nicht einzelne, sondern ganze Scharen, die hinausziehcn und sich im Friedhof wiederfinden. Ganz einfache Frauen aus dem Volk und andere mit wallenden Kreppschleiern, um sie her Kinder, die sich Nor der drückenden Traurigkeit fürchten und den Tod noch nicht verstehen können.
Ein Grab liegt dicht neben dem anderen. Blumen und Laub bedecken die kahle Erde. Kleine Kreuze aus rohem Tannenholz ohne jeden Schmuck sind auf jedem Grab angebracht und mit Nummern versehen. Das sieht ergreifend aus. Keine Namen. Wie in den Spitälern eine Nummer neben der anderen. Und doch bedeutet jede Nummer ein Mensch, der ein ganzes Leben vor sich hatte und um den jetzt Mütter, Frauen und Kinder trauern, deren ganzes Dasein nie mehr so sein wird, wie es vorher war. Das ist es, was die Seele bis in die Tiefe packt, wenn man auf die schlichten, namenlosen Kreuze klickt. In anderen Gräbern sind mehrere Soldaten an einer Stelle begraben. Auf einem weihen Kreuz sind Namen und Ncgimentsnummern eingetragen. Wieder andere einzelne Gräber wurden von Straßburger Angehörigen mit Kreuzen und Inschriften versehen. Da weint eine Mutter um ihren einzigen Sohn, eine Frau um den Gatten, der als Held fiel. Rührende Photographien, die den Toten in voller Frische und Jugendkraft, meist als Soldat, zeigen, sind unter Glas an den Kreuzen angebracht. Chrysanthemen blühen in allen Farben. Von den Kränzen hängen Schleifen — weißrot, weißblau und schwarzweißrot; aber es ist, als hätten in dieser Stätte der Toten die Farben an Kraft verloren, als könnten sie nicht niehr stark und bell leuchten wie auf den Fahnen, wenn die alte Soldatenstadt sich zu einem Sieg schmückt.
O Straßburg, o Straßburg, du wunderschöne Stadt,
Darinnen liegt begraben so mannicher Soldat.
Wir haben das Lied sorglos als Kinder gehört. Die Buben in den Gassen haben es gepfiffen. Die Soldaten haben eS auf ihren Märschen im Frieden gesungen. Aber keinem kamen die Worte zum Bewußtsein. Erst hier auf diesem stillen Soldaten- friedhof lernt man das alte Volkslied in seiner ganzen Wehmut verstehen.
Da ruhen sie — ohne Unterschiede — Franzosen und Deutsche, gemeine Soldaten und hohe Offiziere. Und neben ihnen, die mit Blumen und Kränzen zugedeckt sind, öffnen sich andere Gräber mit grausam nüchterner Wirklichkeit. Tiefe, nackte Erdlöcher sind es, die auf neue Tote warten. Und über all diesen Tränen leuchtet der blasse Herbsthimmel, von dem sich drüben blau und fern die mit Kanonen bespickten Vogesen abheben. H. S ch e d e.
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ftus der ttriegszeit.
Ein unveröffentlichter Feldbricf des Herzogs Karl August an Goethe. In der kürzlich bei Mittler urtd Sohn erschienenen neuen Ausgabe des Briefwechsels zwischen Karl August und Goethe findet sich ein hier zum ersten Mal veröffentlichter Feldbrief des Herzogs Karl August, der eine treffende Charakterifierung^es französischen Volkscharakters enthält und manch interessanten Vergleich heutiger Verhältnisse mit denen von Anno 1793 nahelegt. Der Herzog, den Goethe bei der Kampagne nach Frankreich 1792 begleitet hatte, machte als preußischer Generalmajor auch noch die Meinfeldzüge gegen die französische Republik mit. Am 24. März 1793, kurz vor dem Beginn der Belagerung von Mainz, schrieb er aus dem Taunus an Goethe: „Was das Bockshornjagen der großen anbetrifft, so kan ich ebenfalls nicht läugnen, daß ein Auffenthalt von verschiedenen Monathen in hiesiger Gegend, wo ich mehr wie tausend Menschen aller Art Ständen gesprochen halbe, mich überzeugte, daß die Gefahr wirklich sehr groß war, daß es ein wahres Glück sey, daß der tolle Krieg unternommen, so toll und so unglücklich geführt worden, damit die Menschen aus der Erfahrung lernten, welches denn eigentlich die Absichten der Frehfrancken sey, nehmlich: Besitzern dis
Hosen auszuziehen, um di« Unbehohten damit zu bekleiden. Otwohlen gleich unser, die FrehheitSsucht schriftlich verthei- digende sich selbst nicht zugestanden, daß dieses der wahre End- iBtei sey, so brachte sie dich ihr ZusteuV, welcher meisten» an den der Unbrheßten §cän*te, in die Lege, den Getichken einer gMeitzrn Stzmperhie Et jenen »u folgen, und mit ihnen in efti
Horn zu blasen, welches nun dem Schalle nach sehr einem Bockshorne glich; es ist also zu entschuldigen, daß die am reichst begütersten von der Sonatur aufgeschreckten und heftig den Aberklang zu dämpfen suchten .... Die jungen, warmen Köpfe sind aufs erbärmlichste benebelt, und der Beweiß, den ich haufenweiß in Franckfurth fand, wo allesfrey ist, und wo doch alle junge reiche Kaufleute, und selbst viele im Mittleren Alter, die Frantzösischen Zerstörungen auf eifrigste in Deutschland wünschten, biß daß sie gebranntschatzt wurden — keiner dieser hat mir diesen vorübergehenden Zustand geläugnet — ist wirklich authentisch, daß es in unserm Vaterlande weit hinein böse war, daß ein Feuer unter der Asche glimmte, daß aM Ende Außbrüche zu befürchten waren, welche schreckliche Mittel und viel entsetzlichere, als der jetzige Krieg ist, erfordert hätten, und daß, da Erhaltung und Fortpflanzung der Endzweck aller Unternehmungen seyn muß, wes Art sie seyn mögen, und was Rahmens, es wirklich Pflicht, Klugheit und Gerechtigkeit, Hey unserer Unternehmung Ruhe, Ordnung, und sichern Besitz zu erhalten, ist, wenn man alle diensame Mittel anwendet, um die Köpfe abzukühlen, und sie für neuen Fieberanfällen zu bewahren. Der Einfall der Franzosen in Holland, und auf England loß, beweiset abermahls, daß sie bloß Krieg "und Zerstörung suchen, um sich und ihre Nachbaren zu zertrümmern, damit die Parthey, welche eigentlich alleine die Kohlen anbläßt — denn an die Hoffnung einer Moralisch Politischen Absicht der gantzen Nation glaubt Wohl keiner mehr — auf den Scheiterhaufen von gantz Europa ihre Generation außbrüten zu können; und diese läßet gewiß vermutheu, daß, wenn sie nicht wären angegriffen worden, sie die Mittel gefunden wiirden haben, bey innern Unruhen in Deutschland, die sie angezettelt hätten, in dieses hinein zu dringen, wo sie uns dann au depourou fanden, gehauset, geschaltet und gewaltet hätten, wie sie nur walten. Ich will nicht behaupten, daß die Kriege führenden Mächte diese Gefahr vorausgesehri haben falten, sondern ich bin noch überzeugt, daß die Grundsätze nach welchen sie handelte», dunckel und unweise waren, nur bekenne ich aber, daß ich jetzt, nachdem man die Frantzosen handeln sah, für ein Glück halte, daß die Sachen so gekommen sind, und daß es nöthig bleibe, alle Mittel anzuwenden, um nicht noch einmahl in ein solches Verhältniß zu gcrathen . . ." Auch bei uns hat der „tolle Krieg" klärend und reinigend gewirkt — in vielerlei Hinsicht. Besonders der zweite Teil des Briefes paßt vortrefflich auf unsere Zeit, wenn man ihn etiva auf die „Parthey" der Pomcare und Delcasse oder auch auf die Engländer bezieht.
Stadt und Festung Baljevo. Wie überall im Süden und Südosten Europas sind auch in Serbien die alten Römerstraßen vielfach gut erhalten und mit ihrem für die Ewigkeit berechneten Quaderbau oft genug besser und mehr benutzt als die modernen. Auf so einer Militärstratze hat dis Kavallerie dos Generals v. Koevetz Baljevo erreicht, das schon in der römischen Zeit eine kleine Festung war. In der von Wilhelm Ruland herausgegebenen Sammlung von Monographien der Balkanstaatsn wird nachgewiesen, daß der Name Baljevo urkundlich erst in den Briefen der Republik Ragufa unter Zarin Milica und ihrem Sohn Stefan Lazare- witsch erwähnt wird. Die Stadt war damals Sitz einer Exarchie, deren Bischöfe im 17. Jahrhundert den Titek „Metropolit van Uschitz und Baljevo" führten. Nördlich der Stadt liegt der etwa 280 Meter hohe Klitscherac-Berg, der eine starke natürliche Festung darstellt und mit den Rutnen eines alten Bollwerkes, Kula, gekrönt ist. In den Türkenfeldzügen von 1737 und 1738 wurde um diese Höhe hart gekämpft. In dem sogenannten ersten serbischen Befreiungskämpfe, der das Glück und den Reichtum der Obrenvwitfch rmd Karageorgie- witsch begründete, wurde Baljevo von dem durch feine grausame Kriegführung verhaßten Fotschitsch Mehmeü Aga unter unbeschreiblichen Greueln, -wie sie für diese albanischen Renegatenführer charakteristisch sind, .zerstört und verbrannt. 1813 besetzten die Türken wieder die verödete Stätte, der aber die erwähnte, immer wieder ausgebaute Klitschcvncschanze eine hohe strategische Bedeutung gab. Als Serbien ein eigenes Fürstentum ward, hob sich der Wohlstand des landschaftlich sehr schön gelegenen Städtchens schnell, zumal hier die größten Biehmärkte des Bezirkes stattfanden. Es ist eine der weniger, serbischen Städte, die mit stattlichen Bäumen bep fl,,^» Straßen und gepflegte Vergärten «utoeift. »tflen der HM|M Meisckw reife — ein Kilo Rindfleisch Uftetc 30 Kr«»»
eht .Wo Lammfleisch p.irt nur dr- — wurd- e3 r 5 ^
