Kritr S.
Kam-tag. IS. November 1904.
Unterseeboot.
hd. Petersburg, 11 . November. Das in Amerika getanste Unterseeboot „Putton" ist bereits nach Wladi- wanok abgegangen. Es wirs auf besonderen Wagen be- -svroert. Die Mannschaften uns ein doppelter Stab oori Ingenieuren reist in demselben Zuge, steht aber unter strenger Aufsicht, damit niemand sich unterwegs entfernt.
Das kluge Albiou.
KZ. Berlin, 11 . November. Wie verlautet, hat Eng- Mnd, als es sich bereit erklärte, die Hnller Affäre einer internationalen Kommission zu unterbreiten, bestimmte 'Bepstchcrungen von Rußland erhalten, daß England freie lHand in Ägypten haben soll.
Wb. Mulden, 11 . November. (Reuter.) Zwischen beiden Armeen ist noch ein zeitweilig ausfetzender Artillerie- rampf im Gange. Das Geschützfoucr war am stärksten «uf deur linken Flügel,- von diesem aus beschossen die Müssen den ganzen Mittwoch und die Nacht zum Donners- !dag Hindurch die japanischen Stellungen mit schweren Geschützen. Bis jetzt hat keine Partei einen Vorteil errungen.
w E^^ukdcn, 11. November. (Reuter.) Infolge des ® e ® en l '^T c Stellungen gerichteten scharfen Ge,chutzfcuers zogen die Japaner einige Batterien auf vorgeschobenen Posten zurück. Hier wird angenommen, daß «e Japaner letzt nicht zum Vorrücken bereit sind und srch nach den Hügelketten hin zurückziehen werden. Die Wiodcrerobcrung -des Putilvw-Hügcls gegen Schluß der Schlacht am Lchaho brachte den Russen «großen Vorteil, denn der Hügel beherrscht die Ebene, über die das Vorrucken der Japaner erfolgen muß.
^d. Petersburg, 11 . November. Der Nuss. Telegr.- Agentur wird aus CHarbin von heute gemeldet: Es verlautet, die Japaner schützten ihren Rücken durch Milizen von Ehuntschusen. Die chinesische Bevölkerung von ^aoyang und Umgegend erleidet hierdurch viele Ver- molgc dessen herrscht große Unzufriedenheit unter den Chinesen d-ieses Gebietes. — Es verlautet, eine Er- krankung des Generals Kuroki, sowie die große Zahl 'Verwundeter und Kranker störe die Offensive der Japaner.
bd. Mulden, 12 . November. Beim Feinde macht sich eine große Regsamkeit bemerkbar. Nach einer cinge- troffenen Meldung, die allerdings noch der Bestätigung bedarf, sind starke javanische Kräfte im 95 ,-ivmr.rfrr»
trii'm. Man hält die japanischen Verstärkungen für be trächtlich und erwartet einen japanischen Angriff. Die russische Armee hat drei kaiserliche Rote Kreuzzüge zur Verfügung.
bd. Petersburg. 12 . November. Nach Vieldungen aus Mnkden dauern die Borposteugefechte mit mtchseln- dcm Erfolge fort. Im Gencralstabe glaubt nian nickst, daß, nachdem die Russen den PutilowstHügel, welcher die lapairischen Stellungen vollständig beherrscht, stark befestigt habe», die Japaner derzeit die Ofsculsive ergreifen werden.
« daris, 12 . Noveniber. Das „Petit Journal" meldet aus Tschrfu: Die japanische Armee vor Muk- den habe zum Teil ihre Stellungen verlassen, weil dieselben gefährdet waren. Die japanischen Laufgräben waren nur 600 Meter von den russischen entfernt. Die Japaner haben zur ^Verstärkung eine 7 . und 8 . Division hcrangezogen. Alles deutet darauf hin. daß eine große Schlacht bevorsteht.
hd. Athen, 11 . November. Der russische Konsul in Kreta erhielt Befehl, Proviant und Kohlen bereit zu halten für den Fall, daß die dort cintreffcndcn Schiffe der russischen Schwarzen-Meerflotte diese benötigen. Das Detachement russischer Truppen auf Kreta wurde für alle Eventualitäten unter Waffen gestellt.
bd. Paris, 12 . November. Der japanische Gesandte Motano wurde gestern früh vom Minister Delcasst enw. saugen. Motano brachte verschiedene Vorgänge zur Sprache, die sich nach Zlnsicht der japanischen Regierung nicht mit der Beobachtung strikter Neutralität in llbcr- elnstiwmung bringen lassen. Dem „Tcmps" zufolge sind auch die Gesandten Japans bei zwei anderen Mächten (o)fcjtü(tv 3>cttt|d)ilan& mt£v Eplinien) fretfuf tragt morgen um Erklärungen zu ersuchen. Die gestrige Unterredung ergab noch kein Resultat. Die Verhandlungen werden aber rn freundschaftlicher Weise fortgesetzt. (B. T.)
«Siehe auch „Letzte Nachrichten".)
glatt.
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bürgerlichen Parteien „zugestcheu" läßt? In Main,
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obcrt man die Welt mit Han-delsgesckjäften. Das in Revisionismus wie et leibt und lebt! Hub wie inLi? bie Inhaber dieser Mandate, die das Mainzer tum ihnen „zugestanden" hat, die Interessen der Sn,;!!' deinokratie auf dem Rathaus vertreten. — Ein in1e»w?' ter Beitrag zur Charakteristik des tiefgehenden stü?' spaltes zwischen Revisionisten und Unentwegten. ' ‘ e ‘
Rundschau im Reiche. Anläßlich der 4 n a ! rederkehr des Geburtstages P h i l i v h * bes G ro ßm üt ig eu werden Fünf, und Z Markstücke mit den Bildnissen Philipps des mutigen und des regierenden Großherzogs im Geiomc betrage von 500 000 M. zur Ausgabe gelangen.
Ausland.
Deutsches Reich.
Berlin, 11. November. Die „Nordd. Allg. Ztg."
meldet: Auf das Glückwunschtelegramin des Kaisers antwortete Präsident Roosevelt mit folgenden: Telegramm:
y - ■ . r . T Z ”' uvu/ tJ'ci iö’t' ruil-uuilu
u vl- n ^ ,tß F^ e japanische Kräfte im Vormarsch gegen dre Positionen des russischen östlichen Flügels.
London, 12. November. Das „Reuterschc Bureau meldet aus Mukden von vorgestern: Die Russen beschossen in der Nacht vom 9. November das japanische ^agcr gegenüber dem Adain-alonhügel mit 60 Mellinit- granateil. Dies war die dritte Nachtboschiehung im Laufe einer Woche. Die Japaner erwiderten das Feuer nicht. Fast Me findet ein Austausch von Artilleriefeuer statt, der dem die Geschütze häufig ihre Stellungen wcch- !^u. Dw Japaner werden aber immer sparsamer mit ihrer Munition. als wenn sie eine große Schlacht- er- warteteii. Sie brachten schwere Geschütze bei der Station schaho rn Stellung und haben auch die Station Schiatu. die nächste nördliche, in ihren Gcschützbercich gebracht. Es wird gemeldet, daß die Russen den Wasserturm der Station L.'chaho, der den Japanern als Bcobachtungs- punkt diente, durch ihr Feuer zerstört haben. Die Verteilung von Lcbeusmittelu und Kleidern, die ein Geschenk der Kaiserin waren, wurde von der russischen Armee festlich begangen. Die Armee ist überhaupt in besserer Stimmung und macht einen guten und einheitlichen Ein- dr'uck. Di-e TruPperr speichern öie vvn ö»en Ehin'es»ett im Stiche gelassene Ernte auf. Rur in der vordersten Feuerlime werden aus strategischen Gründen die Häuser demoliert. Das Wetter ist mild. Aus Tsch-ifu erfuhr -man von der Lage Port Arthurs, und mau ist aus die Kapitulation dcsselbeir vorbereitet. Die Japaner sind im Osten offenbar nicht über die Stellung nördlich von Saimatsi vorgegaiigeu. Sie konzentrieren sich im Zen-
.Jch danke Ihnen herzkichst. Ich weiß in vollem Maße
C z Vy, Y y c. * ' ‘U '**- VWUVJJl
so freundliches iu:d wohlwollendes Persönliches Tele
gromnr zu schätzen."
* Tie Stärke der naiionalliberalcn Fraktion des Ab- gcordiirteuhanses. Nach den Wahlen des voriger: Jahres betrug die Mitgliederzahl der Fraktior: 79; dm:n schied Abg. Menck aus; es blieben also 78. Von diesen 78 Abgeordiieten hat die Fraktion 5 durch dm Tod verloren, die AbMordnetm Herberts, v. Knapp, Reimitz, vr. Lchultz-Bvchum und Thies; an ihre Stelle wurden in das
„ ^^rreich-Ungarn. Der Kaiser von Österreich
dem Prasidmtm Roosevelt zu seinem gläiizmden Üege em herzliches Glückwunsch-Delegramm gesandt^ Zum Stande der Handelsvertrags.V'erhandlungen H Ssterrelch-Ungarn hat sich Graf Posadowski) zu citZ Mitarbeiter des „Ujsag" dahin ausgesprochm, die de,,? sllie Regierung sei sich klar darüber, daß das unaaM« Parlament::ur daim die derzeitigen Verhandlungen a u heißeii könne, wenn der Ausgleich zwischen Lsterbeich Ungarn angenommen würde. Die derzeitiger: Verein barungm besäßen nur einen bedinguiigswoism Daß unmittelbare Hindemisse bestehen, sei eine Ich» treibung. Der Gerstenzoll bereite kaum Schwierigkeitn,' wie er überhaupt von de«: Verhandlungen sehr Gutes »' T Die P r o f e s s o r c u der Wierrer Universität ^o^mtllcheu einen s ch a r f e n P r o t e st gegen die w den Christlich-Sozialen im niederösterreichischen Landtav» geplante S ch u I n o v e I l e.
* Frankreich. Dilleneuve setzt seine Angebereien in der Armee fort. Die Blätter veröffentlichen täglich Au^ zuge aus den Aktcubündeln der Dossiers.
* Portugal. Das portugiesische Königspaar wird «oiiiltagabend Lissabon verlassen, um nach Frankreich reisen.^ Wie es heißt, wird an der fmnAösischen Grenze das KomgLpaar von dem General-Kommisiar v. Bavonw begrüßt werden Das Königspaar trifft am Mittwoch, nachmittag :n Cherbourg ein. uin von dort feine Reis? über den Kanal mit der Yacht „Alberto" fortzusetzm Das Gefolge des K'onigspaares wird- aus 11 Personen bestehen, darunter der Minister des Äußern.
Ab-geordnetenhaus folgende 5 Herrm gewählt: Bartelch
Franken. Haarmaun. Hoyermürin und König. — Aba. Bartling, dessen Wahl bekanntlich ungültig erklärt wurde.
nun wieder in das Abgeordiletenhaus ein, so daß die Rfttgliederzahl der Fraktioil dieselbe bleibt, wie irach dem Ausscheidm des Herrn Abg. Menck, also wieder 78.
* „Det Jcschäst is richtig!" Mit dieser Überschrift bemerkt die sozialdemokratische „Leipziger Volks- Zeitung" zu dem Mainzer Wahlkompro. m i ß : Was vorauszuscheu war, ist eingetroffen: ©ie Manizer Parteigenossenschaft hat dem Pakt mit den Nationallweralen, Freisinnigm und Temokrateil ihre Zustimmung gegeben, allerdings nur -mit Zweidrittelmehrheit, ivahrend in den Versa-ininlungen der anderen Parteien Einstimmigkeit erzielt wiirde. Sechs Akandate siiid der Sozialdemokratie voi: den bürgerlichen Parteien „zugestanden worden". Hat die „Mainzer Volkszeitung" gar kein Enipftnden dafür, wie entwürdigend -es für di- Gesamtpartci ist, wenn man sich in Mainz seine Mandate nicht aus eigener Kraft holt, soiideru sie sich von den
Jus Stadt und Zand.
Wiesbaden, 12. November.
Die schwille Temperatur eines Gewächshauses herrschte un Salon, denn man hatte stark geheizt und draußei: ivehte ein unnatürlich lauer Vorfrühlingsstilrur. -Große Büsche h-imbeerroter Azaleen und -aprikoseiigelbcr Rhododendren standen auf Säulen il,:d Tischchen iimh-er iiiid füllten die warme Lust mit ihren unendlich feinen frisd^n Düsten. Schlanke Glaskelche trugen einzelne Rosen. Und eine feierliche Stille herrschte in der reichen Farben Pracht.
Frau Bürgelin schritt auf dem Teppich lautlos bis - :n die Mitte ihres Gemaches. Sie schaute um sich und war lbefried-igt.
, .Ein Gewand, wie sie es zu tragen liebte, lose und fließend aus weicher indischer Seide von einem mftden Elfcnbeinweiß, der duftige laiige Schleier, der um ihr Haupt gewunden, Kinn und >Wangen umrahmend lind im Nacken verschlungen bei jeder ihrer B-ew-e-gungen zitternd sie umwehte, gaben ihr ein zartes, fast gespenstz isches Anssehm. Doch die blauen Augen leuchteten- in dem Bewußtsein einer siegreichen Persönlichkeit.
Als Georg Rink eintrat, stand er einen Moment im Türrahmen und- bekra-chtete entzückt die weihe, ho-heits. volle Erscheinung inmitteii der glühenden Pracht der lippiaen Azaleen, inmitten all des Rot und Gold.
Sie blickte chm freuiidlich lächelnd entgegen. Georg Rink ergriff ihre Hand und berührte sic mit seinen Lippen.
„Gnädige Frau . . . Was ich soeben genossen, !var eüvas ftlteii Köstliches in einem' Dasein, das uns fort- während durch seine Häßlichkeit nm-rtert . . ."
"Sie werden heut abend nur Pilaer nach den: Laiide der Schönheit finden", sagte Frau Bürgelin weich. „Sie sollen sich daheim fühlen bei mir."
Dionys kam hereingcsvruiigeii tit dein, Wams eines Edelkiiaben des 15. Jahrhunderts, das er kürzlich in einem lebeiideii Bilde gctwgen hatte. Frau Bür-geli:: ließ sich aus ihren Lieblingssessel nieder. Dionys streckte sich vor ihr auf dem- Teppich aus. de,: d-miklen Kopf an ihre Knice geschmiegt. Ihre Hand, diese Hand von der erlesensten Form und der Farbe einer weiß und rosa Muschel, spielte in seinem Haar, auf dem erdbeerfarbenen von silbernen Lichtern überfchinimerten Samt, dem arauen Pelzwerk seines Kleides. Der Achter starrte
träumend die Gruppe au, nur hin und wieder wurde em lässiges Wort gewechselt, -bis die andern Gäste er schieiieu.
Doris fauste in die schwüle genußsüchtige Stille inte em Morgenwind; übermütig, voll Leben und Glück über de«: Erfolg des gestrige,: Abends und voll Entrüstuiig über einige schlgesch-lagciie Momente.
, „Die Musik ist doch Kapellmeistermusik, das lasse ich nur nicht nehmen!" rief sie Georg Rink zu. „Ich hätte Hyren prachtvollen Versen etwas Besseres gewünscht Kann mir nicht helfen!"
..Kapellmeistermusik?" fragte Dionys und hob den Kopf ein wenig von seiner Mutter Schoß, „was ver stehen Sie darunter?"
„Na ja: so , etwas Braves — etwas „Bürgerlich, eingestelltes" möchte ich sagen. Brauchbar, gut gemacht — nur fehlt eben die Hauptsache."
Sie hatte die Rolle der Heldin gespielt, einer wilden Nordlandsmaid, die durch die Leidenschaft gezähmt und gebrochen wird.
„Das Vorspiel zu der Liebesszene fand ich gut", sagte Dionys.
„War auch das Beste. Was sagen Sie, Herr Rink?" Der Dichter, ein älterer Mann von feinen Formen, zuckte diskrct die Achseln.
„Überhaupt iveniger Musik", murmelte er. „Jede,:' falls nur begleitend ..."
„Aber wie hat Fräulein Rüder ihre schwierige Ans gäbe gelöst", wandte er sich ai: Frau Bürgelin. „Ich hätte es kaum für möglich gehalten, daß eine Sängerin, die au den Pomp Von Wagnerrollen gewöhiit worden ist, Tone so einfach naiver, ich möchte sagen: volkstümlicher Leidenschaft finden kann."
~ unsere Doris", sagte Frau Bürgelin stolz und blickte das junge Mädchen herzlich «an. „Ihr Spiel war aber beinahe zu zügellos für unser gutes Bernhards Hausen."
„Ich Hobe bewiindert, Ivas man wagte . . ." rief die Stiftsdame von Kalb und schüttelte ihre langen Locken, die o vornehm -altmodisch wirkten, wie ihre Toilette. „Ich war mit meiner Nichte im Theater ... ich hätte ihr am liebsten den Fächer vors Gesicht gehalten."
lFortsetzung folgt.)
Aus dem Stadtparlamcut.
Gestern wurde der Rest aufgearbeitet, -er von der letzten Sltzuilg übriggeblieben war. Biel war es n-ichi zwar eine , stattliche AnzaHl Kowmi-fsionsberichte, aber lauter e-adjen von geringerem Interesse. Für die Be. schasfuisii maschineller Einrichtungen für den Kohlen, und Kokstransport m:d für die Koksaufbereitung auf der Gasanstalt (sollte doch wohl „in der Gasanstalt" heißen?) wurden 78 000 M. bewilligt,- es wurde geneh. sUsLt, daß die für die Rieöerbergschule erforderlichen Erdarveitcu an einen Unternehmer vergeben werden Erhalten sein soll, ihm von der Stadt zuge wie sc ne „Notitandsarbeiter", natürlich nicht in unangeinessener Anzahl, bei diesen Arbeiten zu beschäftigen. Bei dieser Gelegenheit brachte Herr Schröder wieder einmal T*. Alande an der Ecke der Weißenbuvgstraße und Emjcr,tvaße zur spräche, das dort zur Verwunderung der -Steuerzahler als ein zweites Dernschcs Terrain nun
Feuilleton.
Königliche Schau spiele.
^Freitag, den 11. November: Zur Feier von Schillers Geburtstag: „Kabale und Liebe". Bürgerliches grauer stiel in 5 Akren von Friedrich von Schiller. Regie: Herr K ö ch y.
Die oft aufgeworfene Frage: Wie muß Schiller heute wcrwctt? ist wieder einmal Gegenstand eifriger Diskusswn. Baron Berger, der erfolgreiche Direktor des Hamburger Stadtthcaters, meint, die Frage heiße nichts aii-dcrcs als: Wie muß Schiller lheutc gesprochen werden? und beantwortet sie mit einem Plaidoyer für eine nnroerne, vernunftgemäße, phrasenlvse Sprechweise, die all den Traditionsballast, der an Schillers vtelzitierten Worten hängt, vergessen hat. Vielleicht nicht ganz mit unrecht wird thm von anderer Seite cntgegengehalten, daß Schillers Sprache Deklamation verlange, freilich^ eine andere, verjüngte, die mit dem üblichen Schillcrpathos nur den äußeren Namen gemein hat. Deklamieren oder Nichtdeklamiercn ist also Mc Frage, und jede Schiller. Neue-lnstndi-erung eines strebsamen R-c-gisseurs wird schließlrch e:n Experiment zu ihrer Lösung. Weniger u-nternehmungslnstige Bühnen -wie unser Hoftheatcr- gehen -diesem -Experiment aus dem Wege, indem sie jeden einzelnen -Schauspieler mit seinem Schiller eben fertig werden lassen, wie er kann und -mag. Das eine Experi- meyt löst sich dann in viele Experimentchen auf, und Schiller darf froh sein, wenn er bei diesem Labora- torilimsdurcheinander' nicht in die Lust fliegt.
In der gestrigen Anfsührung von „Kabale und Liebe" kamen in den Rollen des -Liebespaares und der Lady Milford drei neue Laboranten ans Hantieren. Herr Weinig gab den Feröinarkd mit einem knappen militärischen Grund-to-n, dem Akzente frischen Empfindens nicht fehlten. Temperament im Schillersinne — heiß atmende Leidenschaft, die stürmt und fortreißt und d« allein in diesem Stücke wilder, schöner Jugend so vieles erklären kann, fehlt ihm. Licht- und Schattenseiten seiner Darstellung sind damit gegeben. Er ersparte dem Zuschauer ö-ie Qualen eines verstiegenen, leeren Pathos, aber seine Leidenschaft blieb auch die Rechtferügung -des schließlichen Mordes und Selbstmordes schuldig.
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