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Morgen - klusgabe.

1. Mkcrtt.

Ein Linsengericht.

t. Budapest, 14. November.

Die dunkeln Wolken am simerpolstischen Horizonte Österreich-Ungarns haben sich verdichtet. Die Jnnsbraicker Ereignisse haben die Luft in Österreich mit Elektr-rz-UW geschwängert, und sobald das Parlament in WiAl er­öffnet wird, soll das Gewitter losgehen. Dre Liebes- ivevbutdgen Herrn v. Körbers öM d>en ^schechen^ haben fick nicht als die richtigen Wetterkanonen erwiesen, m Gegenteil, diese bereits veralteten Geschütze drohen von rückwärts loszugehen: der ganze Grimm der Deutschen wird sich in Bälde mit doppelter Wucht über das Kabinett Körb er entladen. Und in Ungarn naht für das Kabinett Tisza gleichfalls der kritische Tag erster Ordnung m Sachen der geplanten Revision der Hausordnung. Da sollen nun kleine Geschenke helfen, die Graf Stefan Trsza der Nation in der vorgestrigen Parlamentssitzung auf- aetischt hat: Militär-Reformen, wie die Vorsehung der Honvedschaft mit Artillerie und die Einführirng der zwei­jährigen Dienstzeit. Aber kanm hatte sich der stark demonstrative Beifall gelegt, der die Rede des Grafen rrssza aus den Reihen der liberalen Parte: begleitete, als schon das ominöse Wort von den Banken der Opsw' sition her anfflatterte: „Ein Linsengericht! Graf Trsza tvill uns die Revision der Hausordnung,„die wichtigste Wehr, -die wir gegen gouvernomentale Ubergrrffe de- sitzen, um ein Linsengericht abkaufen." Und während der Ehrenpräsident der Unabhängig keits-Portei der greise Abgeordnete Koloman Thaly, düsen politischem Takte das Land die Wrüstung der letzten großm Obstruktion verdankte, in den Kasiychen Ausspruch ausbrach: „Diweo vanno» et , «tan«,

feientes", schrie der lungenkräftigste Oppositionelle^der Deputierte Geza Polonyi, mit Stentorstimme: „Man

will uns den Mund mit Kanonen stopfen!" Das sind die Merkzeichen der Situation. Wohl hat Graf wrsza ferne Lage durch die Ankündigung der in Rede stehenden Re- formen verbessert. Denn auch hier drohte für dm Fall einer gewalttätigen Durchpeitschung der Revision :m Wege eine^ Tagesordnungs-Antrages, wie sie von der Regie­rung für diese Woche geplant ist, «ine Sezession rin großen Stile Graf Julius Andrassy und mit ihn: sein Anhang, die Kasino-Partei, so genannt, weil deren Mitglieder alle dem Magnaten-Kasino angehören, will keinerlei Gewalt- matzregeln ihre Zusümmung geben. Nun Hort man, daß hie Magnaten durch die Erfüllung des Jahrzehnte alten

Wunsches der Nation in betreff der Ausgestaltung -der Honved nachgiebiger gestimmt worden wären und datz dre Sezession, fÄls eine solche staiismidet, nicht mehr von großer Bedeutung sein wivd. Möglich! Doch ist 'bies sur das Schicksal der Revision sowohl, wie des Kabmetts ,^rsza nicht die Hailptsache. Numerisch war sich ja die Regierung ihrer Majorität im Parlamente, auch für den Fall emes größeren Abfalles ihrer Anhänger, stets bewußt Die große Frage ist und bleibt jedoch, ob die Minorität, die diesmal gleichfalls nicht wenig Stimmen zählt, da sie die gesamte Opposition umfaßt, nicht ebensolch ^ gewalt­tätigen Widerstand leisten wird-, welcher dann ® w- laufe der Murmfzenen im Parlam-ente M Zwischenfallen und Komplikationen führen kann, welche jede fernere Beratung unmöglich -machen, lind eine weitere Frage bleibt, oib die Minorität, falls die Revision auf diese Weise durch einen Putsch der Majorität im Wege einer mechanischen Abstimmung dennoch zustande kommt, diese nach ihrer Auffassung illegale neue Hausordnung zemalr respektieren wird? Die Regierung kann doch gegen Politik vom Schlage eines Grafen Apponyr, _ Franz Kossuth, Baron Tesider Banffy, welche die Legalität des geplanten Vorgehens durchweg in Abrede stellen, nicht fortwährend mit der in der neuen Hausordnung ange­drohten Abführung Vorgehen? All dies -sind schwere Sorgen für das Kabinett Trsza, welches das Regiment der starken Hand jetzt endlich verwirklichen soll, ohne hwr- zu im Lande jenen Anhang zu besitzen, der b-e: eventrrellen Neuwahlen z. B. zur Rechtfertigung seines standpunttes notwendig wäre. Das Land ist trotz des Lärms-der qouvernementalen Presse nicht revisionsluitig und, steht, wenn- auch die Obstruktion nicht gerade populär :st, m ihr nicht jenen Popanz, mit dem die Regierungspreß e die Nation -gerne schrecken möchte. Der Grund dieser Stimmung entspringt der ffef wurzelndenAnschauung. datz in einem Lande, in welchem jede Gesetzesvvrla-ge der vor­herigen. sowie- der nachherigen Genehmigung der Krone unterliegt, und in welchem- die Regierungen-,, wHsÄn, nicht aber die Regierungs-Parteien, well nämlich der Herrscher seine Kabinette nur der am Ruder befindliche Mehrheits-Partei entnimmt, das Parlament der Waffe der Obstruktion nicht entbehren könne, ohne dem Wüllen der Negierung, l. der Krone, machtlos aus-gÄiefert zu sein. Nur die eventuelle Verweigerung der Mut- und Geld-Steuer biete in Konsl:ktszeiten das Palladium gegen eine Willkür-Herrschaft, die sich nur e:n konstitutionelles Mäntelchen- umgehängt hätte. Dies sei wohl dann eine Art vou Parlaments-Revolution, aber sre ser noch immer einer Revolution im Lande, die sonst dre Antwort bilden müßte, vorzuziehen. Z 5 > die landläufige Weisheit vor der Wahl des kleineren,Übels hat eben auch m der Politik ihre unbestrittene Gültigkeit.

Politische Übersicht.

Das Schlcppmonopol.

L. Berlin, 16. November.

Es ist einstweilen ziemlich unklar, was unter dem Schlcppnwn-opol auf dem Rh-ein-Leine-Kanal verstanden werden soll. Vielmehr, die anscheinend genügende Klar- heit mit der sich die Sache darftellt, bekommt bei nahereni Zusehen etwas unangenehm- Verschwimmendes,, und wich­tige Fragen verlangen eine Antwort. Es w:rd :n off:- ziosen Kundgebungen darauf verwiesen, daß em Schlepp- monopo-l bereits für den Nordostseetanal und den Elb- Trave-Kanal besteht, wie es ja auch auf, dem » Kanal eingeführt werden soll. Nun ist es richtig, daß om, Bestehen dieses Monopols auf den beiden -erstgenannten Kanälen weder die Benutzung der Wasserstraße mit Fahrzeugen von eigener Triebkraft noch das , schleppen durch lebendige Pserdekraft verhindert, -aber dre Verhalt- ttiffe werden im Westen doch wesentlich anders lregen. Mindestens müssen sich die Regierung und die Mehrheit für das Schleppmvnopol bei der Sache etwas denken, Iras durch den Wortlaut des angenommenen Ilntmges nicht völlig gedeckt wird, und die Ausgestaltung des Schleppmonopols durch die Ausführungsbestimmungen dürfte wichtiger werden, als, es der, Antrag , selber mit seiner scheinbaren Einfachheit ist. Wurde es sich nur um eine Übertragung dev für die obengenannten Kanal« geltenden Bestimmungen auf den Rhem--Leine-Kancü und andere künstliche Wasserstraßen handeln, so bl-reb den Bergwerksgesellschaften des Westms als imt Hauptmwr- essenten ja immer noch die Möglichkeit, ihre Sch^ auf dem Kanal verkehrvi: zu lassen, und e§ tage keine Not- Wendigkeit vor, beim Übergang zum Rhein (oder um. gekehrt vom Rhein zum Kanal) ern-e Milderung vorzu- nchmen. Ebensogut wie ein einzelner Flußdampfer von Magdeburg nach Lübeck gehen kann, obwohl der Staat Lrirüeck Schlevpmonopol auf dem Elbe^^rave-Kauar hat, -ebensogut könnten ja auch die einzelnen Fahrz«rge von Ruhrort durch die neuen Kanäle gehen,, ungehmdmt durch das neue Schleppmvnopol. Unmöglich gMvE wäre nur die Beförderung vön Fchrzeugen durch Schlepp- danipfer, die Privatpersonen oder Privatgesellschaften ge­hören. Das wäre gewiß schon eine Erschwerung, aber sie brauchte nicht so ernst genommen zu werden, w:e das de- schlossene Schleppmvnopvl tatsächlich, und, mit offenbar gutem Grunde -genommen wird. Die Widerspruche, die sich somit zwischen dem Monopol in seiner Maske der SchlichthÄt und den Enttäuschungei: und Befürchtungen der rheinisch-westfälischen Großindustrie ergeben, wollen besagen, daß, wie gesagt, das Monopol erst durch sern« praktische Handhabung gefährlich werden wird. Nach

Feuilleton, verschwundene Goldfelder.

Nor -einigen Tag-en wurde aus Am-erika die große lr-euigke-it berichtet, -daß ein nmherstreifender Cowboy das auq verlorene und so viel gesuchte kaliformische -solche.d weder entdeckt hätte. Es ist mit d:e,-em Goldfe.d etwas rkmlich-es wie mit der im Meer verichwundeu-ul Stadt yineta die irgend jemand einmal gesehen haben will, >ie aber gewöhnliche Menschen liicht wahrnehmen können, höchstens gottbegnadete -Sonntagskinder. Ern solch-c^ Sonntagskind glaubte gewiß jener ^°ldsuchrr zu fern, der M Jahre 1849 in Calisornien -unter 'Gestrüpp und rlw kraut Goldklumpen wie die Feldsteine liegen fand und rutzerdem einen fast acht Fuß dicken G-eftei^-gang, -aus dem das -Edelmetall ihm entgegengleißte. Der Finder oahm einige Stücke mit und machte sich nach der nächsten hSt auf, um dort gemäß den Bergbangesetzon- fernen Anspruch auf den G-oldfund geltend zu machen. Es mutz aber mit seiner Sonntagskindschaft doch nrch-t weit her gewesen sein, denn es erging ihm sehr schlecht. Er ging unterwegs in eine Schenke, wo er sein Gluck in dem landesüblichen Whisky feierte. Der dort heimische u-hrsky aber war ein sonderbar-cs Getränk, em Gemisch au» Aviclwein, Vitriol, Tabaksaft, rotem Pfeffer und Fusel. -Es war also -wohl kein guter Whisky, was man heute -unter dem Getränk versteht, aber ferne Verfertiger be­haupteten, er wäre so feurig, daß er einen Kaninchenbock gleich einem Wolf kämpfen machen könne. In i-en-em Fall aber wirkte er wie eine D-ose Opium, was dem Goldmann freilich nicht viel geschadet haben w-urde, wenn nicht fernem Rausch «ine Periode der Gesprächigkeit vorausgcg-angen -wäve^ In dieser zeigte er seine -Goldklumpen und er- Ete seine Geschichte; darauf wurde er ermordet und von dem Schenkwirt und seinem .Helfershelfer verschal. D-ie beiden -Ehrenmänner machten sich nun aus den Weg und verfolgten -die Fußspuren des -Ermordeten, um so zu dem Goldfeld zu gelangen, aber ste konnten es nicht finden. Unzählige sind nach ihnen, durch dre Sage ver­lockt. in jenen Einöden umhergezogen, aber keiner hat dort etwas anderes gefunden als Gestrüpp, Unkraut, Snnaer und Durst. Solcher Sagen von verschwundenen Goldfeldern gibt es noch mehr. So geht die Kunde von

einem unerhört reichen Goldfeld, von dem sogar ei:- - Photograpbie vorhanden ist, obgleich «s fetzt schon l<.t vielen Jahren von keinem Weißen mehr gesehen worden ist. Den Indianern war es bekannt und soll es auch beute noch bekannt sein, denn sie haben sich von dort das Gold geholt, das sie zu Schmucksachen brauchten. Ein ameri­kanischer Bergmann erreichte den Platz mit zwei oder drei -Gefährten in den sechziger Jahren.und nahm >enc Photographie auf. Nach seinem Bericht wird das Gold dort in Klumpen gesunden, di« vom Waßer ab-geschlnftn sind, tm Bett eines starken Baches der von felpgen Hügeln herabkommt. Diese Hügel schließen pch in mm Dreieck zu seltsamen Formen zusammen, daß me ~anp= schüft dem Auge sofort auffallen muß. Ta-.- Gold kann in -zicmlichen Mengen auch von den Abhängen der Berge gesammelt werden. So lautete die Aussage des einzigen Überlebenden jener Expedition, die übrigen erlagen den Anstrengungen der Reife. Auch jener eine war «re wie­der imstande, den Platz aufzufind-en, ebenso wenig ainr der zahllosen -Goldsucher, die nach ihm ihr Glück ver­suchten. Sv «'egt das- Gold dort umher, wird von dem Bach fortgofchtvemmt und de-m Meere zugetrageu, und niemand sieht es außer dem wanderndeii Iraner her sich vielleicht inmitten -dieser schätze sein Mitt^smayl kocht oder einiges davon aufließt, um es in Plättchen ms Brantschmuck zu verarbeiten. , Noch wunder,ame: ist die Sage von den Evcvglades, einer sumpfigen Steppe un östlichen Teil der Insel Florida. Hier soll es e,ne Insel geben, auf der prachtvolle Magnolien blühen und aus deren Boden der Ou-ell der ewigen Jugend entspringt, d-as „trinkbare Gold" der Alchimisten. Er war einst den Indianern bekannt, die aus ihm zu trinken pflegten, wenn sie im Kampf zu Schaden gekommen oder alt und aebrecklich geworden waren. Wer -daraus trank, d.i starb niemals, sondern lebte jung und glücklich unter Orangenbäumen und leuchtenden Azaleen, -wohin der Tod den Weg nicht fand und keine Sorg« ihre spuren in das mensch-liche Antlitz zu graben vermochte. Ern großer vortnai-esischer Seemann rüstete -rm sechzehnten Jahr­hundert eine Erpedition aus, um den Wunderquell zu suchen, aber er fand ihn nicht -und kehrte auch nicht zu­rück Der Sage nach ist der Brunnen auch ,-etzt noch nicht ausgetrocknet, und es wird ernstlich versichert daß! alle Leute, -die jene Gegend besuchen, sorgsam auf iede Jnfel achten, durch das dichteste Sumpfdickrcht blauer Lotos­

blumen sich hindiircharbeiten und aus jedem Tünipel trinken, um wenigstens nichts -zur Wiederentdeckung des Märchenschatzes unversucht zu lassen. Mchr in Ver­gessenheit geraten ist die goldene Stadt von Manoa, dre einst auf keiner Karte von Süd-Amerika fehlte. Dies Dorado mit seinen goldenen Straßen und fernen selb sauren, schw!eig-en^en, weitzhäutigen Bewohnern hat unter! den Sagen der Gegenwart seinen Platz verloren. Der moderne 6ö-oldfucher ist nicht mehr so poetisch, um an solche Übertreibungen zu glauben, und läßt sich lieber durch Reiseführer und Lehrbücher leiten, als durch Ro- nmn-e, aber die Ein-geborenen am oberen Amazonenstrom halten noch -an der Mythe fest. Si-e erzählen den brast- lianischen Naturforschern, die zeitweise nach dem Osten gehen, um nach Chinarindenbäu-men oder kostbaren In- s-ekten zu suchen, daß Me Stadt nicht weit abliege, aoer doch so schwierig zu erreichen fei,, daß kein w-eiger Mann jemals hin kommen werde. Ein Opfer hat dre goldene Stadt von Manao doch in den letzten Jahren noch gefun­den. Ein sonderbarer Schwärmer ging von Peru ohne Begleiter aus, um den Platz zu suchen. Er stieg unter imsäalichen Mühen über die Cordillere und brachte schließlich ein paar irdene Töpfe von dunkelblauer Farbe, einiae Stücke gewebter Stoffe und -eine Hand voll Sp-inn- worteln von einem- der G-räber heim, -wo die alten Peru­aner ihre Toten bestatteten. Trrtzdem war er nicht ent­mutigt und glaubte, daß er -dicht bei dem ersehnten Platze gewesen wäre und daß er d-en blauen see, der bw Stadt umgeben sollte, bei einem zweiten Ver uch uberwinden würde; dann wollte er dort in dem goldenen Paradies heiraten und nicht wieder zurückkehren. Der letzte Punkt feine» -Programms war der einzige, den er ausfuhrte. Einen etwas realeren Hintergrund scheint die Geschich-te von der Cocosins-el zu haben, die unweit der Landenge von Panam-a im Großen Ozean liegt. Dort liegen an- geb-lich zwei große Schätze vergraben. Erborgen unter der tropischen Pflanzenpracht, bergen sich dort 45 Mil- lionen -Wert an Gold- und Srlberplatten in der Erde.^ die ganze Habe der alten peruanischen Kirchen Eine kurze Strecke von diesem Versteck soll stch e,n zweiter be­finden, wo ein alter spanischer -Pirat ungeheure Rerch- tüm-er an Münzen und Juwelen vergrub.. Aus der Insel lebt ein Deutscher, der täglich grabt, wie er schon seit achtzehn Jahren gegraben hat. Bis jetzt aber bat er nur cinen alten eisernen Kessel, einen zerbrockenen Sabel