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Verlag Langgaffe 21

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Samstag, 6. November 1915.

klberid-Kusgabe.

Nr. 520. 63. Jahrgang.

isch von den Vulgaren erobert.

Der Fall der zweiten serbischen Hauptstadt.

W.T.-B. Sofia, «.November. (Nichtamtlich Drahtbericht.) Meldung der bulgarischen Tclegrapheuagentur: Eiuebulgarische Division ist in Nisch e. »gerückt.

ttraljevo erobert.

Gescheiterte russische Vurchbruchsversuche bei Dünaburg. 6080 Gefangene an derStrqpa. Der Zubanje-klbschnttt in Serbien überschritten. Vavarin durch einen ksandstreich genommen.

Der Tagesbericht vom 6. November.

W. T.-B. Großes Hauptquartier» 6. Nod. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Im Handgranatenkampf wurden die im Ostteilc unseres neuen Grabens nördlich von Massiges eingedrungenen Franzosen wieder daraus vertrieben.

Sonst verlief der Tag unter teilweise lebhaften Artillerie- kämpfrn ohne Ereignisse von Bedeutung.

Gestlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generaifeldmarsckall« von kjindendurg.

Die Russen wiederholten ihre Durchbruchsver­suche bei Dünaburg mit dem gleichen Mißerfolg wie an den vorhergehenden Tagen.

Heeresgruppe des GeneralfeldmarschaSs Prinz Leopold von Bayern.

Die Lage ist unverändert.

Heeresgruppe des Generals von Linflngen»

Nordöstlich von Budka wurden weitere russische Stel­lungen genommen.

Bei Siemikowce ist Ruhe eingetreten, der Gegner ist in seine alte StoSung auf dem Ostufer der Strypa zuriick- geworfen. In den nun abgeschlossene» Kämpfen verloren die Russen an Gefangenen 58 Offiziere und etwa 6006 Mann.

VaUtankriegsschauplatz.

Im Tale der westlichen Morawa wird östlich von C a c a r gekämpft. Kraljevo ist genonrmen. Westlich davon

wird der Feind verfolgt. Subal ist erreicht. Der Zu- panjcvacka-Abschnitt ist ü b e r s ch r i t t k n. Im Morawatale bis über Obrez - Sikirica wurde nachgedrängt; durch Hand­streich setzten sich unsere Truppen noch nachts in den Besitz von B a v a r i n. über 3000 Serben wurden gefangen ge­nommen.

Bei K r i v i v i r ist die Gefechtsfühlung zwischen den deutschen und bulgarischen Hauptkräften gewonnen.

Die Armee des Generals Bojadjeff hat bei L u k o v » und bei Soko-Banja den Gegner geworsen, über 500 Ge­fangene gemacht und 6 Geschütze erbeutet.

Nach dreitägigem Kampfe ist nach zähem Widerstand der Serben die befestigte Hauptstadt Nisch gestern nachmittag erobert worden. Bei den Kämpfen im Borgelände sind 350 Gefangene und 2 Geschütze in bulgarische Hand gefallen.

Oberste Heeresleitung.

»

Der bulgarische Bericht über denö.November

W- T.-B. Sofia, 5. 9hrt). (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht über die Operationen dom 3. November: Fort- gesetzteOffensive a«f der ganzen Front. In der Richtung Belcvac-Paracin eroberten wir das Defils von Krivivirski-Timok bei dem Dorfe Lu ko vo. Wir erbeuteten sechs Kanonen und machten 500 Gefangene. In der Umgegend von Nisch stehen unsere Truppen schon vor der Forts- linie der Festung. (Der Bericht ist inzwischen überholt. Schrift!.) Im Tale der bulgarischen Morawa besetzten wir C c m e r m i k Planina, P a n n a Planina und Crnatrava. Südlich der Strumitza wurden die Bulgaren durch beträchtliche französische Strritkräfte angegriffen, die aber z u r ü ck ge­schlagen wurden.

Telegrammrvechssl zwischen Kaiser Wilhelm und König Ferdinand.

Die wiederhergestellt« Donauverbindung.

IV. T.-B. Sofia, 5. Ätov. (Nichtamtlich. Bulgarische Tclc- graPhen-Agentur.) Anläßlich der Ankunft des ersten Dampfers ans Orscva in W i d d i n haben der deutsche Kaiser und der König der Bulgaren sehr herzliche Telegramme gewechselt, in denen sic die Bedeutung dieses geschichtlichen Ereignisses hervarheben, das durch das Blut der tapferen Truppen der ver­bündeten Staaten, Deutschland, Österreich-Ungarn und Bulgarien, verwirklicht und besiegelt worden sei.

König Ferdinand besichtigt: in Begleitung des Minister­präsidenten Radoslawow und des Kriegsministers Najdemow die großen Donauhäfen W i d d i n und L o m . die nach 14 Moneten vollständiger, durch die willkürliche Schließung der Donau derur- sechtkn Geschästsstockung zu neuem Lebeu erwachen.

Die mißliche Lage 6er vor Koprülü zurück- geschlagenen Sranzosen.

Br. Sofia, 5. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zews. Bin.) Die in den letzten Kämpfen stiÄwssllich von Bei es durch die Bulgaren zurückgetschlagenen französi-, scheu Truppen mußten sich in großer Unord­nung fluch tem Sie ließen viel Kriegs­material zurück. Die Lage der zerstobenen Trup­pen ist sehr m i ß -l i ch, !da sie von den rüchwärtigerl Verbindungen abgeschnitten sind.

Eine Spionensiation in Warna entdeckt. '

Br. Bukarest, 5. Nov. (Eig Drahtbericht. Zens. Bln.) DK bulgarischen Behörden stellten nach der Beschießung von Warna fest, daß sich in der Fabrik von Boris, einem englischen Unter. nehnien. ein ganzes Nest russischer Spione etngenistet hatte. Mu Hilfe einer radiotelegraphischen Station, die sich tu tcr Fabrik befand, gaben die Russen der russischen Flotte Signal«;

König Konstantin bekundet dem Kriegs- Minister ganz auffällig feine Zustimmung.

Beförderung des Angegriffenen znm GeneraladjvtanL.

W. T.-B. Athen, 6. Nov. (Nichtaimtkch. Drvht- bericht.) Meldung derAgence Hcwas": Der König hat die Haltung des Kriegsministers in der letzte» Kammcrsitzung gut geheißen, er bekundete ihm seine Zustimmung, indem er ihn zum General- adjutante» ernannte. Diese Auszeichnnng hat in venizelosistischen Kreisen einen peinlichen Ein» d ru ck hervorgcrnfen, die darin die bestimmte Absicht erblicken, den Einfluß ihres Führers zunichte zv machen. Nach der Kammcrsitzung am Donnerstag- Vormittag brachte, wie dieAgence Havas" behauptet, die Bevölkerung Vcnizelos begeisterte Kundgebungen.

König Konstantin fordert Zaimis auf Ministerpräsident zu bleiben.

W. T.-B. London, 6. Nov. (Nichtamtlich. DrahiberichL) Das Reutersche Bureau meldet aus Athen: Der König

schlug Zaimis vor, Premierminister zu bleiben. Dieser weigerte sich jedoch. Der König berief daraufhin eine« Ministerrat. u

Auflösung der griechischen Kammer?

Br. Kopenhagen, 6. Nov. (Gig. Drcchtbericht. Zens. Bln.) Nach den letzten hier vorliegenden Athener Nachrichten über London ist gestern mittag die Auf­lösung der griechischen Deputicrtenkammer verfügt worden. In Paris werden an den Rücktritt Zaimis überschwengliche Hoffnungen geknüpft.

Aus der Geschichte von Nisch.

Riisch, Serbienszweite Hauptstadt", das in dem Ber- zwÄff-urrgSrudgen der Serben gegen die eiserne Umklamme­rung ihrer Angreifer den Hauptschlüssel zur Eroberung de? ganzen Landes bildet, ist seit vielen Jahrhunderten durch seine von Natur außerordentlich geschützte, für die Vertei­digung sehr günstige Lage der Mittelpunkt heftiger Kämpfe gewesen, und auf blutgedüngtem Boden stehen hier unsere Streiter. Die Stadt war zur Zeit der Römer als das alte Raissus eine gewaltige Feste und während der Herrschaft der Byzantiner als Nysus ebenso ein wichtiger strategischer Stütz­punkt. Im 18. und 13. Jahrhundert -bildete sie -den estngen Streitpunkt in dein eifersüchtigen Ringen zwischen Serben und Bulgaren. In Nisch war es, wo Kaiser Friedrich I. Barbarossa 1106 a»»f seinem Wege nach Kleinasien di« demütige Huldigung des serbischen Fürsten Stefan I. Me- manja en tgegen nahm. Dieser Fürst, der Begründer der ersten und einzigen Blüte Serbiens im Mittelalter, suchte fich auf jede Weise die Dunst des deutschen Herrschers zu erringen, und die Chroniken versichern, er habe sein Land von dem Hlchensicrufen zum Lehen nehmen wollen. Um ein Haar wäve als« Serbien ein deutscher Vasallenstaat geworden! Fast 200 Jahr« später ward dann die Kraft und der Glanz des alten Risch durch den Sultan Murad I. gebrochen; die Er­oberung dieser Feste, nicht die Schlacht auf demSsirb- Sündighi", demSerbentod", entschied 1386 das Schicksal Serbiens, dessen Lazar Grbkjcmovitz froh sein konnte, mit einem Tribut von 1000 M. Silber jährlich und Stellung einer Kavolleriebiksstruppe davonzukommen. Ein großer Sieg de? Ungarnseidherrn Johannes Hunyadi am 3. Nov. 1443 und di« folgende vorübergehende Besetzu*g der Stadt durch sei« Magyar« blieben nur eine Episode ohne Nach­wirkung. Aus der Zeit der Türkerchervschaft in Nisch, da die AeftungSwälle aSmühlich verfielen, ist .uns eine erste aus­

führliche Schilderung Nischs von deutscher Hand erhalten. Der Augsburger Patriziersohn Hanns Dernschwam besuchte es 1553 und erzählt in dem Tggebuch seiner orientalischen Reise,Nissa" scheinevor Zeiten eine große schöne statt ge­wesen" zu sein. Im 17. Jahrhundert wurde Nisch von neuem stark befestigt; eine neue Zitadelle und mächtige Forts er­hoben sich hier und spielten eine bedeutende Rolle im Kamps der Christenheit gegen den Ansturm der Mufeluiänner. Unter den Mauern von Nisch erfocht der Markgraf von Baden am 23. September 1689 einen glänzenden Sieg, der die Festung selbst und das ganze Donauland bis Nikopolis in die Hand des Kaisers brachte. Im Jahre daraus aber mutzte der öster­reichische Kommandant von Nisch, Graf Guido v. Stahrem- berg, der zuerst jede Verhandlung mit den Wortener ver­stehe nicht Türkisch und könne deshalb nicht parlamentieren" abgelehnt hatte, schließlich doch vor dem Hunger und der Übermacht die Waffen strecken. 1737 wurde Nisch wieder mit stürmender Hand von den Österreichern genommen, die dann unter dem Grafen v. Seckendorfs die arg zerschossenen Ver- teidigungswerke in neuen Stand setzten. Ein Ruhmesblatt für die österreichische Kriegführung loird es immer bleiben, daß in jener sonst nicht gerade gegen den Feind humanen Zeit den in Serbien kommandierenden Generalen ausdrück­lich vorgefchrieben ward,zur Gewinnung des Landmannes solche gute Ordnung zu halten, daß die Einwohner auf alle Weis' bei ihrem Hab', Gut, Vermögen, Früchten konservieret werden". Aber noch im Spätherbst desselben Jahres spielte das launische Kriegsglück die Festung wieder den Türken in die Hände, die sie auch in dein sogenannten ersten serbischen Befreiungskriege gegen Karageorg behaupteten. Erst im letzten russisch-türkischen Kriege fiel Nisch nach tapferer Ver­teidigung am 11. Januar 1877 dauernd an Serbien. Seine besondere Merkwürdigkeit wurde derKraljev dvor", ein zum Königssitz umgewandelter alter Paschapalast voll bunter orientalischer Pracht

Das Wiesbadener Hostheater in Namur.

Aus Namur erhalten wir folgenden Theaterbericht:

Mehr als je ist es heute nötig, den vielen Tapferen -drau­ßen und in der Heimat den herben Ernst des Lebens durch heitere Augenblicke zu versüßen. Ernst ist das Leben, heiter die Kunst:

So war denn dem Wend, der wieder dem Herrn Inten­danten des Wiesbadener Hoftheaters und seinen §künsllern (16. Oktober 1915) zu verdanken ist, ein Allegro vorcmgesetzt, Der unsterbliche Strauß sollte vor allem mit seiner prickeln­den, klassischen Musik den feldgrauen Zuschauerraum erheben und ergötzen. Fräulein B o m m e r sang reizend dieUnschuld vom Lande", Unteroffizier Schäfer (sonst Wiener Tenor Marie) schloß sich ihr mit wohlklingender Stimme an, bei der FrageWer uns getraut".

Frau Han s-Z o e p f f e l erinnerte mit verlockend vorge­tragenen FrühlingsgesängenKomm mit in die Frühlings­nacht" (Mailieder, Lenz) an die liebe, ferne Heimat. Mit schwäbischen Liedern wußte Fräulein B o m m e r alle Herzen, in erster Linie natürlich die Württemberger der Garnison, gefangen zu nehmen.

Prächtig vorgetragene Gedichte früher hätte man ge­sagtpointiert" ließ uns Andriano hören. Herr­in a n n, der beliebte jugendliche Komiker der Hosbühne in Wiesbaden, parodierte eine Variete-Aufführung, über die nicht nur der Kenner dieser leichteren Kunstart herzlich lache» mußte. Mit launigen Einfällen führte der Gefreite Röhr (sonst ein bewährter Kabarettist) als Ansager die einzelne« Künstler ein.

Die Kapelle hatte u. a. mit einem Vorspiel zuWiener Blut" wieder bewiesen, daß ihr eifriger Leiter, FeLüvebelleut-