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No. 19.

1904.

55 * Rand- und bauswirtfcbaftUcbe Rundschau

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Wiesbadener Tagblatts.

Garten-Kalender.

(Eigener Aufsatz für die „Land- und ha »Swi rtsch aftliche Rundschau".)

Oktober.

Die letzten Wochen des September machten uns schon recht fühlbar, daß wir nun bald winterliches Wetter zu er­warten Haben. Mit Wehmut sehen wir den Sommer schei­den und beobachten den Umschwung in der Natur. Im Zier­garten erzeugen die im Herbst buntgcfärbten Gehölze in Zusammenstellung mit immergrünen Nadelhölzern oft ge­radezu prächtige Bilder. Von wunderbarer Wirkung ini schönsten Gelb erscheinen die Blätter der verschiedenen Lindenarten, einiger Ilhorn (Acer platanoides), der Birken, Lärchen, Prunus padus. Carpinus betul'us, Liriodendron nsw., oder Rot in allen Abstufungen die Blätter von vielen Eichen-Sorten (Quercus coccinea, palustris, rubra nsw.), Evonymus europaea, Pirus com munis, Viburnum opulus, Rhus typhina und ^labra, wilder Wein, Acer rubrum und andere. Die Herbst­färbung der Blätter ist deshalb bei der Auswahl und Grup­pierung der Gehölze wohl zu beachten. Jedoch sind schöne Farbenspiele nicht immer im voraus zu berechnen, da die Färbung hinsichtlich der Zeit ihres Erscheinens und hinsicht­lich der erwarteten Farben sehr wechselt, je nach Standort und Witterung. Man begnüge sich daher damit, schön­färbende Gehölze überhaupt auzupflanzen, und beobachte ein gewisses Gleichgewicht bei der Verteilung der nicht färbenden, immergrünen und solcher Gehölze, welche ihre Blätter im Herbst sehr lange behalten (Eichen). Abgesehen von der Herbstfärbung der Gehölze, bietet der gut gepflegte Ziergarten auch jetzt noch ein schönes Bild, da er von Nacht­frösten noch verschont geblieben ist. Von Stauden stehen noch im schönsten Flor: Frühblühende Chrysanthemum, Tri- toma Uvaria, japanisch« Anemonen und verschiedene Sorten Staudenastern und Pyrethrum. Gegen Nachtfröste schützt man diese späten Blüher, indem man Stäbe um sie steckt und über dieselben Bastdecken oder leichte Tücher ausbreitet. Sind die Blumenbeete durch eintretende Nachtfröste ver­nichtet, so werden sie, nachdem die abgestorbenen Pflanzen entfernt sind, gegraben und mit winterharten Frühlings- blühern: Stiefmütterchen, Primeln, Tauseudschön, Vergiß­meinnicht, Silenen usw., oder mit Blumenzwiebeln be­pflanzt, und späterhin, wenn nötig, mit Tannenzweigen leicht bedeckt. Nicht Winterhärte Blumenzwiebeln und Knollen, so Georginen, Canna, Gladiolen, Begonien, Wunderblumen, Lobelia cardinalis und andere werden aus der Erde genommen, sobald nach dem ersten Frost das Kraut erfroren ist. Lobelia cardinalis wird in Erde ein­geschlagen, im frostfreien Keller überwintert. Die Knollen der Georginen und Canna werden sorgfältig gereinigt, bei günstigem Wetter einige Tage zum Abtrocknen an die Luft (frostsrei) gelegt und dann in Hellen, luftigen und trockenen Kellern überwintert. Die Begonien werden, nachdem sie an der Luft vollständig getrocknet, von Wurzel- und Stengel- resten gereinigt und dann frostfrei und ganz trocken auf- bewährt. Winterhärte Stauden können jetzt gepflanzt wer­den, ebenso Rosen, Ziersträucher und Zierbäume von Mitte des Monats ab. Mlkenseitker, welche wegen der seitherigen trockene» Witterung nur sehr wenige und zärtliche Würzel­chen gebildet habe«/ bleiben über Winter am besten unabge-

trennt an der Mutterpflanze stehen, welche, wie alle Nelken­pflanzen, während des Winters besonders vor Mäusen zu schützen sind. An den perennierenden Gewächsen, welche im Freien durchwintert werden, schneidet man die verblühten Stengel etwas über der Erde ab, während man zugleich diese Pflanzen mit Nummerhölzern bezeichnet, damit sie bei späterer Bearbeitung des Bodens im Herbst oder Frühling nicht beschädigt oder gar herausgerissen werden. Leer­gewordene Blumenbeete, welche vor Frühjahr nicht bepflanzt werden sollen, werden tief umgegraben, bei Bedarf gedüngt und bleiben über Winter rauh liegen, damit die Erde durch den Frost mürbe und locker wird.

Wer Platz im Garten und Gelegenheit hat, sich di« für die verschiedenen Topf- und Freilandkulturen unentbehr­lichen Erdarten selbst zu bereiten, möge jetzt im Herbste, wo es Laub und Abfälle aller Art gibt, den Anfang dazu machen, denn es ist eine große Annehmlichkeit, wenn man diese Erd­arten immer zur Hand hat. Die hier in Betracht kommen­den Erdarten sind Rasen-, Laub- und Diingererde, sie können in jedenr Garten hergestellt werden. Moor- und Heideerde bezieht man in unserer Gegend am besten vom Gärtner, sie sind auch sür den gewöhnlichen Bedarf weniger wichtig. Die Rasenerde wird hauptsächlich als Zusatz zu an­deren Erden benutzt. Man wählt hierzu einen lehmigen, drchtnarbigen Triftvasen. Von demselben schält man einen halben Spatenstich dicke Stücke der Oberfläche ab und schichtet sie, mit der Grasnarbe nach unten, übereinander. Stach drei Jahren und nach wiederholtem Nmschichten ift die Nasenerde zur Verwendung fertig, ohne daß man nötig hätte, sie vorher durch ein Sieb gehen zu lassen. Sie läßt sich zur Not durch Lehm ersetzen, der von alten, verwitterten Lehm­wänden herrührt, doch fehlen demselben die humösen Be­standteile der eigentlichen Nasenerde, die diese den verweste» Graswurzeln verdantt. — Lauberde entsteht in natürlicher Weise durch Verwesung von Blättern, Nadeln und anderen Pflanzenabsällen an tiefer gelegenen Stellen deS Waldes, wo diese Erde nicht vom Winde hinweggeweht, noch vom Regen fortgespült werden kann. J'n den Gärten bereitet man diese Erde, indem man alle Abfälle des Baumgartens und vielleicht auch des Holzstalles (Holzerde) im Herbste sammeln, aus einen Haufen setzen und wie einen Kompost- Hausen behandeln, d. h. oft durcharbeiten läßt, wobei man etwa den vierten Teil Sand zusetzt. Laub von Eichen, Kastanien und anderen an Gerbstoff reichen Bäumen ist hier­zu wenig geeignet: das beste Material liefern Linden, Ahorn, Weiden, Obstbäume und Nadelhölzer. Gewöhnlich dauert der Zersetzungsprozeß 3 bis 4 Jahre. Für sich allein ist die Lauberde selten zu gebrauchen, da auch sie einen nicht un­beträchtlichen Teil an Gerbsäure enthält, desto häufiger mischt man sie mit anderen Erdarten und mit 12 bis 15 Pro­zent Sand. Die Düngererde ist unter den künstlich berei­teten Erden am wichtigsten. Zur Herstellung derselben dient reiner Kuh- oder Pferöennst. Derselbe wird im Herbst auf Haufen gesetzt, öfter durcheinander gearbeitet, auch während starker Fröste, damit auch die unteren Partien des Hausens dem Einflüsse derselben aitsgesetzt werden. Nach einigen