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Sonntag, 7. November 1915.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 521. 63. Jahrgang.

Die montenegrinische yauptstelung östlich Trebinje durchbrochen.

Km unteren Stqr weiterer Raumgewinn. wieder diebösen wiiterungsverhSltnisse" an der italienischen Front. Die weiteren großen Fortschritte in Serbien. Die Krmee Gollwitz nähert sich der Talenge von Rrusevac.

Oer österreichisch-ungarische Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 6. Nov. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 6. November, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz

Der Feind unternahm gestern südöstlich von Wis- niowczyk gegen unsere Strypafront Zwei starke Angrissc. Seine Angriffskolonncn brachen, schwere Verluste erleidend, unter unserem Feuer zu­sammen. Die Russen zogen sich schließlich sowohl hier als auch östlich von Burkanow und Bieniawa in ihre H a u p t st e l l u n g e u zurü ck. Die Zahl der in den Kämpfen von Sicmikowce ringebrachtcn Gefange­nen stellt sich auf 50 Offiziere und 6000 Mann. Am unteren Styr gewannen unsere Angriffe schritt­weise Raum.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die Ruhe an der S ü d w c st f r o n t hielt im großen und ganzen auch gestern an. Hierzu mögen die aus den amtlichen Berichten der italienischen obersten Heeresleitung bekannten ungünstigen Witterungsverhältnissk beigetragen haben. Vereinzelte Angriffe des Feindes wurden abgcwiesen. Im Abschnitt von San Martina sind noch Nah­kämpfe im Gange.

Südöstlicher ttriegs»chauplatz.

Die an der montenegrinischen Grenze tämpfeudcn österreichisch-ungarischen Kräfte erstürm­ten vorgestern östlich von Trebinje den Jlino B r d o und durchbrachen damit die montenegrini­sche Hauptstellung. Gestern wurde der Feind bei der Ruine Klobuk. geworfen.

Von der Armee des Generals v. K o e v c ß gewann eine österreichisch-ungarische Kolonne Klicura, süd­lich von Ariljc; eine andere drängte den Gegner über die Jelica und» südöstlich von Cacac zurück. K r a l j c w o wurde von deutschen Truppen beseht. Weiter südöstlich überschritten deutsche und öster­reichisch-ungarische Abteilungen die westliche Morawa. Die Armee des Generals v. Gallwib nähert sich der Talen ge nördlich von Kru sev ac. Der serbische Hauptwaffenplatz Nisch befindet sich in bulgarischer Hand. Auch S o k o - B a n j a und die Höhe westlich von Lukowo wurde van den Bulgaren genommen, über­all werden viele in Zivil gekleidete Deserteure der serbischen Armee aufgcgrifscn.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs, v. H ö f e r, .Feldmarsckialleutnant.

Die Ereignisse auf dem Balkan. Deutschlands Glückwunsch für unseren tapferen Bundesgenossen zur Eroberung von Ni>p.

W. T.-B. Berlin, 6. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) DieNordd. Mg. Ztg." schreibt: Die Einnahme von Nisch, der zeitweiligen Hauptstadt Serbiens, durch bulgari­sche Truppen reiht sich den vorangegangenen Waffentaten Bul­gariens würdig an. Mit hoher Freude vernimmt das deutsche Volk die Kunde von dem neuen Erfolg des bulgari­schen Heeres, das in drei Wochen auf der langen Front von der Donau bis zur griechischen Grenze einen Schlag nach dem anderen geführt und tief in Fein­desland eingedrungen ist. Serbien erleidet seine gerechte Butze für die H a n d l a n g e r d i e n st e, zu denen es sich f' e v l e r i s ch hergegeben hat, wie fiir den T r e u b r u ch, den es gegenüber Bulgarien verschuldete. Bulgarien kämpft für eigene nationale Interessen und heftet den Sieg an seine Fahnen, durch hervorragende soldatische Tüchtigkeit, getragen von der hohen sittlichen Kraft eines Volkes, das sich vcwuht ist, Recht und Moral auf seiner Seite zu haben. Fm Dienst ihrer eigenen Interessen kämpfen die Bulgaren ober zugleich Schulter an Schulter mit Deutsch­land, Österreich-Ungarn und der Türkei für die Sicherung des europäischen Friedens, gegen die fortgesetzten Quertreibereien des Dreiver­bands. Für dieses sind die Völker der B alkanhalb­in s e l nichts als ein Spielball politischer Hinterhältig- keir gewesen. Die Balkanstaaten dursten kein wirkliches Selbstbestimmungsrecht haben, sie sollten lediglich ein Wer k- zeug bei der Durchführung fremder Anschläge sein und bleiben. Weil Bulgarien sich seine Unabhängigkeit wahren wollte, siel es bei dem Dreiverband in Ungnade; cs

wird sie zu tragen wißen und mit eigener Hand sein staatliches Dasein auf breiter Grundlage so f e st ausbaucn, datz es fortan noch sicherer als schon bisher für seine nationalen Ideale wird leben und wirken können. Mit Stolz folgt das deutsche Volk den heldenmüti­gen Taten der bulgarischen Verbündeten und wünscht ihnen auf dem Feld der Ehre weitere Erfolge bis zur ^end­gültigen Entscheidung, die die Bahn zum ferne­ren Erstarken und Gedeihen Bulgariens eröff­nen wird.

Nisch.

Zur Berichtigung eines Fehlers in der Abend-Ausgabe, sei darauf hingewiesen, datz die Einwohnerzahl von Nisch natürlich etwa 30 000 beträgt und nicht 300 000 , wie ange­geben.

Der amtliche bulgarische Bericht vom 4. November.

IV. T.-B. Sofia, 6. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Amtlicher Bericht über die Operationen am 4. November: In der Richtung Alcksinac erreichten unsere Truppe» die Gegend Soko-Banja. Nach heftigem Kampfe nahmen wir vor Nisch die vorgeschobenen Stellungen auf der Nord- und Ostfront der Festung. Wir erbeutete» zwei Geschütze, 2 Munitionswagen und machten 400 Gefangene. An der Eisenbahn Knjazevac - Svrljig erbeuteten wir eine Lokomotive und 103 Wagen mit einer großen Menge Material sowie für die Genietruppe bestimmten Geräte.

Südlich S t r u m i tz a wurden unsere Truppen von zahlenmäßig überlegenen englisch-franzöfischen Kräften angegriffen. Durch heftige Gegenangriffe wurden diese im Bajonettkampf zurückgcworfen und erlitten erhebliche Verluste. Die Kämpfe entwickeln sich für uns günstig und sind mit den Franzosen aus der Front Krrvolac - Sonitsh - Glava im Gauge.

Die schamlosen Bestechungsversuche der Entente in Bulgarien.

Neue FeststeSuugen der bulgarischen Regierung.

Br. Sofia, 6. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Mn.) Das RegierungsorganNarodni Prava" beschäftigt sich heute mit den Bestechungsvcrsuchen der Entente. Es veröffent­licht die Namen einiger Firinen, die von den Agenten der Entente Geld empfangen haben, und teilt die Art ihres Vorgehens mit. Führer der Agitation war ein Herr de Clausiere, der im ganzen Lande meist Weizen und Bohnen aufiaufte, und zwar zu den sonderbarsten Be­dingungen: er erkundigte sich nach dem richtigen Marktwert und verlangte nie eine Bescheinigung. So sind im ganzen 18 Millionen im Lande verteilt wordenfür den An­kauf von Lebensmitteln", von denen sich die Verkäufer von vornherein klar waren, datz sie nie aus dem Lande gelangen würden. Der tatsächliche Wert der für 18 Millionen erstandenen Lebensmittel beträgt nur zwei Mi ll tonen. Weiter ist unwiderleglich ststgestellt worden, datz zusammen mit de Clausiere der erste Sekretär der englischen Ge­sandtschaft arbeitete. So hat schreibt das Blatt die Entente in unserem Lande schachern wollen. Das Land wird ihr zeigen, datz solche Beleidigungen nur mit Mut abge­waschen werden können.

Englands und Frankreichs Hilfe aus Gnade und Barmherzigkeit.

Serbien eigentlichallein der Klient Rußlands". Ein magerer Trost für die Serben.

W. T.-B. London, 6. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) DieDaily Chronicle" betont in einem Leitartikel, datz Ser­bien eigentlich keinen Anspruch auf die Hilfe Englands und Frankreichs habe. England und Frankreich toäven durch die Ehre oder die Politik nicht verpflichtet, für die Unab­hängigkeit und Integrität Serbiens bis zum letzten Augen­blick einzutreten, wie in dem Falle Belgiens. Serbien war allein der Klient Rutzlands. Trotzdem erkennen Frank­reich und England jetzt, datz sie Serbien nichtohneHilfe untergehen lassen dürften.

Oie griechische Krise.

O Berlin, 5. November.

Selbstverständlich werden die Nerbinbungs- fäden zwischen Venizelos und dem Vierver­band e gerade in der letzten Zeit kritischer Zuspitzung noch in ehr als vorher geknüpft gewesen sein. Als Beauftragter und Werkzeug unserer Feinde hat cs jetzt Venizelos zu einer Ministerkrise getrieben, aber wir dürfen das Vertrauen haben, 'datz auch dieser neueste Streich gegen König Konstantin und seine Ratgeber fehl schlagen wird. Der König hat seine Wahl getroffen, das Heer steht auf seiner Seite, alle besonnenen und einsichtsvollen Griechen haben die Vermutung eines Augen Verständ­nisses für die Politik des Königs für sich. Indessen mutz man bei der Betrachtung der Lage den Stand­punkt des Herrn Venizelos zu verstehen suchen, und wenn man sich darum bemüht, wird man sogar um so eher zu dem Urteil gelangen, daß dieser ver­schlagene Mann schließlich doch ans das falsche Pferd setzt. Es liegt, auf das Letzte hin angesehen, so, ,baß es

für eine Durchs ü h r u n g der Venizelosschen Politik, die an und für sich, vom Standpunkt des unmittel- barcrxHnteresses aus gesehen, vielleicht einiges für sich Wen mag, inzwischen reichlich zu spät ge- wovden ist. Als unser Vorstoß gegen Serbien erst ge­plant und noch nicht in der Ausführung begriffen war, hätte Griechenland vielleicht das Schicksal zu­gunsten der Serben und zur Gewinnung neuen Land­besitzes wenden können. Das wäre freilich eine sehr kurzsichtige Politik gewesen, denn sie würde nur durch­zuführen gewesen sein unter der für die Zukunft Griecheirlands unheilvoll belastenden Bedingung, daß in Konstantinopel und an den Meerengen fortan Ruß­land geherrscht hätte, und daß die albanisch« K ü st e in i t a l i e n i s ch c Botmäßigkeit geraten wäre. Immerhin Griechenland konnte verfahren, wie es Veni­zelos wollte. Kann es das aber heute noch? In­dem Venizelos die Frage bejaht, erweist er sich als kleiner, kurzsichtiger, beschränkter, als er bis dahin be­urteilt worden war, beurteilt auch von denen, die seine Politik als Störung der eigenen Interessen empfanden. Wir Deutschen dürfen uns. mit Fug und Recht die 'Fähigkeit zuschreiben, uns mit jeder nur möglichen Ob- jektivstät in die Seele auch feindlicher Faktoren hinein- zusinden. So haben wir ein bereitwilliges Verständ­nis dafür, aus welchen Triebkräften die Gegner der Regierungen in Athen wie in Bukarest den Übertritt ihrer Staaten zuni Vierverbande fordern. Wir geben ohne Zögern zu, daß diesen Elementen Ziele Vorschü­ben, die scheinbar einen greifbaren und bald zu er­ringenden Vorteil darstellen, ansehnlichen Land­gewinn auf Kasten unserer Verbündeten, für Griechenland auf Kosten der Türkei und Bulgariens, für Rumänien auf Kosten Osterreick>°Ungarns. Das geben wir zu, aber das ist auch für den König Konstan- tin und für den König Ferdinand von Rumänien keine neue Weisheit, sic sehen solche Möglichkeiten selbst­verständlich erst recht in der Nähe winken, jedoch hob«: sie ihre ausgezeichneten Gründe dazu, der ge­fährlichen Lockung zu w i d e r st e h e n. Sehr möglich, daß man in Athen wie in Bukarest der Meinung ist, durch den Mer gang zu unseren Feinden wirklich den Kriegsverlcms rückgängig machen und durch das Schwergewicht neuer Truppen den Kampf gegen uns und unsere Verbündeten entscheiden zu können. Trotz dieser Auffassung, die wir einmal unterstellen wollen, und die ja auch der psychischen Verfassung in beiden Ländern entsprechen würde, halten aber die heutigen Machthaber in Athen und in Bukarest an dem Entschluß zur Neutralität fest. Sie tun es in der Über­zeugung, daß ein nüt ihrer Hilfe erfochtener Sieg das Gold eines glänzenden Gewinnes sehr bald in schmutzi­ges Blei verwandeln müßte. Ein über die Trüm­mer H st erreich-Ungarns und der Türkei hinwegschreitendes Rußland wäre gleichbedeutend mit der Herabdrückung aller Balkan- staaten in ohnmächtiges Vasallentum. Diese Einsicht ist nach mancherlei Schwankungen -dort unten lebendig geworden, wir können zuversichtlich er> warten, daß auch sie die w ei ter e n Schritte der grie­chischen Politik bestimmen wird.

weitere Truppenlandungen in Saloniki:

W. T.-B. Mailand, 6. Nov. (Nichtamtlich. Draht- bericht.) Der Sonderberichterstatter desCorriere della Sera" meldet aus Saloniki, daß die Truppenlandun­gen der Alliierten seit einigen Tagen ausnahms­weise lebhaft vor sich gehen. Der Mschub nach der serbischen Front erfolge, da nur eine einzige Bähn- lipie vorhanden sei, langsam, aber regelmäßig. Tie Engländer wurden wesüich Rabravo ausgestellt, wodurch einige französische Abteilungen frei wurden, die zur Verlängerung der Front der Alliierten über Negotin in Mazedonien und Krrvolac hinaus verwert det wurden.

Nein neuer bulgarischer Schrill i« Kthen.

Eine neuerliche Protestnote Griechenlands an den Vierverband.

Br. Sofia, 6. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Blir.) Be­züglich der Meldungen über einen neuen bulgarischen Schritt in Athen gegen die Zulaffung der Landung von Entente­truppen wird von bestunterrichteter Seite erklärt, die Nach­richt sei ohne Grundlage. Die bulgarische Regierung braucht einen solchen Schritt nicht zu unternehmen, da die gelandeten Truppen bereits geschlagen sind und neue Landungen recht wenig wahrscheinlich sind. Man kann von Griechenland nichts Unerfüllbares verlangen. Es würde mit der tätlichen Verhinderung der Ententeaktion in einen Krieg gerissen werden, der kata- strrphal werden müßte infolge seiner geographischen Lage. Aber auch die Entente wird es ihrerseits ver­meiden, Griechenland noch mehr zu reizen, um es nicht ganz aus den Händen zu verlieren.