***** 2. Mittwoch. L8 November 1904. Wie-lmdrUer Nasblatt. Ad-»d-An-s«be. 1. M». 848.
Aeue Mißstimmung gegen die Regierung infolge einer Gestaltung der Tarife, die der Landwirtschaft nicht den erwarteten Vorteil dringen werden. Wenn wir sagen, es werde foldjc Lage „erhofft", so ist damit die ganze verzwickte Wunderlichkeit der Situation aus-gedrückt. Die .Kanalfemdc haben sich eben in eine unmögliche Stellung hineinmanövriert, sie wollen Handelsverträge nach ihren! Herzen, Verträge also, zu denen die Zustimmung der nicht landwirtschaftlicher! Welt im Parteileben wie im Wirt- schaftsleben gar nicht crivartet werden kann, und sie wollen überdies noch eine weitere Mißachtung der Interessen des industriellen Westens durch die Ablehnng der Kanalpläne. Indessen hat die Beobachtung dieser-wclt- fromden Politik eines extrem konservativen Jakobiner- 'tunrs schließlich inehr theoretische als praktische Be- deutung. Es ist mit wachsender Sicherheit zu erwarten, daß 'die Kanalvorlage eine Mehrheit finden wird, wobei cs freilich ein ander Ding ist, ob diese Vorlage infolge ihrer von der Kommifsionsmahrheit beschlossenen Verschlechterungen noch den Wert beanspruchen kann, den sic selbst in ihrer Verstüiumelung gegenüber dem ersten Plane besaß. Liberalerseits kann man seht der weiteren Entwickelung ider -L>-a.che mit einer gewissen ironischen Ruhe zusehen. Soll die Vorlage fallen, weil ein unversöhnlicher Teil der Konservativen so will, dann wird ftuS Bedauern darüber wesentlich abgeschwächt sein, nachdem die allerneuefte Schleppmonopol-Politik Form und -Gestalt gewonnen h-at. Wollen die Konservativen aber für die Mehrheit sorgen, dann braucht die Hoffnung nicht begraben zu werden, daß eine spätere Zeit die jetzt ge- 'machten Fehler wieder auszugleichen vermögen wird. Die Hauptsache wird doch immer der Kanal selbst sein und bleiben. Schlechte Tarifgesetze kann inan aufheben. ün-d einen einmal angefangenen Kanal kann man ver- hältnismvßig leicht fortsetzen. Der Weltgeist kann es doch rmnröglich wollen, daß das preußische W-goordnetenhaus für alle Einigkeit unter dem Zeichen der konservativen Herrschaft stehen muß.
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Der russisch-japanische Krieg.
Um Port Arthur.
M. Mulden, 23. November. Oberleutnant -Schubzoiv, der aus Port Arthur eintraf, betonte, das hart bedrängte Erlungtschan sei zwar ein starkes und wichtiges Kort, aber bis zur Stabt seien noch drei Vefestigungslmien angelegt, die die Japaner überwinden müssen, dann kämen stoch die Küstcnforts, die stärksten von allen. Die Stim- -mnng der Belagerten fei durchaus zuversichtlich. Die Musik spiele täglrch. Zivilisten und Chinesen helfen an der Verteidigung mit. Die Besatzung sei sicher erheblich stärker als 4000 Mann. -Schubzoiv glaubt bestimmt, daß die Festung mindestens bis Ende Januar haltbar ist.
wb. London, 23. November. „Daily Expreß" meldet aus Wci-hai-wei von gestern: Ein mit Lebensmitteln gut ansgerülstcles Rettungsboot, welches während des Sturmes am 16. November aus Port Arthur ausgelaufen war, hat 10 Kilometer von Wei-hai--wei einen russischen Offizier an Land gesetzt, welcher Duplikate von Depeschen des Generals Stöffel bet sich trug. Das Rettungsboot und die russischen Matrosen werden in Wci- bai-wci festgehalten. — Der „Standard" meldet aus Tokio von gestern: Ein japanischer Offizier berichtet auS Dalny, daß es in der Neuen Stadt von Port Arthur brenne. Wie es scheine, ist diese offenbar ganz verlassen. Die Mchtkombattanten wurden auf die Tigerhalbinscl und in den auf Liaiitischan gelegenen Dörfern untergebracht. Die Japaner glauben, daß der russische Offizier, den sie zwischen den Bcrtcidigungswerkcn „in eleganter Uniform" häufig umherfahren sehen, General Stoffel sei. Ein chinesischer Spion berichtet, daß in Port Arthur täglich 50 bis 70 Todesfälle, meist au Dysenterie, Vorkommen.
bä. Schanghai, 23. November. Wie verlautet, befinden sich in Port Arthur noch fünf russische Schlachtschiffe, nämlich zwei Panzer und drei Kanonenboote, ferner 11 Torpcdobootszerstörer. Die Schlachtschiffe
ersten Ranges sind nicht mehr kampffähig, aber der „Ba- jau" und ein Torpcdobootszerstörer können jeden Augenblick verwendet iverden. Diese beiden Schiffe haben außerhalb des Hafens unter den Batterien des Goldenen Hitgels Schutz gesucht.
lick. Paris, 23. November. „Echo de Paris" meldet aus Petersburg: Die Admiralität dementiert die Nachricht des -,Daily Expreß", wonach gleichzeitig oder kurz vorher mit dem „Rastorvpny" zwei andere Torpedo- bovtszerstörer Port Arthur verlassen haben mit Abschriften der Telegramme Stöffels, und daß diese Fahrzeuge von den Japanern in den Grund gebohrt sein sollen. General Stöffel macht in seinem hier eingetrvffc- nen Telegramm keinerlei Anspielungen ans die Ansfahrt von drei Torpedobooten.
Kuroki ß (?).
hd. Mukdcn, 23. November. Das Gerücht, daß General Kuroki an Dysenterie gestorben sei, erhält sich trotz des Dementi. ES wird diesmal durch Chinesen verbreitet, die ans dem japanischen Quartier eintrafcn.
Chuntschnsen.
wb. Petersburg, 22. November. Die „Ruff. Telegr.- Agentur" meldet auS Mukden vom 21. November: Biele Mongolen schloffen sich den Chuntschnsen an. In der Nähe von Hsinmintin operiert eine aus 1600 Reitern bestehende Bande. Sic beziehen ihren Sold von den Japanern und werden von japanischen Offizieren befehligt,' ihre Überfälle sind hauptsächlich auf Karawanen gerichtet.
Großsttrst Cyrill.
Als Großfürst Curill, einer der überlebenden des russischen Panzers „PetropamlowSt", in Rom vom Arezzo- nach dem Chinsi-Bahnhof fuhr, wurde, laut einer Meldung der „Central News", ein großer Stein in den Wagen gewürfen, der das Fenster zertrümmerte, ohne ihn zu verletzen.
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hd. Petersburg, 22. November. Die Nachrichten über einen bevorstehenden Angriff der Japaner erweisen sich als hinfällig. Es herrscht hier die Überzeugung vor, daß die Untätigkeit der Russen bis zur Durchführung der Formierung der 3. Armee und denr Eintreffen aller Verstärkungen dauern wird, was voraussichtlich im Januar der Fall sein wird.
lick. Mukden, 23. November. Bei dem Gefecht südlich der Pntilow-Hügcl waren die Japaner vielleicht ein Bor- posten-Bataillon stark. Die ließen 82 Tote und 4 Gefangene zurück. Außerdem zählten die Russen noch 22 japanische Tote, die nicht beerdigt werden konnten, weil sie im japanischen Schußbereich lagen. Die russischen Verluste sind ganz unbedeutend. (L.-A.)
wb. London, 22. November. Dem Routerschelt Dureau wird aus Mukden vom 20. Novewbcr gemeldet: Der Charakter des japanischen Angriffs auf den Putilowhügel in der Nacht vom 19. November wird hier nicht verstanden. Uber die Organisation des Angriffs ist wenig bekannt, außer daß drei bis vier Bataillone daran teilnahmen, man glaubt jedoch, daß der Angriff auf die Initiative eines lokalen Befehlshabers ohne die Zustim- mnng des Hauptquartiers unternommen wurde. Jedenfalls war das Ereignis das wichtigste seit der Schlacht am Schaho. Das erste Anzeichen einer japanischen Bewegung war ein Signal, welches mau von den Befestigungen des Hügels aufblitzen sah. Der Angriff wurde für das Anzeichen des allgemeinen Bormarsches der Japaner gehalten: die ganze Armee war daher sofort in Bereitschaft: die taktischen Dispositionen wurden sowohl westlich wie östlich des Putilowhügels prompt getroffen. Die Ja. paner gelangten bis auf 50 Aards an die russischen Schanz- gräben, wurden aber durch das mörderische Feuer der Russen znrückgedrängt. Am nächsten Morgen wurden 80 japanische Leichen gefunden: die Japaner schleppten 200 Verwundete fort. Die Russen verloren nur ein halbes Dutzend Leute. Die Russen fahren fort, die japanischen Stellungen bei Liuschiupu jede» Tag zu beschießen.
wb. London, 23. November. Dem Rcuterschen Bureau wird aus M n k d e n gemeldet: Beide Armeen haben so starke befestigte Stellungen inne, daß keine von beiden geneigt scheint, zum Angriff ttberzngehen, wenn
sie nicht di« numerische Ubcrinacht hat, die sie tn den Stand setzt, eine erfolgreiche Flankenbewegung zu unter, nehmen. Di« Japaner haben wahrscheinlich mehr brauch», bar« Truppen und besitzen eine größere Beweglichkeit. Sic entwickelten kürzlich eine lebhafte Tätigkeit im Zentrum und auf dem rechten Flügel der Russen. Beide Heere scheinen ziemlich gleichwertige Verstärkungen er» halten zu haben.
hd. Paris, 23. November. „New Aork Herald" meldet aus Petersburg: Kuropatkin teilt mit, daß keinerlei ernste Zusammenstöße vor dem Frühjahr zu erwarten seien. Infolgedessen sind der französische und spanische Militär-Attackib aus Mukden abgercist und werden erst im nächsten Frühjahr zurückkehren. Es bleibt aber ab- züivarten, ob Oyama die Anschauungen Kuropatkins teilt.
wb. London, 23. November. Der „Standard berichtet auS Tokio von gestern: In der letzten Zeit wurden annähernd drei russische Divisionen auf der Strecke von Sunchun nordöstlich bis zu einer Stelle, die KurokiS Armee erreicht, verteilt. DaS Eis auf dem Hnnho südlich von Mukden ist stark genug, um schweres Geschütz zu tragen.
hd. Paris, 22. November. Das Programms!!! d i e H n l l - K o m Mission ist in den Hauptzügen fest, gestellt. Jedem der 8 Admirale sind zwei Sachverständige mit beratender Stimme bcigegcben. Die Kosten des Ver- fahrens werden von England und Rußland zu gleichen Teilen getragen. Aufgabe der Kommission ist die Ab>- fassung eines Protokolls, welches aus zwei Abteilungen bestehen soll: a) einer höchst genauen Feststellung der äußeren Umstände, welche das Sinken eines englischen Fischerbootes, die Beschädigung mehrerer anderer Fischer- boote und den Tod zweier Fischer verursachten: b) eines Gutachtens über die Frage des Verschuldens und den Grad des Tadels, -welcher gegen Angehörige Rußlands, Englands oder irgend eines fremden Staates auszu- sprechen wäre. (L.-A.)
hd. London, 23. November. Die englische Regierung hat gestern abend ein Cominuniquck über -daS Schiff veröffentlicht, welches die Parro-Werft verlassen hat, um angeblich nach Libau zu fahren. Die Regierung teilt mit, daß sie ein« Untersuchung in der Angelegenheit eröffnet habe und alle Maßregeln treffen werde, um die Neutralität Englands zu sichern. Andererseits veröffentlichen die Blätter weitere Einzelheiten über das in Frage stehende Fahrzeug. Jedenfalls steht bis jetzt fest, daß die angebliche Jacht tatsächlich ein Torpedoboot oder Unterseeboot war, üaö nach Libau abgegangen ist.
M. Paris, 28. November. Um die Dogger» bank zu vermeiden, wird die russische See-Division nach Verlassen -der sorgfältig überwachten dänischen Gewässer ihren Kurs längs der holländischen Küste nehmen.
wb. London, 23. November. Lloyds melden ans Canea von heute: Di« russische Flotte ist nach Port Said ausgefahren.
wb. London, 23. November. „Daily Expreß" meldet aus San Francisco von gestern: Ein englischer und ein norwegischer Dampfer wurden gechartert, um Eisenbahnschienen nach Japan zu bringen, die zur Reparatur der mandschurischen Bahn bestimmt sind. Der deutsch« Dampfer „Germanicus" -wurde zum Transport des rollenden Materials gechartert.
wb. Athen, 23. November. (Agence Havas.) Die Nachricht, daß russische Seeleute Mordtaten an den Einwohnern von Rethymos auf Kreta begangen hätten, ist vollständig falsch. Es hat nur eine Schlägerei zwischen -Seeleuten stattgefunden, bei der ein Russe getütet wor. den ist. _
Deutsches Reich.
* Schiffsnachricht. Das Schulschiff des Deutschen Schulschiffvereins „-Großherzogin Elisabeth" hat nach kurzem Aufenthalt Demerara und am 22. November Barbados angelaufen und -besichtigt: von dort wird es am 25. November über St. Bincent nach Dominica gehen.
* Rundschau im Reiche. Die Militärverwaltung plant, wie der „Bielefelder -Generalanzeiger" vernimmt,
schaffen sei. Und er hätte doch so gern der Menschheit
genützt!
Wie sah es denn unter den Naturwissenschaftlern aus? Da ivaren die einzelnen leuchtenden Sterne am Gelehrten- Himmel, die den Ruhm der deutschen Wissenschaften begründet hatten. Einige wenige Männer, die mit großen Mitteln und großen Geistesgaben Bedeutendes geleistet haben. Wer die übrigen? Jeder beackerte sein winziges Stückchen Feld mit dem geduldigen, hartnäckigen Bienenfleiß, der dem Deutschen so eigen fft. Eine enge Fach- krämerei, ein beschränkter Golchrtenhochmut, ein fortwährendes ängstliches Hincmsschauen, wie droben die Wetterfahne stand, um nur das eigene Fähnchen auch schleunigst in gleicher Richtung zu drehen.
Wo war der freie, philosophisch-klare Blick über das Ganze der Lebenserscheinungen, wo die großen, führenden, fortreißenden Gedanken, die Karl hier bei den alten -und jungen Lehrern der Hochschule zu finden gehofft..?
Karl durfte nicht daran denken, einer der Auserlesenen zu werden. Für weite Reisen, zu kostspieligen, jahrelangen Experimenten, die dazu gehört hätten, besaß er einfach nicht das Geld. >
Also Arbeitsameise! Jahrelang im Laboratorium unermüdlich Säuren mit Säuren verbinden und wieder zu trennen . . . Oder einen langen Teil seines Lebens vor dem Mikroskop -sitzen, um den Irrtum nachzuweisen, den ein Fachgenosse bei der Beschreibung der Flimmerhaare eines Rädertierchens gemacht hat . . .? Zu dieser Kärrnerarbeit, die ja wohl vou vielen immer getan werden muß, fühlte Karl sich vollkommen unfähig. Daneben einflußreichen Professorenfraucn geschickt den Hof -inachen, um eine der Töchter heiraten zu dürfen und in gegebener Zeit in diesem illustren und eingebildeten Kreise eine möglichst einträgliche Stellung zu erhalten . . . Karl graute davor.
Er war stets in seinem Leben Ausnahme gewesen, wie kr auch überall Ausländer blieb.
Und so fuhr er denn fort, sich sprunghaft und unge-
regelt von Bildungsinaterien nur das anzueignen, wozu ihn gerade die Laune tri-eb. Wohl fühlte er die Unruhe und Zerfahrenheit, -die dadurch in sein Denken kam. Er fühlte die Gefahr, -die in den: zwecklosen Anhäufen von Bildungsstoff gerade für ihn liegen konnte, der ohnehin Min geistigen Sezieren und wieder Zerfasern alles Ge- wonneuen neigte. Er beneidete oft seinen Freund Philipp um die strenge Notwendigkeit, die diesen in einer Richtung vorwärts trieb.
Dabei hätte Phflipp seinem Verstände wie seiner äußeren Erscheinung nach eine ganz andere Rolle in der Welt spielen können. Karl suchte des Freundes Ehrgeiz zu wecken. Als es mißlang, sagte -er sich, daß Philipp wohl das Richtige erwählt habe. Nun förderte er und half ihm, wo er konnte. Er stand gut und freundschaftlich mit zwei oder drei Leuten aus der Verbindung. Aber bei den Kneipabenden fühlte er oft um sich her eine Gleichgültigkeit, ja eine geheime Feindschaft gegm seine Person, die er sich nicht erklären konnte. Sie erfüllte ihn mit unbestimmter Betrübnis.
Er arbeitete im Verein mit Klüsen eifrig und fast über seine Kräfte daran, den Nibelungen eine einflußreiche Stellung bei dem großen Fest zu verschaffen und die Stellung ehrenvoll zu behaupten. Die Gruppe, welche sie in dem historischen Zuge bilden sollten, zu etwas künst- lerisch Hervorragendem zu gestalten, war Tag und Nacht sein Bemühen. Er versuchte, das Mißbehagen, das ihm die neuerdings immer mehr überhand nehmende Rohheit von Klasen bereitete, zu unterdrücken, und loyal mit ihm zum Wohl des Ganzen zu schassen. Das Verhandeln mit Korporationen und Behörden, mit Universitäts- und Staatswürdenträgern, init freundlich und feindlich gesinnten Korps, mit Handwerkern und Bürgern und Künst- lenr, das seinem ungelenken Wesen schwer fiel, bei dem. er sich oft lächerlich fühlte, faßte er als ein Mittel zur Selbsterziehung ans. Er schluckte manche geheime Kränkung, rnanchen Ärger dabei tapfer hinunter.
(Fortsetzung folgt.)
Feuilleton.
Aus Kunst und Leben.
* Königliche Schauspiele. In der gestrigen Auf
führung des „Sommern achtstrau mes", jenes wundcrreichen Gedichtes, das Shakespeare eigen- für ausstattungsfrohe Hoftheater hinterlaffen hat, gab es einige nicht uninteressante Neubesetzungen, deren glück, lichste Fräulein Ratajczakdie Rolle des Puck bracht«. Ihrem Puck gelang es, -sich in dem nivellierenden musika- lisch-deklamatorischenTtil, der dieses Feenreich beherrschte, eine reizvolle Persönlichkeitsnote zu -wahren. Ein frischer mutwilliger Humor, ein« kecke Grazie rückten diesen Kobold aus der Geisterserne in die Nähe warmen Interesses. Herr Weinig repräsentierte den Elfenkönig mit Anstand und Geschmack, alle Biegsamkeit, die Shakespeares Elfenworte fordern, konnte er seinem etwas spröden Organ freilich nicht ab-zwingen. Fräulein Maren gab eine zarte, recht poetische Titania in Erscheinung und Sprache, nur daß sich diese Poesie der Sprache in einzelnen Momenten bis zu den Höhen der Unverständlichkeit verzärtelte. Frau R e g n i e r -lieh der zu -wenig und zu viel gelitten Helena eine kluge, Licht -und Schatten belebende Sprechkunst, in der drolligen Zankszene einen angenehmen diskreten Humor. Der „Sommernachtstraum" sah ein volles, beifallsfrohes Hans, wie sonst nur (oder eben nur?) eine Oper. Mehr kann Shakespeare nicht verlangen. J. K.
* Oberbaycrischcs Bauerntheater. Die gestrige Auf. sührung des An'zengruberschen Bolksstückes: „Der Pfarrer von Kirchseld" war ein« recht gute. Herr Greiner spielte die Titelrolle mit Würde, am packendsten w-rrkte sein Spiel in der Schlußszene vor der Kirche und in der Szene, in welcher sich die Wandlung in dem verwilderten, pfafsenhassendcn Wnrzelsepp vollzieht, aus dem Herr Dengg eine prächtige, ja, die prächtigste und den Intentionen des Dichters am nächsten kommende Figur des Stückes schuf. Das Dirndl aus St.
