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Freitag, 5. November 1915.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 518. . 63. Jahrgang.
Eine neue griechifchelNinifterkrisis
Mrjztrauensvotum für Vas Kabinett.
W.T.-B. Athen, 5. Nov. (Nichtamtlich. Agenee HavaZ.) Da cs bei Erörterung der militärischen Gesetz anträge in der Kammer zu einem Zwischenfal zwischen dem Kricgsminister und der venizelistischen Mehrheit kain, stellte Ministerpräsident Zaimis die Be rtraucnsfragc. Venizelos erklärte, es sei den Liberalen unmöglich, die Regierung zu unter stützen, deren Politik den Interessen des Landes unheilvoll sei. Alle Parteiführer griffen so dann in die Debatte ein. Die Regierung kam mit 114 gegen 147 Stimmen in die Minderheit. Infolge dieses Mißtrauensvotums der Kammer erklärte Zaimis, daß eine Ministerkrisis offen zutage liege. Er ersuchte die Kammer, sich bis zur Bildung eines neuen Kabinetts zu vertagen.
Wochen sind es her. feit Venizelos zum letzten Male zurucktreten mußte, weil feine Politik mr* e s des Königs, seinem Lande und dem
Volte den Frieden zu erhalten und die kulturellen Guter auszudauen, nicht in Einklang stand. Zaimis u ?l. Aemzelos Stelle. Die Truppenlandungen in --lomki, gegen die ein Protest ergangen war, dauer-
a ^ >er öen verschiedensten telegraphischen MeldungM konnte nmn doch entnehmen, wie nament. lich die ^tmmlung des griechischen Militärs lind nicht >vst die des Volkes sich gegen die Anweseicheit (aLw n franzoinchen lind englischen Truppen auf- lehnten. Unterdesten benutzte jedoch Venizelos feine Muße, um in Kreta und nicht minder in Atlwn gegen die Regierung zu schüren. Obwohl er und seine Anhängerschaft erftort hatten, daß sie der neuen Regierung reine Schwierigkeiten bereiten würden, hat er sich trotzdem zu der Drohung hinreißen lassen, daß er, sobald es chm vergönnt sein werde, wieder in der Regierung zu sitzen, Bulgarien den Krieg erklären werde.
. Run hat die Venizelosengruppe. die noch immer eine ansehnliche Mehrheit im Parlament besitzt, eine ^ombar gar nicht so einschneidende Beratung über militärische Gesctzesantrage benutzt, einen Zwischen-
scht.vem Kriegsminister h^weiznführen und üas^ Kabinett Zaimis zu stürzen. Welcher Art diese Auseinandersetzungen waren, ist bis zur Stunde noch £ a r> na i? e t ^^vunt, aber dem listenreichen Kreter, der das Land bereits zweimal seit März d. I. in den Welt- krieg hinzuzichen sich bemüht, bot der Zwischenfall Ver- aniassung genug, um die Politik der gegenwärtigen Re- §^Vsrig uno des Königs zu stören. Denn obgleich die Mobilisierung weiter fortgesetzt wird, so geht doch auch die Friedensarbeit ungehindert ihren Gang und mit Bulgarien und der Türkei befindet man sich bereits ans dem Wege freundschaftlichster Verständigung. Diese vielleicht mag oeni ganz im Fahrwasser der Entente segelnden und mit französisch-englischen Golde bestoche- nen Venizelos ein besonderer Dorn im Auge sein; vielleicht auch suhlt er sich immer mebr nach französi- scher Art in die Rolle eines Berufspolitikers hinein- wachsen, denen der Besitz der Macht und zünftige Reiben- einnaymen vor dem Heil ihres Vaterlandes geht.
nun, nachdem er sein Ziel erreicht und Zaimis gestürzt ist, werden wird? König Konstantin hat zwei» mal bewiesen, daß er auch ohne Venizelos regieren ü^un und das Swatsschisf an den durch gerade >dessen Wühlarbeit in den Weg gelegten Klippen vorbei zu steuern vermag Wird er darum Venizelos zum dritten Reale mit der Kabinettsbildung betrauen und den Weg für eme gefahrvolle Politik öffnen, der bisher versperrt war oder wird er zur Kammerauflösung schreiten? Diese beiden Möglichkeiten sind nur gegeben Mit einer Ernennung Venizelos würde der König un- zweifelhaft seinen eigenen Grundsätzen widersprechen Wie es scheint, ist er aber im Begriff, die letztgenannte Maßnahme zu ergreifen. Neuwahlen würden dann unter ganz anderen Verhältnissen als ehedem statt- finden; tem wenn nickt alle Nachrichten trügen so ist die Bolksstimmung heute in Griechenland ganz anders als noch im Juni d. I.. to die jetzigen Venizelos- Anhänger ebenfalls unter dem Druck eines Mißtranens- votums für Gunaris — mit nur recht zweifelhafter Mehrheit — erwählt wurden. Außerdem verbleibt bis zu diesen Kammerwahlen immer noch eine geraume Spanne Zeit, innerhalb deren gerade auf dem bedeutungsvollsten Kriegsschauplatz des Augenblicks, deni Balkon, soviel geschehen kann und geschehen wird, daß diel neue Regierung, selbst wenn sie wieder Venizelos heißen sollte, Wohl davor zurückschreckcn würde, sich in ein Abenteuer zu stürzen, dessen Beginn schon nicht von den glücklichsten Verheißungen begleitet fein könnte. Kommt aber vielleicht ein Kabinett Gunaris zustande^
dann wird die Regierung auf seiten des Königs stehen und Wohl auch nicht Neutralität um jeden Preis üben, sondern genau das tun, was das Interesse des Landes ihin vorschreibt. Daß dieses Interesse nicht an
^Lite des Vierverbandes gesucht wird, hat Gunaris kürzlich erst durchblicken lassen, als er selbst 'gegen Zaimis austrat, der ihm auch noch zu zahm in seinem Auftreten gegen den Vierverband erschien I . . .
Dt. A. H.
Die Ursache des Zwischenfalles in der griechischen Kommet
Br. Amsterdam, 5. Nov. (Eig. Drahtbericht. Qeraf. Mn.) Meuter meldet aus Athen, die direkte Beranlaffung zur Kaomettskrifis habe eine Bemerkung des Kriegsministers Janakitsa gegeben, die Venizelos als eine Beleidigung des Parlaments bezeichnete und für die er eine sofortige Entschuldigung des Ministers verlangte. Hierauf erklärte der
auf eine Bahn gelenkt, die sie niemals hätte verlassen dürfen. Ohne große Anstrengung werden diese Beziehungen sich weiterentwickeln zu einem aufrichtigen dauernden Einvernehmen, denn die Differenzen zwischen den beiden Ländern sind unbedeutend. Sic bestehen gegenwärtig eher aus Vorurteilen als aus einem wirklichen Gegensatz der Interessen. Die beiden Völker ergänzen einander merklich auf wirtschaftlichem Gebiete und der Ära friedlicher Arbeit. Die Logik der Dinge, welche endgültig die B^iehungen zwischen den Völkern regelt, legt Griechenland und Bulgarien eine vollständige Erledigung der Vergangenheit und eine enge Verbindung in Zukunft auf.
Oie Stärke des griechischen Heeres.
Seit dem Jahre 1882 hat das griechische Heer mannigfache Änderungen und Umformungen sowie Vermehrungen erfahren, durch die es heute zu einer bedeutenden Streitmacht herangewachsen ist. Durch die Gesetze vom 21. Juni 1882, 28. Mat 1887, 21. März 1890 und 4. Juni 1904 ist in ganz Griechenland die allgemeine Wehrpflicht zur Einführung gelaugt, die nur für einzelne Aus-
uahn'.en in beschränktem
Ministerpräsident Zaimis, die Regierung fühle sich mit dem Kriegsminister solidarisch nnd verlangte ein Vertrauens-
L 0 ~ u . m ' Re Regierung eine Minderheit von
33 Stimmen ergab.
Das Entlassungsgesuch des Zaimis. — Die Auflösung der Kommet wahrscheinlich.
W.T.-B. Athen, 5. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.
Agenee Havas meldet: Zaimis hat sich gestern mittag znm König begeben, um ihm das Entlassungsgesnch des Ministeriums zu überreichen. Die Venizelos feindlichen Zeitungen betrachten die Auflösung der Kammer als gewiß.
Nur personalwschse!» keine Kenderung der Politik in Griechenland?
Br. Amsterdam, 5. Nov. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Eine Reutermeldnng aus Athen besagt, daß man als Ergebnis der Krisis die Auflösung des Kabinetts und die Bildung eines neuen Ministeriums ans denselben Persönlichkeiten erwarte, die seht die Regierung leiten. Nur im Kriegsministerium, an dessen Spitze General Janakitsa steht, wird ein Personenwechsel erwartet.
vte Stimmung fiir eine Annäherung an Griechenland in Bulgarien.
Die Verproviantierung Griechenlands aus Bulgarien.
W.T.-B. Sofia, 8. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Mit Bezug auf den zwischen dem Komitee für soziale Praxis sowie einer Abordnung griechischer Beamter zustandege- kommenen Vertrag, nach dem Griechenland 1000 Waggons Getreide erhalten wird, deren Lieferung 20 Tage' nach Unterzeichnung des Vertrags beginnt, schreibt das halbamtliche „Echo de Bulgare": Die Tatsache, daß sich die Achen er Regierung nach Sofia wandte, um Lebensmittel zu erhalten, deren Mangel infolge der unerträglichen Verhältnisse, die die Ententeflotte im Mittelmcer geschaffen hat, sich in Griechenland stärker fühlbar machte, bildet an sich den Beweis des zwischen den beiden Hauptstädten bestehenden Vertrauensverhältnisses. Die freundschaftliche Aufnabme, welche der griechische Vorschlag in unseren leitenden Kreisen fand, zeigt, daß die beste Stimmung in Bulgarien für eine Annäherung an Griechenland besteht. Diese Stimmung herrscht, wie festgestellt werden muß, nicht bloß in volitischen Kreisen vor, sondern Luch, was nicht ohne Bedeutung ist. in der öffentlichen Meinung. An dem Tage, an dem Griechenland mit dem Bewußtsein der großen Interessen seiner Zukunft seine Haltung im serbisch-bulgarischen Zwist deutlich bekundete, wurden die Beziehungen zwischen Athen und Sofia
Maße zutrifft. Es sind dies überzählige, Schwächliche uns Stützen der Familie, die zur Territorialarmee überschrieben werden. Aber auch sie sind vom Heeresdienst nicht völlig frei, sondern müsse» eine Ausbildungszeit von sechs Monaten durchmache». Dieser Grundstock der gairzen künftigen Heeresgesetze ist nach dem Balkankriege ebenso erweitert worden, wie die Friedens, und Kriegsstärke des griechischen Heeres überhaupt. Der große Zuwachs an Land und die Vermehrung der Bevölkerung, umfassend ?. Millionen Menschen, sowie die unsichere Lage, die trotz des Friedens von Bukarest auf dem Balkan herrschte, haben zusammengewirkt, um eine ganz ungewöhnliche Stärkung des griechischen Heeres herbeizuführen.
Wir haben schon gesehen, daß auch Bulgarien sich veranlaßt sah, nach dem Balkankriege sein Heer zu vermehren. In viel größerem Maße trifft dies aber für Griechenland zu, wo vie Kriegs st ärke auf mehr als das Doppelte der bisherigen Zahl gebracht worden ist oder gebrachr werden soll. Die Reorganisation des griechischen Heeres wurde im Jahre 1913 beschlossen. Wie weit sie bis heute durchgcführt worden ist, entzieht sich der Kenntnis. Man kann aber annehmen, daß sie besonders im letzten Kriegsjahre, durch das die Unsicherheit auf dem Balkan noch gesteigert worden ist, mit aller Beschleunigung durchge- fuhrt wurde.
Die bisher vier Friedensdivisionen des griechischen Heeres wer- den durch die neue Reform ans zwölf gebracht. Während bisher im Kriege insgesamt zehn Divisionen vorhanden waren, soll jetzt die Kriegsstärke des Heeres aus 24 Divisionen bestehen. Die Kriegsstärke leder Division besteht aus drei Infanterie-Regimentern zu je drei Bataillonen, einem Jägerbataillon, einer Schwadron Kavallerie einen, Eeniebataillon, einem Regiment Artillerie zu sechs fahrenden Schnellfenerbatterien zu je vier Geschützen. Insgesamt umfaßt demgemäß erne kriegsstarke griechische Division 180 000 Gewehre, 100 Reiter und 24 Geschütze. Ein Regiment Infanterie im Kriege dazu da dre Friedensdivision nur aus zwei Regimentern Infanterie de- steht, soweit diese Waffe in Betracht kommt.
n 3 U . .^°rm des Heeres gehört die Aufstellung von 12
Artillerie-Regimentern, auch 4 Abteilungen Gebirgsartillerie sind neu gebildet worden. Die Erfahrungen des Balkankrieges habe" dazu geführt, daß die Luftschiff- „nd B e r k e h r s tr u p p e n letzt im griechischen Heer durch neue Lustschisserkompagnien, ein neues ^elegraphenbataillon und ein Bataillon Verkehrstruppen vermehrt woreen ist. Auch die Kavallerie hat eine Vergrößerung durch zwei neue Regimenter erfahren. Um diese bedeutsame Heeresverstärkung die her eine Gesamtkriegsstärke von 450 000 Manu zum Endziel har.' durchzuführen und besonders für genügende Reserve als Ersatz zu sorgen, ist die Dienstzeit, die vom 20. bis 50. Jahre gedauert hat um weitere 6 Jahre vermehrt worden.
Oie französischen Truppen bei Prikep vernichtend geschlagen.
W- T.-B. Köln, 5. Nov. (Nichtamtlich.) Die „Köln. Ztg." meldet aus Sofia: Nach sicheren amtlichen Mitteilungen sind die französischen Landungstruppen jetzt nordöstlich von Prilcp von den Bulgaren, die von G r a d i s k o nnd Negotii, (Mazedonien) her angegriffen hatten, vernichtend geschlagen und teils zersprengt, teils gefangen genommen worden. Die französischen Gefangenen sind schon in Küstendil angekommen.
Oer Natschonikpatz von den Bulgaren erobert.
W.T.-B. Monastir, 5. Nov. (Nichtamtlich. Agenee Haveis.) Die Bulgaren haben den berühmten Katschonir-
