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Wiesbadrnrr Tagblatt.
Mtttmoch. 26. Oktober 1904.
Kette 5.
einem Drittel einer sonstigen Ernte gleichkommt, haben einzelne Besitzer ganz vorzügliche Ernten gemacht. Uber die Ursachen ist niau sich nicht klar. Der Trockenheit allein kann nicht die Schuld gegeben werden. Bielfach wird auf das schon sehr mangelhafte Uufgehen hingewiesen. Schlechtes Ausreisen und ungeeignete Aufbewahrung mögen die Keimfähigkeit vermindert haben. Wahrscheinlich spielt jedoch eine gewisse Bodenmüdigkelt mir, weshalb man sich an einigen Orten entschlossen hat, die Zucht durch auswärtiges Saatgut aufzubeffern. Daß der Gedanke richtig ist, geht daraus hervor, daß gerade die viel gezüchteten Sorten, z. B. Magnum bonuw, gänzlich fehlgeschlagen sind, während die weniger gebauten „Haiger, „Englische" u. a. gute Erträge geliefert haben. Die Nachsr-age ist trotz anderwärts geweideter guten Ernten eine sehr große. Die täglich einlaufenden Bestellungen können jedoch nur zum Teil befriedigt werden, da der kleine und mittlere Bauer kaum seinen Wirtschaftsbedarf gedeckt hat.
* Camp, 23. Oktober. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich gestern hier. Der 18jährige Schwager des Bauunternehmers N e i tz e r stürzte in einem Neubau 20 Meter tief in den Keller. Die Verletzungen sind -derart, daß der bedauernswerte junge Mann kaum mit dem Leben davon kommen wird. — Ein begehrenswerter Posten ist die hiesige vakante Bürger- wei st er stelle. Nicht weniger als 124 Bewerbungen sind eingegangen.
0. Herbor«. 24. Oktober. Im benachbarten Burg sind jetzt kurz hintereinander zwei Unglücksfälle vorgekommen. Beim ersten verunglückte bei dem dortigen Brückenbau ein junger Wjähriger Schlosser. Durch irgend ein Versehen verlor derselbe bei seiner Arbeit das Gleichgewicht und stürzte aus beträchtlicher Höhe ab. Beim Fallen schlug der Körper des Unglücklichen mehrmals auf die Querbalken des Gerüstes. Da innere Verletzungen vorliegen, wurde die Überführung des Verunglückten in das hiesige Krankenhaus ungeordnet. — Heute verunglückte der Sohn eines hiesigen Bauunternehmers ebenfalls in Burg. Derselbe siel von einem Neubau und zwar auf die Magengegend: jedoch sollen innere Verletzungen nach Aussage des Arztes bis jetzt nicht zu konstatieren sein. — Heute morgen verunglückte in der Damps- branerei des Herrn Adolf Schramm ein Monteur ebenfalls durch Abstürzen. — In Langenaubach bei Haiger schoß sich ein verheirateter Mann aus Leichtsinn und Sorglosigkeit drei Finger weg. Er war beim Reinigen eines alten Gewehres beschäftigt.
* Aus der Umgebung. Dem emeritierten Hauptlehrer Karl Bieroth zu O ld e r l a h n st e i n , bisher in Montabaur, ist der Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohen- zollern verliehen worden.
In N i e d e r - O l m ist ein Taglöhner, Vater von 5 un- mündigen Kindern, durch Gärgase im Keller erstickt.
.Der Landwirt und Fuhrunternehmer Jakob Eiermann in Zimmern ertränkte sich in der Seckach.
In Oftersheim fiel ein Kind in einen Kübel heißen Wassers. Schreckliche Brandwunden und hinzugetretene Blutvergiftung führten den Tod des Kindes herbei.
Dem Musikdirigente» an der Unteroffizieroorschule in Weil bürg, Herrn Wieke, ist die nachgesuchte Dienstentlassung als „Ganz-Invalide" per 1. November erteilt worben.
* Mainz, 25. Oktober. Rheinpegel: 32 cm gegen 85 cm am gestrigen Vormittage.
Vermischtes.
* Was in Berlin möglich ist. Unter dieser Überschrift gibt die „Boss. Ztg." weitere Mitteilungen aus den frechen Flugblüttcrn des antisemitischen Grasen Pllckler. In dem einen dieser Flugblätter heißt es: „Jetzt gibt es Bimse, Keile, Schläge, Senge; jetzt werden wir die Lümmel zusammenhauen, daß ihnen angst und bange wird, daß sie endlich- packen und von dannen ziehen." An die Sozialdemokraten wendet sich Graf Pückler in dem Flugblatt wie folgt: „Ich, Euer Führer, gehe voran mit einer großen roten Fahne in der Hand, und auf der Fahne stehen die Worte: „Fort mit den Juden, raus mit der verfluchten Bande, fort mit dem Lev-ysohn und dem Abraham, raus mit dem kleinen Cohn, fort mit dem As der Sarahleben, fort mit der ganzen Mischpoke." Und Ihr roten Kerle, Ihr folgt mir alle nach, ebenfalls mit roten Fahnen, und so ziehen wir durch die Straßen von Berlin mit brausenden Hurrarufen! . . . Auch der gute, liebe, brave Bebel mutz jetzt mitdreschcn auf die Iudenbande, da hilfr ihm alles nichts. Der Bebel hat vor einigen Wochen wieder eine große Rede gehalten in Amsterdam oder sonst irgendwo, und in dieser Siebe da hat er gesagt, Deutschland sei zurzeit das am schlechtesten regierte «Land von allen Staaten Europas, und da hat er recht, der liebe, gute Bebel; der Mann hat überhaupt immer recht, denn er ist ein ganz famoser Kerl. Ich unterschreibe alles, was der Bebel in Amsterdam gesagt Hai. . . Zurzeit hat Wilhelm der Zweite von Hohenzollern einen gewaltigen Streit mit dem Grafen zur Lippe-Bicstcr-eld, mit dem Regenten von Schaumburg-Lippe j!I) Immer feste so weiter, dann werden wir in einigen Jahren drei bis vier Millionen Sozialisten im Lande haben. Vielleicht wird der Graf zur Lippe-Biesterfeld auch noch einmal Sozialist, wenn er weiter so schlecht behandelt wird, antisemitischer Sozialist oder sozialer Antisemit, ivas _ dasselbe ist; heutzutage ist jeder verständige Mensch Sozialist. Box einigen Wochen hat in Sosnowice eine frische und sidele Judenverfolgung stattgefunden. . -- Das müssen verständige und famoseKerle sein, die russischcnPolizljren; bie lassen die Leute ruhig toben -und demolieren, und das ist meiner Meinung nach der einzig richtige Standpunkt. So lange die Massen nur das- jüdische Eigentum demolieren und nur Judenlümmels verhauen, so lange hat me Polizei niemals Veranlassung einzuschreiten. Wenn ich Polizeipräsident von Berlin wäre, sagt Gras Pualer, ich würbe meinen Schutzleuten den Befehl geben, zugleich mit Ihnen auf die Judenbande loszudreschen. Rur wenn Sie das christliche Eigentum verletzen, und wenn cic 6hr« germanischen Stammesgcnosfen verhauen, erst dann, untne Herren, würde ich Eie etwas in dl-e Bc-en'e schrefien lassen. Auf diese Weise wurde ich handeln als Porizer- vräsiüent und ich glaube. Sie würden mit meiner Regierung ganz zufrieden sein. Also los,Preußen, warum zaudert Ihr noch, los, Ihr Sozialisten, los, Ihr roten Brüder, los, Ihr Bürger von Berlin, werdet endlich einmal forsche und schneidige Kerls, auf zum Kampf, zum Sturm, auf zum Radau, auf zur frischen und fröhlichen Reiberei. Hier erfolgte die Auflösung der ^ersamunung. — Welche Strafe würde einen Sozialdemokraten neßen, der in ähnlicher Weise hetzen oder ein Flugblatt mit ähnlichen Hetzereien auch nur verbreiten wollte. entweder ist .Graf -Pückler verrückt und nicht verantwortlich zu machen für solche Frechheiten, dann muß der Arzt .ur Unterbringung in einer Anstalt sorgeii, oder er ist siesund, dann mutz er in strafrechtlicher Beziehung - handelt werden wie jeder andere Radaubruder. In ?iwen oder der anderen Form muß bem L>kandal m» Ende gemacht werden.
. C.K. Das Weltkrähcn der Hähne. Die Eröffnung der jährlichen Geflügclausstellung in Paris hatte tu Hesern Jahre auf das Publikum eine be,onderc An
ziehungskraft ausgeübt, sollte bei dieser Gelegenheit doch das lange angekündigte Wettkrähen der Hähne stattfindcu. Die Idee ging vom französischen Bantamklub aus. Die 20 bis 30 Hähne befanden sich in kleinen, mit schwarzem Tuch behangenen Käfigen. Das Zeichen zum B-cgitM wurde mit einem Gong gegeben. Alsbald wurden die Tücher entfernt. Die Hahne glaubten anscheinerid, der Tag wäre angebrochen, ein kleiner Bantam sträubte seine Federn und begann in hoher Tonart zu krähen. Ein großer, wichtig tuender Hahn nebenan hob sofort das linke Bejn und drehte den Kopf auf die Seite, um gU?n- hören. Dann stieß er einige Kehllaute aus-, als wollte er sich räuspern, und krähte nun in einem prachtvollen Bariton. Auch die anderen Hähne hörten erst gespannt zu, dann erhob einer nach dem anderen mit aller Macht seine Stimme. Die Hähne waren vorher mehrere Wochen im Dunkeln gehalten und hatten täglich nur -eine halbe Stunde lang das Licht gesehen; jetzt überboten sic sich daher gegenseitig und krähten in allen Tonarten. Bor jedem Käfig waren Männer damit be-schäfiigt, die Anzahl der Hahnenschreie des Insassen aufzuzeichnen. Es war ein ohrenzerreißender Lärm, so daß di« Richter ihre Bemerkungen einander in die Ohren schreien mußten. Der große Baritonhahn krähte im-Falsett, zog sich dann niedergeschlagen in eine -Ecke seines Käfigs zurück und sah ungefähr so aus, als ob der Hahnen-weli ganzer Jammer auf ihm lastete. Der kleine Bantam namens „Torearivr" krähte dagegen prächtig, bis seine Nachbarn einer nachdem anderen aushörten und ihm allein das Feld überließen. Dann krähte er noch zweimal schrill und herausfordernd; als er keine Antwort erhielt, stolziertc er augenscheinlich sehr befriedigt in seinem Käfig herum. Bald war die halbe Stunde des W-ettbeiverb-s vorüber, und die Käfige wurden wieder zugedeckt. „Toreador" mit 82 Hahn-enschrci-en war der erste Sieger, als zweiter kam ein kleiner Sopran, „Santos-Dnmont", mit 29 Hahnenschreien, und ein großer -Baßhahn, „Lowe" genannt, folgte mit 20 Hahnenschreien an dritter Stelle.
Letzte Nachrichten.
Der russis'ch- japanische Krieg.
wb. Cherbourg, 25. Oktober. Sämtliche hier ein- getroffen-en russischen- Torpedoboote und die beiden Transportschiffe sind wieder in See gegangen.
wb. Paris, 25. Oktober. Eine Privatdepesche -aus Petersburg teilt mit, in dem russischen Marineministerium hoffe mau, daß die Nachricht von der Beschießung der englischen Fischerboote falsch sei, und daß es sich schlimmsten Falls um eine Kolission der Kriegsschiffe mit den Fischerbooten handle. Admiral Rofchdjestwenski hätte sonst gewiß eine Nachricht gesandt.
wb. London, 25. Oktober. Der Ton der Presse gegenüber Rußland ist heute schärfer -als gestern. Die Blätter erklären, die Entschuldigungen und Erklärungen würden nicht als genügend anzusehen sein. Man müsse die Best r a f u n g der schuldigen Offiziere und- E i n st e l I u n g der Fahrt des baltischsn Geschwaders verlangen, da sonst England genötigt wäre, den internationalen Handel gegen mörderische Launen zu schützen. Mehrere Zeitungen finden es befremdend, d-aß Kaiser Nikolaus nicht seine Sympathie mit den Opfern des Zwischenfalls telegraphisch zum Ausdruck brachte. — „Daily News" melden: Der russische Botschafter B-enckendorff äußerte -bald nach seiner Ankunft in London auf die Anfrage ihres Vertreters, er ermächtige ihn, in seinem Namen dem englischen Volke zu sagen, daß er -absolut sicher sei, daß das, was vorgekommen ist, ein beklagenswerter Zufall wäre, sonst nichts. Er sei davon überzeugt, daß -es unnötig sein werde, von seinem und seines Lanves Bedauern zu sprechen — Der „Standard" meldet aus Tokio vom 24. Oktober: Der Betrag der drillen
japanischen Kriegsanleihe, obgleich die Liste erst in acht Tagen aufgelegt wivd, ist -bereits jetzt 'schon allein durch Zeichnungen von Tokio reichlich gedeckt.
wb. London, 25. Oktober. „Daily Telegraph" mel- det aus Tanger vom 24. Oktober: Tie Lage in
L a r a ck e ist sehr e rn st. Die Stadt ist von Kabylen belagert. Die dort wohnenden Europäer haben nach Tanger um militärische Hülfe geschickt.
wb. Sofia, 24. Oktober. (Wiener Korr.-Bur.) Tie Verhandlungen ntii der Pforte wegen der R ü ck k e h r der Flüchtlinge aus dem Wilajet Adrianopel, die trotz wiederholter Versprechungen von türkischer Seite immer wieder verschoben wurderr, werden, wie verlautet, von bulgarischer Seite in sehr gereiztem Tone geführt. Tie bulgarische Regierung soll bereits mit der A b - berusung ihres diplomatischen Agenten Natschowitsch gedroht haben.
Einsendungen aus dem Leserkreise.
iAui Rückienduuji oder Aufbewabrung der und sür diele Rubrii ,useberden, nicht nerin-ndet-,! Einlendunaen tau» iich die Reduktion nicht ttnlafien.)
* Rennfrage. Wenn in ber Mitglieder-Derjammluug bes R e n n - K l u b s vom SamStag gejagt worden ist, daß ich erklärt hätte, mit der Veröffentlichung meiner „Offenen Anfrage" einen Fehler gewacht zu haben, dann ist dies ein starker Irrtum.
Wilh. Schellenberg.
* Anschließend an das gestrige Eingesandt, „Platter- st r a tz e" betreffend, möchte ich auch erwähnen, daß das Trottoir gegenüber der Kirche viel zu schmal angelegt ist: es können nur zwei Personen nebeneinander gehen und muß der dritte Fußgänger bei Seite treten, da die Bäume bei der geringen Breite des Trottoirs hindernd im Wege stehen. Das alles ist doppelt empiindlich. da die Platterstratze besonders bei gutem Wetter und durch die vielen Beerdigungen von unzähligen Menschen begangen wird. Dem lwcl ist doch leicht abzuhelfen, besonders da, wo die Straße noch nicht bebaut ist. Es wäre überhaupt sehr zu wünschen, wenn Magistrat und Stadtverordneten sich dieser Straße, die schon so lange besteht, mit dem großen Verkehr etwas mehr annehmen würde. An dem Zimmerplatz entlang, gegenüber dem neuerbauten freistehenden Pissoir, für welches die Stadtverordnete» den Platz immer noch zu bewilligen haben und was noch der aewünschten Umhüllung wartet, ist die gepflasterte Wasserrinne das einzige saubere Plätzchen. Es bleibt zu hoffe», daß diese Mibstgnde beseitigt werden, da gerade diese Straße, die zu den Friedhöfen führt, in besonders gutem Zustande sein-^ müßte.
HandeSsteili
Nene Reichsbackanteile. Auf verschiedene Anfragen sei mitgeteilt, daß die Reichsbankanteile von jeher besonders zu dauernden Kapitalsanlagen verwendet wurden. Daher kommen auch die verhältnismäßig geringen Umsätze an der Börse. Aus diesen Gründen schon ist anzunehmen, daß die neuen Anteile rasch vergriffen sind.
Chinesisches Markenschnizgesetz. Die Handelskammer Wiesbaden hat den Reichskanzler unterm 19. Oktober dringend ersucht, gegen das chinesische Markenschutzgesetz, welches mehrere die chemische Industrie schwer schädigende Bestimmungen enthält, nochmals energischen Einspruch zu erheben. Die Kammer verlangt u. a., daß das Inkrafttfeten des Gesetzes (23 Oktober) hinausgeschoben, daß die Einspruchsfrist gegen angemeldete Warenzeichen mit Rücksicht auf die weite Entfernung Chinas von Europa auf länger als 3 Monate bemessen wird, daß die in Deutschland eingetragenen Marken auch in China eintragsfähig sind.
Die Verstaatlichung des Kohlenbergbaues. Vergangene
Woche fand die Hauptversammlung des Bundes der Industriellen statt. Es kam auch die Verstaatlichung des Kohlenbergbaues zur Sprache; Generalsekretär Dr. Wendlandt referiert über die Frage der Verstaatlichung. Aus seinen Ausführungen ist zu entnehmen, daß der Staat mit der Verstaatlichung des Bergbaues nur ein altes Regal zurücknimmt. Man dürfe die Bergwerke keineswegs mit anderem Privateigentum in Verbindung bringen. Dr. Wendlandt hält die Bergbauverstaatlichung auch für eine gute Steuerreform und schließlich wurde eine Resolution mit großer Mehrheit angenommen, in welcher gesagt wird, daß der Staat sich auf die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der privaten Kohlenunternehmungen Deutschlands durch Vermehrung seines Zechenbesitzes einen entscheidenden Einfluß sichert.
Eisenbahn-Einnahmen. Die Einnahmen der Luixerri- burgischen Prinz Heinrich-Eisenbahn in der zweiten Oktoberdekade mit 9 Arbeitstagen betrugen aus dem Bahnbetrieb 155 846 Frank, + 24 085 Frank. Die Gesamteinnahme seit 1. Januar bis 20. Oktober d. J. aus dem Bahnbetrieb (also abgesehen von der Einnahme aus den Minen) beträgt 4 333 015 Frank, + 341207 Frank gegen die entsprechende Zeit des Vorjahres. Nur die Monats- Einnahmen verglichen miteinander geben ein richtiges Bild von der weiteren günstigen Entwickelung dieses Unternehmens.
Prcisverembanmgen in der chemischen Industrie. Es besteht, wie aus Berlin gemeldet wird, die feste Absicht, durch weitgehende Preisvereinbarungen zu den seitherigen Verbindungen in der Chemischen Industrie noch weitere herzustellen und diese sollen Aussicht auf guten Erfolg haben. Aus diesem^ Grund wird behauptet, daß die Hausseströmung für chemische Aktien noch lange nicht an ihrem Endpunkt angelangt ist. Wir möchten deshalb aber doch darauf hinweisen, daß die Kurse der meisten Papiere dieser Art schon sehr hoch stehen, ja im Verhältnis höher noch, als die guten Ertragsaussichtefl. Deshalb kann Vorsicht nur zu empfehlen sein, um so mehr, da der russisch-japanische Krieg dem Export chemischer Produkte zum Teil recht hinderlich ist.
Gesrilschaft für Brauerei-, Spiritus* und Preßhefuiabri« Kation vorm. G. Sinnei, Grnnwinkel. Zu der von uns bereits
mitgeteilten Kapitalserhöhung der Gesellschaft erfahren wir weiter, daß sie mit 1 Million Mark in Aussicht genommen wird,, so daß das Aktienkapital sich auf 6 Millionen Mark belaufen 1 würde. Die jungen Aktien sollen den Aktionären im Verhältnis,
5 : 1 zum Kurse von 200 Proz. angeboten werden. Die Er-: hebung erfolgt ausschließlich zum Zweck der Verstärkung der Betriebsmittel.
Interessengemeinschaft in der Chemischen Industrie. Bei
der Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation in Treptow dauern die Verhandlungen an, anscheinend handelt es sich um eine Verbindung mit den Farbenfabriken Bayer in Elberfeld.
Fallissements. Bei der Zahlungsstockung der Manufaktur-: firma Richard M. Kohn in Wien betragen die Passiven 350 000 Mark. — Die Damenkonfektionsfirma Schramm u. Wohlgemutü in Berlin strebt einen Vergleich an auf der Grundlage von 33'/» Proz. — Die Insolvenz der Firma Geiringer in Wien zog weitere drei Insolvenzen nach: Karl Schulhof mit 300 000 Kronen Passiven, Haas u. Victor, und Wilhelm Balassa, sämtlich in Wien. — Weiter sind zahlungsunfähig die Firma Ziffo Sons u. Ko. in London; diese wendet sich für ihre Verbindlichkeiten von 3 Millionen Lstrl. an ihre Gläubiger; die Firma Beaufort Tinplate Works in Swansea. Hier belaufen sieh dia Passiven auf 80 000 Lstrl.
Zur industriellen Lage. Die Aufsichtsratssitzung der Berliner Aktiengesellschaft für Eisengießerei und Maschinen- fabrikation hat beschlossen, eine Dividende von 3.0 Proz. in Vorschlag zu bringen gegen 18 Proz. im Vorjahr. Dies ist ein auffallender Rückgang, über dessen Ursache man gern näheres hören wird. — Beim Siegerländer Roheisensyndikat liegen verschiedene neue Anfragen nach 5000 Tonnen Spiegeleisen zur sofortigen Lieferung für Amerika vor. (Wenn nur auch etwas daraus wird.) — In der Generalversammlung der Berliner Jutespinnerei und Weberei wurde mitgeteilt, daß Aufträge für das ganze Geschäftsjahr vorhanden sind; dafür sei auch Rohmaterial gedeckt, so daß die Aussichten befriedigend seien.
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