweigen begleiteten die zurückgebliebenen Kameraden jene braven Thür in ger, die als erste Deutsche serbischen Boden betraten. Noch immer hatte sich beim Feinde nichts gerührt, zeitweise grüßte ein serbischer Kanonenschuß von der Ana- tema-Höhe ans, sonst schien das feindliche Ufer wie au-sge- storben. Direkter Widerstand war demnach hier nicht zu erwarten. Trotzdem entschied man sich, den Übergang der Massen an dieser Stelle nicht in die Nacht hinein vorzunehmen. Die steil vom Ufer aus ansteigende Gorica-Höhe konnie in ihren Schluchten feindliche Kräfte bergen, deren Vorstoß bei Dunkelheit den Unsere verhängnisvoll werden konnte.
Am frühen Morgen 'des 7. begann der Übergang der Infanterie an drei verschiedenen Stellen. Komitatschis (Freischärler), die sich in dem Dorst Ram und seinem hart am Fluß gelegenen malerischen Kastell zur Wehr setzen wollten, wurden überrannt. Was den deutschen Kolben nicht kennen lernte, wanderte auf den zurücksahrenden Pontons in guten Gewahrsam. Mit Bergstöcken ausgerüstet, begleitet von zahllosen kleinen Pferden, deren Rücken Munition und Maschinengewehre trugen', so erkletterte unsere Infanterie das wegelose ungewohnte Höhengelände. Schwache, mit ungenügenden Kräften geführte Gegenstöße der Serben vermochten das Fortschreiten deutscher Truppen nicht auszuhalten. Bis zum Abend war die Gorica-Höhe in unbestreitbarem deutschen Besitz, starke Infanterie hatte sich eingegraben, Maschinengewehre waren eingebaut und Gebirgsgeschütze lauerten in Stellung auf den Versuch des Feindes, uns lms besetzte Gebiet wieder zu entreißen. Anders stand es um den Übergang bei Belgrad; dort verfügte der Foind schon zum Schutze seiner Hauptstädt über starke Artillerie. Englische und französische Geschütze krönten gemeinsam mit serbischen den Kalimogdan, jene 'der Hauptstadt vorgelegene weichin sichtbare Zitadelle, und mittlere und schwere Kaliber harrten auf deu überragenden Höhen des Topcider und Barnovo ihrer Ziele. War die Wirkung von der Kacas- Mündung her eine mehr moralische, so galt es hier im schweren Artillerie-Duell erst seine Überlegenheit zu beweisen. Noch war cs nicht geglückt, die zum Teil gut eingedeckten schwer auffindbaren Geschütze zum Schweigen zu bringen, als bereits die Zeit für den Übergang gekommen war. Die gegen Sicht schützende Nacht mußte hier helfend beisteheu. Als der Morgen graute, lagen vier österreichisch- ungarische Bataillone am Fuße der Belgrader Zitadelle. Notdürftig durch einen Bahndamm gedeckt, mußten jene Tapferen in schwerem Kampfe 12 Stunden ausharren, bis die Nacht ersehnte Verstärkungen brachte. Deutsche waren unterdessen in fortlaufendem Übersetzen auf die vom Feind besetzte, südwestlich Belgrad, gelegene Große Zigeuner-Insel gestoßen. Hier lauerte im dichten Buschwerk ein gut bewaffneter, zäh sich verteidigender Gegner. Trotzdem viele Pontons, von Schüssen durchbohrt, kenterten oder auf Minen liefen, trotzdem die Strömung manches Fahrzeug mit sich riß, trotzdem durch Handgranaten und Maschinengewehrseuer große Lücken in die Reihen gerissen wurden, die braven Mannschaften liehen sich nicht aushalten, sie drangen vorwärts und entrissen im Bajonettkampf dem Feinde Schritt für Schritt. Die Verbindung zum nördlichen User war abgerissen, da sämtliche Übersetzungsgelegenheiten' zerstört, die sie bedienenden Pioniere außer Gefecht gesetzt waren. Sechs Kompagnien aber hielten gegen starke Überlegenheit im heldenhaften Kampfe eine notdürftig mit dem Spaten geschaffene uneinnehmbare Stellung.
Der Abend brachte Verstärkungen und bis zum frühen Morgen des 8. war das östliche Drittel der Großen Zigeuner. Jnsellin deutschem Besitz. Unverzüglich wurde der. Übergang.
