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gt». 508. _ M»r»e«-A«ss«»I»r. 1. Dl«rr. Wiesbadener Tagblatt-_ Do«tterst«s, 37. Girtoder 1904. Sette s.

-er deutschen Fachvcrbände, und zwar 8925 am Ort und zM auf der Reise als arbeitslos festgest-ellt, das find 1,8 Prozent. In der entsprechenden Zeit des Vorjahres stellte sich dieser Satz gleichfalls auf 1,8 Prozent, am 30. Juni d. I. auf 1,9 Prozent. Die G-esaintarbeitslosen- jlffer ist also gegenüber dem letzten Quartal um ein Ge­ringes niedriger. In den einzelnen Verbünden ist die Keranderums des Umfanges der Arbeitslosigkeit gegen zas Vorjahr eine sehr verschiedene. Während bei den Bäckern, Buchdruckern, Bildhauern beispielsweise eine Verminderung um 0,4 bis 0,9 Prozent eingetrcten ist, hat die Arbeitslosigkeit bei den Handschuhmachern um 1,4 Prozent zugenommen. Die durchschnittliche Unter- fküyungsdauer betrug 17 Tage, sie erhob sich über diesen Durchschnitt bei den Glasarbeitern <82 Tage), Lei dem Gewerkverein der deutschen Zigarren- und Tabakarbeiter (44), den Buchdruckern (24) usw. Die Unterstützungs- jtmwe für Arbeitslosigkeit am Orte belief sich auf 475 878 M., für Reiseunterstützung auf 207 601 M. 'In -er Hauptsache waren daran die Verbände der Buch­drucker, Metallarbeiter und Holzarbeiter beteiligt.

* Der Arbeitermangcl im deutschen Osten führt langsam zur Aufteilung der großen Güter. Nachdem erst vor kurzem die Rittergüter Tannenberg- Ludwigsdvrs im Kreise Osterode zur Aufteilung in Rentengüter ausgeschrieben worden waren, ist, wie die ,Iöln. Volksztg." berichtet, jetzt zu demselben Zwecke das Rittergut Klein-Rauschken im Kreise Ortelsbnrg ausgeschrieben. Das Gut ist 1896 Morgen groß, und es sollen 20 Wirtschaften von 36 bis 40 Morgen, eine Wirtschaft von 58 Morgen, eine Wirtschaft von 75 Morgen und ein Fischerei-Rentengut mit einem 180 Morgen qrosren fischreichen iSee nebst 20 Morgen Ackerland un>d Wiesen ausgewiesen werden.

* Loewe contra Scherl. DerVerl. Lök.-An'z." antwortet auf Dr. Loöwes Angriffe und vertröstet auf bevorstehende Prozesse, durch welche Herrn Scherl die erwünschte Gelegenheit gegeben werde, vor Gericht die Unwahrheit jener Behauptung darzutun. Es werde Herrn Dr. Kornelius C. Loewe durch erdrückendes Material zum Teil von seiner eigenen Hand ge­schrieben und durch eine Reihe von Zeugen vor Ge­richt zur Evidenz nachgewiesen werden, daß 'Herr Scherl sein Sparsystem bereits Jahre vorher in allen seinen Einzelheiten ausgedacht hatte, als .Herr Dr. Kornelius C, Loewe von ihm als Mitarbeiter engagiert wurde.

Der deutsche Kotomaikrieg.

Falsche Diplomatie. DasKoburg. Tagebl." ver- össentlichi den Brief eines in der Kapkolonte wohnenden Koburger Kaufmanns, in welchem nach recht abfälligen Äußerungen über den Wert des Schutzgebietes erzählt wird: In englischen Kreisen wird dem Witbvi schon lange nicht getraut, er hat schon seit drei Monaten bei englischen Firmen Waffen bestellt und geliefert erhalten. Als seitens der deutschen Kolonialregierung vor Monaten der Entschluß gefaßt worden war, Hendrik Witbois Leuten alle Waffen wegzunehmen, sobald die Hereros besiegt feien, hat Hendrik Witbvi eine feindselige Haltung ein­genommen und englischen Unterhändlern gegenüber gar kein Hehl gemacht, daß er sich gegen die Deutschen er­heben werde. Der deutsche Gouverneur wurde schon vor Monaten darauf aufmerksam gemacht und gervarnt, aber niemand gibt etwas darauf, im Gegenteil, man hat Witboi noch einen Orden verliehen. Nun, ist es nicht sehr unklug gehandelt,- erst sagt man, daß man ihm und seinen Leuten alle Waffen wegnchmen werde, den Haupt­stolz dieser Wilden, und dann will man ihn mit einem Orden besänftigen und zur Waffenabgabe gefügig machen? Daß die Entwaffnung der Witbois schon vor Monaten beschlossen worden fei, kann nicht richtig sein: aber Drohungen dieser Art sind freilich laut geworden, und sie erst scheinen die Witbois zum Aufstand gereizt zn haben.

Aus Stadt und Land.

Wiesbaden, 27. Oktober.

Deutscher und Osterr. Alpeuverein. Fräulein v. Liechten­stein wird in dem Vortrage, den sie heute (Donnerstag), 8*/, Uhr abends, in der Aula der städtischen höheren Mädchenschule zu halten gedenkt, die Besteigung einiger berühmter Dolomiten- berge schildern. Die Seinen: Fünsfingerspitze, Vajolettürme.

Drei Zinnen, bedürfen für den Alpinisten keiner Erläuterung. Jeder kennt ste als Klettertouren ersten Ranges. Nicht mind?r interessant sind aber jene Gipfel in rein landschaftlicher Be­ziehung. Es dürsten daher alle Freunde der Alpennatur, nicht nur die Hochtouristen, beim Besuche des Vortrages ihre Rechnung finden, zumal sich demselben Lichtbildervorführungen nach eigenen Aufnahmen anschließen werden. Auch Nichtmttglieder haben als Gäste Zutritt.

Straßenbahn-Abonnements. Am letzten und in den ersten beiden Tagen jedes Monats ist der Andrang der Abonnenten der hiesigen Straßenbahn an der Straßenbahnkasse zwecks Erneuerung der Abonnements­karten stets so groß, daß fast jeder wohl oder übel länger: Zeit warten und sich drängen mutz, bis er zum Schalter gelangt und abgefertigt werden kann. Zur Beseitigung dieses unliebsamen Mißstandes hat die Verwaltung der Straßenbahn schon seit langem die Bestimmung getroffen, daß Abonnementskarten für den neuen Monat schon vom 25. des laufenden Monats ab erneuert werden können, ohne daß aber von dieser Einrichtung ein nennenswerter Gebrauch gemacht wird) wahrscheinlich, weil sie den meisten nicht bekannt ist. Wir glauben deshalb, daß cs im allgemeinen Jntepesse liegt, wenn wir auch an die'er Stelle nochmals besonders hierauf aufmerksam machen.

Die 5 Pfennig Bestellgeld für eine Postanweisung haben schon wiederholt den Gegenstand gerichtlicher Ent­scheidungen gebildet. Es handelt sich um die Frage: Ist der Schuldner, wenn er dem Gläubiger Geld, das er ihm schuldet, durch die Post übersendet, -verpflichtet, die 5 Pfennig mitzusendcn, die letzterer bei Empfang des Geldes als Bestellgeld entrichten mutz, oder hat Gläubiger dieses Bestellgeld zu tragen? Die Frage ist von den 'Gerichten im allgemeinen zugunsten des Gläu­bigers entschieden. Nach § 270 des Bürgerlichen Gesetz­buches hat der Schuldner Geld im Zweifel aus seine Gefahr und seine Kosten dem Gläubiger nach dessen Wohnsitz zu übermitteln. Zu den Kosten der Über­sendung durch die Post gehören zweifellos auch die fünf Pfennig Bestellgeld, denn diese würden nicht zu zählen sein, !wenn -der Schuldner dem Gläubiger das Geld auf andere Weise zugestellt hätte, und daher fällt das Bestell­geld ebenso wie das Porto dem Schuldner zur Last,' er muß es entweder der Geldsendung beifügen oder dem Gläubiger erstatten. Im Gegensatz dazu haben nun aber neuerdings in einem Rechtsstreit auf Ersuchen des Gerichts die Ältesten der Kaufmannschaft von Berlin ihr Gutachten dahin abgegeben, daß in Berlin nach einem dort bestehenden Handelsgebranch die Kunden im Handelsverkehr die Schuldsumm-: gewöhnlich ohne Be­stellgeld cinsenden. Es ist dabei daraus !Be'ziehung ge- nöm'inen, daß die königliche Geschäftsstelle desDcmtschen Reichs- und kgl. preußischen Staatsanzeigers" in ihren Antzoigenrechnungen sogar ausdrücklich hcrvorhebt, daß Einsendung des Bestellgeldes nicht erforderlich sei.

Stundengeld statt Berzehrnngszwang. Man schreibt derFranks. Ztg.": Der Wirtcvercin des holsteinischen Kreises Steinburg war neulich versa,umclt, um die Müßigkeitsbestrebungen zn unterstützen. Drei Redner, die Herren Degelow, Prieß und Lübbe, sprachen aufrichtig 'über die Schäden ihres Standes, besonders über die böse Herrschaft, die das Alkoholkapital über die Wirte ausübt, und über die gemeinschädlichc Verteuerung der Gasthäuser durch die Spekulation. Herr Tegelow aus Münsterdorf, der durch die mit Dr. Bode ausgc- tanschten ,/Briefe über Gasthaus-Reform" bekannt ge­worden ist, übernahm auch Bodes alte Forderung, den Trink- und Berzehrnngszwang, der in den Gasthäusern um so mehr herrscht, je höhere Zinsen aufgebracht werden müssen, durch eine Platz- oder Stundenmiete aufzuheben. Er 'zeigte ein Plakat vor, das in seiner Wirtschaft an ver­schiedenen Stellen angebracht ist:Gäste, welche mchts zu verzehren wünschen, zahlen ein Stundengeld von 20

Pfennigen." In den beiden ersten 6)asthäusern des Ver­eins für Gasthaus-Reform, demSchwan" zu Apolda undNenwallcndorf" bei Weimar, ist das Stundengeld gleichfalls eingeführt,' auf ihren Tischkarten lieft man unterVerschiedenem":Aufenthalt in den Gastzimmern oder dem Garten ohne Berzehrnngszwang, wobei Spielen und Lesen frei, die Stunde 10 Pf."Ausruhe­zimmer für Radfahrer und Wanderer 20 Pf."

Der Rcgierungsrat aus dem Dorfe. In einem Frankfurt benachbarten Dörfchen (es liegt noch im Preußischen") ereignet sich dieser Tage ein sonderbare- Stücklein. Ein höherer Verwaltungsbeamter Regie-- rnngsrat hatte in dem Dörfchen amtlich zu tun. An» gekommen fragte er nach der Wohnung des Dorfober­hauptes und erfuhr, daß dieses abwesend sei. Der Beamte begab sich ins Dorfwirtshaus und erhielt dort Gesellschaft in der Person des Dorsbarbiers. Dieser war neugierig genug, den fremden 'Herrn «u fragen, was er für einGeschäft" habe. Dieser, dem es darum! zu tun war, vorerst nicht erkannt zu sein, gab sich für einen Lebensversicherungs-Inspektor aus, er wolle u. a. die Kinder des Bürgermeisters versichern. Bald darauf verschwand der Barbier. Nach einer Weil« brach auch der Beamte auf, der nun annahm, der Bürger­meister sei zu Hause. Dort fand er indes die Tür« verschlossen, obwohl er merkte, daß Leute im Hause waren. Er klopfte, rief, alles vergebens. Er begab sich nun zum Beigeordneten. Vor dessen Haus sah er, wie ein kleiner Jung; unter dem Rufe: Der Inspektor! eiligst hinter der Türe verschwand. Dies« fand er ebenfalls verschlossen. Trotz allem Klopsen und Rusen ließ sich niemand scheu. Aufgeregt begab er sich zum Wirtshaus zurück und bat den Wirt um Aufklärung. Dieser verhielt sich anfangs völlig zugeknöpft. Als aber der Herr in entschiedenem Tone seinen Titel und Rang nannte und hinzusügte:Rufen Sie mir sofort den Bürgermeister!" da bat der erschrockene Wirt seinen! Gast um Entschuldigung und gab ihm Aufklärung. Der Barbier war .... Agent einer Versicherungsgesellschaft! und erwartete in diesen Tagen den Inspektor der Gesell­schaft. Er hatte dem Wirt den Auftrag gegeben, ihm sofort, wenn ein feingekleidcter Herr mit einer Mappe eintresfe, Mitteilung zu machen. Als der nun benach­richtigte Barbier sah, daß dieser Herrs ein Inspektor* nicht war, fragte er den Fremden aus und eilte aus di« ihm zu teil gewordene Auskunft schleunigst fort, um dem Konkurrenten bei seinen Bauern unschädlich zn machen. Er forderte alle Leute, die kleine Kinder hatten, wo­runter sich auch Bürgermeister und Beigeordneter be­fanden, ans, ihre Wohnung diesem Herrn Inspektor zu verschließen. Und so gcschalh's. Im Jahre 1904 in -einem Dörfchen imPreußischen". ><F. N. N.)

Unsere Reichsmünzeu lassen sich im Notfälle vor­züglich als Gewichte benutzen, wie man aus nachstehender Zusammenstellung ersehen- kann. Es wiegen: 1 Ein­pfennigstück 2 Gr., 3 Zweipsennigstücke 10 Gr., 2 Fünf» Pfennigstücke 6 Gr., 1 Zehnpfennigstück 4 Gr., 9 Fünfzig­pfennigstücke 25 Gr., 9 Einmarkstücke 60 Gr., 9 Zweimark­stücke 100 Gr., 9 Fünfmarkstückc 250 Gr., 1 Zehnmark­stück 4 Gr., 1 Zwanzigmarkstück 8 Gr.

Geld oder geben. Die neuhochdeutsche Form Geld war noch im Mitteldeutschen gelt. Die ursprüng­liche Bedeutung dieses Wortes, nämlich Vergeltung, Er­satz, Bezahlung hat sich zugleich mit Bewahrung des alten t erhalten in Entgelt und entgelten Gcgen- zahlung, zurückzahlen, ersetzen, wozu unentgeltlich (kostenlos, frei von Bezahlung) gehört. Diese Bedeutung liegt auch eigentlich zugrunde in Zusammensetzungen, wie Brückengeld, Schulgeld, Lehrgeld, Strafgeld, Fersengeld, die aber vom Sprachgefühl nicht mehr so verstanden wer­den. Das Wort Fersengeld bedarf vielleicht der Er­klärung. Es bedeutetVergeltung (der Streiche de- Gegners) mit den Fersen", wobei man aber den Gegner nicht etwa tritt, sondern ihm die Ferse zeigt, indem man davonläuft. Zur Bezeichnung dessen, was als Zahlung dient, des geprägten Zahlmittels, istGeld" erst später verwendet worden. Das zu Geld gehörende Zeitwort gelten heißt zunächst so viel wie zahlen, entrichten, dann

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ren. Aus Angst, eines Tages vergiftet zu werden, >öete er keine Küche in seinem Palais. Sein; Diener­st, die aus den Tag engagiert war und oft weggejagt rde, mußte sich in nahen Gastwirtschäften verpflegen. ; Furcht für sein teures Leben ging so wett, daß er l Frühstücksgetränk, Schokolade, stets eigenhändig auf em Spiritusbrenner bereitete. Die Milch lieferte x eine Meiere in einer silbernen Kanne, zu öeren nskschlotz er einen Schlüssel besaß, dessen Duplikat nt i Händen des Lieferanten war. Dazu er Kommas ü, das in einer Kaserne gekauft wurde. Geiziger als rpagon führte er einst gegen seine Waschfrau wegen frank einen Prozeß, in dem er selber mit großer -dc- samkeit vor dem Richter plädierte.

Am meisten hing sein Herz an feinen Daamanten, er täglich durch mehrere Stunden bewunderte. Aus «r Gesellschaft beim Grafen Nieuwerkerke, dem Dtrek- der Sa'mm'lungen im Louvre, erregten seine Gene- sepauletten, deren Kantillen aus awsgereuhten gelben. Manischen Diamanten bestanden, die Bewunderung - ihn umringenden Damen.Meine Damen , s g plötzlich,ivenn Sie so sehr die Diamanten lieben so m ich Ihnen noch viel inehr zeigen, isogar meine terkleidcr sind damit garniert." Hierbei machte e. e so unzweideutige Geste, daß der Kreis der vorneh- n Damen nach allen Seiten in wilder Flucht ausein

Aus Annk und Leben.

' Einen Brie? Zolas an Strindberg bringtDas - Magazin" (Magazin-Verlag

in) in einem sehr «ehaltvollen strindberg-Hc te n in Erinnerung. Das Schreiben lautet. Pa, S, Dezember 1887. Mein lieber Herr Kollege, o- langes Schweigen mutz ich mach sehr bei Auen i bigen. Aber wenn Sie wüßten, welche Cyl renz ch nur Arbeit und Verdrießlichkeiten. Ich wollt :n Ihr Manuskript nicht surücksenden, ohne es g SU haben, und jetzt endlich habe ich dte notige Z l gefunden. Ihr Drama (Der Water ) hat mich sehr

interessiert. Seine philosophische Idee ist sehr kühn, seine Personen sind sehr keck hingestellt. Aus dem Zweifel an der Vaterschaft haben Sie starke, aufrührende Effekte ge­wonnen. Ihre Laura ist wahrhaftig das Weib in seincnr Stolz, in seiner unbewußten Natur und in dem Geheim­nis seiner guten Eigenschaften und seiner Fehler. Sie wird mir immer im Gedächtnis bleiben. In Summa. Sie haben ein merkwürdiges und interessantes Werl ge­schrieben, in dem sich, gegen Ende besonders, die schönsten Sachen finden. Um aufrichtig zu sein, genieren mich ein wenig Verkürzungen der Analyse. Sie wissen vielleicht, daß ich nicht für die Abstraktion bin. Ich liebe es, wenn die Personen ein vollständiges Zivilstandsregister haben, wenn man sie mit dem Ellbogen berührt, 'wenn sic in unsere Aura eintauchen. Und Ihr Rittmeister, der nicht einmal «inen Namen hat) Ihre anderen Personen, die beinahe ideelle Wesen sind, geben mir nicht den vollstän­digen Eindruck des Lebens, den ich verlange. ?lbcr das ist sicher, zwischen Ihnen und mir ein Unterschied der Rasse. So, wie es ist, ich wiederhole cs, ist Ihr Stück eines der wenigen dramatischen Werke, die mich ries be­wegt haben. Halten Sie mich für Ihren sehr ergebenen und seelenverwandten Kollegen. Emile Zola.

* Das deutsche Schntzmanusmiindel. Der deussche Bürger, so schreibt der englische Humorist Jcromc K. Jerome in seinem köstlichen BuchThree men on the bummel", ist ein Soldat und der Schutzmann ist fein Offizier. Der Schutzmann weist ihn an, wo er auf der Straß; zu gehen und^ wie schnell er zu gehen hat. Am Anfang jeder Brücke steht ein Schutzmann und sagt dem Deutschen, wie er darüber zu gehen hat. Wäre kein Schutzmann da. würde sich der Deussche wahrscheinlich hinsetzen und warten, bis d;r Fluß vorbeigeflossen wäre. Am Bahnhof schließt ihn der Schutzmann im Wartesaal ein, wo er sich kein Unheil zufügen kann, und zur rechten Zeit holt er ihn heraus und übergibt ihn dem Zugbc- amten, der lediglich ein Schutzmann in anderer Uniform ist. Der sagt ihm, wo er sich im Zuge hinzusetzen und wann er aufzustcigeu hat, und sieht zu, daß er auch aus- steigt. In Deutschland habe ich keine Verantwortung für mich. Alles wird für mich besorgt, und gut besorgt.

Niemand erwartet, daß ich für mich selbst sorge, niemand tadelt mich, wenn ich mir nicht selbst helfen kann, es ist die Pflicht der Polizei, für mich zu sorgen. Ich mag ein hülsloser Idiot sein, das entschuldigt die Polizei nicht, wenn mir etwas zustößt. Wo ich sein und was ich tun mag, ich stehe in der Obhut des Polizisten, und er sorgt für mich, und zwar gut, daran ist kein Zweifel. Gehe ich verloren, er findet mich wieder,' geht mir etwas verloren, er entdeckt es. Wenn ich nicht weiß, was ich will, er sagt es mir. Wünsche ich etwas, das gut für

mich ist, er besorgt cs für mich.-Du hast nichts

zu tun, als zur Welt zu kommen", sagt die deussche Negierung, wir besorgen das übrige.Daheim und draußen, in Krankheit und Gesundheit, beim- Vergnügen und bei der Arbeit, wir sagen dir, was du tun sollst, und sehen zu, daß du es tust. Du brauchst dir um nichts Sorge zu machen." Und der Deutsche tut das auch nicht. Wenn kein Schutzmann zur Hand ist, geht er weiter, bis er zu einer Polizeiverordnung kommt, die irgendwo an einer Wand angeschlagen ist. Da liest er, und dann geht er hin und tut, was sie vorschreibt. Ich weiß nicht, ob es so ist, aber nach dem, was ich von deutscher Art be­obachtet habe, würde ich mich nicht wundern, zu hören, daß, rvenn in Deutschland ein Mann zum Tode verurteilt ist, die Behörde ihm einen Strick gibt und ihm sagt, er solle hingehen und sich aufhängen. Das würte dem Staat viele Mühe und Kosten sparen, und ich fthe schon den dcusschen Delinquenten, wie er den Stbick mit heim, nimmt, sorgfältig die polizeiliche Instruktion zum Auf. hängen durchlieft und dann daran geht, sie in fciiteni Keller auszusühren."

* PcnsionSanstalt dcntscherJournalisteu n.Schriststeücr (Bcrsichcrungsvcrcin ans Gegenseitigkeit) in München

Die Anstalt hat in den ersten drei Quartalen des lau'ew den Jahres eine sehr befriedigende Entwickelung gx. nommen. Sowohl der Brutto- als Nettozugaug an ordentlichen Mitgliedern übersteigt schon heute die ent- sprechenden Ziffern des ganzen Jahres 1903. Auch ein erfreulicher Zugang an außerordentlichen Mitgliedern war zu verzeichnen. Bon den einmaligen Spenden jst