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Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagb»atts. i«^-- ^

Nr. 256.

Dienstag, 2. November.

( 4 . Fortsetzung.)

Der Gegel-Anger.

Roman von Edela Rüst.

(Nachdruck verboten.)

Nicht weinen an dem größten «GWckstage deines Lebens", dachte sie die ganze Zeit über, und brachte ein Lächeln zuwege, das anfangs etwas 'gequält ausfcch, das aber freier und ehrlicher wurde, je länger sie sprach: Verzeihen Sie, Herr Oberst, daß ich Ihnen in diesem Augenblick das Wort adschneide, aber in solcher Situa­tion ist gewiß selten eine Braut an ihrem Hochzeitstage gewesen, und das Außergewöhnliche dieser Stunde soll mich entschuldigen, wenn ich an meiner eigenen Hochzeit einen Toast zu sprechen gedenke. Wir sind alle, eng Be­teiligte und nur sreundschaftlich Mitinteressierte, so ehr­lich überrascht, daß ich wohl begreife, welch eine heimliche Freude mein Vater an diesem Bomben-Attentat haben »nutzte. Aber nachdem die Bombe explodiert und niemand beschädigt ist, will ich als Tochter doch die erste sein, meinem guten Vater vor aller Welt zu erklären, wie von Herzen ich mich s'-eue, auch ihn im Glück zurück­zitlassen! Jetzt wo ich U ->ft, das Herz voller Seligkeit, scheide, möchte ich es aussprechen, daß niemand mrr lieber wäre, hier an meiner Stelle schalten und walten zu sehen als meine gute L ey von Gramm, deren^ güti­ger, unermüdlicher Fürsprache ich es nicht zum kleinsten Teil danke, daß ich heute meines Herberts Frau werden durste. Der ich es danke, daß sie meinem Vater Ersatz schenken will für das, was sie ihm mit aller List für einen anderen abgöbettelt hat! Meiner lieben Fremrdin Lucy gelobe ich hier, sie als meines Vaters guten Stern in aller Freundschaft weiter zu lieben und (Lucy von Grümm heiter lachend umarmend) ihr allezeit eine gute Tochter" zu sein! Und nun. meine verehrten Herrschasten alle miteinander, erheben Sie sich und trinken Sie mit einem brausenden Hoch auf das Wohl' dieses Brautpaares, das meinem Herzen so teuer und wert ist!"

Dina lag in ihres Vaters Armen, halb betäubt von dem ganzen Vorgang und den jetzt ans allen Köhlen lauttönenden Hochrufen! Und als das Rufen und Gläsevklirren zu Ende war, trat Herbert Söhren an seine junge Frau heran, um die sich ein ganzer Mäd- cheukranz gebildet hatte, und sagte mit wenig hochzert- licher Wärme im Tone:Rüste dich, Dina. wir haben gerade noch eine Stunde Zeit. Tante Andrea und Mutter erwarten dich oben da steht auch schon Katrin draußen auf der Diele."

Er wich Dinas Blick aus, 'der ihn zärtlich bitten wollte: Laß dich's nicht verdrießen, wir bleiben ja bei­einander!

Oben war Frau Mialwine Sehren um Frau Andrea von Küber bemüht, die eine Art Krampfanfall hatte und wiedecholt aufstöhnte:Nu Hab' ich ja meinen Bescheid! Nu weiß ich ja, wo ich bleibe! Darum mußte die Sache so lange Überlegt werden! Aber ich hab's gleich gesagt, als ich's hörte, boS Frauenzimmer hätte nicht ins Haus dürfen! Nein, Doktorin, dies abenteuerliche Frauen­zimmer gleich als ich sie hier sah, war mir's, als gäbe mir jemand mir 'ner Keule auf den Kopf. . .'

Mer, liebste Küber, beruhigen Sie sich es ist doch nichts dagegen gu tun ..."

Nichts dagegen zu tim? O, ob man hatte etwas tun können! Aber das ist alles so schlau eingefadelt von dieser, dieser . .

Von wem sprichst du, Dante Andrea? fragte Drna, die jetzt auch bleich und erregt aussah.

Von deiner neuen Frau Mutter, der du vor allem Volk den Huldigungseid geleistet hast, statt sie bei den Füttern zu packen und znm Hause hinauszuwerfen!

Aber wie hätte sie denn das sollen - vor allen

Menschen den Skandal?! Nein, Dina ein so ent- setzlichcs Unglück es ist großartiger hättest du dich und deinen Vater nicht aus der Affäre ziehen können, mein braves Kind! Aber entsetzlich bleibt's bei cilledem!"

Warum denn gar so entsetzlich, Mütterchen? Es war nur der erste Schreck es fiel so vom Hrmunel, so absolut vom Himmel. Aber wenn ich auch, Lucy nicht ganz bogrei.se für Papa freut cs mich aufrichtig, feit ich mich mit der Überraschung ab gestruden wirk­lich! Papa ist ja noch so jurig in seinem ganzen Wesen, warum soll er denn nicht noch einmal glücklich sein wol­len? Ich gönne es ihm ..." . ^ , , Y o

Katrin Lütte entkleidete inzwischen dre Braut ihres Hochzeitsstaates das ganze Reisezeng lag schon wohl-, geordnet auf den Stühlen.

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ja dock) von allem das meiste.

So richtete sich Dante Andrea jetzt mit gerungenen Händen aus ihrem Stuhl auf:Bist du denn mit Blind­heit geschlagen, Dina? Hast dit denn arlßer Herbert nichts um dich herum gesehen?"

Viel nicht, Tante."

Das muß hintertrieben werden, das darf man nicht zulassen! Also freuen tust du dich noch? Wirst dich schon freuen, wenn's mal ans Erben geht!"

Aber, liebe Küber ..." -

Ja, liebe Küber!! Was denkt sich dieser Ludivig auf seine alten Tage? Will er sich von dem Weibsbild die Taschen leer machen lassen? Oder glaubt ihr viel­leicht, sie ist in seine Jugend und Schönheit verliebt? Wir wissen doch, wer die Grümms sind dies Bettel­volk! Dieses Schuldenmacherpack."

Katrin, schließen Sie doch die Fenster,-bis Dante

sich beruhigt hat." . t

Ist nicht nötig, Katrin was ich sage, kann löder hören, soll jeder hören! Der Alte ist nicht mehr richtig im Kops! Bald sechzig und heiratet sich solch ein« Gott straf mich, ich hätte bald was Böses gesagt! Eingesperrt werden sollte er, bis er wieder Kar im Kopf wird! Das kann Herbert besorgen als. Schlvie- gersohn, wofür ist er denn Rechtsanwalt Otto sieht 'das auch nicht still mit an! Na, was Hab' ich ge»

sagt, Dina? Nu hast du's-deine Ehe fängt ja

schön an!"

Ich muß dich sehr bitten, Tante Andreg eS alles feine Grenzen, und ich glaube, es ist Zeit,

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