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Zreitag, 3. November 7913.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 517. ♦ 63. Jahrgang.
Die Verbindung Mischen dem rechten Flügel der Armee u. Koeveß und der Armee non Uisegrad hergestellt!
0er italienische Ansturm wieder überall ab- gewiesen. — Ein Angriff gegen die montenegrinischen Grenzftellungen bei. Erebinje. — Oie Aurücktreibung der Serben südlich Kragu- itvac bis zum genommenen Iagodina. — Ein wichtiger Fortschritt am rechten Flügel. — vorwärts südwestlich von Eacac. — Fort- ichreitender bulgarischer Angriff südwestlich Pirol.
ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 4. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Smtlich verlautet vom 4. November, mittags:
Uussischer Kriegsschauplatz.
Der Feind setzte seine Angriffe gegen die Strypa- Front fort. Die gegen die Stellung von Wisniowczyk und kurkanow gerichtete» Angriffe brachen vor unseren Hindernissen zusammen. Bor de» Schützengräben zweier llataillonc wurden 500 russische Leichen begraben. Im Dorfe oiemikowce, nördlich von S i e n i a w a, wird nach wie ,or heftig gekämpft. Österreichisch-ungarische und deutsche Lruvpen gewannen den Ort fast ganz zurück. Die Zahl »er in diesem Rann» cingebrachten Gefangenen beträgt iüöO. Auch am unteren Sthr wurden zahlreiche Bor- töße des Gegners abgeschlagen. Bei den vorgestrigen Kämpfen westlich von Czartorysk hat ein aus Truppen leider Heere zusammengesetztes Armeekorps insgesamt fünf russische Offiziere und 1117 Mann gefangen genommen und ll Maschinengewehre erbeutet.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Angriffe der Italiener auf den G ö r z c r Brücken- lopf und die Nachbarabschnitte dauern fort. Gestern varcn die h e f t i g st e n Stürme gegen Zagora, die Podgora-Höhe und den Monte San Michele gelichtet. Wieder wurde der Feind überall abgcwiesen. lluf den P o d g o r a - H ö h e n wird um einzelne Gräben roch gekämpft.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Östlich von T r e b i n j e ist ein Angriff gegen die mon - 'enegrinischen Grenz st ellun gen im Gange, dstlich von B i l e c a und südlich von A v t o v a c wurden in sc-t dort erkämpften Positionen feindliche Vorstöße abge- 'chlagen. Auf dem Berg Mobja kam es zum Hand- >ranatrnkampf.
Der serbische Widerstand im Raume von Kragujcvac und »ei Iagodina wurde gebrochen. Der Feind ist im Z u- lückweichen. Bon der Armee des Generals Koevetz 'lickten österreichisch-ungarische Streitkräfte über Puaega sinaus.
Die Verbindung zwischen den bei N s i c c und den östlich ,on B i s e g r a d kämpfenden Truppen ist h e r g e st e l l t. Südwestlich von Cacac warfen wir den Feind von den »aS Tal beherrschende» Höhen. Andere österreichisch-unga- üsche Kolonnen nahmen die Höhen Stolica und Lip- »ica-Glavica und drängen die Serben auf den drobnja-Rücken zurück. Deutsche Truppen rückten in Z a g o d i n a ein.
Bon den bulgarischen Kräften drang eine Kolonne bis 8 o l j e v a e, südlich von Care; a, vor. Eine andere nahm den Berg Lipnica, nordöstlich von Risch. Die Angriffe der Bulgaren südwestlich von Pirol gewannen Raum.
Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabeS: v. H ö f e r, Feldmarfchalleutnant.
ver amtliche bulgarische Bericht.
W. T.-B. Sofia, 4. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht) «mtlichrr Bericht über die Kampfhandlungen vom 2. Nov - Unsere Truppen setzten ihre Offensive auf der Straße Zajecar-Paracin fort. Wir besetzten die Stadt B-levac und erreichten die Linie Balacone-Dodru- sevac. Im Tale des Svrljsky-Timok erreichten wir nach erbitterten Kämpfen die Linie Kalavac-Höhe 5072-Torf Precopck- Procotje - Planina - Höhe 951-Höhe 1099 au der Bicerga Mian. Rach Aussagen von Gefangenen wohnte K ö n i g P - t c r den Kampfhandlungen an dieser Kampffront bei. Im Tale des BlasfotinSca-Flusses wurden die Serben aus ihren Stellungen vertrieben. Unsere Truppen besetzten die Linie S e c e n i c a-B r e st o v d o l und machten noch 600 Gefangene. Bon den übrigen Fronten wird keine «eränderun» temeldet.
Bereits Beschießung der Befestigungen von Nisch?
B*. Budapest, 4. Nov. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) AuS Bukarest wird gemeldet: Die gegen Nisch vordringenden bulgarischen Truppen sind erfolgreich. Die bulgarische Artillerie hat bereits die Befestigungen von Nisch unter Feuer genommen.
Oie Absichten der serbischen Heeresleitung.
Rückzug nach der albanische» Grenze?
W. T.-B. Lyon, 4. Nov. (Nichtamtlich. Drahtber-cht.) Wie die Blätter melden, erklärte eine hochgestellte serbische Persönlichkeit, datz der serbische Generalstab das serbische Heer langsam an die albanische Grenze zurück- zuführen und die Streitkräfte möglichst intakt zu halten beabsichtige, um später mit den verbündeten Armeen gemeinsam Vorgehen zu können. — Im Abschnitt von K r i w o l a c finden nach den letzten Gefechten Borpostenscharrnützel statt. An der gaHftn griechisch-bulgarischen Grenze herrscht bulgarischerseits große Tätigkeit. Soldaten und Zivilisten sind längs der ganzen Grenze mit dem Anlegen, von Schützengräben und Schanzwerken (offenbar gegen das beabsichtigte Vorgehen der Entente. Schriftl.) beschäftigt.
Kampflose Räumung von Kragujcvac.
Oie serbische Armee vor der Auflösung?
Br. Berlin, 4. Nov. (Eig. Drähtbericht. Zens. Bln.) Der Kriegsberichterstatter des „B. L.", Wilhelm Hegeler, meldet nnterm 2. November aus dem Felde: Das stark befestigte Kragujevac ist der Armee Gallwitz kampflos übergeben worden. Nur im Norden der Festung haben einige Nachhutgefechte stattgefunden. Dieser leichte Sieg bedeutet den Lohn steter Kämpfe und unerhörter Mühsal e. Die Armee hatte, während die beiden Flügelarmeen vordrangen, den Feind auf sich gezogen. Es wurden serbische Kräfte vor der D r i n a, vor der Armee K o e v e ß und vor dem bulgarischen Flügel weggenommen, arm sich der Armee entgegenzutoerfen. Sie haben, sie nicht zu halten vermocht. In ihrem unwiderstehlichen Vorwärtsdringen hat diese Armee jetzt mit ihrem rechten Flügel die Stellung südlich Kragujevac erreicht, steht mit ihrer Mitte am linken Flügel der Morawa bei B a g r d a n und mit ihrem linken Flügel im Morawatal, wo Wilcopopowic in unserem Besitz ist. Im Rücken ist das Land bis auf wenige Komi- tatschis geräumt. Es ist den Serben nicht gelungen, Munition in größeren Mengen von Kragujevac fortzuschaffen. Einige Explosionen waren vor der Übergabe zu hören, doch ist zu hoffen, datz die Munitionsfabrik unversehrt geblieben ist. Der freiwilligen Räumung von Kragujevac ging ein Beschluß der serbischen Magnaten voraus. Sie soll nach ihrer Mitteilung erfolgt fein, weil Kragujevac im Tale liegt. Rach übereinstimmenden Aussagen vieler Gefangener aber hatte der Respekt vor unserer Artillerie und von der stürmischen Tapferkeit unserer Infanterie, von der sich die Serben keine Vorstellungen gemacht hatten, daran den größten Anteil. Ob sich der Feind nach Albanien oder Montenegro zurückzieht oder ob er in der berühmten, das Morawatal beherrschenden Bagrdanftcllung noch einmal größeren Widerstand leisten wird, entscheiden die nächsten Tage. Jedenfalls ist der Zustand der Armee von der Auflösung nicht allzu weit enffernt. Der anfangs so zähe Widerstand läßt nach. Die Gefangenen machen teilweise einen traurigen Eindruck. Viele werden nur durch eine Mütze und ein Gewehr ältesten Kalibers zum Soldaten gestempelt. Die Zahl der Überläufer, unter denen sich namentlich viel Mazedonier befinden, nimmt jeden Tag zu. Die Bevölkerung wird immer weniger feindselig, nachdem sie das musterhafte Verhalten unserer Soldaten kennen gelernt hat. Die Erfolge der Armee Gallwitz sind um so höher einzuschätzen, da die Wege grundlos sind.
Der serbische Gesandte in Bukarest hilfesuchend bei Bratianu.
Die Gerüchte über das serbische Verlangen nach einem Sonderfrieden.
Br. Budapest, 4. Nov. (Eig. Drähtbericht. Zenf. Bln.) „A Villag" läßt sich aus Sofia drühten: Das Blatt „Utro" erfährt aus Bukarest, baß der dortige serbische Gesandte ein chiffriertes Telegramm von der serbischen Negierung erhielt, das den Gesandten von der verzweifelten Lage Serbiens verständigte. Der serbische Gesandte suchte darauf den Minister,präsi- deuten Bratianu auf, bei dem er eine Stunde verweilte. Nachrichten aus Kreisen, die dem Vierver- bande nahe stehen, zufolge, habe der serbische Ge- sandte auch ausgeführt, Laß Serbien gezwungen sein werde, von den Zentralmächten und Bulgarien Frieden $u erlangen, um wenigstens das zu ret
ten, was Serbien bisher noch zu erhalten gelang, falls es nicht im letzten Augenblick noch Hilfe bekomme. Brattanu erteilte dem serbischen Gesandten die Antwort, daß Rumänien Serbien nicht m Hilfe kommen könne. Sichtlich verzagt verließ der serbische Gesandte das Ministerium und begab sich auf die russische Gesandtschaft, wo er gleichfalls längere Zeit verweilte. In Sofia ist in ernsthaftester Form die Nachricht verbreitet, daß Serbien einen Sonderfrieden von Bulgarien und den Zentral- möchten verlangt habe.
Mackensen und Koevetz die populärsten Leute in Bulgarien.
Br. Budapest, 4. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Bln.) In ganz Bulgarien ist Mackensen, wie aus Sofia gemeldet wird, der populärste Mensch. Seine Photographien befinden sich in allen Schaufenstern. Neben ihm befindet sich der ungarische General Koevetz, der Kommandant der Truppen, die Belgrad besetzten.
Ein Spitalzug des Kaisers Franz Iossph nach Bulgarien.
W. T.-B. Wien, 4. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Wie die „Neue Freie Presse" meldet, hat der Kaiser einen vollständig ausgerüsteten Spitalzug, der reich mit Ärzten, Personal, Verbandszeug und Medikamenten versehen ist, nach Bulgarien gesandt.
Griechische Segler mit Bannware für Bulgarien gekapert.
W. T.-B. Lyon, 4. Nov. (Nichtamtlich.) Die hiesigen Blätter melden aus Saloniki: Englische Schiffe kaperten im Ägäischen Meer zahlreiche griechische Segelschiffe, die mit K r i eg s b a n n w a r e für Bul- garieir beladen waren.
Oie russische Sorge um das serbische Heer.
Der doppelte Erfolg der Freimachung des Donauwegs.
Br. Genf. 4. Nov. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Claude Anet depeschiert aus Petersburg dem „Petit Parisien": Tic hiesigen Kreise halten Serbien für v e r l o r e n, während ;eht die Feinde rapid vorrücken. Die Aufgabe des Landungsheeres ist ungeheuer dornenvoll. Die öffentliche Meinung ist vornehmlich deshalb gedrückt, weil die geographische Lage Rußland hindert, energisch mitzuhelfen. Der „Temps" gesteht heute: Der Donauweg gibt den Feinden doppelten Erfolg; erstens moralisch, weil das Prestige befestigt wird, zweitens, weil die erschöpfte Türkei neu verproviantiert wird, so datz sie fortan den Krieg mit st ä r k e r c r M a ch t fortsetzen kann. Serbien kann hinfort nur durch K l e i n k r i e g die Verbindung Belgrad- Kcnstantinopel stören.
Oie Entwaffnung ver russischen Kriegsschiffe in rumänischen vonauhcifen.
W. T.-B. Berlin, 4. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Ter „L.-A." meldet aus Budapest: Der „Pefter Lloyd" meldet aus Bukarest, datz nach der rumänischen Zeitung „Epoca" die in dem Donauhafen K r u j a liegenden russischen Kriegs- t schiffe nunmehr entwaffnet worde-- sind. Die Be-' m a n n u n g bestand aus 860 Matrosen, von denen der größte Teil gestern nach dem Hafen Konstanza geführt wurde. f
Ssasonvw bleibt doch auf seinem Posten?
W. T.-B. Rom, 4. Nov. (Nichtamtlich. Dacht- berrcht.) Die „Agcncia Stefani" dementiert nach Depeschen aus Petersburg die Gerüchte über den Rücktritt des Ministers des Äußern Ssasonvw.
Zur Lage in Saloniki.
Berlin, 4. Nov. (Zenf. Mn.) Die „B. Z." meldet aus Konstantiuopel: An keiner hiesigen Stelle ist bisher eine B e st ä t i g u n g fiir die Gerüchte der Zurückziehung der ver- bündeten Truppen van Saloniki oder der bevorstehenden Landung im bulgarischen Hafen Kavalla am Ägäischen Meere eingetroffen.
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Aufgabe des feindlichen Dardanellen Unternehmens zugunsten des Balkans?
Br. Haag, 4. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Bln.) Wie der Berichterstatter der „Deuffchen Tagesztg." aus bester Quelle erfahren haben will, ist während des Aufenthaltes des Generaliffimus Joffre in London beschlossen worden, das Dardancllenunternehmen endgültig anfzugeben. Die dortigen Streitkräfte sotten nach dem Balkan übcrge- führt werden. (Die Meldung scheint uns einstweilen recht zweifelhaft, denn auch die „sestgehaltenen 2iX> 000Türken", ans die Asquith sich vorgestern iwch so viel zugute tat, werden doch dann ebenfalls für den Balkan oder andere Zivecke fr«, Schriftl.)
