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«iS Jahrgang. Verlag: Lanaqasse 27 Sln,tigen-Preisr

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N- 561«

Berlags-Fernsprechcr Ro. 2SSS.

Morgen - Ausgabe.

1. Matt.

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Parlamenls-Uevolution.

t. Bndapest, 28. November.

Seit unserem letzten Berichte sind- die Ereignisse, die mir vomusgesagt, eingetreten. Ministerpräftdent Gras Stefan Tisza hat -mittels eines Putsches die Andening her Hausordnung des ungarischen Mgeovdnetenhauses aewaltsam dirrchgesetzt. Die -gesamten Oppositrons-Par. leien haben sich, 160 Mann hoch r-alliiert, die neue Haus- nrdnunq fiir illegal erklärt und den gemeinsamen Be- scklub gefaßt, dieselbe nicht zu respektieren; aus der liberale» Partei aber sind bisher an 20 Wgoovdnete, darunter Graf Julius Andrassy und Koloman v. Szell, ausgetreten und man glaubt, daß die Sezession -aus der Rsaierungsp-artei noch immer nicht beendet ist. -IM «ande selbst haben diese Ereignisse auch bereits ihr Echo gefunden; Volksversammlungen, Demonstrationen mit blutigen Zusammenstößen zwischen Volk und Polizei, Straßenumzüge und Protest-Kundgebungen stnd an der Tagesordnung. Dabei stehen -die politische Parteien einander wie zwei feindliche Armeen h.aßentb-mnnt und kampfgerüstet -gegmüber, bereit, sofort bei Wieder-Eroff- in.'« der Session in des -Wortes eigenster Bedeutung aufeinander loszustürzen und den Kampf ihrer Ub-er- »eugungen mit den Fäusten fortzusetzen. Die Sifimfiou ist bedrohlich, lote noch nie. Wenn am 9. Dezember die Regierung das Parlament wieder eröffnet, wird es nicht au parlamentarischen Verhandlungen, wohl aber zu einer offenen Parlaments-Revolution kommen. Die Regie- rnna ist entschlossen, sich im Dezember ans Grund der neuen Hausordnung die Jndemmty und die Vofierung des Rekruten-Kontingents zu erzwingen, um dann, von diesen dringendsten Sorgen befreit, die Neuwahlen vor­nehmen zu kölinen, die angeblich das Vorgehen der Re- giernng ratifizieren sollen. Die Opposition ist ebenso feit entschlossen, der Gewalt die Gewalt gegennberzu- stellen Man rechnet bereits mit physischen Zusammen­stößen und die Regierung will mit einem angeworbenen Korps von 10 Gendarmen eure Art Parlainents-Lcib- wachc bilden, welche beit Präsidenten vor tätlichen ^n- fulten zu schützen uiid seiiie Befehle -auszu-führen hat. Dessenungeachtet erhält sich die Auffassung, daß die Oppo­sition -absolut nicht gewillt ist, nachzugeben, oder irgend etwas was auf Grund der illegalen Hausordnung vor- qenommen wird, als gesetzlich anzuerkennen, w man hört sogar d-avon, daß aus ihren Rechen für den ^all der Ge-walts-aiiiwendung im Parlamente Attentate geplanl feien Hierbei hofft die Opposition auf dre tatkräftigste ffnterftützung der Straße, die sich bei diesen Schrecken­szenen zum Worte melden wird, während dre Regierung vls ultima ratio auf die Bajonette verweist und auf alle Fälle -gesonnen ist, -die beiden erwähnten Vor­lagen, coute que coute, durchzupechchen. Und was

Donnerstag» den 1. Dezember.

soll dann werden? .... Das ist die unheimliche ver­hängnisvolle Frage, auf die niemand die rechte Antwort weiß. Die Opposition behauptet, der König habe nicht das Recht, die auf gewalttätigem Wege erfolgten Be­schlüsse des Parlaments zu sanktionieren, die Regierung erklärt hinwieder, -daß die Krone es sich nicht beifallen lassen werde, das wichtige Majoritätsprinzip zu -durch­löchern und auf diese Weise dem Parlamentarismus den Boden zu entziehen. Dabei läßt die Regierung,merken, daß sie vor den Neuwahlen, welche -die starke Hand Tiszas -durchführen werde, keine Angst zu haben brauche. Die Ostpoifition hingegen baut darauf, daß das ganze Land in Aufruhr geraten, den illegalen Beschlüssen des Abgeordnetenhauses den Gehorsam verweigern, keine Steuern zahlen und keine Rekruten stellen und bei den Neuwahlen, falls diese überhaupt stattfinden können (denn es besteht seitens der Opposition auch der Plan, eventuell auch der Auflösung des Hauses Widerstand zu leisten -und als Rumpf-Parlament beisammenzubleiben), dem Standpunkte der Opposition zum Siege verhelfen werde. Und wenn wir nun auch das Beste erhoffen, daß nämlich heute beide Parteien zu schwarz sehen, daß die Wahlen stattfinden und die Regierung wieder dies wäre der beste Fall ihre alte Majorität erhalten werde, wird- deshalb die Opposition von der Erde ver­filzt, werden deren gerechte Klagen über die Ungesetzlich­keit des Vorgehens der Machthaber verstummt sein? Nie und nimmermehr! Wer das Landhaus -dieser furcht­baren Krise hinausführen könnte, fürwahr, der müßte als ein politischer Erlöser empfangen und vom Jubel des Volkes begrüßt werden.

Politische Übersicht.

Das Deutschtum der deutschen Schiffahrtsgesellschaften.

DieHam-burg-Amerika-Linic" und derNorddeutsche Lloyd" gelten bekanntlich als Gesellschaften, die in ganz besonderem Maße berufen sind, den deutschen Unter­nehmungsgeist zur See dem Auslande gegenüber zu repräsentieren, und wenn vor kurzem ein hervorragender Offizier der aktiven Marine auf persönliche Initiative des Kaisers in den Verwaltungsrat der erstgenannten Gesell­schaft trat, so konnte das füglich als Symptom für die Wertschätzung gelten, die den erwähnten Unternehmungen von seiten unserer höchsten Regierungskreise zuteil wird. Um so bedauerlicher ist es, daß die beiden Institute, statt der heimischen Jndustriö nach Möglichkeit förderlich- zu sein, gelegentlich -den deutschen Interessen vor den Kopf stoßen. So ließ derNorddeutsche Lloyd" früher seine großen Schiffe fast ausschließlich in England bauen, und wenn er mit dieser Gepflogenheit auch als staatlich sub­ventioniertes Unternehmen gebrochen hat, so weist das Bureau desNorth-German-Lloyd" in Paris doch auch heute noch darauf hin, daß. die -deutsche Gesellschaft es gelegentlich angezeigt findet, ein englisches Kleid über­zuwerfen. Ein neuerlicher Vorfall zeigt, daß auch die

Kenilletorr.

Moderne Hotel-Industrie.

Von Willibald Graescr.

Andersen, dessen Märchen non den Erwachsenen viel . roenig gelesen werden, obgleich es der Dichter häufig cht an einer feinen -Satire auf Zeit und Zeitgenopeu sten läßt, ironisiert in einer lustigen Fabel das ewrge b und Weh nach der verschwundenenguten, alten Zerr , dem er einen weltfremden, unpraktischen Gelehrten um- iche Jahrhunderte in der Zeitrechnung zurückversetzt id eine Reise voll böser Fährnisse und Entbehrungen

^Hätte^ Dänemarks Märchendichter, dessen letzte große eise in das Jahr 1862 fällt, die Welt gekannt,, wie sie ute. 40 Jahre später ist, so hätte er zugunsten der egenwart noch stärkere Farben aufiragen können, ährend der Reisende vor mehreren Jahrhunderten be- ttett mit dem QJtßtticIfßcf und ein pctctr ungeheuren, nctrf geladenen Sackpuffern mit Radschloß von Ort zu rt zog, seinen Gaul selber cinstellen und versorgen, indenlang auf das Essen warten und am nächsten Mor- n ohne Frühstück mit nüchternem Magen ferne Straße eiterziehen mußte, begibt man sich heute, mit einer aunitur Hotelcoupons versehen, auf dre -weitesten eisen. Man steigt, aus dem Bahnhof kommend, rn den otel-Omnibus und hat von nun an nur noch zu komman- eren, um ein halbes Dutzend dienstbarer Geister in Be- egung zu setzen. Nach einigen kurzen Worten im ureau wird man durch den Fahrstuhl bis in die obersten tockwerke gehoben. Man findet je nach Wunsch Salons mi Badekabinett von der elegantesten Ausstattung und nfache, aber reinliche Zimmer. Will man am nächsten sorgen zeitig geweckt sein, so braucht man nicht zu -be­uchten, daß Johann, das Prototyp des deutschen Haus- -lechts, sich verschläft und der Reisende-den. Zug versäumt.

Ein leichtes Knipsen an der Wand neben der Tür oder neben dem Bett setzt die elektrischen Glühlampen in,Be­wegung. Im Parterre befinden sich ein elegantes Restau­rant, ein Kaffeehaus oder Frühstücksräume. Telephon steht selbstverständlich zur Verfügung. Gebrauchte Wäsche wird längstens Linnen vierundzwanzig Stunden tadellos gesäubert. Aus Len Drehhähnen -des Marmorwäschtisches fließt nach Bedarf warmes und kaltes Wasser. Will man abends in ein Theater gehen, so wird unter den noch ver­fügbaren Plätzen durch den Fernsprecher das gewünschte Billett aus-gewählt.

Ein Briefkasten befindet sich selbstverständlich in der Eingangshalle oder in dem zum Palmengartcn umgewan­delten Lichthofe und endlich vervollständigen noch -eine lSalonlkapelle, -die wahrend der Maylzeitsstun-öen -den Gästen ansspielt, und ein Reisebureau, in dem man Bahn- und Dampsschiffskartcn nach allen Windrichtungen erhält, das Ense mb lj eines modernen Riefcsthotels, in dem man wochenlang, ohne das Gebäude zu verlassen, umgeben von allen Bequemlichkeiten, wohnen kann.

-Allerdings finden sich solche Mustergasthäuser in -wirk­lich großer Zahl nur in -der Schweiz, dem Fremöenlan-de par excellence und sonst noch in den Großstädten Eu­ropas in größerer Anzahl. Kommt man in mittlere Städte, so mutz man seine Luxus ansprttche zwar um ein bedeutendes Stück herunterschrauben, wird jedoch immer noch der Neuzeit cnffprechend bedient sein. Und wenn endlich in entlegenen, kleinen Nestern der Besitzer und Hausknecht immer noch -die gemütliche deutsche Zipfel­mütze auf dem Kopf zu haben scheint, so darf man eben nicht vergessen, -daß dort, wo die Nachfrage gerin-g ist, das Angebot von Leistungen in seiner Qualität nickst.das denk­bar Beste geben kann. Obendrein verabsäumt es -der Deutsche in seiner bekannten Bedürfnislosigkeit -und Be­scheidenheit auch zumeist, am richtigen Orte kategorisch zu fordern, während der Engländer cs durchgesetzt hat, daß die großen Hotels in den Ländern des Touristenverkehrs nach seinen Gewohnheiten -eingerichtet wurden, wobei er, trotzdem er mit Trinkgeldern knausert- und an Her Rech-

RrdaktionS.Ferusprecher No. 52. 1904«

Hamburg-Amerika-Liuie" in dasselbe Harn zu blasen verficht. Bekanntlich plant diese Gesellschaft für das Jahr 1905 die Einrichtung von st la earts-Restauranis auf dem Ozean, die zunächst versuchsweise auf zwei noch im Bau befindlichen Schissen, derAmerika" und de'.' Kaiserin Auguste Viktoria", eingeführt werden sollen. Man dürfte bei aller Wertschätzung der englischen Küche und -des Restaurafions-w-esens unserer Vettern jenseits -des Kanals erwarten, daß Einrichtung und Betrieb dieser -Restaurants in deutsche Hände gelegt würden. Statt -dessen erfahren wir, daß -die Carllon-Hotel-Ge- sellschaft in London den entsprechenden Auftrag erhielt, der, wie in ihrer Generalversammlung betont wurde, reichlichsten Gewinn bringen dürfte. Es liegt uns naüir- lich fern, jenem- Chauvinismus das Wort zu sprechen, der jeden derartigen -Abschluß mit dem Auslände -als Verrat an der nationalen Sache brandmarkt, aber andererseits muß unter sonst -gleichen Umständen eine Bevorzugung der deutschen Offerte denn doch -als naheliegende Pflicht angesehen werden. Im vorliegenden Fall wurden die Deutschen nicht einmal zum Wettbewerb zugelassen. Nach der Richtung hin können die deutschen Gesellschaften von ihren englischen >md amerikanischen Konkurrenten noch manches lernen!

Englische Vorstöße in Arabien.

I. Konstantinopel, 28. November.

Die Weigerung des Sultans, den Bericht der fiir- kisch-englischen Kommission zur Festsetzung der Grenzen des Hinterlandes von Aden anzuerkenneu, lenkt wieder einmal die allgemeine Aufmerksamkeit auf das englische Vor-dringen in Arabien, wo sich Großbritaunie« mit ahn- licher Zähigkeit niederlassen zu wollen scheint wie in Ägypten. Handelt es sich doch darum, ob ein Teil der arabischen Stämme, die bisher wenigstens iwminell unter der Oberhoheit des Sultans standen, künftig der Herr- schast der Türkei entzogen und zugestandenermaßen dem Einfluß Englands unterstellt werden sollen. Das Hinter- länd von Aden zerfällt in neun Provinzen und wird von Stämmen bewohnt, die feit Jahrhunderten unter der Herrschaft selbständiger Scheiks standen und über die England von Aden alls eine Art Protektorat ausübt, das zu wiederhollen Zwistigkeiten mit der Türkei Anlaß gab. Uni diesen ein Ende zu machen, wurde bekanntlich die Gemischte Greuzkommission" eingesetzt, in der die Eng­länder beantragtm, daß ein Gebiet, dessen Ausläufer sich bereits bedenklich der unter türkischer Herrschaft stehenden Provinz Jemen nähern, ihrer Einflußsphäre förmlich zugesprochen werden solle. Diesem Antrag wurde aus Furcht, daß die Engländer sich im Weige­rungsfälle mit den aufständischen Stämmen in Jemen verbinden konnten, um den Rest der türkischen Souve­ränität in Arabien zu vernichten, von der Pforte statt­gegeben. Wenn der Sultan diesem Zugeständnis imch- träglich in der richtigen Erkenntnis seiner niederschmet- ternden Bedeutung für den firrkischen Einfluß in Ara- bien die Sankfion versagt, so fft das zwar begreiflich, wird ihm aber nicht viel helfm. Man könnte in Eng-

nung arg handelt, auch noch besser Deöient wird als der Deutsche, der schüch-tern Littet, wo -er das Recht hat, zu befehlen.

Wie sehr sich der Betrieb -der modernen Hotels von der behäbigen Wirtschaft der Urväter entfernt hat -und zur Großindustrie emporgemach-sen ist, in der Kapitalien pon Hunderten von Millionen angelegt sind und noch -weit größere Umsätze erzielt werden, zeigt, eine lehrreiche Statistik -der schweizerisch-en Verhältnisse, die von dem dortigen Verkehrsver-ein erhoben wurde. Hiernach stan­den in der -Schweiz im Jahre 1899 in 1896 Hotels und Pensionen die -kleinen Einkehrhäuser sind dabei noch nicht berücksichtigt nahezu 105 000 Betten und 12 270 Reservebettcn zur Verfügung der Fremden. Das in diesen Anstalten angelegte -Kapital belief sich auf 550 Millionen Frank. Unter den in ihnen abgestiegenen Fremden nahmen die Deutschen mit 33,6 vom- Hundert den ersten Platz ein. Ihnen zunächst stehen -die Schweizer selbst mit 20 Prozent, und nun erst folgen unsere präp-o- tenten -Vettern von jenseits des Ärmelkanals mit 17,3, die Franzosen mit 11,2 und endlich die Amerikaner mit 5,2 Prozent. Auf jedes Bett entfiel dabei ein Anlagekapital von mehr als 5000 Frank.

Für Deutschland kann man die Zahl der Hotels und der Betten unbedenklich verfünffachen oder versechsfachen, und wenn Lei uns d-ie Zahl der mit einem Mill-ivnenauf- wand erbauten Gasthöfe auch nicht so groß ist wie dort, wo auf jedem halbwegs schönen Aussichtspunkt esn großer Kasten mit Hunderten von Betten steht, so reicht der Geld»- wert der deutschen Hotels aller Wahrscheinlichkeit doch auch an zwei Milliarden Mark heran. Die Zahl der männ­lichen und weiblichen Angestellten wird dabei für Deutsch­land ans mehr als 200 000 geschätzt. Bei der uational- ökonomischen Bedeutung des heutigen Hotelbctricbs hat man aber auch au die UnsuMmen zu denken, die in die Läden der Fleischer, Bäcker, Delikateßhändler, Wcrn- händler, Biervcrleger usw. wandern.

Außerdem gibt es endlich noch viele Fabriken, die sich ausschließlich mit der Herstellung der innere» Hotel-