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Verlag Lauggaffe 21

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Mittwoch. 3. November 1915 ,

klbenö-Ausgabe.

Nr. 514. ♦ 63. Jahrgang.

Die Kriegslage in Serbien.

Kragujevac ist von den «ösuifchen und österreichifch- ungarftchen Truppen im Sturme genommen. Vielfach hatte man angenommen, daß die Serben bei diesem Ort einen «besonders hartnäckigen Widerstand leisten wür­den, weil die Stadt, als starker Stützpunkt aus- gebaut, die Verteidigung des Winkels zwischen der west­lichen und der eigentlichen Morvlwa stützen sollte. Aus den bisherigen Meldungen läßt es sich noch nicht er­sehen, oh die Serben tatsächlich doch einen sehr starken Widerstand geleistet haben oder ob sie dazu nicht mehr imstande waren, und die ganze Verteidigungsstellung nur noch mit Nachhuten gehalten haben, während die Hauptkräfte sich hinter die westliche Morawa zu­rückgezogen haben. Ist dies Letztere der Fall, so beab­sichtigen sie anscheinend den Abschnitt «dieses Flusses durch Besetzung des südlichen Höhcngeländes zu verteidigen. Nach der Eroberung von Kraguj«vac setzten die Verbündeten den Vormarsch in südlicher Dichtung fort und sind auch schon in «das südliche Höhengelände siegreich vorgedrungen. Der Eindruck dieses siegreichen Borgehens wird noch dadurch ge­steigert, daß die Verbündeten gleichzeitig auch auf den anschließenden Flügeln weitere Erfolge erzielt haben. Im Westen wurde «die südlich des Ortes Mila- nowac gäegenen Höhenzüge erobert «und damit die nach dem oberen Morawatale führende Straße geöffnet. Auf ihr drangen die Verbündeten dann in das Tal der westlichen Morawa vor und be­setzten das dort gelegene Cacak. Damit hoben die Verbündeten in dem wichtig st en Quertale festen Fuß gefaßt, «das von W e st nach O st läuft und in dem «Straße und Bahn von ll z i c e nach «dem eigent­lichen Morawatale fließt. Im Osten schritt die Armee Gollwitz zu beiden Seiten der Morawa siegreich nach Norden vor.

Don O st e n her dringt die bulgarische erste Armee unter stetigen Kämpfen weiter in w c st l r ch e r Rich­tung vor. Mit dem rechten Flügel von Zajecar in der .Richtung auf P a r a c i n, mit «dem linken Flügel von Pirat über Bela-Palanka auf Risch. Bela-Palanka im Nizawatale, östlich von Nisch gelegen, von d«iesem Orte nur noch 30 Kilometer entfernt, ist bereits er­obert worden. Z A des Weges von Pirot nach Nisch sind nach der neuesten Meldung bereits zurückgelcgt.

Von Süden her dringen die Bulgaren in mehre­ren Kolonnen konzentrisch aus P r i st i n a vor. Nach der Eroberung von Uesküb war zunächst eine ge­wisse Ruhepause oingetreten, die zur Heranführung der Kolonnen und Trains, zur Ergänzung der Lebens­mittel und Munitionsvorräte und zur Sicherung einer neuen Basis benutzt wurde. Nachdem dies erreicht war, wurde unter Abfchwen«kung aus der bis- herigen westlichen Marschrichtung «der Bovmavsch nach Norden angetreten. Die westliche Kolonne ging von Uesküb über den K u t scha n d i k pa ß längs der Bahn nach Mitrowitza vor, sie hat mit ihrem Gros den Paß bereits überschritten und das «Südende des Amselfcldes erreicht, wo sich bereits einmal das Geschick Serbiens erfüllt hat. Andere Kolonnen gingen von K u m a n o w o und V r a n j e in nördlicher und nordwestlicher Richtung ebenfalls auf P r i st i n a vor, wo der südliche Flügel des serbischen Heeres anM- nohmen ist. So hat sich in «breiter Front aus «der Linie Uesküb-Vmnje ein ^konzentrischer Vormarsch gegen den serbischen Südflügel entwickelt, bei dem zugleich durch das Vorgehen der westlichen Kolonne der albanisch-montenegrinischen Greftze die rückwärtigen Verbindungen der Serben u-ach Montenegro empfindlich bedroht werden. Die «Serben werden also von Norden, Osten und Süden vollkommen eingeschlossen, und immer «mehr auf ihre eigene Mitte zusammcngedräugt. Sie hüben ihre Operationsfreih eit bereits völlig verloren und können nur noch passiven Widerstand leisten. Auch ihre Verpflegung muß immer schwieriger werden, je mehr ihre Massen auf engem Raume zusammengodrückt werden. Auch die Rück­zugsmöglichkeiten gestalten sich immer schwie­riger. Es bleibt ihnen jetzt nur noch der Weg nach Montenegro offen, der «durch ho «he Gebirgs­ketten erschwert ist. Berichte aus Sofia weisen schon heute darauf hin, «daß die Überschreitung dieser Ge­birgsketten nur möglich wäre, wenn die Serben ihre gesamte schwere Artillerie und alle Trains und Kolonnen zuvückließen.

Die Hoffnung, die die Serben vielleicht noch bis vor kurzem haben konnten, daß ihnen von Saloniki her wirksame Hilfe gebracht «werden könnte, ist ver­geblich gewesen. Zwar haben französische Truppen die griechische Grenze überschritten und in der Gegend von Wallanowo den bulgarischen Südflügel angegrif- ien. Die Kämpfe sind aber zugunsten der bul­

garischen Waffen entschieden, die Franzosen ge­schlagen und zurückgeworfen worden und wenn auch jetzt die Engländer «sich endlich aufgerafft und «den''Vor­marsch nach Norden angetreten haben, so werden sie doch bei ihrer verhältnismäßig «geringen Stärke «an der allgemeinen Lage nichts zu ändern vermögen. Trotz dieser^ ungünstigen Lage scheinen aber «die Wvsfmächte das Salonikiunternehmen noch nicht aufgeb-en zu wol­len, sondern versuchen anscheinend es auf eine breitere Grundlage zu stellen. Vor Kavalla «sind französische und englische Transportschiffe erschienen, «die «auf die Absicht einer dortigen Landung schließen lassen. Wer selbst wenn nunmehr die Ausladungen stärkerer Truppenmengen in beschleunigter Weise vor sich gehen würden, werden sie doch zu «spät kommen, um das serbische Heer aus seiner Umzingelung zu befreien, und hat sich erst das Schicksal des SerbenHeeres entschieden, so sind die Verbündeten und Bulgaren erst recht — «denn sie sind es natürlich auch schon jetzt — stark g e­nug, um den Kampf mit den Westmächten aufzu- nehmen, wobei die Möglichkeit eines Eingreifens tür­kischer Streitkräfte noch gar nicht in Rechnung ge­zogen ist. Gespannt kann man auf die Haltung «sein, die Griechenland «dieser neuen Verletzung !s«einer Neutralität gegenüber cinnehmen wird «und ob es ruhig zusehen wird, daß die Franzosen und Engländer von den Bulgaren und Verbündeten auf griechisches Gebiet zurückgeworfen und «daß dort die letzten Entscheidungskämpfe geschlagen werden.

Leskovac» der Schlüffe! der ganzen serbischen Morawastellung» vor der Uebergabe. Vreiviertel der Strecke pirot-Nksch erzwungen.

Nr. Sofia, 3. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Tfegesmeldungen von der Front überstürzen sich. Die um Nisch gezogene Berteidignngsfront der Serben, die unge­fähr von Aleksinak-Niesevac und der N i s ch a v a bis nach Leskovac verläuft, ist im Osten an mehreren Stellen eingedrückt. Der festungsmäßig ausgebautcn Verteidi­gungsstellung der Serben bei Leskovac widerfährt das gleiche Schicksal wie vor kurzem der Festung Pirot. Wäh­rend Leskovac im Süden von starken bulgarischen Kräften, angegriffen wird, ist die Stadt im Osten und Westen bereits überflügelt, so daß sic nicht mehr von der völligen Abschließung gerettet werden kann. Mit Leskovac würde den Bulgaren der Schlüssel der ganzen serbischen Morawaverteidigungs- stellung in die Hände fallen. Noch näher der serbischen Haupt­stadt, als die von Süden heraudringenden Bulgaren, befinden sich bereits die von O st e n an der Nischava folgenden Truppen unserer Verbündeten. Doch sind hier bedeutend größere Gc- läudeschwierigkeiten zu überwinden.

Oer bulgarische Vormarsch auf Nisch.

23 000 Mann serbische Verluste bei Belcs.

Er. Sofia, 3. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Bln.) Nach neueren Berichten versuchen die von den Bulgaren ver­folgten Serben sich zu sammeln, haben jedoch keine Hoff­nung, mit Erfolg Widerstand leisten zu können. Die bul­garische Armee marschiert nach übereinstimmenden Berichten siegreich gegen Nisch; drei Viertel der Strecke P i r o t-N i s ch hat sie hinter sich. — Die Verluste der Serben bei den großen Kämpfen um V e l e s werden auf 2 5 0 0 0 Mann geschätzt.

Zur Beschießung von Warna.

Russische Trirppcn gelandet?

Rotterdam, 3. Nov. (Zens. Bln.) Die „Tftnes" meldet aus Bukarest, in «dortigen «offiziellen Kreisen werid«e erzählt, daß die r u s f i «s ch e n Truppen «am Freitag in Warn«a gelandet seien. (Dazu fehlt bekannttich bisher jede BesiatiAmg. Schriftl.) Flücht­linge, «die von Warna nach Dobritsch kamen, erzählten über die Beschießung Warnas durch die Russen, «daß die Armenier und Griechen «sehr gelitten hätten. Eine große Mädchenschule sei zerstört und die Kasernen außerhalb der Stadt seien beschädigt, zwei Granaten «hätten -die Marinewerft getroffen. Wie verlautet, soll ein -Flügel des Schlosses Euxinograd zerstört sein, cben- so ein Teil «des alten Klosters, das im Garten «des Kastells stcht, und in dem das bulgarische Königspaar gern Aufenthalt nimmt. Das Sch«loß ist prächtig auf den: Gipfel hoher Klippen «gelogen, von wo eine pracht­volle Aussicht ans die «Lee ist.

Radoslawow über die serbische Mkniatur- dampfwalze.

W. T.-B. Sofia, 3. Nov. (Nichtamtlich.) Der bulgarische Ministerpräsident Radoslawow hat gegenüber dem Be­richterstatter des „Az Est" verschiedene Äußerungen über die Lage gemacht. „R n m ä n i e n", sagte Radoslawow u. a., „ist, wie es scheint, fest entschlossen, sich in keinerlei Abenteuer zu stürzen." Befragt über die serbische Meldning, daß vor der bulgarischen Kriegserklärung 20 000 Serben zum Ein­fall bereit an der bulgarischen Grenze standen, und daß dies nur aus dem Grunde unterblieben ist, weil Grie­chenland zugesagt habe, daß es später Serbien zu Hilfe

eilen werde, sagte Radoslawow folgendes: „Ich habe dis merkwürdige Behauptung gelesen, daß die Serben hofften, unsere Mobilisierung zu verhindern und in ' 10 Tagen in Sofia zu sein. Wir waren gerüstet genug, um der serbischen Miniaturwalze Halt za gebieten. Weder «bei Bjelo- gradzik iwch bei Z a r i b r o d hätten die Serben ein-> dringen können. Auch verschweigen die Serben, daß sie nicht durch ein Versprechen Griechenlands, sondern durch das V«erbot der Entente von« «der Grenzüberschreitung zu­rückgehalten wurden. Dieses Verbot der Entente war eben die Ursache, daß D e l c a s s e abdanken mutzte."

In Erwartung einer Entscheidungsschlacht.

Englische Truppen gehen in Eilmärschen zur serbischen Grenze.

Rotterdam, 3. Nov. (Zens. Bln.) „Daily News" melden aus Bukarest: Die englischen. Truppen wer­den iil Eilmärschen zur serbischen Front gewor­fen. In der nächsten Woche wird es warscheinlich zu einer großen Entscheidungs sch lacht kommen.

Wachsendes Mißtrauen gegen die „Siegesberichte".

Rotterdam, 3. Nov. (Zenf. Bln.) Die fortdauern» «öen Siegesberichte, die av a s" und „Reutet be­züglich der französischen und englischen Truppen, «die «von Saloniki aus vorrückten, verbreiten, beginnen hier leb­haftes Mißtrauen zu erregen. „Daily News" schreibt:« „Was weitevhin die Gefechte zwischen den Bulgaren und «den Truppen der Alliierten im «Süden anlangt, so beisagt ein offizieller Bericht, daß weder Uesküb noch Ltrumitza durch die Alliierten besetzt wurden. Die K«ämpfe der Alliierten haben sich bis jetzt auf die ser­bische Seite des Grenzgebietes beschränkt."

3um Aufenthalt russischer Kriegsschiffe in Eurn-Severin.

Rumäniens Forderung.

Br. Budapest, 3. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Zur Vorgeschichte der rumänischen Intervention in der An­gelegenheit der beiden russischen Torpedoboote in/ Turn-Severin berichtet die „Boss. Ztg." aus Budapest: Di« Hafenbehörde von Turn-Severin erstattete der Regierung Be­richt, daß vor zwei Tagen ein russisches Torpedoboot in den dortigen Donauhafen öinlief. Der Hafenkommandant ge­währte ihm 24 Stunden Aufenthalt. Nach Ablauf diese« Frist verblieben aber die russischen Kriegsschiffe int Hasen. Außerdem erhielt die Regierung die Nachrncht, daß in einem anderen Dommhasen ebenfalls russische Schiffe ein- trafen, und zwar ein Torpedoboot und ein Dampfer mit Kriegsmaterial. Die rumänische Regi«erung teil«te dem russi­schen Gesandten mit, daß in Anbetracht dessen, daß die rnssi- schen Kriegsschiffe offensichtlich beabsichtigten, «den Donauver­kehr der Mittelmächte und Bulgariens zu stören und dies Rumänien in den Krieg hineinziehen könnte, die rumänffch« Regierung zur Vermeidung weiterer Komplikationen gefor­dert hat, daß die russischen Schiffe unverzüglich «den Hasen verlassen müssen, und erneut von dem russischen Ge­sandten die Zurückziehung der russischen Schiffe ver­langt hat.

Ankauf von Tonanschlcppcrn durch Rußland.

Br. Budapest, 3. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Aus Bukarest wird gemeldet: In der letzten Zeit bekundet die russische Regierung wieder großes Interesse für die Dampfschlepper die die Donau befahren. Sse hat bereits 13 davon durch Kauf an sich gebracht und bezahlte ' dafür doppelte Preise. Die russische Regierung verfolgt mit diesem Ankauf anscheinend zwei Zwecke: Sie will diese Schisse vor allem selbst sür Kriegszwecke sich sicher», ferner scheint ihr besonders daran gelegen zu sein, dmch den Ab­zug möglichst vieler derartiger Fahrzeuge das Abschleppen der auf der Donau h-sindlichen Getreideschiffe nach Deutschland zu erschweren.

heftige Rümpfe zwischen Albanesen u. Serben.

Tirana wieder von den Albanese» besetzt.

Br. Konstantinopel, 3. Nov. (Eig. Drahtbcricht. Zens. Bln.) Wie der „Osmanische Lloyd" aus Tirana meldet, fin­den heftige Kämpfe zwischen Serben und Albanesen statt. Die albanischen Truppen, unterstützt von Artillerie, marschierten wieder in Tirana ein. Die serbischen Abtei- lnngen wurden nach kurzem Kampf zurückgeworfen und viele Gefangene gemacht.

wie der vieroerband die bulgarische Opposition mit Geld bestach!

Br. Budapest, 3. Nov. (Eig. Dvahtbericht. Zens. Bln.) Der Berichterstatter des „Pestcr Lloyd" in Sofia berichtet: Die gerichtliche Untersuchung gegen die Antimilitaristen för­derte sensationelle Enthüllungen zutage. Es hat sich heraus- gestellt, daß der Vieroerband in den Tagen unmittelbar vor der Mobilisation viele Millionen ausgegeben hat, um die Bestrebungen dieser Antimilitaristen zu unterstützen. Es wurde cinwandsfrei festgestcllt, daß einzelne bäuerliche Ab­geordnete rund 3 Millionen Franken und einige Oppositionelke eine halbe Million Franken erhalten haben.

Oie Engländer in Saloniki.

B». Rotterdam, 3. Nov. (Eig. Drahtbericht. Zens. S9b3' Das Bureau Reuter sowie der Athener Berichterstatter dep „Moruing Post" melden aitS Athen: Einige Zeitungen be­richten, daß die englische Armee sich mit Gewalt der Eifern«