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§r«itag, 29. «Klober 1918.
Kbend -Ausgabe.
Nr. 506. » 63. Jahrgang.
Pirat gefallen!
Der weitere Vormarsch in Serbien.
Weiter voran bei Visegraü. — Näher an Kra- gujewae. —1500 Gefangene südstlich Svilajnac.
Der Tagesbericht vom 29. Oktober.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 29. Oft. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
An einzelnen Stellen der Front lebhafte Artil- lerictätigkeit, Minen- und Handgranatenkämpfe. Keine Ereignisse von Beden tun g.
Gestlicher Kriegsschauplatz.
Die Lage ist überall unverändert.
BalKanirriegrschauplatz.
Bei Drinsko (südlich von B i s c g r a d) wurde der Gegner geworfen, östlich davon ist er über die Grenze zurückgcdrängt.
Westlich der M v r a w a ist die allgemeine Linie Slaovkovica-Rudnic-Cumnic-Batocina erreicht.
Südöstlich von S v i l a j n a c wurden die feindlichen Stellungen beiderseits der Resava gestürmt, über 1300 Gefangene fielen in unsere Hand.
Vor der Front der Armee des Generals Bonadjcff ist der Feind >m Weichen. Die Armee verfolgt.
Oberste Heeresleitung.
Die heutige Kriegslage.
(Von unserer Berliner Schriftleitung.)
I- Berlin. 30. Olt. (Eig. Meldung. Jens. Bin.) Auch I;rute steht der serbische Kriegsschauplatz im Vordergrund des Interesses. Die Kämpfe, die sich dort abspielen, sind bei w c i t e ni die bedeutsamsten, nicht bloß vom militärischen, sondern auch vom politischen Standpunkt, wie man aus Erörterungen ersehen kann, die die Erfolge der Mittelmächte wie ihrer tapferen bulgarischen Verbündeten sowohl in Frankreich, wie in England, Rußland und Italien hcrvorgerufen haben. Auf allen Teilen der rechtwinkligen Front geht es vorwärts, und die Serben sind in westlicher Richtung in fortgesetztem Rückzug begriffen. Diese Richtung ihrer Rückwärtsbewegung, die ihnen a u f gezwungen ist, dürfte nicht den Wünschen der Ententestrategen entspreche». Der Nvrdflügel der Bulgaren schließt sich immer inniger an den O st f l ü g e l der Verbündeten an. Im Süden werden selbst kleine serbische Erfolge nicht beunruhigen können, da dort nicht die Entscheidung fällt. Die Berichte aus französischer Quelle über „siegreiche Aktion" gegen die Bulgare» sind wohl allein darauf znrückzufiihren, daß ein bulgarischer Vorstoß in Stärke von nur 4 Bataillonen an der B a r d a r l i n i e vor sehr überlegenen französischen Abteilungen scheiterte. Schon die Effektivstärke der dort angcsetzten Kräfte unserer bulgarischen Verbündeten weisen darauf hin, daß nur eine Gefechts- Handlung zweiten Ranges stattgefunden habe» kann, bei der eine Atbeilung, die nur zur Aufklärung diente, in vorgeschobener Stellung stand. Man könnte sich auch denken, wenn hierfür auch keine Anhaltspunkte gegeben sind, daß die Heeresleitung König Ferdinands nicht beabsichtigt, zu weit im Süden einen Waffengang zu suchen, denn eine Verfolgung zurückgcschlagener Ententetruppen würde bis in die unmittelbare Nähe der griechischen Grenze führen.
Das zweite Kampfgebiet, das in hohem Maße unser Interesse beansprucht, ist auch heute das i t a l i e n i s ch e. Die erneute gewaltige Offensive Cadornas hat nur ein sichtbares Ergebnis gezeitigt, das aber wieder in bescheidensten Grenzen verblieb: am Gardasee wurde eine kleine österreichische Vorstellung zurückgenommcn. Dagegen holten sich die Italiener bei sechs Angriffen auf die Kufenstcin- stcllung, ebenso bei Angriffen auf T-fana und das Flitscher Becken, dann am Tolmeiner und Görzer Brückenkopf abermals nur e r n st c V c r l u st e. Die gesamte Lage an der italienischen Front gibt n i ch t zu den leisesten Befürchtungen Anlaß, oblchon die feindliche Offensive dort noch nicht als abgeschlossen zu betrachten sein dürfte, worauf auch die Ernennung des neuen Kommandanten für die vierte Armee schließen läßt.
Im O st e n haben wir unsere Stellung bei G a r b u - nowSka und Sczasczali im allgemeinen verbessert.
Im Westen verblieb es bei Handgranatcn- kämpfen, besonders in der Champagne. Wesentliches wird von dort nicht berichtet,
Oer Zall der Festung pirot.
Oer weg nach Nisch frei.
W. T.-B. Sofia, 28. Okt. (Nichtamtlich. Meldung der Bulgarischen Telegraphen-Agentur.) Nach langen blutigen Kämpfen haben die bulgarischen Truppen Pirol eingenommen, wo sie heute ihren siegreichen Einzug hielten.
Die bulgarische Armee hat mit der österreichisch-ungarischen und deutschen die Verbindung hergestellt.
Schneller als Me erwartet hatten, j't Piro t, die m-obern und stark befestigte serbische Stabt, «dem un- widerstshlichen -bulgarischen Ansturm gefallen und damit einer der wichtigsten strategischen Punkte rn die Hände der Sieger gelangt. Pirot als Kroishauptftädt mit etwa 12 000 Einwohnern liegt 370 Meter über bem Meere an der Nifchawa und der Staatsbahnlinie Nisch- Zaribrob. Die Industrie besteht vor allem in Teppich-- und Filigrcmwcberci. In der Geschichte spielte 'die Stadt insofern eine Rolle als hier angeblich schon im vierten Jahrhundert die römische Militärstation Turres last. Im 11. Jahrhundert erwähnt ein arabischer Geograph eine Stadt Atrunia, die aus demselbeu Raume -wie Pirot stand. Dieser letzte Name taucht erst drei Jahrhunderte später auf. Im türkisch-ungariscl-en Krieg 'wurde Pirot im Jahre 1443 von dem serbischen Despoten Brankovic erobert und im türkisch-russischen Krieg am 16. Dezem- der 1877 von den Serben besetzt. Wie jetzt, so wurden die Serben schon einmal von den Bulgaren bei Pirot geschlagen, und zwar im serbisch-bulgarischen Kriege, am 27. und 28. November von dem Batteuberger,' Äem Fürsten Alevander.
Pirot deckte in diesem Kriege Risch, das nach Verlassen Belgrads , König Peter und seiner Regierung als Hauptstadt diente, nun aber, auch schon wieder von diesen gcrärmrt wurde. Tie Einnahme von Pirot, die dem Zentrupr der bulgarischen Strettkräftc den Weg -durchs Nischawatal öffnet, in dem. etwa 65 .Kilometer stroinabwärts Nisch liegt, wird die Lage, die sich von Dag zu Tag mit unerbittlicher Gewißheit entwickelt, noch schneller zur Reife bringen Äs die bisherigen, in stürmischem Lauf errungenen Siege der verbündeten Armeen. Denn nun wird es auch nur noch wenige Tage sein, bis auch Nisch fallen wird und fallen muß, so fest und modern es auch ausgebaut sein mag. Nahen sich doch die bulgarischen Truppen von zwei Seiten: von Pirot aus Osten und von Knjazev-ae von Rordosren. Das Schicksal vollzieht sich an -Serbien, wie es kommen mußte. Die Bulgaren stürmen weiter! . . .
Oer Valkanfelözug im Rahmen der allgemeinen ttriegslcge.
Von General d. Inf. z. D. v. Blume.
I.
Berlin, 28. Okt.
Nachdem Österreich-Ungarn sich im Anfang des laufenden Jahres veranlaßt gesehen hatte, seine Truppen aus Serbien zurückzuziehen, war zwischen diesen beiden Staaten fast vollständige Waffenruhe ein- getrcten. Serbiens Kräfte waren erschöpft, und die des Kaiserreiches fanden zunächst vorteilhaftere Verwendung gegen Rußland. Seitdem hat sich -das Gesamtbild der Kriegslage wesentlich verändert. Rußlands O f f e n s i v k r a f t ist gebrochen. Dadurch haben die Mittelmächte einen namhaften Teil der Kräfte, deren sie für jenen Zweck bedurften, für andere Aufgaben frei bekommen. Andererseits ist allerdings Österreich-Ungarn durch den Eintritt Italiens in den Krieg genötigt gewesen, beträchtliche Kräfte für den Schub seiner südlrchen Grenze zu verwenden. Und die Stärkeverihältmsse aus denr westlichen Kriegsschauplatz machten eine Vermehrung des dortigen deutschen Heeres mindestens wünschenswert. Wer die Machtentfaltung der beiden Mittelmächte reichte nicht nur aus, diesen Anforderungen gerecht zu werden, sondern gestattete ihnen auch, die unterbrochene Offensive gegen Serbien wieder auszunehmen und ihr das erweiterte, aus militärischen, politischen und wirtschaftlichen Gründen erstrebenswerte Ziel der Herstellung einer unbehinderten Verbindung mit der befreundeten Türkei zu setzen.
Da jedoch die Gebiete Serbiens und der Türkei durch das Gebiet Bulgariens voneinander getrennt sind.
-lnußte versucht werden, diesen Staat für den Beitritt zu dem Bündnis der Mittelmächte und der Türkei zu ge» winnen. Die Lösung dieser Aufgabe war Sache der Diplomatie. Sie war dadurch schwierig, daß unsere Gegner seit Monaten die größten Anstrengungen -machten,^ um Bulgarien, Griechenland und Rumänien znm Anschluß an sie behufs Hilfeleistung in ihrer selbst», verschuldeten Gallipoli-Not zu bewegen. Erleichtert wurde sie durch die zwischen den Bulgaren und Serben! bestehende Feindschaft und -durch das opferbereite Ent-, gogenkommen der Hohen Pforte gegen die Grenzberich, ligungswünfche Bulgariens. Ausschlaggebend war schließlich die mit den kriegerischen Mißerfolge»! unserer Gegner sich mehr und mehr bahnbrechende E r-, kcnntnis, daß ein Bündnis mit ihnen den Balkcm- staaten nur Unheil bringen würde. Als daher unsere Gegner im Anfang dieses -Monats -auf Entfchei-, düng drangen, mutzten sie die bittere Erfcchrung machen, daß alle ihre Versprechungen, Getdaufwendam-, gen urid Drohungen vergeblich gewesen waren, daß! Griechenland und Rumänien, jede Hilfe versagend, sich für bewaffnete Neutralität erklärten, Bulgarien aber seinen Beitritt zu dem Bündnis der Mittel». machte und der Türkei vollzogen hatte und sich an-, schickte, geinein'am mit einer starken, an der Donau, Save und Drina vevsainmelten -deutsch-österreichisch-«»-, garischen Heeresm-acht gegen Serbien zu kämpfen.
Die Erkenntnis dieser (Sachlage wirkte -auf unsere Gegner wie -der Stock im Ameisenhaufen. Was man aus ihren Ländern hört und von ihren Handlungen gewahr wird, macht den Eindruck völliger Ratlosigkeit. Einer schiebt dem anderen die Schuld -an den Schwierigkeiten der Lage zu, einer fordert von dem anderen die Bereit-, stellung der Mittel zu rettender Tat. Minister stürzen, anderen sitzt das Messer an der Kehle, in -den Volks« er- ttetungen, in der Presse spiegelt sich die d-umpfcl Stimmung wider, die sich der Gemüter in -den feindlichen Ländern bemächtigt lfat. Vielfach hört man int Lager der Feinde das Verlangen nach einheitlicher Leitung der Kriegsangelegenheiten. Das ist begreiflich, nur wird es schwer fein, ihm Genüge zu leisten. So wird die Z i e l- und Zusammenhang, l o s i g k e i t, die das bisherige Handeln unserer Gegner auf dem Balkan charakterisiert, wähl noch eine Weile fortbestehen.
Bereits am 2. Oktober, also noch vor Überreichung des russischen Ultimatums an -die bulgarische Regierung, dessen am 6. d. M. erfolgte Ablehnung als Ausgangspunkt des Balkankrieges zu betrachten ist, und vor dem am 6. d. M. eingeleiteten Übergang von Truppen der Mittelmächte auf serbisches Gebiet begannen französische und englische, anscheinend von der Halbinsel Gallipoli Lammende Truppen in der Stärke von etwa 30 000 Mann, den Protest der griechischen Re-gierung nicht beachtend, bei Saloniki zu landen und dort Lager M beziehen. Nach einigen Tagen soll -die Landung unterbrochen, dann wieder ausgenommen, später auch Nachschub eingetroffen sein. Es heißt, daß ein Teil der Truppen demnächst auf der Eisenbahn verladen, ein Teil auch zu Fuß in Bewegung gesetzt, dann aber wieder an- gehalten lvorden sei. Das alles sieht nach plötzlichen Eingebungen aus. Noch heute scheint Unklarheit über das Ziel, das verfolgt werden soll, über -die Stärke der dazu aufzunehmenden Truppenmacht, über deren Aufbringung und Heranführung, über Art und Ort ihrer Bereitstellung — kurz gänzliche Planlo sig, keit zu herrschen. (Forts, folgt.)
*
Vas Zusammen treffen der verbündeten kfeere.
W. T.-B. Köln, 28. Okt. (Nichtamtlich.) Der Sonderberichterstatter der „Köln. Ztg." ineldet aus dem Halipt- ciuarticr der Armee Gallwitz vom 27. Oktober: Gestern gegen Abend trafen im Raume des Dobra-Voda-Berg» fand es, durch das die verbündeten deutschen und öster-- reichisch-ungarischen Streitkräfte seit dem bei Orsoda erfolgten! Douauübergcmg kräftig angriffen, 2 Offiziere und 25 Mann eines bulgarischen Aufkläru-ngsstreifzugeS mit den Spitzen unserer Truppen zusammen. Ganz u n b er« hofft fanden sich die freilich nach einander spähenden Patrouillen. Tie Bulgaren wurden daraufhin noch au dem- selbcu Abend zu deni höchsten Kommando geführt, wo sie mit ungeheure:» Jubel begrüßt, aufgcnommeu wurden. Nordöstlich Brza Palanka fand das Zusammentreffen der verbündeten Heere statt. Es wav zwischen dieser Stadt und der kleineren Ortschaft Milutiiw» watz, die an der sich durch das Bergland windenden, nach dem! südlichen Bogen der Donau führenden Straße liegt. Ein
