Verlag Langgaffe 21
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Dienstag, 26. wktober 1915. _ MvrgeN- KUSgahS. _ «r. 499. ♦ 65. 3al|rgang.
Der Krieg.
Beherrschende serbische ^öhenstellung an der Iasenica gestürmt.
Erneute französische Vorstöße in der Champagne abgewiesen. — Gescheiterte russische Eingriffe bei Riga und Dünaburg. — Deutsche Streitkräfte muffen vor überlegenen russischen Eruppenmassen zurückgehen. — Die Tamnava- übergänge westlich der Kolubara in Serbien besetzt. — Bis zur Linie presedna-kjöhe vorgedrungen. — Gin weiterer bulgarischer Erfolg bei pirot.
Der Tagesbericht vom 25. Oktober.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 25. Olt.
Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
In der Champagne griffen die Franzosen bei Tahure nnd gegen unsere nördlich von Le Mesnil vorgebogene Stellung nach stärkster Feuervorbereitung an. Bei Tahure kamen ihre Angriffe in unserem Feuer nicht zur vollen Durchführung. Am späten Abend wurde an der vorspringendcn Ecke, nördlich von Le McSnil, noch heftig gekämpft. Nördlich und östlich davon waren die Angriffe unter schweren Verlusten für die Franzosen abgeschlagen.
Gestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des GeneralfsldmarschaKs von kfindenburg.
Südlich von K e k k a u (südöstlich von Riga) wurden russische Vorstöße abgcwiescn. Gegenangriffe gegen die von uns am 23. Oktober genommenen Stellungen nordwestlich von Dünaburg scheiterten. Die Zahl der Gefangenen erhöhte sich auf 22 Offiziere, 3705 Mann, die Beute auf 12 Maschinengewehre nnd 1 Minenwcrfer.
Schwache deutsche Kräfte, die nördlich von Jlluxt über den gleichnamigen Abschnitt vorgcdrungen waren, wichen vor überlegenen Angriffen wieder auf das Westufer aus. Nördlich des Driswjaty-Secs blieben ruffische Angriffe gegen unsere Stellungen bei Gatcni-Grcnzthal erfolglos.
Heeresgruppe des Generalfeldmarfchalls Prinz Leopold von Bayern.
Die Lage ist unverändert.
Heeresgruppe des Generals v^n Linstngen.
Westlich von Komarow find österreichische Truppe» in die feindliche Stellung auf iy 2 Kilometer Breite eingcdrungen.
Balkankriegsschauplatz.
Bei B i s e g r a d ist der gewonnene Brückenkopf erweitert. Westlich der K o l u b a r a wurden die Tamnava-übergänge nordwestlich von Ub in Besitz genommen.
Die Armee des Generals K o c v c ß hat die allgemeine Linie Lazarcvac nördlich von Arangjelovac-Rabrovac (westlich von Ratari) erreicht.
Die Armee des Generals v. G a l l w i tz hat südlich der Jasenica die beherrschenden Höhen östlich von Banicina gestürmt, ferner in der M o r a w a - E b e n e in heftigen Kämpfen Dl. Nivadica und Zabari genommen und ist östlich davon bis zur Linie Prcscdna-Höhe (südlich von Pctrovac, westlich von Meljnica) gelangt.
Im P e k - T a l e wurden die Höhen westlich und nordwestlich von Kucevo besetzt.
Die bei Orsova übergegangenen Truppen sind weiter nach Süden vorgedrnngen und haben mit ihrem linken Flügel S i p (an der Donau) erreicht.
Die bulgarische Armee des Generals Bonadjeff hat den Kamm zwischen dem Gipfel Drenovaglava und in Mir- kovac (20 Kilometer nördlich von Pirot) genommen.
Oberste Heeresleitung.
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Oie heutige Kriegslage.
(Von unserer Berliner Schriftleitung.)
Berlin, 25. Okt. (Eig. Meldung. Jens. Bln.) Auch gestern hat sich an der Westfront die Gefechtstätigkeit im allgemeinen nicht belebt. Rur in der Champagne gab es abermals französische Angriffe in beträchtlicher Stärke, die zurückgewiesen wurden und mit einem tatsächlichen M i ß- erfolg endeten. Die Franzosen haben sich dort erneut außerordentlich starke Verluste geholt, weil erst vorschwärmcnden Schützenlinien dichte Kolonnen nachfolgten, die durch deutsches Feuer aufgerieben wurden.
Der ruffische Landungsvcrsuch in Kurland, der mit einem alsbaldigen Fiasko endete, erscheint als ein ganz kindischer Versuch der Heeresleitung der Gegner, wieder einmal mit einem Bluff auf das neutrale Ausland Eindruck zu machen, denn anders als ein Bluff läßt sich die Ausschiffung schwacher Kräfte nicht bezeichnen. Unser Vorstoß auf D ü n a b u r g schreitet sehr erfolgreich fort. Dagegen haben die ruffischen Angriffe fast ganz aufge- 'h ö r t, nachdem der Gegner nirgends Vorteile hat erzielen können. Im russischen Bericht wird davon gesprochen, daß die deutschen Linien an der Ostfront sehr dünn seien. Aus
den letzten Kämpfen kann man ersehe«, daß sie immer noch kräftig genug sind, um die dicken russischen Truppen- maffen zurückzu werfen.
In Serbien haben das deutsch-österreichische und besonders das bulgarische Heer weiterhin ihre Operationen sehr günstig entwickelt. Uesküb ist fest in der Hand unserer bulgarischen Verbündeten. Da die Einnahme dieses wichtigen Punktes die beiden Bahnlinien für den versprochenen Nachschub der Entcntetruppen abschneidet, darf sie sowohl in Sofia wie auch von den Zentralmächten mit besonderer Genugtuung begrüßt werden. Andere serbischen Bahnbauten, die in Eile unternommen wurden und von denen sich das feindliche Ausland viel versprochen hat, sind der Vollendung noch nicht nahegerückt und keinesfalls gebrauchsfähig. Was unter diesen Umstände» die weiteren Truppenlandungen in Saloniki noch für einen Zweck haben können, ist rätselhaft.
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Berlnst des groften Kreuzers „Prinz Adalbert."
W.T.-B. Berlin, 25. Okt. (Amtlich.) Am 23. Oktober wurde der große Kreuzer „Prinz Adalbert" durch zwei Schüsse eines feindlichen Unterseebootes bei Liban znm Sinken gebracht. Leider konnte nur ein kleiner Teil der Besatzung des Schisses gerettet werden. Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Der Panzerkreuzer „Prinz Adalbert" gehört zu den kleinsten seiner Art. Mit 9000 Tannen Wasserverdrängung steht er nur ncch über dem Kreuzer „Prinz Heinrich" von 8900 Tonnen, während die größten Panzerkreuzer 20 000 bis 25 000 Tonnen messen. Am 22. Juni 1901 vom Stapel gelaufen, steht der Panzerkreuzer „Prinz Adalbert" hinsichtlich seines Alters ebenfalls an dritter Stelle, da nur „Prinz Heinrich" am 22. März 1900 und „Fürst Bismarck" am 25. September 1897 vom Stapel gelaufen, auf eine größere Zeitdauer zurückblicken. An Armierung besaß „Prinz Adalbert", der ein Bcuderschiss des gleich großen Panzers „Friedrich Karl" ist 4 Geschütze von 21 Zentimeter, 10 von 15 nnd 12 von 8.8 Zentimeter Kaliber. Bei einer Länge von 121.9 nnd einer Breite von 19.6 Metern war seine Schnelligkeit auf 21 Seeineilen festgesetzt. Die Besatzung bestand aus 591 Mann. Erbaut ward der Kreuzer auf der Kaiserlichen Werst in Kiel, wo die Kiellegung in, April 1900 stattfand. Seine Indienststellung erfolgte im Herbst 1903, womit er gleichzeitig dem Nordseegeschwader zngeteilt wurde.
Wir bctrauern dm Verlust dieses Kreuzers aufrichtig, da ancy er trotz stines Atters sür kommende Zeiten noch manchen guten Dienst hätte leisten können, aber wir trösten uns auch mit der Tatsache, daß in einen: Kriege nicht nur Gewinne gebucht werden, sondern auch die Wechselsälle der Kriegssührung mit in Kauf zr, nehmen sind,
*
valjevo von den österreichisch- ungarischen Truppen besetzt.
Die Kuffen werden wieder andauernd über den Stqr zurückgedrängt. — Die vergebliche Isonzo-Dffensive der Italiener. — Triest von italienischen Fliegern heimgesucht. — Die Serben bei Ratri geworfen. — Die Eroberung von petrovac.
Oer österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 25. Oft. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 25. Oktober, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Die Angriffe westlich von Czartorysk nehmen einen günstigen Fortgang. Der Feind wird trotz hefttgen Widerstandes gegen den Styr z n r ü ck g c d r ä n g t. Gestrige Beute in diesen Kämpfen: 2 Offiziere, 1000 Mann, vier Maschinengewehre. Sonst im Nordosten nichts Neues.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Jsonzoschlacht dauert fort. Auch am gestrigen Tage, am vierten der großen Jnfanteriekämpfe, schlugen die Verteidiger alle italienischen Angriffe, die nicht schon im Feuer unserer Artillerie zusammenbrachen, unter schwersten Verlusten des Feindes zurück und behaupteten überall ihre Stellungen.
An der Tiroler Front griffen mehrere Bataillone unsere Verteidigungslinie auf der Hochfläche von Vilg-rcuth, wie immer, vergebens an. Ebenso scheiterten feindliche Angriffe auf die Cima di Mezzodi» den Ort Sief und im obersten Rienztale.
Am Krn wurde ein Angriff gestern, ein zweiter heute nacht abgewiese». Auch gegen den M r z l i - V r h mißlangen zwei Vorstöße unter besonders schweren Verlusten der Italiener. Südöstlich dieses Berges drang der Feind in ein kurzes Grabenstück ein, wurde aber durch einen Gegenangriff wieder hinausgeworfen. Ein neuer Vorstoß von 2 Alpinibataillonen brach hier in unserem Feuer zusammen. Diese feindlichen Abteilungen wurden fast vollständig aufgerieben.
Vor dem Tolmeiner Brückenkopf richteten sich die Angriffe hauptsächlich gegen unsere Stellungen auf dem
Rücken westlich von Santzr Lucia und bei Selo, die sämtlich in unserem Besitz blieben.
Der Abschnitt von Plava stand unter schwerem Geschützfeuer. Ansammlungen des Feindes bei Plava wurden durch die Wirkung unserer Arttllcrie zersprengt. Bei Zagora bcmächttgten sich die Italiener unter Tage eines vorspringendcn Teiles unserer Gräben; nachts wurden sie wieder daraus vertrieben.
Bor dem Monte Sabatino erstickte unser Artillerie- sener gestern vormittag »och einen Angriff. Hieraus unternahm der Gegner keine ernsten Versuche mehr, sich den Linien des Görzer Brückenkopfes zu nähern. Am heftigsten waren die Kämpfe im Nordabschnitt der Hochfläche von D o b e r d o, wo sehr starke italienische Kräfte wiederholt in Maffen zum Angriff vorgingen. 'Immer wieder, mit verheerendem Feuer empfangen, mußte der Feind in seine Deckung zurückflüchten. Ein Angriff gegen unsere Stellungen östlich Monfal- cone teilte das Schicksal aller anderen Anstrengungen der Italiener.
T r i e st wurde gestern nachmittag von einem feindlichen Flieger heimgesucht, der durch Bombenabwürfe zwei Einwohner tötete, 12 verwundete.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Österreichisch-ungarische Reiterabteilungen rückten in Valjevo ein. Die Armee des Generals v. Koeveß nähert sich kämpfend der Stadt Arangjelovac. Die beiderseits der K-lubara vordringenden k. und k. Truppen dieser Armee befinden sich im Angriff gegen die Höhen südlich und südwestlich von Lazarcvac. Ein anderer österreichisch-ungarischer Heereskörper warf die Serben bei Ratari, 10 Kilometer südwestlich von Palanka.
Deutsche Streitkräfte stürmten die mit großer Erbitterung verteidigten Stellungen südlich von Palanka und gewannen Petrovac im Mlawatal. Die bei Orsova über- gcsetzten österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen dringen im Gebirge östlich der Stromenge K l i s s u r a vor. Der Feind flüchtete und ließ Gewehre und Munition liegen.
Die Bulgaren haben in den letzten Tagen den Timok von der Quelle bis zur Mündung an zahlreichen Punkten überschritten. Ihr Angriff auf die Höhen des linken Ufers und auf Zajecar, Knjacevac und Pirot schreiten vorwärts. , /
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes:
v. Höfer, Feldmarschalleutnant. -f
Die Ereignisse auf dem Balkan.
Der amtliche bulgarische Bericht.
Die Besetzung von Uesküb.
IV. T.-B. Sofia, 25. Okt. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht über die Operationen vom 23. Oktober: Unsere Truppen brachten den serbischen Truppen in der Umgegend von Uesküb eine entscheidende Niederlage bei und besetzten die Stadt endgültig. Der Feind hatte über 500 Tote nnd Verwundete und wurde auf den Engpass Katschanik zurückgeworfcn. Unsere Truppen verfolgten ihn stürmisch in dieser Richtung. An den anderen Fronten keine wesentliche Veränderung der Lage.
Beschießung von Warna unö Burgas.
Br. Rotterdam, 25. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Wie dem „Matin" ans Athen telegraphiert wird, bombardiert die russische Flotte Warna und B u r g a s. Die russische Regierung hat sämtliche in den Schwarzen Meer-Häfen liegende italienische Dampfer zu Truppentransporten gechartert.
Die italienische Flotte bei der Beschießung der bulgarischen Küste.
W. T.-B .Brindisi, 25. Okt. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Nach einem hier eingelaufenen drahtlosen Telegramm nimmt ein italienisches Geschwader an der Beschießung und der Blockade der bulgarischen Küste teil.
weitere Einzelheiten zum Bombardement von Porto Lagos.
Br. Sofia, 25. Okt. (Eig. Dvcchtbericht. Zeus. Bln.) Wer das Bombardement von Porto-La>gos erfährt der Berichterstatter des „B. T." noch folgende Einzelheiten:! Porto-Lagos wurde am Freitag % Stunden lang ibam-, barbiert. Um 2*4 Uhr nachmittags erschienen 20 fvanzösi- sche und malische Kriegsschiffe und erösfneten das Feuer gegen die Ortschaft, ohne jedoch Schaden anzurichten. Auch von den Einwohnern wurde niemand verletzt. Die Bevölkerung blieb vollkommen ruhig und salh dem großartigen Schauspiel der feuernden Meeresriesen mit großem Interesse zu, bis die Kriegsschiffe ittm 3 Uhr in langer Linie in Richtung Dedeagatsch am Horizont verschwanden.
Die Gefangenen der Serben.
Wien, 24. Okt. (Jens. Bln.) „Dnewnik" meldet: Infolge der Räumung von Nisch wurden die dort befindlichen österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen gemeinsam mit ihnen deutschen Schicksalsgenossen, deren Zahl insgesamt 400 beträgt, nach Mitrowitza übergeführt, von wo man sie wahrscheinlich nach Montenegro bringen wird.
