U-. 405.
Marge« Ausgabe.
S. Diait.
iesba-ener Tsgblstt.
Mittwsch.
3 h August 1904 .
SÄ. Jahrgang.
Je reiner die Gedanken der Menschen sind, desto Mehr stimmen sie zusammen. Herder.
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(S. Fortsetzung.)
Zwischen den schären.
Seeroman von Hans Parlorv.
Sie drehten die Köpfe nach ihrem Kapitän herum. Er hatte sich nachlässig auf die Schanzkleidring gelegt, sah dem Rauch der Zigarre nach und schaute durch ihn hindurch zum großen Maste empor.
„Du blauer See,
Du warmer Passat,
Nie habt ihr gesehen,
Ähnlichen Staat.
Nie habt ihr getragen Stolzere Pracht,
Als meine Schlanke In Leesegelpracht!"
Er hatte das Lied zuerst leise gesummt; aber die letzten Strophen ließ er in lauten Gesang übergehen.
„Du blauer See,
Du warmer Passat,
Frischt auf und helft Dem verliebten Jan Mab
Damit seine Schlanke Beflaggt und befranzt Im Schleppkleid über Die Wellen tanzt!"
Die beiden Seeleute hatten zugehört.
„Hörst du?" fragte der Bootsmann leise.
„Er ist gut aufgelegt."
„Er hat gesungen wie ein vernünftiger Mensch. Mit der Schlanken meint er die „Kaptaube". Er hat was gesungen, das in ein Notensystem patzt. Ich riskier' es, Karl."
„Was?"
„Ich will die Gelegenheit benutzen und dem Wen mit 'nem guten'Rat um tue Nase wischen. Und weil für dich ein Gewinn herauskommt, kannst du mir begleiten. Doppelt reißt nicht."
F Der Steuermann dachte an den Gewinn, der für ihn bei diesem Gang herauskommen sollte, und entschloß sich, mitzugehen.
Garding blies ihnen den Zigarrendampf entgegen.
„Nun, was wollt Ihr? Soll ich Gnade vor Recht ergehen lassen und davon abstehen, den Kochmaat zum Steuermann und den Halbmann zum Bootsmann zu machen?"
Der Bootsmann schmunzelte.
„Kaplan Garding, wenn Sie den Wchmaat wirklich 'als Steuermann anstellen, dann steh' ich für nichts. Mit 'nem Kochmaat kommt man nicht quer über dm Atlanti- schon Ozean."
„So? Und würde ich mit Euch beiden über dm Ozean oder nur ums Kap kommen, wenn ich Euch immer tun ließe, was Euch beliebt?"
„Kap'tän Garding, das ist 'n Sach' für sich. , Boots- mann und Steuermann sind an Bord, damit sie sich dann und wann ’n bißchen irren, denn wir sind keine Gelehrten nicht; der Kapitän aber ist dazu da, daß er den
Schaden wieder gut macht. Wenn ich und mein ^1'.^ der Steuermann Schmeer, uns aus all dm heuchelten verstehen möchten, die nur 'n Kapitan verstehen tann, dann würde die „Kaptaube" kein Kapitan nicht brauchen. Das mit dem Kochmaat und dem anderen Bengel Pt m 'n Fall, auf den ich mir gar nicht entlasse, weil tch recht gut weiß, daß es dem Kap'tän Gardmg damit nur rmt 'ner sogenannten Drohung zu tiin ist, damit wir b ei d er nächstm Gelegenheit unsem Grips mehr zusammen
nehmen möchten." , . ._
„Wenn du dich auf diesm Fall nicht einlaßt, dann willst du dich doch sicherlich auf einen anderen Fall em- lassen. Ohne Grund seid Ihr beide doch nicht achteraus gekommen. He, Steuermann?"
„Kap'tän Garding, ick hatte vor, Mich danach zu er- kundigen, ob die „Kaptaube" von New-York aus mrf die Heimreise gehen wird." „ .
„Ob sie auf die Heimreise gehen wird? Nein , ant- wartete Garding kurz. „Ihr wollt wohl nach Hause? Gut, mein Vater hat mir schon nach Yokohama geschrieben, daß, wenn wir in New-York ankommen, weine .Nanm schaft drei Jahre an Bord gewesen ist, und daß ich Euch entweder die Heuer um ein Drittel erhöhen, oderEuch nach Hause schicken muß. Da das erste für das Schiff zu teuer zu stehen kommt, so ist mein Vater dafür, daß ich Euch alle nach Hause schicken soll. Das könnt ^?hr aber machen, wie Ihr wollt. Es kann noch zwei Mon^e dauern, bis wir nach New-York kommen, und da habt Ihr Zeit genug zum Überlegen." ... „ ,,
Er schien die Unterhaltung für beendigt zu halten und beschäftigte sich mit seiner Zigarre.
Heinrich Lark räusperte sich aber gewaltig.
„Willst du auch nach Hamburg zurück?"
„Kap'tän Garding, haben Sie vergessen, daß die „Kaptaube" drei Jahre von Hamburg fort ist und neu gekupfert werden muß?"
„Gekupfert kann sie auch im Ausland werden.
„Ja wohl, Kap'tän. Sie haben aber vergessen, Kap'tän, was es für 'n Freude abgeben würde, wenn die Leute anstatt an Bord von 'nem lausigen Paketboot mit dem Schiff, mit dem sie von Hamburg ausgegangen sind, und mit Ihnen auf dem Quarter wieder nach Ham- bürg 'remkomnren, und wenn der Lotse an Bord kommt und großschnauzig werden will, dann nehmen wir ihm s Kommando ab und sagen ihm, daß wir das Hamburger Revier ebenso gut kennen wie er, und am Strand steht Ihr Frau Mütterchen und weint vor Freuden, und der alte Herr Garding lacht sich ins Fäustchen und sagt: das ist meine „Kaptaube", drei Jahre hat sie außer Lands geschwalbt und viel Geld verdient und keine Havarie gemacht, und wie gut das Schiff in Stand gehalten ist, und mein Sohn ist Kapitän an Bord, und es sieht aus, als wenn die Leute stets zu ihrem Kapitän gehalten haben, und so was gibt es bloß einmal auf der Welt . . . Das alles würden wir zu hören bekommen, Kap'tän Garding."
„Du weißt mehr als ein Hamburger Ratsherr."
Garding streifte ihn mit eurem Blick wie vorhin, wendete sich dann ab und schaute in der Längsrichtung des Schiffes, vor dessen Bug gerade die Sonne unter- ging.
„Kap'tän Garding, Sie sollten nicht immer westlich sehen", fuhr der Bootsmann unbeirrt fort. »Wer west-
'lich sieht, dem kommen die südamerikanischm Gewässer
" ®Ä“'»£f die &«n «B Bord.
»erlief: bis Sonne unb »weifte
Der Steuermann räusperte sich. Aber Hemncy
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spielen? Von die südlichen Frauleins kann einer Ud}
^^Da^der Wind jetzt platt von achtern kommt, fo Jficrt es keinen Zweck, daß wir das Grotzsege! stehen Jrttjh Es ist das beste, wir geren cs aus , sagte Gardmg na y
ICll "'!er alte Bootsmann hörte weniger aus d« Worte seines Kapitäns als auf den geringen Nachdruck, womit
Et ^Alch^was ist dabei, wenn, ein junger Kapitän mak über die Schnur baut? .Kap tan Gardmg, vche Mutter chen ist 'ne brave Frau und stark von Einsehen, und wenn Sie erst wieder in Hamburg sind, dann wird ste sagen. was mein Sohn ist, das ist mein Sohn, und was fl* schehen ist, das ist vorbei, und hier Hab ich em hübsche Hamburger Fräulein, das darauf zugeschmtten is, s 1 in nikinkn SSßltßr ZU ü6rIicu€Tt, ivnu . . -
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nrt Bord oder nicht. Hab' ich befohlen, daß das Großsegel festgemacht wird oder nM? Gei' Großsegel ans. Aufaeien und festmachen! Gehört?!
Der alte Seemann war zusammengefahren und vergaß zu antworten. . -
„Nicht gehört? Steuermann, nehmen sre ihn beim
Kragen und sagen Sie ihm. was er zu tun ha -
Die beiden trollten sich und das Seg^ wurde fest-
^Kap'tän Garding beliebt zu essen?" fragte der Steward von der Quarterdeckstreppe her
„Ich bin nicht hungrig. Sag' dem Steuermann mb Bootsmann, daß sie allein essen sollen."
Garding fing an, auf dem Quarterdeck auf- und ab-
zugehen-der ^ Mc o, amt>e bereits angezündet,
als Schmeer und Lark binunterginaen und die innen zu- stehenden Plätze am Tisch gegenüber dem Sofa ein-
^Der'alte Bootsmann sah schm nach oben, von wo dis Schritte des Kavitäns hörbar waren. Dann aß und trank er, ohne aufzusehen. ,
„Tu hast ihm mit deinem Gequassel den App tit ver- darben", flüsterte der Steuermann.
Aber der Bootsmann schwieg und staute so viel Hartbrot in seinen Tee, daß er überlief. , ^ ,
Einige Zeit später betraten sie wieder das Deck.
Es war mittlerweile Nacht geworden. Dann und wann wurden in der Nähe iiber dem Schiff die Sterne sichtbar. Ringsum war alles in Nebel gehüllt. Die Brise war noch flau, aber doch stärker als vorhin.
„Steuermann, gehen Sie mit Ihrer Wache zu Koje." „Jawohl, Kap'tän. Gute Nacht."
. „Gute Nacht. Bootsmann, ich geh' einen Augenblick hinunter. Bleib' acktern und übernimm die Wache." „Jawohl, Kap'tän." (Fortsetzung folgt.)
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