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i «r-—« i Morgen-Veilage des Wiesbadener Tagblatts, i«—

Nr. 250. Dienstag, 26. Oktober.

(24. Fortsetzung.)

S. m. s. Grille!

Roman von Ott» Elster.

(Nachdruck verboten.!

,/Jch (bitte Sie um Verzeihung, Käthe, (daß ich in dieser Stunde von «meinen Hoffnungen zu sprechen wage. Sie kennen ja diese meine Hoffnungen und Wünsche — ich brauche Ihnen nicht zu sagen, «daß es noch dieselben sind, wie damals, ails wir am Strande der See zusammentrafen. Ich lasse Sie nicht, Käthe! Das habe ich Ihnen schon damals gesagt und wiederhole es Ihnen jetzt. Ich werde Ihnen immer wieder ent- gegentreten, ich werde Ihnen folgen, wohin Sie auch gehen, bis Sie sich von meinen echten und wahren Ge­sinnungen überzeugt haben. Sie stehen jetzt allein ,in der Welt, Käthe — Ihr Bruder Kurt verfolgt seine OffiziersSarriere, er kann Ihnen kein Heim bieten,—- im Hause Freds finden Sie vorerst ein Heim, eine Unterkunft — wie lange aber wird es dauern, daß Fred sich selbst eine Lebensgefährtin sucht, die dann die Herrin seines Hauses ist. Dann wird, flamm noch Platz für Sie darin sein. Dann stehen Sie wieder einsam da! .Käthe, ich biete Ihnen eine Heimat für das ganze Lüben. Ich will jetzt nicht von meiner Liebe zu Ihnen sprechen, von dem Glück, das ich in Ihrer Liebe finden werde — ich will Sie nur bitten, mir zu erlauben, für Sie zu sorgen. Sie zu schützen, Ihnen eine Heimat zu geben, m der Sie, wenn nicht glücklich, doch ruhig und zufrieden leben können. Denken Sie, wie glücklich Ihre «arme Mama sein würde, wenn sie Sie in dam, Schutz einer sicheren Heimat wüßte. Ich will sa geduldig sein, Käthe, ich will warten, ich weiß ja, daß diese Stlmde nicht geeignet ist, einen Entschluß für das ganze Leben zu fassen »— aber sagen Sie mir nur ein Wort, das mich zu der Hoffnung berechtigt. Sie einst mein nennen zu dürfen ..."

Er war nahe zu ihr getreten. Sie hatte sich ange­wandt und die Hand vor die überfließenden Augen ge­preßt. In raschen Schlägen pochte ihr Herz und ein Schluchzen erschütterte ihre Gestalt.

„Hab' ich Ihnen mit meinen Worten wehe getan, Käthe?" fragte er ernst und traurig. „Soll ich gehen?"

Da wandte sie sich um und streckte 4hm beide Hände entgegen.

„Ich .danke Ihnen von ganzem Herzen", sprach sie mit bebender Stimme.

Er beugte sich in zärtlich-ehrerbietigem Kuß über ihre Hände, die zitternd in den seinen lagen.

„Und nun soll ich gchen, Käthe?"

Da warf sie sich an seine Brust, schlang die Hände um seinen Nacken und barg das Antlitz an seinem Herzen.

„Nein, nein", flüsterte sie leidenschaftlich. „Bleibe bei mir — verlaß mich nicht . . ."

Er preßte sie fest an sein Herz und küßte sie ainf die Stirn. „Meine Käthe — mein — mein für das ganze LÄen..."

Sie sah zu ihm auf. ein glückliches Lächeln,, um­schwebte ihren M-urd. „Mein Liebling . . . ." fliisterte tzr zäMch, und ihre Lippen fanden sich 4m ersten Kuß.

17.

Im Arbeitszimmer der Baronin von Hardebrink saß Neithavdt und sah lächelnd zu der Baronin hinüber, die erregt auf und ab schritt.

„So haben Sie sich also doch zu dieser, Heirat ent­schlossen, lieber Neithardt?" fragte sie, nervös die Hände ineinander verschlingend.

„Ja, Baronin", entgegnete er. „Und ich bin froh, daß Käthe mir endlich ihr Jawort gegeben hat. Es war keine leichte Aufgabe für mich, sie von meiner ehrlichen Neigung zu überzeugen."

„Aber ich bitte Sie ... es ist doch ein großes Glück für Fräulein Schuhmacher!"

„Das müssen wir abwarten", entgegnete er, ernster werdend.

„Welche Frage? Sie geben ihr eine Position, wie sie sich besser ein junges Mädchen — namentlich wenn es aus solch einfachen Verhältnissen stammt — nicht wün­schen kann."

Neithardt erhob sich.

„Die äußeren Verhältnisse begründen nicht immer «das Glück des Lebens", sagte er ernst. „Und äußere Verhältnisse haben Käthe sicherlich nicht bewogen, mir ihr Jawort zu geben. Ich bin glücklich, mir ihre Liebe erobert zu haben."

Die Baronin zuckte die Achseln.

,Zch habe es für meine Pflicht gehalten", fuhr er -- fort, „Ihnen, Baronin, als meiner alten Freundin, zu­erst Mitteilung von unserer Verlobung, die bislang ge­heim war, zu rnachen, und hoffe, Sie werden mir helfen, Käthe in die hiesige Gesellschaft einzuführen."

„Wie meinen Sie das?" fragte die Baronin erstaunt.

„In den nächsten Tagen wird Küthe mit ihrem Bruder Fred — übrigens ein ausgezeichneter Mensch — zum Besuch nach Neuhof komsnen. Es gibt da manche Veränderungen zu treffen — das Schloß hat lange Jahre hindurch keine Herrin gesehen — und da möchte ich bitten, Ihnen Käthe und ihren Brüher zuiführen zu dürfen. Käthe kennt ja auch Ihre zukünftige Schwie» gerechter ..." . .

„Es wird mir angenehm sein, Ihre Braut her mrr zu sehen", entgegnete die Baronin mit steifer Höflich­keit. „Me unsere Nachbarn sie aufnvhmen wenden, kann ich allerdings nicht wissen."

Er .lachte.

„Glauben Sie nicht, Baronin", sagte er gutgelaunt, „daß mir an dem Umgang solcher Leute liegt, die Käthe nicht mit herzlicher Höflichkeit und der Hochachtung auf- nehmen, die ihr gebührt . . ."

„Als Baronin Neithardt wird ihr schon die nötig«! Achtung entgegengebracht werden", erwiderte sie steif.

„Das will ich hoffen", sagte er und es blitzte in seinen dunklen Augen drohend auf. „Sie kennen mich, Baronin..."

„Ja, ich weiß, daß Sie stets mit dam Kopf durch hie .Wand wollen."