K-it- 4. _ Samstag, 32, Oktober 1904. _ Wiesbadener T«si»latt. _ »bead-Assgadr. 1. Statt. »». 496.
megatilve Bekenntnis des Atheisten kann das nicht lebend machen, das etwas bezeichnen will, was aus keines Menschen Herz irgend eine Zukunft zu bannen vermag. Es gibt keinen Gott, wenn das Gott sein
soll, was unkultivierte Bokker in ihren Götzenbildern erkennen wollen, und was die Kulturvölker mit Inbrunst und Heuchelei in dem Wesen verehren, das einst am Sinai mit dem goldenen Kalbe um die Herrschaft stritt, das die christliche Kirche mit der geheimnisvollen Dreieinigkeit einkleidete. Bon diesen Göttern müssen wir sagen: Sie sind nicht da! Sie nicht und alle zukünftigen Götter nicht, denen menschliche Torheit Wohnungen über den Sternen anweisen will. In bezug aus diese Götter sind wir Atheisten, gegen sie kämpfen wir und gegen ihre Priester, die wider besseres Wissen oder aus Torheit das Volk mit den Spukgestalten ihrer Götter ängstigen und ihm die Quelle verstopfen, aus Lenen reiche Lebensströme aus der Unendlichkeit uns entgegenfließen. Damit ist noch nicht gesagt, daß es keinen Gott gibt. Wir leugnen damit nur den theologischen Gegensatz zwischen Gott un'd Menschen. Dieser AtheisrNus ist nichts anderes als die Verneinung des allerkiiMichsten Aberglaubens von der Existenz eines von der Welt getrennten Gottes. ®«t Atheismus aber wird zum Aberglauben, wenn er mit der Leugnung des theologischen Gottes über uns zugleich zur LeuguUng des Moralischen kommt, wenn ern objektiv den Menschen zum Maß aller Dinge macht mit der Behauptung, es könne nichts geben, vor dem menschliches Denken und menschliche Weisheit zerfließen müßten wie Wasser tropfen vor der Glut der Sonne. Als Aberglaube wird der Atheismus von Naturwissenschaft und Vernunft erwiesen. Der Redner ging näher auf die verschiedenen naturwissenschaftlichen Weltanschauungen ein und führte dann weiter aus: Die modernste Naturwissenschaft hat die Begriffe von Gott und Seele wieder in unser Empfinden ein geführt und die modernen Vertreter des Christentums betonen nicht ohne Recht die Übereinstimmung ihrer religiösen Anschauung mit der modernen Natur- wissenschaft. Allein, diese Harmonie wird erst aus dem Gebiete der Spekulation erreicht. Es kann keine Rede davon sein, daß der alte Gottglaube in unserer modernen Naturwissenschaft wieder gefunden worden ist. Geschickte Kunst kann die dualistische, mechanistische und andere Weltanschauungen in Einklang bringen mit -dem Glauben an Gott. Halten wir darum unsere Augen offen für alle Anschauungen, verschließen- wir aber unser Herz allen! Betrachten wir die Wirklichkeit mit gesunden Sinnen und suchen wir unser Leben zu einem Leben innerer Befriedigung zu gestalten. Verstand und Herz sind die richtigen Wegweiser zur Wahrheit, Schönheit -und Tugend, wenn wir nicht zu unerreichbaren Fernen und über unergründliche Tiefen h-inausschweifen. Die moderne Naturwissenschaft führt nicht znm Atheismus: selbst Mechanisten müssen den Atheismus als Aberglauben bezeichnen, auch sie mach-en Halt vor den Toren, hinter denen die Ewigkeit in ihrem Strahlenkleidc steht. Darum kann die modernse Naturwissenschaft heute nicht sagen, wv Gott und wie Gott. Unsere Vernunft aber steht Ser Unendlichkeit gegenüber, um sie zu erkennen und zu empfinden, unser Denken und Fühlen schafft unermüdlich weiter an der Erkennung Gottes. Wir sagen nicht: Es gibt keinen Gott. Wir wissen, daß Mitztönc durch unser Leben zittern, die wir vergebens in Harmonie zu bringen suchen, wir wissen, daß unser Verstand Gedankenrsihen nebeneinander aufbaut, die wir nicht mitein-ander vereinigen können: wir wissen, daß unser Gefühl bald diese, bald jene Straße wandelt. Der Gedanke, der alle Mitztöne vereinigt zu rauschenden Akkorden, d-er in allem zu En-de denkt und nie eine Schranke findet, de r Ge d a n k e i st uns Gott, und zu diesem -Gott haben wir uw-ere Beziehungen. Das si-Ud nicht Beziehungen wie zu Religionen, denn unser Gott ist keine Religion. Zu unserem Gott kommen wir durch des Denkens Resultat und durch des Gefühls Verehrung. Was wir über das wahre Wesen Gottes sagen, wird immer nur ein kindliches Lallen bleiben. Wir wissen nichts, das muß unser schmerzliches und doch wieder erhebendes, weil vorwärts treibendes, Erkenntnis sein. 'Jeder muß eigene Wort: finden, um zu künden, was sein Denken und Empfinden vom Wesen der Unendlichkeit vernommen zu haben glaubt. Niemand wird töricht oder böswillig seine Augen verschließm vor noch nicht bekannter Wahrheit. <1.
— Kaiserin Angnste Viktoria begeht heute ihren 46. Geburtstag. Möge der hohen Frau, deren diesmaliges Wioge-Usest durch die kürzlich erfolgte Verlobung ihres ältesten Sohnes, des Kronprinzen, noch ganz besonders freudig erhellt wird, noch manches Jahr segensreichen Wirkens beschieden sein.
o. Gc>richts-Persimalierr. Herr Rcchtskanbiöat Dr. Fritz ©reger von hier ist zum Referendar ernannt und dem Amtsgericht zu Langenschwalbach zur Beschäftigung überwiesen worben.
— Kurhaus. In dem nunmehr ersten Kurhaus- Zgllus-Konzerte, das am nächsten Freitag, den 28 . Oktober, stattfinbet, wird Eugen b'AIbert Mitwirken. — In dem morgen Sonntag, nachmittags 4 Uhr, stattfindende» Sinfonie-Konzerte der Kurkapelle kommen zur Aufführung: Ouvertüre zu „Eurg»nthe" von Weber, Orpheus, sigsonische Dichtung von Liszt, Introduktion und Fuge aus der Suite op. 43 von Tschaikowskg und Achte Sinfonie in F-dur von Beethoven. — ES sei darauf aufmerksam gemacht, das; die Galerien des großen Konzertsaales bei den täglichen Abonnements. Konzerten von Montag, den 24. d. M,, ab nur im Bedarfsfälle, d, h. wenn im unteren Saale kein Platz mehr vorhanden ist, gc- iisfnet werden sollen. Die Galerie rechts wird dann zuerst gell ffn et.
— Der erste Ball. Unserer tanzlustigen Welt wirb die Nachricht willkommen sein, daß am nächsten Mittwoch, den 26. Oktober, der erst: Ball im Kurhaus« Pa-ulinenschloß, und zwar als Abonnernentsball ohne Frackzwang stattsinden wird.
— Rcsideng-Theatcr. Wir nmchen nochmals aufmerksam auf die heute Samstag stattfindende erstmalige Aufführung des Sardouscheu Lustspiels „Marquise". Das geistreiche Stück ist ganz geeignet, den beliebten Darstellern desselben Gelegenheit zu geben, den feinpikantcn Humor, den das Stück auSströmt zur vollen Geltung zu bringen. Das Lustspiel wird morgen Sonn- tagabend wiederholt. Sonntaguachmittag geht zu halben Preisen das interessante Juristen-Schauspiel „ES werde Recht", von Walter Bloem in Szene.
— Paulinenschlößchen. Die zum Kurhaus« Paulinen- schloß gehörigen Wege und Parkanlagen haben nicht den Charakter öffentlicher Weg« und Anlagen, sie dürfen daher weder von Unberechtigten betreten, noch vom Publikum als Durchgang benutzt werden^, Die Kurverwaltung macht darauf aufmerksam, daß im Interesse des Kurverkehrs die von der Sonnenbergerstraße zum Kürhause Panlinenschloß führende F-ahrstraße nur von Equipagen und Droschken zur An-- und Abfahrt befahren werden darf. Die Rücksicht auf den Fußgängerverkehr, welcher vor und nach den Konzertstundcn besonders stark ist, läßt es als selbstverständlich erscheinen, daß die Wagenführer die größtmöglichste Vorsicht walten lassen, und besonders beim Hinuntersahren langsames Tempo einhalten. Lieferanten und Geschäftsfuhrwerke, welche Anlieferungen zum Kurhaus« haben, dürfen nur die Ein- sahrtstraße von der Schönen Aussicht benutzen, die nur im Schritt befahren werden darf.
— Der Neubau der Angenheilamstalt an der Kapellen- straße ist baupolizeilich im Rohbau abge-nommen, und es hat sich bei dieser Prüfung eine in allen Teilen einwandfreie Ausführung ergeben. Der innere Ausbau des stattlichen Hauses, welches sich ans Grund seiner äußeren Erscheinung den Monumentalgebäüden der Stadt würdig anreiht, ist bereits so weit gediehen, daß die Fertig- -stcllun-g des Ganzen im Anfang des kommenden Jahres mit Sicherheit erwartet werden kann. In anerkennenswertester Weise ist es der Verwaltungskommission gelungen, hier ein Werk der Wohltätigkeit ins Leben zu rufen, wie es wohl segensreicher kaum gedacht werden kann. Um allen Anforderungen zu genügen, welche an die seitherige Anstalt gestellt wurden und an die neue Einrichtung gerichtet werden, war es notwendig, ein Gebäude zu schaffen, welches in jeder Beziehung seiner Be- stiwwUng entspricht und eine weitere Ausdehnung des Betriebes zuläßt. Bei der Errichtung des Gebäudes wußte eine außerordentliche Sparsamkeit in allen Teilen beobachtet werden, da die vorhandenen Mittel nicht aus- reich.'ud sind, um alle Kosten, welche ö-er Neubau verursacht, so rasch- zu decken, wie es wünschenswert erscheint. Und dennoch wäre eine Verkleinerung der Anlage gleichbedeutend mit dem unerfüllten Zweck gewesen. Sind bis hierher die Mittel für den Bau aus wohltätigen Spenden zu-sammc-nye-flossen, so ist die A-ugcnheilanstalt auch fernerhin aus die Unterstützung des Publikums angewiesen, denn es liegt auf der Hand, daß eine Anstalt, welche den Armen und Mittellosen zur Heilung geöffnet wird, ihre Existenz nur denjenigen verdanken kann, welche in der Lage si-n!d, für die Wohltätigkeit takrästig zu wirken. Alle diejenigen, welche seither ein Interesse für die Anstalt bekundeten, und alle diejenigen, welche sich von d-em wohltätigen Zweck des neugeschafsenen Werkes z-u überzeugen vermögen, werden daher gewiß gern das Bestreben der Verwaltungskommi-ffion, diese segensreiche Anstalt in vollem Umsang zu betreiben, nach Kräften unterstützen.
— Lehrerinnen-Berein für Nassau und Verein Franenbildung —Fraueustudium. Mittwoch, den 26. Oktober, nachmittags 4 Uhr, findet der erste Bortrag des Herrn Professor Dr. Küntzel - Bonn über Bismarck statt. Wir machen hiermit besonders auf die interessanten 8 GeschichtSvorträqo, welche die deutsche Geschichte vom Fahre 1848 bis 187t behandeln werden, ausmerksam, Mitglieder beider Vereine zahlen für alle Vvrlräge 6 M. Nichtmitglieder 7 M. Einzelkarten für jedermann 1 M. Karten in der Buchhandlung der Herren Moritz und Müntzel, Wilhelmstraße, und nachmittags an der Kasse.
— Die Tanzstunde hat wieder begonnen, und in S-ch'ar:u zieht -allabendlich- -die junge Welt aus in die verschiedenen Unterrichtslokale, um die edle Kunst Terp- sichoreus sich zu eigen zu machen. Wenn irgendwo, daun läßt sich gerade auf diesem Gebiete sagen: „Mancher
lernt's nie", aber im großen und ganzen -gelingt es unseren Herren Tanzmeistern doch in verhältnismäßig kurzer Zeit, ihren Schül'.'rinnen und -Schülern das verlockende Ziel näher zu bringen. Die meisten Schwierigkeiten b-ictet hierbei wohl der Walzer. Wie manchem hat dieser ebenso schöne als schwierige Sechsschritt schon -die Freude -an d:-m Tanzvergnügen überhaupt verdorben, namentlich wenn er cs trotz aller Anstrengung über einen unbeholfenen „Hopsa" n-icht hiu-ausbringt. Dem hat der Lehrer für Musik und Tanz, Herr G. D i e h l hiersclbst, abzuhclfen gewußt, und zwar durch einen von ihm ersundc-nen Schlei fwalzer im 2-Schritt. Dieser 2-Schritt-Wal-z:r ist genau wie 6-Schritt-Walzer, nur verjciwfacht und -erleichiert, daher unschwer a-us- zusasscn. Jedermann begreift ihn bc-i nur einiger Übung nud bei noch so geriu-gem musikalischem- Gehör. Herr Dieh-l hat damit, wie er uns mitteilt, schon die schönsten Erfolge erzielt.
— Graphologie — Handschriftbeurteilung. Zweck und Ziel der Graphologie ist erstens, vor Gericht die Identität gefälschter, verstellter Schriften nachzuwc-iscu. Zweitens dient di-: Graphologie zur Förderung der Menschen- und Selbsterkenntnis. Und wer bedarf wvbk dieser nicht im praktischen Leben, wv wir doch so oft Fehler machen, die uns erspart geblieben wären, wenn Wir es verstanden hätten, besser in dem Ehärakter unserer Mitmenschen zu lesen. In jedem Menschen ist ein Wirklich guter Kern vorhanden, und wenn di« Außenseite oftmals noch so rauh und ernst erscheinen- mag, der -Graphologe findet doch den warmherzigen Chariakter aus der Haüdschrist heraus. Bei schärferer Bco-'bach-» tung mutz auch der Lai« cinse-hen, daß die Schrift die Seel« förmlich- photographiert, denn der Lustige macht ganz andere Bewegungen als der Traurige, der Hastige andere als der Rirhige und der Gesunde andere als der Kranke usw., uüd dem entspricht auch- die Schrift. In jeder Lebenslage ist es von sehr großem Wert, zu wissen, mit wem man umgeht. Der Charakter des Schreibenden prägt sich deutlich in der Handschrift ans. Bon ganz besonderem Wert ist es, zu wissen, wie der Charakter des Mannes, der Frau beschaffen ist, womit man sich- für das Leben binden will. Ebenso ist cs bei unseren heutigen sozialen Verhältnissen, in der Geschäftswelt unerläßlich und unschätzbar, treue und gewissenhafte Untergebene und Angestellte in seinen Diensten zu haben, wozu wiederum die Handschrift beiträgt, sich vorher über den Charakter -der Persönlichkeit zu informieren. Unser großer Goethe legte hohen Wert auf die Formen der Buchstaben, besaß eine sehr große Handsch-riftsammlung *
und beurteilte tatsächlich den Menschen nach den Form», der Buchstaben. Erwähnt seien hier nur die Namen de« -bekanntesten Männer, die sich um die Förderung -er Handschriften-kunde verdient gemacht haben: W. v. Hum. boldt, Grohmann, A. Henze. Letzterer war ein geniale, Graphologe.
— Schenk und schenken. Das Amt des Schenken wn eines der vier ältesten Ämter, die sich zuerst am fränki- scheu Hofe finden und namentlich in der Hoshaltuiw Karls des Großen bereits deutlich ausgebildet sin- Diese Ämter wutzdcn, weil sie die ersten und hervop ra-g-endsten bei Hofe waren, Erzämter genannt. Hx, aus griech. archi ist eine Vorsilbe, die sich zunächst st kirchlichen Wörtern wie Erzbischof und Erzengel find-s aber auch in dem Worte Arzt (gri-ech, archiater — wr Erz heilende, bes. der königliche Leibarzt) steckt, und dann zu einer Verstärkung für Haupt- un'd Eigenschaft. Wörter in üblem Sinne wurde, wie Erzschelm. Die Ämter bestanden anfangs nur am königlichen Hofe, wurden aber später auch von arideren fürstlichen Personen in ihre Haushaltungen eingeführt, und so kam es, daß im Mittelalter jeder Fürst seinen Schenken hatte, dessen Pflicht darin bestand, ihm bei der Tafel das Getränk einzuschenken und zu reichen. Mußte der Schenk auch zutrinken? Dies steht für die älteste Zeit nicht fest, daß eS aber eine Zeit gegeben hat, wv das Zutrinken nötig war, da man einen Gisttrank befürchtete, lehrt uns das Wort kredenzen, das vom ital. credenza — Glaube- abgeleitet, aus Treu und Glauben zum Zeichen der Unschädlichkeit des Trankes vorkosten und darreichen bedeutet. Unser jetziges Wort Schenkwirt geht auf dieselbe Bedeutung wie Schenk zurück. Es bezeichnet den, der den Güsten «inschenkt und zu trinken gibt,- da er nun dabei di: Getränke im kleinen verbaust, so gewann das -Wort schenken auch die Bedeutung: etwas'im kleinen eiükausen. So wurde in Kursachsen derjenige, der das Salz im kleinen verkaufte, der Salzschenk genannt, wi: auch sein Amt der Salzschank hieß. Unser Wort: jemand etwas schenken, d. h. ihm ein -Geschenk machen, ist nichts anderes als das alte Wort schenken, d. h. zu trinken geben. Das Schenken bestand ursprünglich darin, daß man dem besuchenden Freunde öder Fremdling zum Willkommen ein -Glas vorsetzte. Es ist sehr bezeichnend für das Deutsche, daß sich daraus die Bedeutung geben ent. wickeln konnte. Es ist also ein Beleg für die Freude unserer Vorfahren am Zech-en, wie das Wort gefallen ihre Borliebe für das Würfelspiel kennzeichnet, da es mit dem Fallen der Würfel zusammenhängt. In dc'm Wort« schenken sicht man weiterhin eine Ableitung aus einem angelsächsischen Worte, das Beinröhre bedeutet und zu Schenkel und Schinken hinübcrsührt, wobei vorausgesetzt wird, daß Beinröhren in der ältesten Zeit als Hahn am Faß benutzt wurden, weshalb schenken also eigentlich so piek wäre wie „den Hahn ans Faß setzen". Wir sehen also, in welch eigentümlicher Weise sich die Bedeuiung dieses Wortes entwickelt hat. Übrigens nennen wir noch heute ein kleines Geldgeschenk an Bediente ein Trinkgeld, obwohl es von den Empfängern gar nicht immer vertrunken wird. (A. D. Sprachverein.) |
— Hasenseuche. Um Mißverständnissen zu begegnen, mach-en wir auf Wunsch gern darauf aufmerksam, daß für das hier kaufende Publikum eine Gefahr wegen der anderwärts beobachteten Ha'senscuch-e nicht vorhanden zu sein scheint, denn in hiesiger Gegend ist von einer solchen Seuche bis jetzt absolut nichts bekannt -geworden.
— Die Rote Kreuz-Schwester, deren in Lorch er- folgten Selbstmord wir gestern meldeten, ist in Wiesbaden tätig -gewesen, aber im Frühjahr d. I. entlassen worden, angeblich weil sie im städtischen Krankenhause, wo sie pflegte, in 0 rdnun-gNwid-ri-ger Weise mit männlichen Patienten sich- befaßt haben soll. Sic sucht« -daun ihren Unterhalt als Privatpslegeschmestcr z-u finden, aber auch damit hatte sie kein Glück, denn Differenzen mit einem hiesigen Arzte führten dazu, daß sie von der Zentrale im Rathaus nicht mehr in der Liste der Pslege- schwestcrn geführt wurde und deshalb k.'ine Beschäftigung mehr fand. Natürlich- blieb die Not nicht aus, und nun scheint die aus guter Familie in Sachsen stam- nren-öe Person von Stuf: zw Stufe gesunken zu sein. Hinzu kam, daß sie einem gewissenlosen Menschen, der sich als hiesiger Agent ausgab und sich- ihr unter falschen« Namen infolge eines Geldgesuchs näherte, in die Händ«' fiel. Dieser dunkle Ehrenmann nahm ihr nicht nur ihr« letzten Groschen unter irgend einem Dorwani-e ab, sondern beutete sie auch zu unsittlichen Zwecken aus. Das in Aussicht gestellte Darlehen aber ließ auf sich warten, und alle Versprechungen erwiesen sich- als falsch. Im Süd viertel, wo sie sich eingcmietet h-atte, mutzte sie ausziehe«, da sie die Miete nicht bezahlen konnte. Seit dem 18. d. M- ichsie abgereisi, nicht ohne vorher von SclbstmovdabsickM gesprochen zu haben. Dabei äußerte sie, einen Revolver hier In kaufen, möchte sie nicht, da das wohl aussall«, in einer größeren Stadt gehe das schon eher. Daraus darf geschlossen werden, daß die Bedauer-n-swerie in Frankfurt a. M. sich mit der S-chutzwafse versah und von dort nach Lorch- gereist ist.
— Ein Wüstling. Vor mehreren Wochen wurde ei« ISjähriges Mädchen von Vorn bei Langenschwalbach, welches ihrem Bruder Essen brachte, im Walde angefallen und zu Boden geworfen. Der Mann versuchte, ihr ein Taschentuch in den Mund zu zwängen, der Geängstigte« gelang es aber, um Hülse zu rufen, und als zwei Knabe«, welche Holz suchten, auf den Ruf herbeieilten, sprang d«r Manu aus und entfloh durch die Büsche. Die Gendarmen verfolgten zwar -die Spur des Unholdes, aber die Sack^ schien im Sand« verlausen zu sollen, und einig« Woche« waren schon vergangen, da erhielt ein Schuhmacher« meister in Schwalbach- einen Brief von seinem Geselle«, der eines Tages weggegangen un-d nicht mehr wieder gekommcu war. -Derselbe schrieb, der Meister möge ihn« seine Sachen nach Frankfurt schicken, er könne in S-chWvD bach nicht mehr arbeiten. Da nun inzwischen an das Tageslicht gekommen war, daß noch einige andere Mädchen überfallen worden waren, und rnan am Tatorte, resp. in der Näh« den Gesellen, einen trunksüchtigen und arbeitsscheuen Burschen, erkannt haben wollte, übergab der Schuhmachermeister den Brief der Polizei. Der >'>*«. feile wurde verhaftet, nach Schwalbach gebracht und ihn«
