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Donnerstag» 28. Oktober 1915.
Morgen - Kusgabe.
Nr. 502. ♦ 63. Jahrgang.
Der Krieg.
Der Kampf um den Besitz von Knjazevac.
Fortschreitende Vertreibung der Ruffen bei Ezartorqsb. — Erschlaffung der italienischen Offensive. — Die Vertreibung der Serben aus Eopola.
ver österreichisch »ungarische Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 27. Okt. (Nichtaufflich.) Amtlich verlautet vom 27. Oktober, mittags:
Russischer Rriegsschauplatz.
Die Vertreibung der Ruffen westlich von Czar- torysk schreitet trotz der heftigen Gegenwehr des Feindes fort. Sonst nichts Neues.
Italienischer Rriegsschauplatz.
Der italienische Angriff auf unsere küstenländische Front wurde gestern nicht mehr mit so großem Aufwand au Menschen und Munition wie in den früheren Schlachttagen fortgcführt. Der Feind zögerte mit dem Einsatz seiner zurückgehaltenen Kräfte. Mehrere Angrisfsversuche gegen die Krn-Stellung kamen über ihren Anfang nicht hinaus. Wiederholte Angriffe auf den Tolmeiner-Brückenkopf wurden, wie immer, abgewicsen. Der Abschnitt von Plava stand zeitweise unter Trommelfeuer. Ein Angriff auf Globna wurde zurückgcschlagen. Bei Plava vermochte die italienische Infanterie nicht mehr vorzugehen. Im Südabschnitt des noch immer unter schwerem Feuer stehenden Brückenkopfs von Görz drang der nachmittags hier angreifende Feind in ein kleines Grabenstück ein, das er jedoch nachts wieder verlor. Das Geschütz- fcuer gegen die Hochfläche von T o b c r d o hat bedeutend nachgelassen. Die Angriffstätigkeit der Italiener an der D o l o m i t e n - F r o n t hält an. Vorstöße starker gegnerischer Kräfte gegen den C o l d i L a n a und den Sief-Sattel scheiterten. Unser Spital in Roveredo wurde mit Brisanz-Granaten beschaffen.
Südöstlicher Rriegsschauplatz.
Östlich von Visegrad entriffen unsere Truppen dem Feinde die Höhen beiderseits des Grenzdorfes Doli r u n j.
Die Armee des Generals der Infanterie v. K o e v e ß drängte den Gegner im Gebirge nördlich von Grn Milanovac zurück. Österreichisch-ungarische Truppen warfen ihn mit dem Bajonett aus, seinen Höhen- stellnngcn aus Topola. Die beiderseits der Morawa operierende deutsche Armee gewann die Höhen südlich der Raca und dringt die M l a v a aufwärts vor.
Die Orsovagruvpe ist in Brza Palanka eingerückt. In Kladovo wurden 12 schwere serbische Geschütze und große Vorräte an Munition, Verpflegung und Bekleidung erbeutet. Abteilungen der westlich von Negotin kämpfenden bulgarischen Kräfte stellten die Verbindung mit den österreichischen, ungarischen und deutschen Truppen her. Die gegen Knjazrvar entsandten bulgarischen Kräfte kämpften gestern im O st- teile dieser Stadt.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Die Ereignisse auf dem Balkan.
Oesterreich ische artiHerieerfoIge an der Donau.
Radujevac von den Serben geräumt.
Berlin, 27. Okt. (Jens. Bin.) Nach einem Telegramm des „B. T." berichtet die „Times" aus Bukarest, daß die serbische Artillerie bei Trkia nach einem heftigen Bombardement von dem österreichischen Ufer der Donau auS zum Schweigen gebracht wurde. Die Lsterreicher setzten über den Fluh quer über die Insel Adakaleh, und die serbischen Truppen wichen dom Donauufer zurück. Die österreichischen Truppen haben jetzt von Orsowa her freien Durchzug auf der Donau nach Bulgarien. Bei Orsowa wurden 15 Dampfer und Lastschisfe mit Munition znsammen- gezogen. Die Serbe« haben Radujevac geräumt.
Erbitterte Stratzenkiimpfe bei der Einnahme von Uesküb.
Budapest, 27. Okt. (Jens. Bln.) Einer Meldung des „Az Est" zufolge fanden in UeSküb er b i t t e r i e Straften» kämpfe statt. Die Bulgaren eroberten erst einen Teil der Stadt, während einzelne höher gelegene Stadtteile in serbischer Hand blieben. Die türkische und bulgarische Bevölkerung der Stadt unterstützte die Bulgaren und gab den bulgarischen Soldaten in ihren Häusern eine Zuflucht; sie schoft (?!) zusammen mit ihnen auf die abziehenden Serben, die die bulgarischen Kinder und Weiber als Geiseln mit sich schleppen wollten. Die Serben haben vor dem Abzug zahlreiche bulgarische Bürger der Stadt erschossen und viele fortgeschleppt.
Ruch die Serben verbreiten Lügen.
W.T.-B. Sofia, 26. Okt. (Nichtamtlich. Bulgarische Telegraphen-Agentur.) Die Serben verbreiten von amtlicher Stelle Anklagen gegen das bulgarische Heer, indem sie behaupten, daß die bulgarischen Truppen bei den Unternehmungen in Serbien Dumdumgeschosse gebrauchen. Der bulgarische Generalstab weist diese Beschuldigung entschieden zurück, da die Verwendung von Duntdumgeschoffen in dem bulgarischen Heere, welches sich ihrer niemals bedient hat, unbedingt verboten ist, währerid von unseren Feinden nicht dasselbe behauptet werden kann.
Der amtliche bulgarische Bericht.
Reiche Kriegsbeute. — Serbische Lügen. — Der neue albanische Verbündete der Bulgaren.
W. T.-B. Sofia, 27. Okt. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Amtlicher Bericht über die Operationen vom 25. Oktober: Die Offensive dauert auf der ganzen Front an. In Nego- tin fanden wir große Vorräte an Mehl und Hafer. In dem Donauhafen Kuss ich, westlich Prahova, sind 4066 Winterwesten, 2000 Kapuzen, 2000 Militärmützen und 30 Kisten mit Munition gefunden worden. Bei Knjazevac erbeuteten wir 4 Feldgeschütze nnd 6 Kisten voll Munition und nahmen 1 Hauptmann und 30 Soldaten gefangen. Im Distrikt K v s s o v o beginnt die a l b a n e s i s ch e Bevölkerung mit bewaffneter Hand gegen die Serben zu kämpfen.
Nördlich Uesküb, auf dem Wege nach Katschanik, entdeckte man die Leichen von 28 Bulgaren, die von den Serben aus dem Gefängnis entlassen und niedergemacht worden waren. Ferner sind 300 Bulgaren aus verschiedenen Städten Mazedoniens nach Katchanik abgeführt worden. Die Serben machte» eine große Anzahl Bulgaren nieder, die bei ihren Trains nnd der Bagage beschäftigt waren. Biele serbische Familien, darunter mehrere von serbischen Offizieren, sind in Uesküb geblieben. Die Vertreter der Behörden und höhere serbische Offiziere rieten der amerikanischen Mission und anderen Fremden, aus Uesküb zu fliehen, da, wie iie angeben, die Vulgaren ein Barbareuvolk seien nnd sie niedermachen würden. Gleichzeitig ließen sie aber ihre eigenen Familien in Uesküb und sagten ihnen, daß die bulgarischen Leute von gutem Benehmen seien und ihnen kein Leid tun würden.
Der Einzug derGesterreicher in Rladovo.
Br. Bukarest, 27. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die österreichisch-ungarischen Truppen sind Samstagnacht in K l a d o v o einmarschirrt. Die Stadt stand in Flammen, da die abziehenden russischen nnd serbischen Soldaten sie angezündet hatten. Die Bewohner der Stadt sind auf rumänisches Gebiet geflüchtet, desgleichen viele serbische Offiziere.
Rußland verspricht noch immer Truppcnscnduugcn für Serbien.
W. T.-B. Paris, 27. Okt. (Nichtamtlich.) „Petit Parisien" glaubt bestätigen zu können, dass die russische Regierung in
den letzten Tagen Vertretern des Vierverbandes ihre Absicht bekräftigt habe, sobald als möglich Serbien zu Hilfe 3 M eilen. Es handle sich nicht nur um eine Entsendung zur See, sondern um die Entsendung beträchtlicher Truppen. Es seien Maftnahmen getroffen, damit diese Hilfe Serbien an besonders empfindlichen Stellen der Ostfront wirksame Unterstützung bringe.
Die Albanesen auf üem Rriegspfad gegen Serbien.
Nr. Rotterdam, 27. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Bln.) Das Reuter-Bureau berichtet aus Paris: Wie die „Librrte" aus Athen erfährt, griffen die Albanesen erneut ins Serben in der Gegend von Prizrcnd an.
Vertagung der bulgarischen Sobranje bis Ende Dezember.
W. T.-B. Sofia, 27. Okt. (Nichtamtlich. Duccht- bericht. Bulgarische Telegraphen - Agentur.) Die
Sobranje, die übermorgen zusammentreten sollte, ist auf den 28. Dezember vertagt worden.
Griechenlands entschiedener Standpunkt.
Erst die Erfüllung der Forderungen, dann neue Berhaudlungen.
Sr. Budapest, 27. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der Athener Berichterstatter des „Billag" meldet: Die griechische Regierung wies ihre Londoner und Pariser Gesandten an, die griechische Antwortnote zu überreichen und mündlich zu erklären, daß Griechenland unbedingt den darin entwickelten Standpunkt festchitllte« werde. Est
