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Seite L.

Abend-Ausgabe. ErsteS Blatt.

Tegblstt.

Englische Torßeiten.

Der Fluch Enrepas." Kein englischer Generalstab nach deutschem Muster.

Rotterdam, 4. Nov. (Zens. Bin.)Westminster Gazette" fordert in einem Leitartikel die englische Regierung auf, sich nicht verleiten zu lassen, bei dem neuen General st ab dauernd eine militärische Körperschaft ähnlich dem deutschen Generalstab einzurichten. Dieser Generalstab sei der Fluch Europas gewesen. Das Blatt sagt, was wir nötig haben, isr die Kraft und die durch jahrelange Übung geschulte Fähigkeit des deutschen Systems, ohne gerade eine militärische Diktatur einrichten zu müssen, die dem deutschen System auf ein Haar gleichen würde.

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Oie Besserung der deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Der amerikanische Botschafter in Berlin beim Kaiser in längerer Audienz.

Berlin, 4. New. (Eig. Meldung. Zens. Bln.) Die vielfachen Streitfragen mit den Bereinigten Staate» haben jüngst in Washington, wie gemeldet wurde, durch Verhand­lungen zwischen dem Grafen Bernstorff und L a n s i n g eine befriedigende Lösung gefunden. Als Ausdruck dieser gebefferten Beziehungen zwischen den beide» Staaten darf wohl gelten, daß der Kaiser letzthin dem ameri­kanischen Botschafter eine Audienz gewährt hat. Über diese Audienz, die, wie wir bestätigen können, tatsächlich stattfand, liegt allerdings nur von seiten der fremden Presse folgende Amsterdamer Meldung vor:

Amsterdam, 4. Nov. Der Botschafter der Vereinigten Staaten, James Watson Gerard, wurde am Dienstag poriger Woche in Potsdam vom Kaiser in Audienz empfangen. Es war dies die erste Audienz, die der deutsche Kaiser seit acht Monaten dem diplomatischen Veütreter eines neutralen Landes bewilligte. Herr Gerard begab sich lin Begleitung des Staatssekretärs v. I a g o w nach dem Potsdamer Schloß. Man nimmt an, daß die Frage der deutsch-amerikanischen Beziehungen lange im Verlauf dieser Audienz besprochen wurde. Herr Gerard soll sich nachher sehr befriedigt gezeigt und eine ausführliche Meldung darüber an den Präsidenten Wilson abgesandt haben. Einzelheiten über die Audienz hat der Botschafter niemand Begehen.

Der amerikanische Botschafter hat nun, wahrfchÄnlich auf ; ©runi> der Amsterdamer Meldung, deren Inhalt der deut­schen Presse jedoch wicht näher bekannt gegeben wird, den D. L.-A." zu folgender Erklärung ermächtigt:Es wäre eine derartig ungewöhnliche, smvohl dem Herkommen als auch der Etikette widersprechende Sache, wenn der Botschafter einer fremden Macht über Gespräche mit dem Herrscher des Staates, bei dem er beglaubigt ist, dritten Personen Mit­teilungen machen wollte, daß eS sich eigentlich erübrigt, dies formell in Abrede zu stellen. Damit indessen in dieser An­gelegenheit auch im Ausland nicht der mindeste Zweifel übrig bleibe, ermächtige ich Sie hiermit, zu erklären, daß ich niemand gegenüber auch nur eine Andeutung über den Inhalt der Unterhaltung gemacht habe, die der Kaiser mit mir zu führen die Güte hatte, und daß daher alles, was darüber in fremden Blättern veröffentlicht fetn könnte, auf freier Erfindung beruht."

Die Komödie der Worte.

Die LondonerTimes" hatte versichert, daß den Erklärungen des Ministerpräsidenten As- yuith größeres Interesse entgegengebracht werde, als es irgend welchen ministeriellen Kundgebungen seit der Rede Sir Edward Greys dam 3. August 1914 der Full war. Diese vor Asguithsgroßer" Rode gemachte Bemerkung, dieser Hinweis auf die Äußerungen Greys smar recht unvorsichtig. Denn in jener viel er- wähnten Rede vom 3. August 1914 chatte der Leiter der «auswärtigen Politik des Britenreiches versichert, Eng­land werde, wenn es am Kriege teilnehme, wenig wehr zu leiden halben, als es leiden würde, wenn es neutral bliebe. Und jetzt, genau 15 Monate später, (muß Asquith einräumen, daß seine lieben Engländer einen grenzenlosen Borrat an Mut und Geduld brauchen.Wie anders wirkt dies Zeichen jaus mich ein!" Asguith räumt -damit offiziell ein, daß sein Kollege Grey damals' entweder sich selbst oder seine Landsleute gröblich belogen hat. Denn wenn der Ministerpräsident in seiner ungewöhn- jlich dürftigen Unterchausrede weiter versichert, daß der Horizont sich geklärt habe, so muß das aus einer optischen Täuschung beruhen. Jedenfalls hat sich 'der Horizont ganz besonders im europäischen Wetterwinkel,

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auf dom Balkan, nicht fiir -den in allen Fugen krachen­den ^ Vierverband, sondern vielmehr für den neuen V i e r b u n d Deutschland-Donrumonarchic-Bulgarien- Türkei geklärt.

Im übrigen sind Asguiths Ausführungen, die nichts als eine recht schlecht inszenierteKomödie der Worte" bedeuten, bemerkenswerter durch das, was sie verschweigen, als durch das, was sie verraten. Don der brennenden Frage, durch die das britische Kabinett in zwei Hälften gespalten ist, von der Wehrpflicht, spricht Herr Asquith überhaupt nicht. In bezug auf das Dardanellenunter- n e h m e n, welches Lord M i I n e r erst vor wenigen Tagen als gescheitert bezcichnete, verrät der Premier­minister nur, daß die Lageauf das sorgfältigste er­wogen" werde. Und was die Serben betrifft, so vertröstet er in ganz gleichartiger Weise -damit, daß Wer die den Serben zn leistende Hilfe beraten worden" sei. Wer mit Erwägen und Beraten werden -weder Dardanellen genommen, noch die Serben geret­tet. Oder sollen diese sich mit Asguiths schlechtemlScherz von derhinterlistigen und gemeinen Verschwörung gegen Serbien" trösten? Vermutlich wird man im Lande des. Königs Peter dazu bemerken: Wir dachten immer, wir hätten uns verschworen!

In -bezug auf den Balkan ist Herr Asguith über­haupt ungemein schweigsam, und von der Einwir­kung der Dardanellen- und Saloniki-Schlappe aus die sich vorbereitenden Ereignisse in Ägypten, aus die Lord M i l n e r hinwies, weiß er gar nichts zu er­zählen. Nur in den griechischen Angelegenheiten ist er redselig geworden, und hier -hat er eine Ge­meinheit begangen, die selbst einem Veni- z e I o s gegenWer verwerflich ist. Wenn er jetzt das Ränkespiel des hinterlistigen Kreters enthüllt, wenn er verrät, daß Venizelos der Landung von Truppen in Saloniki zu gestimmt, aber doch gleichzeitig dagegen formell Einspruch erhoben habe, wenn er auf diese Weise die Doppelzüngigkeit des glücklicherweise im letzten Augenblick sscfltgestellten griechischen Ministerpräsidenten a. D. enthüllt, so kann das nicht damit entschuldigt werden, daß Asquith da­durch seine eigenen diplomatischen Mißerfolge in ein günstigeres Licht rücken will. Wer den Verräter anstiftet, sollte ihn nicht nachher Preisgaben!

Im übrigen lohnt es nicht, alle verlegenen und ver­logenen Wendungen dieser Rede zu zerpflücken. Wenn Asguith die geringen Verluste der englischen Flotte an Menschenleben-hmt, so verschweigt er dabei schänrig, welchem Umstande dies zu verdanken ist, nämlich dem, daß das angeblich meeribchernschende Bri­tannien seine Kriegsflotte sorgsam versteckt hält. Und wenn er weiter von densporadischen und stets -abnehmenden Anstrengungen verstohlener Unterseeboote" fafelt, so fragen wir ihn, ob ihm -das Marineiministerium nichts von der für die engli- schen Schiffe und die englischen Truppentransporte so verderblichen Tätigkeit der deutschen Unterseeboote im Mittelmeer, tot Ägäi schen Meer und in der Dar danellenstraße mitgeteilt hat. Da freilich, wo sich die englischen Schiffe nicht zu zeigen wagen, da sind sie vor unseren Unterseebooten sicher!

Wenn Asguith endlich behauptet, daß Deutsch­land das Eigentum der Verbündeten hin­ter deren Rücken verschachere, so verfährt er nach der bekannten Taktik jenes Diebes, der, als er verfolgt wurde, zwecks Ablenkung der Verfolger selbst aus Leibeskräften ries: Haltet den Dieb! Denn wenn As­guith etwa auf die Verhandlungen mit Italien und Bulgarien anspielen will, so fft dazu M bemerken, daß jene direkt mit Österreich, diese direkt mit der Türkei geführt worden sind. Gerade England aber war es, das nicht nur den Rumänen österreichisches Gebiet, den Griechen türkisches anbot, sondern das den Bulgaren griechi >iches, also neutrales, und sogar serbisches, also -das Gebiet des Bundes- genossen, und endlich den Griechen gleichfalls für die Kriegshilfe al b a n i s ch e s Gebiet anbot, -auf wel­ches der italienische Alliierte längst Anspruch erhob. Wer ist also, derEigentum «der Verbündeten hinter deren Rücken verschachert" hat? Es ist weit gekommen, wenn ein britischer Staatsmann den Professional whimperers", -den berufsmäßigen Klageweibern, solche gröblichen Lügen vorer­zählen muß, um sie zu besänftigen. Aber die tie-s- 1

(Nachdruck verboten.)

Die Toten von Lagiewniki.

Von Erich Köhrer.

- Vom Start) Rin et, dem Alten Ring, fährt eine der treff­lichen Außenbahnen, die die Industriestadt Lodz mit einem weiten Umkreis ihrer Umgebung verbinden, in hastigem Tempo durch die letzten verfallenen Häuser der Vorstadt Baluty in die weite Ebene hinaus. Die polnische Landschaft äst hier von einer verblüffenden, sanften Lieblichkeit. In ab­wechslungsreichen Wellenlinien steigt sie empor und gleitet in die Tiefe, schmückt sich mit weiten Rasenflächen und streut 'Wälder dazwischen, denen der Herbst die ganze Pracht seiner -bunten Schönheit verschwenderisch geschenkt hat. Furchtbar !hat hier im Dezember des ersten Kriegsjahres die Schlacht ge- ftobt, und keine Lücke klafft in dem endlosen Kranz der deut­schen und russischen Massengräber, der sich erschauernd rings um Lodz schmiegt. Jetzt aber weht feierliche Stille über das Land, keine Spuren der Kämpfe stören seine herbstliche Ruhe, und wenn nicht hier und da an einer Brücke, einem Eisen- bahnübergang ein gemütlicher Posten der schlesischen und .sächsischen Landsturmleute sichtbar würde, könnte man nicht j einmal vermuten, daß ein fremder Wille hier gebietet.

In Z. ist die Bahn zu Ende. In der Ferne, zwischen gel- > ben und roten Wäldern, blitzt am «Ende einer endlosen Straße | ein weißes Fanal schimmernd auf, die Mauer des Klosters Lagiewniki, gegen die die Wogen des Krieges ihre letzten Aus- lärffto: haben branden kaffen. Aber die Granaten sind vor der

Majestät des Todes zurückgebebt und unberührt schlummern in den Gewölben die Toten ihren langen Schlaf weiter.

Um einen offenen Platz, enger als sonst in russischen Ort­schaften, schließen sich die Gebäude der Domäne Lagiewniki. Hinter uns klirren die zerbrochenen Fenster des dürftigen Amtshauses, rechts verlieren sich die Herrschaftsgebäude zwi­schen den Bäumen des Parkes, vor uns ist breit und massig der weiße und doch unfreundliche Bau des Klosters gelagert. Ein paar Kopeken öffnen leicht seine Türen. Auch hier birgt sich hinter dem einfachen Kleid der Luxus, der in russischen Kirchen heimisch ist. Im Hauptschiff der Klosterkirche funkeln kostbare Altäre leuchtend auf. In den Winkeln herrscht die Verwahrlosung, die man hier überall findet, zerbröckelndes Gestein, beschmutzte Böden, gesprungene Scheiben. Aber auf den Altären, die sich rings erheben, vier, fünf, sechs, funkelt das Gold, gleißt das Geschmeide. Besonders gewaltig wächst ein Altar empor, der die ganze Hinterwand eines Seiten­schiffes einnimmt. Mit einer erstaunlichen Lebendigkeit hat luer der Holzschnitzer die Symbolik der Legende vom Davids- srern gestaltet. Am Fuße liegt, im prunkenden Silberkleid, König David. Aus seinem Körper ranken sich die Zweige des Stammbaumes empor, jeder gekrönt von einem Judenkönig, verbreiten sich, verästeln sich und streben dann wieder machtvoll zusammen zu dem leuchtenden Stern Davids, der in der Höhe auftagt. Der Küster tritt hinter den Altar, ein Druck auf einen Knopf, und unter dem Stern wird hinter einer versin­kenden Decke ein Marienbildnis sichtbar, das die Züge des deutschen Gretchenö trägt. Man stellt sich leicht vor, welche Wirkung von der Erscheinung dieses verdeckten Bildes auf die gläubigen Gemüter der polnischen Bauert: ausgehen mag.

Donnerstag, 41. November 1915. Rr. 516»

gehende Beunruhigung, von der in Errgkmd Parlament, Presse und Volk wegen der augen­blicklichen Kriegslage ergriffen sind, schafft er auf die Art nicht aus der Welt. Wir werden ja sehen und wir können's getrost abwarten wie «der grenzen­lose Vorrat an Mut und Geduld", zu -dem Asquith seine Jandslente ermahnt, standhalten wird, wenn erst -die Deutschen und Türken vereint vor den Tor«l Ägyptens und am Sueska-na-l, dem Lebensnerv von Englands Weltherrschaft, stützen. Dann werden wir Herrn Asguith wieder hören, oder auch einen anderen englischen Ministerpräsidenten...»

Oie Lage im westen.

Briands Erklärung vor der Kammer.

Eine Mahnung zur Einigkeit. Das französische Volk zu jedem Opfer bereit.

\V. T.-B. Paris, 4. Nov. (Nichtamtlich. Agence Havas.) Die Erklärung der Regierung, die gestern nachmittag von B r i a n d in der Kammer und von B i v i a n i im Senat ver­lesen wurde, lautet: Meine Herren! Erwarten Sie keine lan­gen Erklärungen von uns. Die Stunde gehört der Tat. Auf die Tat hin müssen alle Kräfte der Regierung angespannt sein. Auf klare, scharfe, s ch n e l l e Entschlüsse. Die h a up ts äch li ch ste Aufgabe der Regierung ist es, die leben­digen Kräfte des Volkes durch Gliederung im Hinblick auf den Krieg auszunützen, zu diesem Zweck alle Bemühungen aller, öffentlichen Dienstzwcige zusammenzufassen und zu vereini­gen. Durch enges und unaufhörliches Zusammenwirken eines jeden guten Willens wird der Krieg errungen werden.

Jeder muß an seinem Platze, der Anregung der Regie­rung folgend, seine Aufgabe erfüllen. Jeder Verstoß gegen die durch das Lebensinteresse des Vaterlandes gebotene Disziplin wird unverzüglich nach Feststellung der Verantwort­lichkeiten energisch geahndet werden. Jedem Fehler und )cder Schwächeanwandlung wird die Sühne folgen. Auf der Grundlage dieses Programms wurde die Regierung gebildet, die sich Ihnen vorstellt. Sie wurde als das Abbild des Volkes selbst gebildet, tvelches aus eigenem Antrieb eine vollständigere Einigkeit aller Bürger gegenüber dem Feind verwirklicht. Männer aller Parteien! Vergessen Sie die Meinungsverschiedenheiten, die Sie einst trennen konnten, und nähern Sie sich einander mit der einzi­gen Sorge: Landesverteidigung, und mit dem Ziel: Sieg.

Niemals hatte Frankreich eine würdigere Armee, um zu siegen. Die Regierung muß mit Hilfe der Kammern diesen Helden, die wir mit Bewegung und Stolz begrüßen, alle Mittel hierzu in die Hand geben. Soldaten und Führer, i>: gegenseitigem Vertrauen vereint, wetteifern in Mut und Selbstlosigkeit im Dienst des Vaterlands. Sie entwickeln in den Schützengräben wie auf den Schlachtfeldern die höchsten Eigenschaften unserer Rasse. Jeden Tag fügt ihr Mut dem Ruhmesglanz Frankreichs einen Strahl mehr hinzu. Mit einer solchen Armee, die von einem solchen Führer befehligt wird, und mit einer M a r i n e, die sie so wirksam unterstützt, sind alle Hoffnungen erlaubt. So folgt das Land, das des Ab- schlusses des Krieges sicher iL den Wechselfällen des Kriegs mit unverwirrbarer Gelassenheit und Kaltblütig, k e i t. Sein Stoizismus zeigt es zu allen Opfern, selbst zu den grausam st en und schmerzlich st en bereit. Diese toährend 15 Monaten bewährte hohe moralische Haltung ver­anlaßt die Regierung, die Zensnrfrage in Erwägung zu ziehen. Diese Frage muß eine Lösung erhalten, die schon seit einiger Zeit gesucht wird. Die Lösung wird dadurch möglich, daß di« Presse gewillt ist, im Interesse der Landesver­teidigung die Kontrolle, die sie selbst verlangt, anzunehmen. Die Regierung wird gemeinsam mit der Presse für die An­wendung der Gesetze die in einer Demokratie zwischen der Freiheit -und Autorität notwendigen Konzessionen finden. Wir werden unsere Kraft gleichzeitig aus der nationalen Meinung und aus dem Vertrauen des Parla­ments schöpfen, das die Quelle unserer Autorität ist. Wir wenden uns an Ihre Mitwirkung, die uns wertvoll sein wird. Wir wissen, daß cs Ihre Sorge fft, das Vorgehen der Regie­rung zu unterstützen. Diese ist ihrerseits bereit, ihre Auf­gabe zu erfüllen und alle Verantwortung zu übernehmen. Es wird ihr am Heißen liegen, die Kontrolledes Par­laments über ihre Handlungen zu erleichtern. Sie wird j-ede Gelegenheit ergreifen, um das Parlament a u f z u. klären, indem sie ihm durch regelmäßige Zusammen­arbeit, sei es mit den Ausschüssen des Parlaments, sei es mit dem Parlament selbst, alle Auskünfte gM, auf welche das Parlcmrent Anrecht hat.

W. T.-B. Paris, 4. Nov. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Agence Havas meldet: Di« Sitzung der Kammer wurde unter dem Vorsitz Deschanels eröffnet. Unter den Zuhörern befanden sich die Boffchafter Rußlands, Englands und

Gegenüber dem Altar öffnet sich ein Pförtchen in die Tiefe. Unten steht man in einer schmalen Totenkammer. An den Wänden erkennt man bei dem spärlichen Licht undeutlich die Wappenschrlder, mit denen die Ruhestätte des letzten Grafen von Lagiewniki geschmückt ist. Der Raum ist fast ganz ausgefüllt von dem mächtigen Sarkophag, der seine Ge­beine birgt.

Seine Gattin finden wir an anderer Stelle. Die Erde hat sich vor uns aufgetan und wir verstummen in einem fast dunklen Gewölbe, in dem die Luft kühl und schweigsam zu stehen scheint. Als das Auge sich gewöhnt hat, um sich zu spähen, sehen wir, daß wir im Reich der Toten sind. Fast zwei Jahrhunderte sind vergangen, seit diese Menschen ein. gingen zur ewigen Ruhe. Aus dieser Ruhe hat später eine Spitzhacke sie gestört, und nun grinsen sie aus offenen Särgen mit bleichen Knochengesichtern den Besucher an. Pie junge deutsche Schauspielerin, die ich aus blühendem 2«f>en mit hierher in das Reich des Todes geführt habe, tastet bebend nach meinem Arm.

So also sieht der Tod aus, das ist das Ende. Sie liegen in ihren offenen Särgen, hier die Gräfin, dort die Ncmne, hier der Mönch, dort der Reitersmann, und dort, die rüh­rendste Gruppe, die Mutter mit dem Kinde in einem SaM. Die Jahrhunderte haben die Gewänder zerfressen, das Fleisch von den Knochen genagt, aber die Menschenbildung blieb un- zerstört. Der Leib ist nicht in Staub zerfallen, nicht den Würmern zum Raub geworden, sein Kern, sein Gerüst, ist un- verändert und trotzt mit seinem fahlen, gelben Schein den, An- griff der Unterwelt. Ich poche mit einem Knöchel an einen Schädel, der sich mrr trotzig, mft gefietMen Zähnen, «ch»