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Verlag: Langgaffe 27.

««zeigen-PreiSr Die einspaltige Petittzcile für lvkale Anzeige» 15 Psg., für answart, ge Anzerge« 25 Pfg Reklame» die Petitzcile für Wiesbaden 50 Pfg.,

Kbend-Ausgabe.

_ 1. Matt.

Cln Port fiber Me abolitionWitje löberation.

Nachdem in diesen Tagen die Internationale aboli- iionistische Föderation ihren von Vertretern vieler Staaten besuchten Kongreß in Dresden abgehaltm hat und chr Name durch die Tagespvesse gegangen ist, wird mancher Leser begierig sein, einiges aus ihrem Wirken und ihrer Geschichte zu erfahren Ausgangs der 60er Jahre trat in England ein kleiner Kreis von Männern und Frauen unter Führung der Frau Butler zusammen, um die da­mals kürzlich eingeführte polizeiliche Reglementierung der Prostitution zu bekämpfen. Denn einerseits waren sie davon überzeugt, daß die Würde des Staates beeinträch­tigt würde durch die Konzessionierung des Lasters, andererseits aber sahen sie voraus, daß durch dieselbe viel Schmach und tiefstes Elend über einen Bruchteil der Frauenwelt verhängt werden würde, welche dadurch oft der gemeinsten Denunziation und grundloser Verleum­dung anheimfällt und den schlimmsten Mißgriffen unge­schickter und in Irrtum befangener Beamten preisgegeben wird Das Studium der Folgen der Reglementierung in Ländern, wo dieselbe schon seit Jahrzehnten bestanden hatte, und der Vergleich mit den Verhältnissen in den­jenigen Staaten, die davon verschont geblieben warem überzeugten die Verfechter der abolitionistischen Idee auch von der gesundheitlichen Nutzlosigkeit desSystenks". In England wuchs sich die Forderung der Abschaffung zu einem politischen Programmpunkt aus, der schließlich 1883 und 1883 auch durchging, da besonders Männer der Wissenschaft, praktische Ärzte, Großindustrielle und einflußreiche Quäker zäh und nachdrücklich für ihn ern traten. Selbst in einer Reihe Kolomen ward die Regle mentierung wieder ab^eschafft' immerhin besteht sie noch in einigen^ die nicht von der Krone abhängig sind.

Auf dem Festland ward der Kampf von England aus entfacht. Von hohem Interesse ist hier der erbitterte Krieg, den der abolitionistische Gemeinderat von Paris mit 'der vom Staat qehandhabten Sittenpolizei jahre lang geführt hat. Wenn es auch der städtischen Vertreter schaft nicht gelang, das System selbst aufzuheben, so mußten doch infolge von Enthüllungen über Mißgriffe und Ungerechtigkeiten, die die Behörden sich hatten zu schulden kommen lassen, verschiedene Polizeichefs und hohe Beamten aus dem Amt scheiden, freilich mußte auch der Führer der Abolittonistm, . der spätere Minister Yves Guyot, wegen Beamtenbeleidigung einige Zeit ms Ge­fängnis wandern. Das Hülfswerk (Oeuvre libdratrice) für die Gefangenen von Saint Lazare, dem großen Pariser Frauengefängnis, ist das Werk der Abolittonistm

Md. Avril de St. Croix. Vor einigen Jahren ist niun Frankreich eine außerparlamentarische Kommission zur Untersuchung der einschlägigen Verhaltnifse eingesetzt wor- den und die Abolittonistm haben darin eine offlzrelle Vertretung gefunden. Das klassische Land d^r Regle­mentierung ist Belgien. Hier ist diesefle auf da^ eiüigst. in Hinblick auf die Bekämpfung der Syphilis ausgebaut worden, aber die Härten, die dabei unvermeidlich waren, und die stillschweigend einreißende Korruption der Be­teiligten ließen ihr unter Professor Emtte de -avÄeye eine zahlreiche Gegnerschaft in der wissenschaftlichen Welt enfftchen, selbst die Minister Lejeune usid Beernaerk traten derselben bei. Fruchtbarer an praktischer Erbest, wie in Belgien, war die Bewegung in der Schwerz; 18io ward in Genf die Internationale Föderation ms -eben gerufen. In den deutschen Kantonen und rn Neuenbürg wurde im Laufe der 80er und 90er Jahre die Regle­mentierung beseitigt. Von internationalem Segen ist dre 1877 von Frau Cellärier gegründeteJnternatronale Union der Freundinnen für junge Mädchen" geworden, welche heute kurzweg unter der Bezeichnung derFreun- binnen" fast überall Auskunftsstellen zur Beratung junger Mädchen eingerichtet hat. Tie Freundinnen sind infolge der traurigen Einblicke, die sie allmählich ge­wonnen, besonders die Förderer der Bewegung gegen den Mädchenhandel" geworden, ^ ^ m <

In Italien war es Gurseppe Nathan rn Rom, der mit Feuereifer die Ideen der Frau Butler aufgriff und die Arbeiterwelt dafür begeisterte. Schon 1876 erklärte sich der Kongreß der Arbeiterinnenvereine in Genua gegen die staatliche Konzessionierung des Lasters. Dre, Ar- bettsrinnen empfanden -dieselbe als brennenden Schunps, der ihrer Klasse angetan worden sei Eme ganze Rerhe Gesetzgebungsakte, die aber über FIrckwerk nicht hrnaus- kamen, gingen in dieser Sache seither vom italienischen Parlament aus.

Waren in den bisher genannten Landern dre Frauen an der Spitze der Bewegung, so traten in Holland und den nördlichen Staaten zuerst die Männer, meist Gefft- liche, für die Abschaffung der Reglementierung ern. -jn Holland ist's, auck persönlich angeregt durch Frau Buüer, Pastor Pierson, der Leiter der großen Heldrrngschen Rettungsanstalten, der 1878 die Sache mit Erfolg rn dre Hand nahm und der nach dem Muster der von dem dani- scheu Aboliffonistenführer Dr. med. Giersing gegrunde ten KopenhagenerMitternachtsmissron' diese Sittlich keitsarbeit in holländischen Hafenstädten emfuhrte. . ^zn Holland, Dänemark, Schweden und Norwegen erzreite die Bewegung, der sich auch bald Frauenvereine an- schlossen, bei den Gemeindeverwaltungen maßgebende Er folge In vielen Orten wurden die öffentlrchen Hauser, in'einer garrzen Reihe die Reglementierung überhaupt aufgehoben, so z. B. in Cbristiana. ^,re Parlamente wurden vielfach durch Petitionen veranlagt, -sich mn den

Forderungen zu befassen, und in Schweden ward ähn­lich wie in Frankreich eine Parlamentskommrsston einge­setzt. In Spanien sind es die Freimaurer, welche dre Ziele der Abolition mit mehr oder, weniger Gluck ver­folgen. In Österreich-Ungarn hat die Föderation natür­lich eine gewisse Anzahl Anhänger aber zu ernem Zu­sammenschluß und einer positiven Arbeit ist es m dreien Ländern nicht gekommen; ebenso wenig rn Rußland und Rumänien, also gerade dort, wo derweiße Mlaven- Handel" am. meisten blüht, fehlt es rwch. ^n Deutsch­land hat seit etwa 3 Jahren die Föderation nÄm ^ zum Teil die gleichen Ziele verfolgenden! SMichtetts. vereinen festen Fuß gefaßt. Zehn zu MeinDeutschen Zweig" vereinigte Ortsgruppen haben rmAboutlonift , der in Dresden von Frau Scheven herausgegeben wird, ihr Organ.

An der Spitze der Föderation steht ein Verwalflmgs- ansschuß, dem die 11 Hauptverfechter m England, Fvant. reich, Deutschland und der Schweiz ^gehören, neben diesem funktioniert ein Direkttonsrat aus 66 Mitgliedern (36 Männer und 31 Frauen), die fast über die ganze Erde verteilt sind. In Genf (Rue Saint ^.eger Nr. 6) hat die Geschäftsstelle der Föderation mit dem Generast sekretär an der Spitze ihren Sitz und dort erscheint auch ihr Zentralo r g anLe bulletin abolittonmsw". Dre

Schweiz ist es auch, die sich in ganz.hervorragenderJßn e um die Beschaffung der Mittel verdient macht, indem dis von den Abolitionisten gegründete Xssooiolion dn Kou (Rappen-Vereinigung), deren Mitglieder wochwitlich 8 Zentimeszur Hebung der allgemeinen Sittlichkeit steuern, einen großen Teil ihrer Einnahme der inter- nationalen Föderation zuwendet. , >

So sucht die abolitionistische Föderation ihr Werk überall zu tun. Ihre satzungsgemaße Aufgabe ist Studium und Bekämpfung der Prostitution und ihrer Ursachen. Die unerläßliche Voraussetzung dazu aber ist die Beseitigung der staatlichen Reglementierung. P. 8-

3ra Mdm des GraMmien m Me.

Üd. Detmold, 27. September. Außer von dem Berliner Hofe sind von sämtlichen deutichen Fürstenhöfen Beileids - Telegramme hier emgetrosfen.

Morgen abend wird die Leiche nach der Schloßkapelle über­führt werden, wo Donnerstag die Trauerfeicr abgeHalten werden wird. Das Hofmarschallamt hat f»r dre Dauer von drei Monaten die Hoftrauer angeordnet. An den Beisetzungsfcierlichkciten werden sich von dem rn Detmold aarmionierenden 55. Infanterie-Regiment , nur das Offizierkorps und die Regimentskapelle bctciligcn. Ten Mannschaften ist wegen des in Detmold wutenden Typhus die Beteiligung an den Trauerfeierlichkeiten untersagt worden.

§teNa.

Roman von Johanne Schjörring.

Autorisierte Übersetzung von Wilhelm Thal.

(26. Fortsetzung.)

Der Brief an sie selbst lautete folgendermaßen:

Deai- Amalie!

Es hängt von Dir selbst ab, wie wir uns in Zukunft gegenübertreten werden. Besorge mir diesen Brief m ihre eigenen Hände, ohne daß jemand etwas davon erfährt, und Du hast in mir einen Freund, auf den Du Dich immer verlassen kannst.

Wenn Du darüber nachdenkst, weißt Du wohl,genau, wie sehr ich Dir schaden kann, im Falle Du Dich mir feindlich oder auch nur abweisend gegenubmsteW.,

Ich weiß sehr wohl, daß der Ton dieses Briefes, auf den Du ja so ungeheuer viel Wert legst, Dich ver­letzen muß. Doch Du selbst hast ihn hervorgerusen, nicht zum wenigsten mit jenem brutalen Zettel, den ich in meinem Zimmer gefuiiden. Und um Krieg oder Frieden, ich werde für beides gerüstet sein, Du hast die Wühl zu treffen. Dein Freund (oder Femd)

Paul Lykke.

Ein zischender Laut eistfuhr ihren Lippen; sie wurde blaß und knüllte das Papier zu einer dicken Kugel

zusammen. < .. .

Wäre er anwesend gewesen und hatte ste emen jener kleinen vergifteten Dolche des Mittelalters besessen, sie hätte ihn ihm ohne Gewissensbisse ins Herz gebohrt.

Der Haß glühte so zu sagen in jedem ihrer Bluts­tropfen. ~ ,

Sie begriff nur nicht, was, er Mit jenem Zettel meinte, ste hatte ihm ganz gewiß keinen Zettel geschickt. Doch seinen Brief wollte sie besorgen. ^ .. _

Langsam rollte sie die Papierkugel ans und riß sie in ganz kleine Stücke, ging dann hinunter und warf sie in dm Fluß, wo sie wie Schneeflocken die Strömung himmterglitten.

Stella kam nicht zum Mittagessen herunter.

Als der Oberst sich leise hinaufschlich, um nach ihr zu sehen, schlief sie. Lange stand er da und betrachten sie. Der eine Arm lag aus ihrem Haupt, das -Haar hatte sich gelöst und fiel über die Kissen. Auf ihrer Stirn lag ein sorgenvoller Schatten, und m der langen Minder eines Auges hing eine Träne. .

Nie war sie ihm so schön erschienen und me hatte er sie so lieb gehabt wie jetzt. , . .

Aus der rechten Hand, die am Körper hermeder- hing, war eine kleine Börse, die sie stets bei sich trug,

berabgeglitten. . ,

Der Oberst erinnerte sich, daß er einige blanke Gold­stücke bei sich hatte. Sie hatte sie gern, und er wollte sie ihr in die kleine Börse stecken, um sie zu überraschen.

Ein Zettel fiel auf die Diele, als er das Geld m die Börse legte, er beugte sich nieder, um ihn auszu- nchmcn.

Der Zettel war besckiriebm. , .

Er war stets zartfühlend gegen ihre flemen Heim­lichkeiten, doch jetzt war er ein gequälter und sorgen­voller Mann, der für sein Glück zitterte.

Er las den Zettel; es waren Pauls Verse.

Dann legte er das Papier zurück, wo er es gefunden hatte, drehte sich um und ging fort.

Als er aus der Tür war, stand er still, rang die Hände und sah gen Himmel wie ein sterbendes Tier: dann schlich er sich aufs Feld hinaus, wo er sich auf einm abgelegenen Fleck unter einem großen Weiden- baum niedersetzte und sich ganz seinem Schmerz, dem alles überwältigenden Schmerz hingab. Wäre er ein junger Mann gewejen, so hätte der Haß gegen^ dm Rivalm fernen Schmerz im ersten Augmblrck betäubt; doch jetzt beherrschte ihn nur einzig und allein der Ge­danke, daß er sie verlieren sollte.

Wann wollen Sie reism, Herr Franz?" fragte Niels.

Mit dem Sechsuhrzug, ich kann Vater nirgends finden, und ich muß doch hinauf, um einzupacken", lautete die Antwort.

Ich werde inzwischen nach dem Oberst sehm", sagte

""«ÄS Mölner, du bist wohl auch ebenso UN- treu wie die andern gegen deinen Herrn; wer hatte ge­dacht, daß du dich auch düpieren laßt." .

Das war der Willkommen, dm der mchtsahnmde Mölner erhielt; dabei lag er doch da, wo er liegen sollte, nämlich unter dem Schreibtisch seines Herrn, und wartete

^^Na^sinde ihn mal!" sagte Niels, als sie hinaus-

^^Mälner hatte die Spur sofort aufgmommm, und Niels ging langsam hinterher.

Er durchlebte sozusagm wieder dre Enttäuschungen seiner Jugend und litt schwere Sorgen

Als er zu dem Weidenbaum kam, stand der Oberst auf/ und Niels hätte am liebsten losgeheult, als er die verweintm Augen seines Herm bemerkte.

Was gibt's?" ^ r

Niels stattete seinen Rapport ab.

Dann spanne die Schwarzen dor, fahre selbst zur Station; ich komme gleich!"

Es tat Franz weh, daß er fortfahrm sollte, ohne der jungm Frau Lebewohl gesagt zu haben; doch seines Vaters Antwort war so abweisend, daß er mit der festm überzmgung abzog, der Oberst wäre seiner rirau gegen-

über doch ein Tyrann. _

Und Amalie? Was war mit der?

Sie antwortete ihm kaum, als er ihr zuflusterte, ob er ihr schreiben dürfe; es fehlte ihm ja nur die Zeit, um ihr seine Liebe zu erklärm.

XXV.

Ich habe einen Brief an dich, Stella, doch ich hoffe, du wirst mir erlauben, ihn ungelesen vor deinen Angen zu verbrennen", sagte Amalie als ste kurz nach Franz Abreise hinaufwanderte.

Es ging Amalie wie dem Obersten.

Sie'hatte Stella nie so schön gesehen, als sie mit l rotm Wangen und großen funkelnden Augen dalag.