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Verlag Langgaffe 21

„Tag»l»tl.Haus".

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Zur die Ausnahme von Anzeigen an vorgeschriebeuen Tagen und Plätzen wird leine Gewähr übernommen.

Samstag, 30. Oktober 1915.

klbend-Ausgabe.

Nr. 508. * 63. Jahrgang.

Griechenland wahrt sein hamrechl!

Das klägliche Ende des Salonikibluffs. Griechenlands Entjchlutz zur Entfernung der Landungstruppen feststehend?

' Die Aufforderung zur Einschiffung binnen 24 Stunden?

Berlin, 30. Oll. (Zens. Blu.) Verschiedene Morgcn- blättcr lasse» sich aus Budapest melden, die griechische Regie­rung habe g e g e n die Eutcnte endgültig Stellung genommen. Der Gcncralstabschcf D u s m a n i s habe im Ministerrat ausgeführt, Serbien könne man nicht retten. Wenn die Entente mit mehreren hunderttausend Mann Serbien zu Hilfe eile, so drohe die Gefahr, daß die kriegerischen Ope­rationen schon in nächster Zeit auf griechisches Terri­torium verlegt würden. Es sei die Pflicht Griechen­lands, die Integrität und die Sicherheit des Landes zu gewährleisten. Der Ministerpräsident habe sodann die Gesandten der Ententemächte aufgefordert, binnen 24 Stunden mit der Abtransportierung der ge­landeten Truppen zu beginnen. Nach Ablauf dieser Frist würde die griechische Regierung nicht mehr die Verantwortung über die weitere Entwicklung der Dinge übernehmen können.

Die Zurückziehung schon in vollem Gange? Oer Erfolg der Politik des Königs.

Berlin, 80. Oll. (Ions. Bin.) Laut „B. L.-A." melden Budapest er Blätter aus Athen, die Zurückziehung der in Saloniki gelandeten Truppen habe begonnen. Zuerst seien drei Bataillone französischer Infanterie auf dem französische» Kreuzer „Treviller" cingeschifft, sodann fünf Bataillone englische Kolonialtruppcn und A u st r a l i e r. General Hamilton habe dem Korpskommandantcn Prinzen Nikolaus offiziell mitgctcilt, daß der alliierte englisch- französische Gcncralstab beschlossen habe, die auf grie­chischem Gebiet gelandete» verbündete» Truppen zurückzu- ziehcn. — Ter „B. L.-A." bemerkt dazu: Wenn sich die Zu­rückziehung bestätigt, woran zu zweifeln kein Anlaß vor- licgt, so ist darin ohne Zweifel ein Erfolg der besonnenen und energischen Politik König Konstantins zu erblicken, die in den großen Fortschritten der überraschend schnell vor- dringendcn bulgarischen Heere eine starke Stütze fand.

König Konstantin selber in Saloniki anwesend gewesen?

Budapest, 30. Oll. (Jens. Bin.) Meldungen zufolge, die aus Saloniki hier eingetroffen sind, kam König Kon­stantin in Begleitung des G e n c r a l st a b S ch e f s mit Sonderzug aiu Abend dort an und lourde von den Prinzen Georg und Nikolaus und den Behörden empfangen. Die Generalität der Verbündeten blieb auf den ausge­sprochenen Wunsch des Königs fern. ES begann dann die Einschiffung. (Diese Meldung von der persönlichen Anwesen­heit des Königs in Saloniki erscheint uns einstweilen fast u n - wahrscheinlich; immerhin sei sic erwähnt. Schrift!.)

Der bulgarische Bericht vom Mittwoch.

Begeisterter Empfang der Sieger in Negotin, Brza Palanka, Zajecar und Knjazcvac. — In Mazedonien die Gegend nördlich Katschanik erreicht. — Serbische Greucltaten in Uesküb. — Die französischen Truppen bei Tschepeli-Balkan zurückge­schlagen. — Beschießung von Warna durch die russische Schwarzmeerflottc.

W. T.-B. Sofia, 20. Oll. (Nichtamtlich.) Amtlicher Be­richt über die Ereignisse am 27. Oktober: Nach viertägigen hartnäckigen Kämpfen schlugen unsere Truppen im Timok- T a l e und vor P i r o t operierende serbische Armeen auf der ganzen Front. Die Serben befinden sich jetzt im allgemeine» Rückzug in westlicher Richtung. Wir verfolgen energisch den Feind. Wir sind schon im Besitz von Negotin und Brza- Palanka (auf dem rechten Donauufer, wo unsere Kavallerie mit den verbündeten Truppen in Berührung kam), Z a j c - rar, Knjazrvac nnd zahlreichen Dörfern im Timokialc. Wir erbeuteten auf dieser Front 18 Geschütze, große Mengen Munition und viel Proviant. Im Tale der Nischawa er­stürmten unsere Truppen die südlichen Werke der Festung Pirat und gelangten bis zur Stadt selbst; aber die Nacht unterbrach die Operationen. (Der Bericht ist inzwischen be­kanntlich überholt. Pi rot ist am Donnerstag gefallen. Schrift!.) Der Feind wird aus der ganzen Front verfolgt. Die Einwohner der Städte Negotin, Brza-Palanka, Zajecar und Knjazrvac bereitete» unseren siegreichen Heeren be­geisterte Huldigungen. Diese Städte sind mtt bulgarischen Fahnen beflaggt, Die Bevölkerung begrüßte unsere

Truppen mit Rufen: „Es lebe der Zar Ferdinand! ES lebe Bulgarien! ES lebe die tapfere bulgarische Armee!"

In der Ebene von K o s s o v a erreichten unsere Truppen die Gegend nördlich Katschanik und die obere M o r a w a östlich G i l c n i. Die durch reguläre serbische Truppen gegen die bulgarische Bevölkerung von Ncsküb bei der Räumung dieser Stadt begangenen Greucltaten wurden gestern von den Behörden festgcstellt, die darüber in Gegenwart der Konsuln von Rußland und Griechenland und der ameri­kanischen Mission unter Lady Paget und zahlreicher Persön­lichkeiten dieser Stadt ein Protokoll aufnahmen. Es wurden photographische und kinomatographischc Aufnahmen dieser Greuel gemacht.

Die französischen Truppen, die von Kalandowa gegen Tschepeli-Balkan vorgingcn, wurden durch die Bulgaren mtt großen Verlusten gestern znrückgeschlagen.

Am 27. Oktober erschien die russische Schwarzmeerflotte, mindestens zwanzig Einheiten stark, vor Warna und beschoß cs während zweier Stunden. Zur gleichen Zeit warfen drei Wasserflugzeuge Bomben auf die Stadt; ein feindlicher Flieger wurde getrosten. Neun Einwohner wnrden getötet, darunter drei Frauen, ncurr verletzt.

Oie glänzende Leistung der vulgaren vorZajeear

W. T.-B. Sofia, 29. Oft. (Nichtamtlich. Von dem Ver­treter des W. T.-B.) Die Einnahme von Zajecar wird von fachmännischer Seite als eine überaus hervorragende Wafsen- tat bezeichnet. Zajecar !var ungewöhnlich stark be - f e st i g t. Die serbischen Höhenstellungen Ivcwen mit allen modernen Hilfsmitteln ausgcstatter, seit langeur sorgfältig ausgebaut und wurden von eiiler'Zahl'weit überlegenen Streitkräften verteidigt. Die überraschend schnelle Er­oberung liefert einen glänzenden Beweis für die Schnciüig- keit und ausgezeichnete Führung der bulgarischen Truppen.

Immer näher an kragujevac heran.

Die Haupteutscheidungsschlacht.

Br. Orsova, 30. Ort. (Erg. Drähtbcricht. Zeus. Bin.) Nachdem die bei Schabatz eingesetzte Offen­sive über Valjewv hinausgedrungen ist, nähern sich unsere Hautztkräfte den Festungswerken 'von Krag Il­se v a c. Diese einstige Residenz der serbischen Fürsten ist ausschließlich der H a u p t w a ff c n p l a tz des Lan­des. Rings um die Stadt ziehen sich steile, leicht zu verteidigende Berge, als ein natürlicher Fcstungsring, der seinerzeit der österreichischen Offensive Halt gebot. Zweifellos werden die bereits von Topola vorgedrungenc Armee des Generals Koeveß und die anschließende Armee Gallwitz vor die Hanptentschcidnngs- s ch l a ch t gestellt werden.

Die begeisterte Aufnahme der vulgaren in Mazedonien.

W. T.-B. Sofia, 29. Oft. (Meldung der Bulgarischen Telegraphen-Agentur.) Der Bormarsch der bulgarischen Truppen in Mazedonien vollzieht sich unter überaus be­geisterten Kundgebungen der feit langem unter­drückten Bevölkerung, die endlich den heiß ersehnten Befreier kommen sicht. Nachrichten, die aus d'sten Landrsterlcn cin- treffen, schildern die Gemütsverfassung der unglücklichen Be­wohner, die in allen Städten unseren Truppen entgegeneilen, sic mit Blumen überschütten und Soldaten und Pferde schluchzend u m a r m e n. Die Straßen, welche die Be- frciungstruppen durchziehen, sind mit Teppichen belegt. Täg­lich spielen sich derartige Szenen ab.

Der Kampf bei Wallandowo.

Br. Konstantinopcl, 30. Oft. (Eig. Drahtbericht. -Bett]. Bln.) Über den .(earnps zwischen Buligiaren und Franzosen bei Wallandowo im südöstlichen serbischen Winkel wirb jetzt berichtet, daß die Franzosen dort nur bulgarischen Banden gegenüberstanden. Diese waren ini Begriff, die die Eisenbahnlinie ver­teidigenden Serben _ nach siöbenWnldigem Kampfe UtvückWschlagen, als die mit 10ch« Zentimeter-Kanonen und Pauzerauromobilen _ ausgerüsteten Franzosen heranrückten. Tie bulgarischen Banden zogen sich zu­rück. Nun glaubten die Franzosen weiter südlich einen Vorstoß gegen die bulgarische Grenze unter­nehmen zu^könncn; sie holten sich aber blutige Köpfe. So ndete der Tag o h n e den geringsten Erfolg für die Franzosen.

Die sinnlose veschietzung der offenen Stadt Oedeaaatsch.

Berlin, 30. Ott. (Zens. Bln.) In einem Bericht des Mitarbeiters des „B. T." aus Dedeagatsch werden die Vor­gänge während der Beschießung dieser Stadt durch die Flotte der Alliierten geschildert. Es wird gesagt: Wider alles Völkerrecht, ohne jeden militärischen Zweck und gegen jedes menschliche Empfinden bornbardicrt die Motte der Eng­

länder und Franzosen Tag und Nacht das schutzlos« Dedeagatsch. Sinnlos hat wütender ohnmächtiger Haß die! weiße ausblühende Stadt am Meere zerstört. Gerade die Mittagszeit, als die Menschen im ganzen Ort bei dem Essen saßen, hatten sie sich auSgewählt, um ihr unmenschliches Ber- nichtungswerk zu beginnen. In das Donnern der Schiffs­geschütze wischte sich das Krachen der einstürzenden^ Häuser. Eine wahnsinnige Panik bemächtigte sich der Bevölkerung. Schreiend, von wilder Angst gepackt, versuchte die schutzlose Bevölkerung den Ort zu verlassen. Tausende, Kinder, Greste, Mädchen und Frauen, wälzten sich in einem Knäuel hinter Dedeagatsch durch das grüne Land gegen die Höhen von Badoma. Aber unbarmherzig fünften die Geschütze der Engländer und Franzosen auch gegen die Flüchtlinge. Mit wütendem Sperrfeuer suchten sie der Menge den Ein­gang zu den Höhen zu verlegen. FünfStunden wüteten die Mecresungeheuer gegen die offene Stadt. Blaue bul­garische Infanterie Mt jetzt Dcdeagastch besetzt, berett, jede feindliche Landung zu verhindern. Obwohl man nicht glaubt, daß die Franzosen und Engländer sich auf ein so wahnsinniges Unternehmen einlassen werden, sind die Bul­garen doch dort für alle Möglichkeiten. gerüstet.

Bulgarische Vergeltungsmaßnahmen gegen vte feindliche vefchietzung offener Städte.

Br. Budapest, 30. Oft. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Der bekanntlich ivem Balchausplatz nahestehende „Bester Lloyd" meldet aus Sofia: Die bulgari­

sche Regierung wird gegen England und Fvank- reich wegen der völkerrechtswidrigen Be­schießung offener Städte energische Maßregeln er­greifen. Das Regierungsorgan „Narodni Prava" droht, man werde, falls notwendig, die in Bulgarien noch lebenden Untertanen der beiden Staaün in Dedeagatsch e i n s ch I i e ß e n.

Zlucht der serbischen Regierung nach Monasttr.

Br. Haag. 30. Oft. (Eig. Dwhtbericht. Zens. Mn.) Die „Times" meldet aus Athen, daß der serbische Hof und die serbische Regierung ihre Vorbe­reitungen zur Abreise nach M o n a st i r beendet haben. König Peter nicht mehr in Serbien?

Budapest, 29. Okt. (Frkst. Ztg.) Nach einer Meldung deS „Vilag" soll König Peter nicht mehr in Serbien weilen. In den letzten Wochen sei der König von Melancholie be­fallen worden, und man habe ihm geraten, eine ausländi­sche Kuranstalt aufzusuchen. Der König habe den Mg über Albanien genoinmen.

Ern Seegefecht im Schwarzen Meer?

Berlin, 30. Okt. (Zens. Bln.) Die „Boss. Ztg." laßt sich aus Bukarest vom 28. d. M. melden: Aus Bazarstchik in der rumäuischcn Dobrndscha kommt soeben die Nachricht, daß ein türkisches Geschwader, bestehend aus der „G o e b e a“, „Brcslau" und „Hamidie", gestern dir rnssische Flotte angegriffen hat» die aus drei Panzerkreuzern und mehreren Kreuzern und Torpedobooten bestand. Es entwickelte sich eine erbitterte Schlacht, deren Ergebnis bis jetzt »»be­kannt ist. v

Grotze Stunde.

O Berlin, 29. Oktober. <

Die weltgeschichtliche Bedeutung der nunmehr er­folgten Fühlungnahme zwischen den Truppen der Mittelmächte und dem bulgarischen Heere mutz uns mit Stolz und freudiger Genugtuung erfüllen. Der serbische Feldzug scheint schon nach wenigen Wochen seinem Ende entgegenzugehen, nachdem der Wider­stand der Serben unter den ihnen zugefügten ff;r<A- varen Schlägen bereits so gut wie zuswnrmengebrochen ist. Die Frage, ab die in Saloniki gelandeten französischen und englischen Truppen nicht -doch noch zu Hilfe eilen könnten, gehört völlig der Vergan­genheit an, sic hat keinen praktischen Inhalt mehr. Die entsagungsvollen Erklärungen des Lords Lansdowne müssen den Serben zum Bewußtsein bringen, daß England sie preis.gegeben hat. Wenn Großbritannien es jetzt, nach Lansdownes An­kündigung, mit einen: ganz neuen Feldzüge ■ von einem anderen Abschiritt der Küste aus versuchen will, so tritt der Charakter nervöser, mit ungsnügen- den Mitteln unternommener Improvisationen, den die ganze Tätigkeit der Feinde dort unten bisher schon gehabt hat, vollends in die grelle Beleuchtung einer vergweffelten Hoffnungslosigkeit. Inzwischen iK ans dem neuen englischen VerlsgenheitsprogvamW zu entnehmen, daß das Abenteuer von Saloniki so wie aufgegeben ist. (Ob die oben wiedevgeHsds» neu Meldungen von einer einem griechiM« wfrjWfc«