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Morgen.veilage der Wiesbadener Tagblatts, .■ ■■ ]

Nr. 259. Freitag, 5. November. 1915.

! 7 . Fortsetzung.)

(DtQßlsfittQCr. (Nachdruck verboten.!

Roman von Edela Rüst.

»Ist mir angenehm zu erfahren — ich renommiere nicht, es ist mir tatsächlich angenehm, Las zu wissen. Ganz abgesehen davon, daß mein Schwiegervater mich nicht zu fragen braucht, wenn er sich solche Bagatellen leistet, freue ich mich, auch an anderen zu erfahren. Laß er klein Knauser ist!"

Wedel lachte fast verständnisinnig, als begriffe er, was für Gedanken sich in Herbert loslösten, der zu Wulftens Erstaunen seine tadellose Haltung keinen Augenblick verloren hatte.

Das Gespräch lenkte dann in andere Bahnen, die Damen kehrten heim, man speiste ganz fidel und schloß den Abend mit Musik, wie das bei Jung-Sehrens selbst­verständlich war. Herbert geigte mit seinem alten, un­gehemmten Temperament, Di na und Wedel »wechselten sich imr Begleiten ab. Nur wenn Knut Wulfsen mit Dina sang, saß Frau Malwine am Flügel — die Drei hatten sich seit Jahren prächtig zusammen einmusiziert.

Dina ließ sich zuletzt von Wedel Vortrag über den „Klub" halten.

„Wenn ich nur ivüßte, welche Lücke dieser Klub aus­füllen soll? Die Herren sehen sich im Winter fast jeden Tag in einem anderen .Hause — an Geselligkeit läßt Fünf-Hügelchen doch wirklich nichts zu »wünschen übrig! Genügt ldas nicht zum Ausplaudern, znm Streiten und znm solennen L-kat?"

„Aber gnädigste Frau, das ist doch nicht das! Wir Männer wollen auch nml ab und zu ganz absolut unter uns sein, wo . .

„Nun, und der Königshof? Zählt der plötzlich nicht mehr? Reicht er nicht mehr aus für die Frühschoppen, die Tämmer-Absynths und die Nachtschoppen?"

„Der Königshof _— na ja, man hat eben weiter nichts! Aber, Gnädigste — es sitzt jetzt eben auch schon alles tm Königshof, bis auf die Kleinbürger — denen ist Schmidt auch schon längst rückständig geworden! Ich — ich bin ja doch kein Heupferd und sehe jeden so mchr oder weniger für Gottes Kreatur an. ober, ja, man will doch irgendwo unter sich sein! Es ist ja 'n Skan- dal, daß wir immer noch kein Kasino hier haben, seit das nun voll abgerundet ist — ich meine natürlich 'n stanidesgeniäßes Haus! Unsere Schwerdtfegersche Be­köstigungskaschemme nenne ich doch kein Kasino — da geht man bei dem letzten Happen noch mit vollem Mund raus, damit man sich nur keine Minute länger aufhält, als unbedingt notwendig! So was war mal vor zwan­zig Jahren vielleicht ganz anmutig. aber heute? Heut sind wir eben alle durch die Bank Streber und suchen Borteile, Karriere und möglichst viel Lebensgenuß!

Aber immerhin, wenn Fünf-Hügelchen seinen West» iend-Klub hat, dann kann es hier kolossal mollig wer- * feen! Sehren, ich sehe Sie schon im Geiste in Marmor auf dem Marktplätze stehen: „Herbert Sehren, der Re­ss vmator von Fünf-Hügelchen, Vixit!" Dann werden Die wissen, warum Sie gelobt haben! Lachen Sie nicht, iks& wissen die wenigsten!"

„Haben Sie denn auch schon ein Haus dafür in Sicht?" fragte Wulffen.

,/So einigermaßen, ja. Die Villa Schütte wird zu Oktober leer." .

„Ein etwas altmodischer Kasten."

„Aber ganz vornehm. Man kann ja später aus« bauen, Raum genug ist vorhanden."

„Ich schlage vor", rief Wulffen, „wir bauen auf dem Orgel-Anger! Wenn wir milde Stfftungen an- rufen, können wir in zehn Jahren bauen — Schloß mit Park natürlich, feudal!"

„Wir warten aber nicht und werden mit der Schütte­schen Villa abschließen", sagte Herbert, alle weiteren Scherze abschneidend.

Wulffen gokkitete Frau Mtalwine nach Haus.

„Das müssen Sie doch zug-eben, Doktor, daß Her­berts Idee mit dem Klub reizend ist" — sagte sie heiter in mütterlichem Stolze. „Er wird euch hier ein wenig aufrütteln, euch ein wenig eleganter machen."

„Es ist eine gefährliche Idee", sagte Knill Wulffen streng, „aber wir müssen ihn sich >dara-n ausleben lassen, um zu verhüten, daß er vielleicht noch Schlimmeres ausbrütet."

„Ach, Knill, Sie sind auch so hart mit ihm — er ist doch nun mal ein Künstler-Naturell,- mein Gott!"

„Dann Hätte er Künstler werden und in die weite Welt gehen sollen, sich nicht aber in Fünf-Hügelchen als Philister verheiraten!"

„Und war das etwa sein Wunsch und Wille? (Sie wissen doch, wie alles stcht, Knut."

„So ungefähr weiß ich's, ja! Ich bin «darum auch nicht hart mit ihm, es sei denn zu feinem Heile!"

„Das Heil des Menschen ist das Ausgebenidürfen seiner Persönlichkeit, alles andere . .

Frau Malwine seufzte tief, als wüßte sie aus eigen« ster Erfahrung, was es heißt, seine Persönlichkeit unter« drücken müssen. „Bleiben Sie fein Freund, Knut —> er vertraut Ihnen ja so von Herzen, Sie sind ihm mehr, wie ein Bruder, und — er hat doch sonst niemo-nd."

„Er hat Dina."

Es «war ein so eigener Ton in diesen Worten, Latz Frau Malwine aufhorchte. Es trat eine ganz kleine Pause ein, dann fragte die Doktorin: „Ist eigentlich etwas daran, Knut, mau sagt so hier und da. Sie hät­ten Dina lieb gehabt — ist das wahr?"

„Lieb gohabt? Ich habe sie schr, schr verehrt, td) verehre sie heute noch so, fast noch mehr! Ich habe nie eine Schwester gehabt, aber wenn ich mir eine vom lieben Gott hätte erbitten dürfen, ich hätte mir Dina erbeten!"

„Und weiter hat sich Ihr Gefühl nie verstiegen? Sie haben sie nie geliebt und für sich begehrt?"

„Ich habe sie nie geliebt und für mich begehrt, feensi seit ich sie kenne, ist sie Herberts Verlobte gewesen."

„Wahl nur daraim also?"

„Vielleicht! Ich habe mir nie Rechenschaft darüber; abgelegt."

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