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Freitag, 29. Oktober 1915. MSVgEN - KUSgttÜE» Nr. 505. . 63. Jahrgang.
Der Urieg.
Die Serben über bie bosnische Grenze zurückgeworfen.
Vas Dorf Rudka in Wolhynien erstürmt. — Die schwächer werdende italienische Offensive. — Die obere Rolubara in breiter Zront überschritten. — Der Vormarsch auf der Straffe Topola-Rragujewac. — Vertreibung des Gegners bei Svilajnac.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 28. Oft. (Nichtamtlich. Drahtbericht.)
Amtlich verlautet dom 28. Oktober» mittags:
Russischer Rriegsschaupiatz.
Die bei Czartorysk kämpfenden verbündeten Kräfte haben gestern das Dorf Rudka erstürmt. Sonst im Nordosten nichts Neues.
Italienischer Rriegsschaupiatz.
Das feindliche Artillericfeuer war gestern an der Jsonzofront wieder lebhaft. Die italienische 3. Armee ernenerte den Angriff auf die Hochfläche von Doberdo bisher nicht. Dagegen setzte die nördlich anschließende 2. Armee ihre vergeblichen Anstrengungen gegen unsere festen Stellungen mehrfach fort und dehnte sie auch aus das Flitsch er Becken aus. Je eine weitere Armee greift die D o l o - mitenfront und SLdtirol an. Im Abschnitt von Chiva sind Einleitungskämpse im Gange. Auf der Hochfläche von Lafraun geht der Feind mit Sappen vor. Ein An- grifssversuch gegen unsere Stellungen nördlich des Werkes Lusern scheiterte in unserem ArtMerieseuer. Bor dem C o l di L an a brachen gestern nachmittag sechs Stürme der Italiener zusammen. Ebenso mißlangen kleinere feindliche Angriffe gegen den Trr Sassi, die FaneS-Stellung und den Nordausgang des Travenanzestales.
Im Raume von Flitsch schlugen die Verteidiger am Westhange des Javorceck Angriffe an den Hindernissen blutig ab. Gegen unsere Linie südöstlich dcS M r z l i B r h und gegen Dolje gingen abermals starke Kräfte vor. Sie wurden gleichfalls abgewiesen. Nnr um einzelne Grabenstücke ist der Kampf noch im Gange. Auch ein abends gegen den Raum nördlich Selo eingesetzter feindlicher Angriff brach zusammen. übergangsversuche der Italiener nördlich Canale wurden vereitelt. Der Görzer Brückenkopf stand wieder unter schwerem Feuer. Ein vereinzelter Borstoß des Feindes gegen den Monte Sabatino mißlang vollständig. Mehrere italienische Bataillone, die gegen den Abschnitt nördlich des Monte San Michele vorstießen, mußten in unserem Artillerie- und Maschincngewehrfeuer in ihre Deckungen zurückflüchten.
Südöstlicher rrriegskchauplatz.
Die östlich von B i s e g r a d vordringenden k. u. k. Truppen hoben den Feind beiderseits Karaula Balva über die Grenze zurückgeworfen. Zwei flankierend eingesetzte Angriffe einer montenegrinischen Brigade wurden abgeschlagen.
Der auS österreichisch-ungarischen Truppen zusammengesetzte rechte Flügel der Armee des Generals v. K o e v e ß hat dir obere K o l n b a r a in breiter Front überschritten. Die Deutschen erstiegen die Gebirgskette nördlich von R u n i k. Hstlich davon drangen auf gleicher Höhe österreichisch-ungarische Kolonnen beiderseits der Straße Topola-Kragu- jevac vor.
Die Arniee des Generals v. G a l l w i tz gewann das Gelände westlich der Eisenbahnstation L a p o w o und vertrieb den Gegner unter schweren Kämpfen südlich und südöstlich von Svilajnac.
Die bulgarische erste Armee hat Z a j e c a r und K n j a z e- v a c erobert und kämpfte erfolgreich auf den Höhen des linken Timokukers. In Knjazevac wurden 4 Geschütze und 6 Muni- tionswagen erbeutet.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: p. H ö f e r, Felbmarschalleutnant.
Die Ereignisse auf dem Balkan.
Die neuen Erfolge in Serbien.
Unaufhaltsam schreiten die Verbündeten in Serbien vorwärts. Kaum wurde die Vereinigung ihrer Armeen bei Brza Palanka gemeldet, so wird ein neuer bulgarischer Erfolg gemeldet: Am Timok haben sie die befestigte Stadt Knjazevac genommen, die als Vorstellung zu der Festung und zweiten Landeshauptstadt N i s ch gilt. Außerdem erstürmten die Bulgaren eine mächtige Schlüsselstellung vom Festungsbezirk von Pirot, der das südliche serbische Ende der Orientbahu verteidigt und als Hauptstützpunkt gegen eine von Bul
garien einmarschievende feindliche Armee gedacht war. So dürfte es auch bis zur Einnahme Pirots nur noch wenige Tage sein. "Ist dber erst Pirat einmal gefallen, dann wird auch Kr Nrsch selbst bald die Stunde der Eroberung geschlagen haben. Und da viel weiter südlich Ues>k,üb schon vor Tagen von den Bulgaren besetzt worden ist, so wird sich in absehbarer Zeit Serbien auch jeder Verbindung nach Süden hin beraubt sehen und im Verkehr mit seinen Freunden aus der westlichen und östlichen Kulturwelt den schwierigen Weg über die albanischen und montenegrinischen Gebirge wählen müssen. Unzweifelhaft leisten die Serben hartnäckigen
Widerstand, aber sie selbst scheu ihr unabwendbares Schicksal vor Augen. Strömen doch .auch von Westen her albanische Scharen, um ihren Bedrückern in den Rücken zu fallen und erstehen ihnen selbst im eigenen Lande in den Mazedoniern die schlimmsten Widersacher, die darauf brennen, cnit dem gewalttätigen Tyrannen schärffte Abrechnung zu halten.
Die Befürchtungen in England wegen der deutsch-türkischen Verbindung:
W.T.-B, London, 28. Oft. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die „Times" sagt in einem Leitartikel: Die Lage verursacht aus zwei Gründen Sorge: Man vergegenwärtige sich die Gefahr der Verbindung Deutschlands mit den vorzüglichen Streitkräften der Türkei und argwöhnt, datz die Regierung sich auf dem Balkan überlisten ließ und jetzt eilig einen Plan improvisiert, um den neuen Bedingungen zu begegnen, die sie nicht vorausgesehen hat. Lansdoiones Erklärung wird diese Bangigkeit schwerlich verringern.
Die Freude der Wiener Presse über die Verbindung mit den Bulgaren.
W.T.-B. Wien, 28. OIL (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Blätter würdigen die Bedeutung der zwischen der österreichisch-ungarischen, deutschen und bulgarischen Armee hergestellten Verbindung sowohl auf politischem wie militärischem Gebiet. Sie stellen, diesen Erfolg der Zerfahrenheit gegenüber, welche nt den Reihen unserer Gegner herrscht, derien gegenüber sich die angeschlossene Einheit aller Kräfte und Bestrebungen seitens der Mittelmächte und ihrer heldenmütigen Verbündeten mit verdoppelter Wucht geltend macht. Das „Fremdenblatt" bezeichnet die Erklärung Lansdownes als ein volles Eingeständnis der Ohnmacht Englands, Serbien Hilfe zu bringen. Dieser Ohnmacht Großbritanniens reihe sich würdig der diplomatische Mistersolg an, welchen England durch die Ablehnung seines Angebotes der Überlassung von Zypern in Achen erlitten hat.
Befreiung österreichisch-ungarischer Untertanen in Serbien.
Pest, 28. Okt. (Zeus. Bln.) Der „Pefter Lloyd" läßt sich aus Sofia drahten: Durch das siegreiche Vorgehen der Bulgaren wurden zahlreiche im Innern des Landes eingeschlossene österreichisch-ungarische Untertanen befreit. Sie sind bereits aus, dem Wege nach Sofia. Ob sich unter ihnen auch Kriegsgefangene befinden, ist noch nicht bekannt.
Die bulgarischen Internierten in Russland.
»r. Kopenhagen, 28. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die bulgarischen Untertanen in Rußland, die aus Anordnung des Petersburger Stadtpräfekten in Jaroslaw interniert waren, werde» aus militärischen Rücksichten abtrans- portiert.
INasseneinstellung von Mazedoniern in das bulgarische Heer.
B«, Sofia, 28. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Mazedonier verlangen in großen Massen die Einstellung in die bulgarische Armee. Es wurden bereits vier Bataillone gebildet, die von Uesküb abgingen. Bei dem Abzug einiger dieser Bataillone, die nach der albanischen Grenze hin wollen, brachen diese in begeisterte Hochrufe auf den Bulgarcnkönig und den PrinzenzuW «u§.
Russische Schiffe auf der Flucht.
Ein rumänischer Hafen als Zufluchtsstätte.
Br. Bukarest, 28, Okt, (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) , Aus Turn-Severin wird gemeldet: Die russischen Schisse „Turgenjew" und „Tirsvpow". die die Aufgabe hatten, die bulgarische Küste und die bulgarischen Donaustellen zu bombardieren, ergriffen plötzlich die Flucht und suchten in dem rumänischen Hafen G o n j a Schutz.
Die Vereinigung der Verbündeten. Lf
Ein welthistorisches Ereignis.
Br. Berlin, 28. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Wn.)
Der bei der Armee Mackensen befindlich« Berichterstatter deS „B. T", W. Hegebcr, berichtet über das welthistorische Ereignis der Bereinigung der bulgarischen Armee mit den deutschen und österreichisch-ungarischen Heeren: In der
Morgenfrühe ließ ich mich auf das serbische Donnuufer zu dem jüngst eroberten Tekija übersetzen. Ich kam auf miserable« W^en durch unzerstörte, aber gänzlich leere serbische Dörfer.
Es drängte mich, nach der serbischen Stadt Kladow« z« kommen. Dort sollte eine bulgarische Patrouille angekommen sein. Kaum fahre ich in das von Festungswallen und Grüben umgebene Kladswo ein, als mein Blick ans dir hohe Gestatt eines berittenen Unteroffiziers in bulgarischer Uniform fällt.
Die österreichisch-ungarischen Soldaten umdrängten ihn. Während ich ans ihn einsprach und er weder mein Deutsch «och Französisch, ich seine Antwort nicht verstehe, tanchte die schlanke Erscheinung eines jungen bulgarischen Offiziers a«f.
Es ist der Ulanenleutnant Gadjew. Sein Name verdient, fortzuleben, denn er ist der erste» der den feindlichen Wall durchbrach und auf befreundetem Boden uns Deutschen die Grüße des Ostens überbrachte. Eben im Begriff, mit dem Herzog von Mecklenburg nach Orsova zu reiten, schenkte er mir doch einige Augenblicke zu folgenden Mittrilnnge«:
Bei Ausbruch des Krieges war er als Niilitärattachs bei der bulgarischen Botschaft in Paris. Sein Regiment befahl ihm, mit dem Ulanenleutnant I a n a t k i e w von Negotin aus z« den verbündeten Truppen oorzustoßen. Sie waren ihrer 25.
Am Nachmittag gewahrten sie bie erste ungarische Husaren- Patrouille. Zweifelhaft, ob sie es mit Serben zu tun hatten» wechselten sie einige Schüsse, erkannten sich bann aber als Freunde. Um 5,25 Uhr trafen sie bei Kladowo ein. Den beiden kühnen Offizieren wurde sofort nach ihrem Eintreffen das Eiserne Kreuz verliehen. Ich saß gerade in meinem Bureau, erzählte der Oberst, als ein Gebrüll begann, aber ein Gebrülle, daß die Scheiben zitterten. Ich schaue auf; da sehe ich einen Rüsten, so einen schönen Rüsten habe ich noch nicht gesehen, aber, wie ich näher zuschaue, merke ich, daß es ein bulgarischer Offizier ist. Er sprang vom Pferde und rief: „Esten! Esten!" Ich habe nicht reden können vor Freude. Den Bulgaren habe ich umarmt und wir haben jnns grkützt vor Freude. Ich weinte und bei den Mannschaften war das rin Gebrüll! Sie haben sich alle an der Donau ausgestellt und haben „Heil dir im Siegerkranz" und „Gott erhalte" und die bulgarische Nationalhymne gesungen, daß es bis zu dem rumänischen Ufer hiuüberschallte. Drüben hat gerade die Militärmusik gespielt. Aber wenn wir gesungen haben, hat sie aufgehört.
Reine Demobilisierung in Griechenland. °
Br. Budapest, 28. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.)
Im Verlauf einer Unterredung, die der Berichterstatter einer bulgarischen Zeitung mit dem griechischen Gesandten in Sofia hatte, erklärte dieser: Von einer Demobilisierung der Armee, wie sie Vcnizelos gern haben möchte, kann keine Rede sein, weil wir nicht wissen, was die Zukunst bringL Unsere Beziehungen zu Bulgarien sind gut, wofür ein klarer Beweis der ist, daß wir keine Armee an der bulgarischen Grenze arff- stellten. Unwahr ist, datz wir die serbische Front besetzten.
Ein griechisches verbot für Zreiroilliganüienste in fremden Heeren.
Er. Athen, 28. Oft. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Auf Anordnung des Kriegsministeriums ist allen Griechen imi wehrpflichtigen Alter untersagt worden, als Freiwillige in die Heere fremder Staaten einzutreten. Die Verfügung hebt alle vorausgegangenon auf und hat rückwirkende Kraft.
Deutsche Steinkohlen für Rumänien.
Br. Wien, 28. Okt. (Eig. Dncchtibericht. Zens. Mn.) Wie die „ALg. Ztg." in Pedeal berichtet, werden nach einem Übereinkommen der deutschen und rumänischen Regierung 500V Tonnen Steinkohlen »ach Rumänien ausgeführt. 200 Tonnen dieser Kohlen sind bereits dort a n g-ek o m m e u.
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