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i Der Roman. i

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(» -ii Morgen-Beilage der Wiesbadener Tagblatis. i°-—=»i

Nr. 253.

Kreitag, 29 • Oktober.

1915.

II. Fortsetzung.) ÖCf ^ INachdruck verboten.!

Roman von Edela Rüst.

Ein Wall kränzte die ganze Stadt ein, und zwar fünfmal Lurch eine mehrere Meter lange, tiefe Senkung unterbrochen. Daher die fünf Hügelchen! Längs der Außenperipherie dieses Walles zog sich zu Tal die „Villon-Schnur"; innerhalb baute sich die alte Stadt zu seinen Küßen auf. So ziemlich inmitten der reizen­den Villen-Schnur stand, von Vor- und großem Hi-nter- garteu eingchegt, die Villa -des Kommerzienrats Herrn Ludwig Lauter. Er gailt für «den reichsten Mann der Stadt, «wenn auch nicht gerade für den zugänglichsten unid liebenswürdigsten. Er stand am Ende der Fünf­ziger und färbte seine grauen Haare, seit er vor drei Jahren Witwer geworden war. Im Sommer war er ein Frühaufsteher. Er ging dann hinter seinem Gärt­ner her und machte botanische Studien, die er noch am seiden Tage gesprächsweise zrr verwenden pflegte, da er sich vievundzwanzig Stunden später nur schwer hätte erinnern können. Er batte, außergoschäfllich, ein schr schlechtes Gedächtnis, zeigte aber «doch gern außergelschäft- ■liche Interessen und lickte eS sich in kleineren und größeren Kreisen gebildet zu unterhalten. Hnmoristika oder ein graziöses Plaudern um heitere Nichtigkeiten des Lebens waren ihm ein Greuel — er gehörte zu den ,/krampfhaft-gediegenen" Großkaufleuten und hatte keinen eigentlichen Rivalen, der ihn ernstlich hätte ge­fährden können, da Fünf-Hügelchen keine Handellsstadt war und auch nie eine werden könnte.

Heute hatte der Kommerzienrat einen Vortrag über den allernouesten Garten-Sprengfchlauch, der bei dem" Nachbar zu seinem Ärger bereits in Tätigkeit stand, ent- gegengenommon, und dieses Allerneueste tischte er dann auch seinen Damen sofort beim Kaffee auf.

Man frühstückte im Schatten des breiten Altans, von dessen ausgobauchtem Mittelbau eine achtstusige Steintreppe in den Hintergarten führte. Gleich «vor der Treppe ragte aus faftjpam Rasengrün ein kleines Meer- «ungcheuer in sechseckigein Bassin ans, -das um die Mit­tagszeit, weün die Sonne hier Hochstand, einen kräfti­gen Wasserstrahl in die Liist spie, der dann sein kühlen­des Naß «weit im Umkreis verspritzte. Die Anlage war gut und in der Anwendung etwas kostspielig, daher durste der Triton auch nur, wenn Gäste da waren, «über Sonnenuntergang hinaus seine Künste zeigen.

Der neue Garten-Sprengschlauch schien die Tochter des Hauses wenig zu interessieren, sie blätterte in eben eingetroffenen Briefen aus Bädern und frühen Sommerfrischen. Wer Dina hatte Besuch, schon seit drei Wochen und ganz ohne Aussicht, ihn sobald los Zu wevden.

Dieser Besuch, eine junge Dame, mit «der Dina ein Jahr in einer Schweizer Pension Angebracht, schien in dem neuen Garten-Sprengschlauch eines der überzähli­gen Weltwunder zu entdecken, so gespannt hörte sie dem Vaminerzienrat zu, der die Konstruktion dieses. nütz­lichen Apparates mit Löffeln, Messern und Servietten- pingen zu veranschaulichen suchte.

° Die junge Dame, mit großen, runden, außergewöhn­

lich lebendigen goldbraunen Augen erschien mit ihrer etwas volleren Gestalt um einige Jahre älter als die schlanke, blonde Dina. Es handelte sich in Wirklichkeit nur um wenige Monate.

Lucy von Grümm hatte sich schr geschickt selbst ein- geladen, und seit sie 'da war und sich so ausgezeichnet ■mit dom Kommerzienrat zu stellen wußte, konnte noan nur einschen, daß sie eine Bereicherung des Hausstandes ausmachte. Der Kommerzienrat bewunderte ihre üppige Figur, und die Ickhaften braunen Augen zum hell-.

blonden Haar. „Nein, aber ganz unverkennbar —--

wie riesig interessant selbst.... Ja, Dina, «du hast wohl Widder nichts übrig fiir . . .

„Wirklich, Lucy, nein! Papa, bitte, nimm mir'3 nicht übel, aber so nützlich die neue Schraube an dem Schlauch wich sein «mag — ich habe wahrhaftig Wichti­geres im Kopf heute ..."

„Wie imiiner!"

Papa Lauter .war in letzter Zeit spitz in seinen Äuße- rungen Dina gegenüber, cs spielte so ein eigentümlich sarkastisches Lächeln um seinen Mund, und Dina wußte nur zu gut, worauf das hinzielte. Lucy van Grümm legte mit betörender Liebenswürdigkeit den Arm um Dinas Nacken.

„Nun ja, heute müssen wir wohl wirklich Nachsicht mit ihr haben, heute . . . honte ist ein großer Tag fiir Dina!"

,/Er ist noch nicht überstanden!"

„Papa!" rief Dina, in Tränen ausbrechend. Sie entwand sich flugs dem Arm der Freundin und stürzte davon.

„Na, da haben «wir den Salat! Wenn man die ein­zige Tochter, die man zu vergcken hat, nicht dom ersten bestem Leichtfuß salbungsvoll in die Arme legt, da ist «mmt ein Rabenvater — — Sie sehen und hören es ja nun schon drei Wochen lang."

Der Kommerzienrat schob alles Geschirr, das vor ihm stand, in weitere Ferne, wobei Fräulein von Grümm chm sofort -behilflich «war, und steckte sich seine Morgen, Virginia an.

„Sie sind doch nicht ernsthaft gesonnen, zuguterletzt tpirklich noch „nein" zu sagen, Herr Kommerzienrat?"

„Wer ganz sicher sage ich noin! Der Herr Schwie- gorlsohn paßt mir nicht, «damit basta!"

„Dr. Sohren hat doch aber seine Examina glänzend bestanden — es läßt sich doch nun eigentlich wirklich nichts gegen ihn Vorbringen."

„Wirklich nicht? Eine Stunde ochst er Jus, drei Stunden siedelt er, und die übrigen Stunden ist er ge­wöhnt, seinen -übrigen Amiüsoments zu weihen! Da Vater Sehren dazu nicht -den nötigen Säckel hat, well er ihn nicht zu füllen versteht, so soll Dina doch den «Säckel liefern! Und das hat Dura nicht nötig t— sie kann ganz andere Partien «machen!"

„Aber, Herr Kommerzienrat — mein Gott, sie liebt ihn doch so über alle Maßen, sie ist ihnr all die fünf Jahre hindurch treu geblichen . . ."