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ver Roman.

Morgen-veUage -er Wiesbadener Tagblatts. § ': .

ttr. 254. Samstag» 30. Oktober. 1915.

lS. Fortsetzung.!

©rßd ~ anger. (Nachdruck verLoten.1

Roman von Etzel« Rüst.

Fünf-Hügelchen lobte schon seit Wochen in hoch­gradiger Errsgung. Solch eine Hochzeit wie die bevor­stehende zwischen Angehörigen der Häuser Sohren und Lauter hatte schon lange nicht die Gemüter beschäftigt.

Wer würde alles geladen werden? Wer nicht?

Würde die Feier im Sinne des alten Professors still oder im Sinne des Kommerzienrats mit lautem Ge­pränge begangen werden! Nun, der Kommerzienrat Konnte es nicht laut, nicht zahlreich, nicht prächtig genug halben!

Auf Dinas Bittens die Zahl der Gäste doch etwas zu beschränken, etwas weniger Pomp zu entfalten, hatte der jetzt wieder allezeit zärtliche Pater nur ruhig geant­wortet:

„Ich habe meine Gründe, es so zu machen, wie ich es mache; laß dir das genügen, mein Kind, und opfere deine Stimmung diesmal."

Und Herbert Schren war merkwürdigerweise ganz eins mit seinom Schwiegervater gewesen: eS konnte gar nicht „doll" genug hergehen — aus puren Geschäfts- rücksichten!

Herbert sprach überhaupt sehr viel von Geschäften *— er fühlte sich durchaus jetzt als der kommrende Mann von Fünf-Hügelchen! So war denn vorgestern der Polterabend garrz nach altem, breitem Stil im „Königs­hof" mit stundenlangen Aufführungen und nachfolgen­dem Ball nrit allein Zutaten bagangen worden, und alles, was Namen hatte in Füns-Hügeilchen, hatte hier mit aufgeführt und mitgetanzt bis in den frühen Mor­gen hinein.

Ernen Dag hatte das Brautpaar und die Gesellschaft zum Ausrnhen nach all den Strapazen gehabt, und heute war der große Dag angebrochen, der Dina Lauter vormittags standesamtlich und nachmittags kirchlich Herbert Sehren zu eigen geben sollte.

Das Haus Lauter war vom Erdgeschoß bis zum Dach mit auswärftgen Tanten, Onkeln, Cousinen, Vet­tern und Freundinnen an gefüllt — schon seit acht Dagen zag ein Gast nach dem anderen mit großen Toiletten­koffern an — man sprach nur noch vom „Hotel Lauter".

Auch Lucy von Grümm war seit drei Tagen wieder erngekchrt. Sie hatte bald nach Dinas Verlobung das Haus verlassen, um sich mit ihrer Mutter ins Bad zu begäben, und um die notwendigen Hochgeitst-oiletten zu beschaffen. Sie trat jetzt mit besonderer Eleganz auf, trug zu Dinas großem Erstaunen zwei köstliche Brillmrt- ringe, deren einer ihr sogar sehr zu denken gab — er hatte eine so täuschende Ähnlichkeit mit einem kostbaren Ringe, den sie lebenslänglich an der Hand ihrer eigenen Mutter gesehen und bewundert hatte. Lucy lachte hell cmf, als Dina eines Tages schr vorsichtig damit heraus- rtilüe.

„Alte Familienringe — Mutter mag keinen Schmuck hr tragen, ich erbe jetzt ein Stück nach dem anderen." rcy verniied freilich dr/bei ängstlich Dinas forschenden ick, und diese hatte so ihre eigenen Gedanken über den lienschmuck" derer von Grümm. Sie war über­

zeugt, wenn jemals einer vorhanden gewesen wäre, so hätte Bruder Erlöst ihn längst verschluckt, dieser einzige Sohn und Bruder, dem alles zum Opfer siel, was Mutter und Schwester nur zu entbehren imstande waren. Dafür zierte er auch das Haus als flotter Ulcml

Dina beruhigte sich dann aber bald. Warum sollte ihr Vater der Freundin heimlich ein so reiches Anden­ken gegeben haben, wo es sie weiter gar nicht überrascht hätte, wenn er in Gebelaune sich für all die ange­nehmen Plauderstunden, di« Lucy ihm bereitet, als Großmogul revanchiert hätte?!

Man war vom Standesamt gekommen — die Haus­gäste nahmen, mit den Jrmgvermählten herumstehend, ein ganz unzerenionielles, trotzdem aber ausgezeichnetes Frühstück ein. Um drei mußte man für die Kirche bereit sein — da hieß es immerhin, sich dranhalten, wenn man vorher noch etivas ruhen wollte, um sich recht frisch und schön dem gaffenden Volke zu zeigen. Der Konmrerzien- rat hatte seinen glänzendsten Tag. Er sah wirklich jung aus für seine Jahre, und schien als Brautvater freudig genug gestimmt, die ganze Welt zu umarmen.

„Dein Alter ist doch wie ausgewechselt, seit er mich zum Schwiegersohn hat", scherzte Herbert zu seiner jungen Frau, mit der er endlich mal ein paar Minuten allein im Garten heru-mstrich.

„Er war mit einem Schlage ein anderer, nachdem Lucy ihn umgestimmt."

„Ja, die Lucy Grümm! Donnerwetter, das Frauen­zimmer hat ein Paar Augen im Kops ... vor denen ist der Me sachte geschmolzen."

„Doch jetzt ist er ganz stolz auf seinen Schwieger­sohn!"

Sie blieben stehen, umfingen rmd küßten sich in ehr­licher Leidenschaft.

Der Tumult und eine gewiffe Scheu hatten sie bis­her auseinandergehalten — sie ließen sich jetzt gegen­seitig zum erstenmal empfinden, daß das jauchzende Glück auf sie wartete.

Da wurden sie auseinandergescheucht. Vorn Hause her rief Dante Andrea von Küber, des Kommerzienrat- Schwester: „Dina! Dina! München . . . .! Fraitz

Dina Schren . . . .!"

. Jetzt lachte das junge Ehepaar und trat in den nähe-, ren Gesichtskreis der Tante.

„Was denn, Tante Andrea?"

„Ja, Kind, Dina, denkst du denn nicht auch ein wenig daran, zu ruhen — es ist gleich eins."

„Ach, ich bin ja nicht müde!"

„Doch, doch, du wirst schon noch müde genug werden! Herbert, schicke deine Frau ins Haus — eine Braut darf sich nicht überhasten bei der Torlette, und die Zeit ver­fliegt so schnell! Katrin Sütte besteht darauf, dich neu zu frisieren, überhaupt ■— so komm doch!"

Herbert führte Dirra der Tante zu., „Quält Oe wir nur nicht unnütz — dazu ist der Hoch-eitstag dsH wftk- ltch nicht da! Was soll ich denn die ganzen <Nuav«r anfangen?"