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Der Romai
!■ 11 »i morgen>Beilage des Wiesbadener Tagblalls. i«-- •:
Nr. 281. Mittwoch. 27. Oktober. 1 ^ 1 «.
(Schluß-s
S. m. S. Grille l
Roman von Otto Elster.
(Nachdruck verboten.)
Im Radowitzer Herrenhaus herrschte im iibrigen eitel Freude. Der Park, die Felder und Wälder, die Gärten und Wiesen erglänzten im lichten Grün des Frühlings, und mit dem Frühling war das junge Brautpaar Horst und Asta von Steinitz eingetroffen, begleitet von Astas Mutter, einer Vornahmen, stattlichen Dame von einigen vierzig Jahren. Die Baronin von Haidebrink verstand sich mit Frau von Steinitz,
S 'wrene Freiin von der Markworth, ausgezeichnet.
milienbeziehungen waren bald angeknüpft, und die Baronin schwelgte in den Erinnerungen an gemeinsame Bekannte aus den Kreisen der Berliner Hofgesellschaft. Asta aber, ihr zukünftiges Schwiegcrtöchterck>en, umgab sie mit zärtlicher Liebe und Bewunderung. Asta war aber auch gar zu reizend in ihrer Zierlichkeit und ihrem bräutlichen Glück. Ihre dunklen Augen strahlten, ihre roten Lippen lachten, daß man ihre weißen Perl- zäh nchen schimmern sah. und wenn sie rn ihrem leichten, eschmackvollen Seidenkleid? durch den Garten tollte, a glich sie einem schillernden exotischen Schmetterling, der sich nach dem rauften Norden verirrt hatte. Wera erschien ihr gegenüber alt und grau, wie ein unscheinbarer Nachtfalter in seinen niatten und düsteren Farben.
Horst war glücklich: er war bis über beide Ohren verliebt in seine kleine Braut, und nur zuweilen, wenn Asta gar zu kindlich-naiv sich geberdete, kam ihm die Erinnerung an die ernste Schönheit Käthes, und eine heimliche Sehnsucht schlich sich in in sein Herzen nach einem durch eigene Schuld verscherzten Glück. Doch rasch verschivand dieses Gefühl wieder unter den strahlenden Augen Astas, bei ihrem fröhlichen Lachen. Er war keine Kampfnatur, und der Gedanke, sich durch Entbehrungen und Unfrieden mit seiner Mütter ein Glück erkämpfen zu müssen, mar ihm unleidlich. Und dann kam die Nach, richt von der Verlobung Neithardts mit Käthe, eine Bestätigung seiner Vermutung, daß Käthe senen Mann schon immer geliebt habe. So fand er, daß er recht gehandelt, als er sich von Käthe zurückgezogen hatte. And nun sollte er sie wiedersahen, denn sie alle waren heute zum Diner nach Schloß Neuhof eingeladan.
Neithardt und Käthe sianden Arm in Arm auf der großen Freitreppe des Schlosses, mn die Ankommenden zu begrüßen, während sich Fred mehr in dem Hintergrund hielt. Als die Wagen in dem großen Hof mit dem alten Springbrunnen in der Mitte und dem grauen, wappengeschmückten Tor einsuhren und das Schloß in seiner ganzen Mächtigkeit vor ihnen stand, »nachte Asta doch große, erstaunte Augen, und Frau von Steinitz flüsterte der Baronin zu: „Ein sehr feudaler
Adelssitz . . .", woraus Frau von Haidebrink nur schweigend mit dem Kops nickte. - Sie hatte bislang in der Hoffnung gelebt, daß Wera einst Herrin in diesem prächtigen alten Schloß werden würde: jetzt mußte sie diese Hoffnung aufgeben und ein leichtes bitteres Gefühl schlich sich in ihr Herz. Doch war sie formgewandt genug, um Käthe, di« ihr die Hand küssen wollte, in vie Arme zu schließen und ihr herzlich zu gratulieren.
Käthe und Wera hatten sich bereits inoffiziell gesehen und so nickten sie sich nur lächelnd zu. Horst zeigte eine leichte Verlegenheit, als ihm Käthe die Hand reichte und sagte: „Ick) habe noch gar keine Gelegenheit gehabt. Ihnen und Ihrer lieben Braut zu gratulieren — nehmen Sie meinen herzlichsten Glückwunsch. . ."
Es würgte Horst etwas in der Kehle, kaum komrte er seinen Glückwunsch hervorbringen. Erst als er sah, mit welcher Freundlichkeit Käthe seine Braut begrüßte und wie Asta Käthe herzlich küßte, kehrten seine Muhe und sein Gleichmut wieder zurück.
Während des Diners irnterhielt sich Neithardt lebhaft mit Frau von Steinitz, an deren anderen Seite Käthe saß. Mit einem gewissen Erstaunen bemerkte die Baronin, wie herzlich sich Frau von Steinitz mit Käthe unterhielt und auch Fred, der ihr gegenüber saß, oft in das Gespräch zog. Man unterhielt sich Mer die Verhältnisse in Schanghai und Ostasien im allgemeinen; die Baronin wußte davon so gut wie nichts und hörte schweigend zu.
„Nicht wahr, Baronin", flüsterte ihr Neithardt lächelnd zu, „da müssen wir armen Landbewohner schweigen. Die Herrschaften haben in der großen Walt gelabt, während wir hier verbauerten."
„Ich fühle mich durchaus nicht in diesem Stadium", entgegnet? die Baronin ein wenig verletzt.
Mit Interesse hörte Wera den Erzählungen Freds zu, dessen kluge Worte über den Handel und Wandel in Ostasien ihr eine neue Welt eröffneten. Auch sonst erregte Fred ihr lebhaftes Interesse. Sein weltmännisches Wesen, sein kluges Diplomatengesicht, seine schlanke Gestalt, die sich in dem Frack sehr vorteilhaft hervorhob, sein scharfes, graues Auge, seine feine und doch kräftige Hand — das alles beobachtete Wera mit größtem Interesse, das sich im Laufe der Unterhaltung mehr und »nehr vertiefte.
Noch dem Diner wurden Schloß und Park besichtigt. Da fügte es der Zufall, daß sich Käthe^ und Horst in einem einsamen Laubengang trafen. Eine leichte Per» legenheit überkam ihn, als er die edle, in ihren Trauerkleidern noch schlanker erscheinende Gestalt ans sich zukommen sah. Doch faßte er sich ein Herz und schritt auf sie--zu. Sie blickte ihm freundlich entgegen.
„Fräulein Käthe — Sie werden mir zürnen . . ." stammelte er, verwirrt durch ihre freundliche Ruhe.
^Weshalb sollte ich Ihnen zürnen, Horst?" entgegnet? sie mit leisem, gütigem Lächeln. „Daß Sie Ihr Glück gefunden haben? DarMer vermag ich nach nur zu freuen ..."
,Sie müssen mich flir unbeständig, für treulos halten, Käthe — aber ich war in einem Irrtum befangen — doch nein, es war kein Irrtum — Sie sind ja jetzt die Braut Neithardts — lieben Sie ihn — schon damals liebten Sie chn . . ."
„Wir wollen uns beide nicht mit dem, was war, analen, Horst", sagte sie mit ernster Milde. _ „Wer ist Herr über sein Herz, das allein seinen Weg findet. Wir
