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Montag» 25. Oktober 1915.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 498. » 63. Iahrgang.
Die Balkan-Offensive.
Die Bedeutung Her Eroberung von Uesküb.
Bisher 5VÜÜ MegDefangene der Bulgaren.
Berlin, 25. Oft. (ZMyMn.) Mit der bulgarischen Eroberung von Uesküb sind die Serben, nachdem sie sowohl Veles, südlich von Uesküb, als auch Kumanow, nordöstlich davon, bereits verloren haben, vom Süden und von der ersehnten Hilfe durch ihre Ententegenossen fast vollständig ab - geschnitten. — Bisher haben die Bulgaren, wie verschiedene Morgenblätter melden, 6000 serbische Kriegsgefangene gemacht. Die Operationen werden oft durch strömenden Regen und starken Nebel behindert. Der Geist der Bulgarenarmee ist ein vortrefflicher.
Nord- und Südserbien getrennt.
Haag, 24. Okt. (Zeus. Bln.) Nachdem die Bestätigung über die Unterbrechung der Eisenbahnverbindung mit Risch eingelausen ist, kommt jetzt ein amtlicher Bericht, daß auch die Eisenbahnverbindungen im Wardar- und Morawatal unterbrochen sind. Beide Bezirke sind jetzt durch die Bulgaren besetzt worden, so daß die Trennung von Nord- und Süd-Serbien vollkommen ist. Uesküb ist durch die Bevölkerung geräumt worden. Die Diplomaten der Entente sind von Nisch nach Krajewo ausgebrochen, von wo sie weiter nach Hitvoitsa fahren wollen. Die Eisenbahnverbindung dahin kreuzt jedoch die Wardarlinie, so daß die Diplomaten in einer sehr unangenehmen Lage sind. Das Wardcrrtal ivar nicht allein der Weg, auf welchem die Hilfstruppen der Verbündeten herankommen mutzten, sondern es war auch die Hauptzusuhrstrahe für Munition und sonstige Vorräte. Die serbischen Truppen werden sich jetzt wahrscheinlich in die Berge zurückziehen.
Der wahre Grund für den Rücktritt des serbischen Generaistabschefs.
Br. Wien, 25. Okt. .(Erg. Drahtbsricht. Jens. Mn.) AuS Athen wird gemeldet: Der Chef dcS serbischen General- stabes P u t n i k ist, wie jetzt bekannt wird, nicht krankheitshalber zurückgetreten, sondern weil er infolge des bulgarischen Eingreifens in den Krieg keine Verantwortung mehr für den Schutz Serbiens übernehmen könne.
Der Vormarsch gegen Rragufewae.
Aus dem Hauptquartier der Armee Gallwitz, 23. Okt., meldet der Sonderberichterstatter der „Köln. Ztg.", Wilhelm Konrad Gomoll: Die beiden letzten Tage haben ganz besonders günstige AngriffSergebnisse gezeitigt und damit ein schnelles weiteres Vovandrängen im Morawatale gebracht. Trotz der schlechten Wegeverhältnisse und der durch Regengüsse in Schlammbäder verwandelten Landstratzen, auf denen die marschierenden Truppen bis zu den Knöcheln in Mergel und Schmutz versanken, entwickelte sich der Stotz nach Süden gleichzeitig auf den zwei Strahen. die auf den beiden Seiten der Morawa, zum Teil gegen das west- und ostwärts ansteigende Bergland gelehnt, das Tal vollständig beherrschen. Da sich der Vormarsch auch durch das östlich anschließende Hügelland bi? zum Mlawatale ausdehnte, trat eine Frontenwicklung iu der Richtung auf Palanka und Petrowatz ein, was einen nicht unbedeutenden Gelände- gewinn ergibt. Trotz des serbischen Widerstandes waren unsere Truppen überall erfolgreich. Die Mittelgruppe der Armee Gallwitz öffnete das Tor nach Süden wieder um ein weiteres Stück. Unsere Stellungen wurden nördlich und westlich gegen das Bergland von Ranowac herangeschoben. Es scheint, dah die Serben dort in einer neuen Verteidigungslinie Halt machten, um es abermals mit zähem Widerstand zu versuchen, unseren, weiteren Eindringen Einhalt zu bieten. Das Gebirge beginnt dort mäßiger und höher zu werden. Der rechte Flügel der Gallwitzschen Armee schiebt sich indes von Seiewatz einschwenikend südlich. Er lehnt sich an die Truppen der nach den Kämpfen um das R a l j a - tal wieder kräftig nach Süden ausholenden Armee des Generals Koevch. Vor den Stotztruppen weichen auch dort die Serben zurück. Es gelang, die Linie durch kräftigen Artillerie- und Jnfanterinangriff fast 10 Kilometer vorzuschieben. Inmitten dieser in dem sehr bewegten Berggelände stattfiildenden Kämpfe stand die Erstürmung der Anhöhe von S l a t i n a als schöne Waffcntat. Die zum Sturn, bereitgestellten Truppen nahmen den gegen 300 Meter hohen Berg, nachdem die Artillerie die feindlichen Stellungen mit ihren Granatenlagen überschüttet hatte. Sie drangen mit dem Bajonett in die serbischen Gräben ein, die den Kops der Höhe dicht umgaben. Weiter westlich gelang es in Anlehnung an die Kolubara auch in dem um die Mündung der Turija gelegenen mittleren Höhengebiet südlich S t e p o j e w a c Raum zu gewinnen. Sowohl die im Zuge des Morawatale» wie die aus dem Podonawlje-Berglaude in unserer Vorstotz- richtung südwärts führenden Stratzen sind HauptverbindungS- wege mit dem jahrhundertelang als Hauptsitz des Widerstandes gegen die Türkei bekannten Kragujewac.
Lin überholter serbischer Nrlegsberlcht.
Die Er-bernng von Köprülü zugestanden. — Zum erstenmal
die offizielle Erwähnung der französischen Truppen.
W. T.-B. Genf, 24. Okt. (Nichtamtlich.) „La Suiffe" veröffentlicht folgenden serbischen Kriegsbericht vom 21. jp nnh«- Auf der nordwestlichen Front bemächtigte sich der
Feind nach erbitterten Kämpfen des Dorfes Batschevac. Die serbischen Truppen des linken Flügels, die südlich Belgrad von starken feindlichen Abteilungen angegriffen wurden, mutzten sich ans die Stellungen bei Kosmaj zu r ü ck z ie h,en. Die Anwesenheit starker feindlicher Kräfte lvn-rde in der Gegend Borok Stepojevac festgestellt. An der östlichen Front wurde eine Kolonne, die gegen das Torf Kraljewo Sselo vorgerückt war, von serbischen Truppen zirrückgeworfen. Die Kolonne zog sich gegen das Dorf Ochliana zurück. An der N i s ch a w a keine Veränderung. Die erbitterten Kämpfe bei V l a s s i n a dauern an. In den neuen Provinzen nahm der Feind Veles ein. An der Front der französischen Truppen bei Strnmitza und Krivolac keine Veränderung.
Das Manifest Röntg Ferdinands und der Rufruf des Iaren.
Ein guter österreichischer Vergleich.
W.T.-B. Wien, 25. Okt. (Nichtamtlich.) Das „Fremdenblatt" erklärt in einer Besprechung der Kriegsmarrifefte der Zaren Nikolaus und Ferdinand: Das Kriegsmanifest Ferdinands ist unstreitig eines der hi st arischen Do k u m e n t e der großen gegenwärtigen Epoche. Niemand wird den Bulgaren das Zeugnis verweigern, datz sie beinahe Üb er» menschliches geleistet haben, um sich auf friedlichen Bahnen eine ihrer Überlieferung und ihrem Werte würdige Existenz zu sichern. Mit vollem Recht darf Ferdinand seine und seines Volkes Sache geheiligt nennen. In wenigen Tagen haben die Bulgaren, welche toir mit stolzer Genugtuung unsere Verbündeten heitzen, Wunder an Kriegstüchtigkeit verrichtet. Heute schon ist der Wunsch des Königs erfüllt, daß der bulgarische Soldat von Sieg zu Sieg eile. — Im Manifest des Zaren Nikolaus dagegen feiert die traditioneillle russische Geschichtsfälschung Triumphe, und das Märchen von dem befreiten Bulgarien wird zur Grundlage eines Aktes, dessen Logik die breitesten Lücken ausweist. Das Manifest macht den kindischen Versuch, die slawische Sache mit der russischen zu identifizieren. Das Verhalten Bulgarrems beweist, dah ein grotzer Teil der Slawen nicht gewillt ist, sich die Lüge von der moskowitischen Messias-Aufgabe gegenüber dem Slawentum aufbinden zu lassen. Die Zentralmächte und mit ihnen die verbündeten bulgarischen und osmanischen Armeen reihen die heuchlerische Maske vom Antlitz des Feindes. Das Werk, das sie in Angriff genommen haben und nun dem siegreichen, gedeihlichen Abschlüsse näherrücken, ist tatsächlich ein Befreiungswerk, denn es erlöst die Welt von der russischen Willkür und Eröberungsgier und rettet Europa vor den ewigen Gefährdungen seiner Sicherheit und Ruhe.
Verurteilung bulgarischer Antimilitaristen.
W. T.-B. Sofia, 25. Okt. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die bulgarische Telegraphen-Agentur meldet: Das Kriegsgericht hat den Agr arider Stamboli.nsky, der der antimilitaristischen Propaganda überführt worden ist, zu lebenS- länglichern Gefängnis verurteilt. Wegen desselben Vergehens wurden auch zwei andere agrarische Abgeordnete, C h a r e n - koff und Torlakoff, angeklagt. Das Kriegsgericht verurteilte Charenkosf zu 2 Jahren Gefängnis, Torlakoff wurde fceigesprochen. __
Die englischen Verlockungen.
Wut und Verzweiflung treiben die englischen Staatslenker zu Schritten, die wohl niemals unter- nammen wovden wären, wenn die britische Politik nicht eben in einer Sa ck g a s s e feststeckte, aus der der Aus- weg auch mt Gewalt erzwungen wenden mutz. Er wird aber aller Voraussicht nach nicht zu erzwingen sein. Das Angebot an Griechenland ist ja anscheinend verlockend genug, und wenn König Konstantin nicht gezeigt hätte, baß er jedes Vertrauens auf seinen Weitblick und seine Klugheit würdig ist, ließe sich vielleicht annehmen, daß solche Werbungen Erfolg haben könnten. Aus der Balkanhalbinsel wie in Kleinasien und in der ägäischen Insel flu r soll «das Königreich der Hellenen von Großbritanniens Gnaden wachsen und gedeihen, ein großes weiteres Stückchen Mazedonien nebst Novdepirus? dann die ganze bulgarische Küste bis nach Thrazien, ferner zwei kleine asiatische Provinzen sollen griechisch werben, und wenn das noch nicht zieht, wird Zypern als Draufgeld gegeben werden. England verfügt Mo rücksichtslos nicht bloß über bulgarisches und türkisches Gebiet, sondern auch Serbien soll Landopfer dafür bringen, daß Griechenland zu Hilfe eilt, und Italien soll es sich gefallen lassen, datz ferne Ausdehnungsträibme zunichte werden. Die Oftkuste der Adria soll den Griechen Zufällen, chnch den Dodekanes o s soll Italien ansgeben, und die kleinasiatischen Strichs, anf die sich die Begehrlichkeit der nerren Römer gelenkt .hatte, sollen, da sie an dem englisch-französischen Abenteuer nicht teilnehmen wollelr. gleichfalls zu Griechenland .geschlagen werden. Die Not Italiens könnte fast Mitleid erwecken. Mit einer Brutalrtät, die den letzten Rest von Scham fahren läßt, wendet
sich England mit diesem Anerbieten an _ König Konstantin von dein verführten Italien ab und .gibt es dem Schicksal der ohnmächtigen Vereinsamung preis. Italien hat nicht weiter nrittun wollen, dafür wird es jetzt bestraft. Es kann selb er zu - sehen, wie es aus dieser schrecklichen Lage hevauskoimmt. Jedoch wird man sich am Tiber vergebens nach Rettung umschen. Italien ist der Sklave Großbritanniens und muß jede Behandlung dMen. Die einzige Hoffnung, die man in Rom noch hegen kann, ist seltsamerweise die (so grotesk ist die Verwirrung der Lage), daß Griechenland den von Italien im Frühjahr begangenen Fehlen nicht wiederholt, sich an England nicht verkauft und die lockenden Geschenke, mit denen es überschüttet werden soll, dankend ablehnt. Ein Griechenland, das amj Kampfe gegen Bulgarien teilnöhmen würde, wäre der gefährlichste Feind Italiens: ein vom Netz der Drei-, Verbandsversprechungen sich ffermachendes Griechen-, land würde den Italienern wenigstens nicht alle Aussicht aus die Zuku.nst zu versperren brauchen: der Entscheidung, die in Athen bald wird fallen müsse«, fmm man mit Vertrauen entgegensehen. Der König und seine jetzigen Ratgeber l-aben gezeigt, daß sie über den Tag hinauszrrblicken verstehen. Sie haben sich ebensowenig wie die beiden Ferdinande in Bukarest und Sofia von den bestechenden Vorteilen des Augenblicks^ beirren lassen, die durch ihre späteren unvermeidlichen Folgen in schwerste Einbußen hätten Umschlagen Essen. Alles, was der Viervevband oder vielmehr der Dreiverband den Balkanstaaten und Griechenland angeboten hat, konnte und kann nur unter der Do r au s s e tz u n g verwirklicht werden, daß die Türkei zertrüm- m e r t wird und daß Rußland Herr in Konstantin nopel wird, iwährend England die den Meerengen, vorgelagerten Inseln in Besitz nimmt. An solcher gefährlichen Nachbarschaft, an solcher LÄvengemeinschmft hatten die Regierungen dieser umworbenen Staaten aber kein Interesse. Es ist nicht anzunehmen, daß in Athen nunmehr eine veränderte Auffassung durch-, dringen sollte. König Konstanttn, der sich der Machtmittel seines ausblühenden Landes mit Recht wohlbewußt sein darf, wird nicht glauben, daß ein Vorrücken der griechischen Grenzen bis zur Maritzamündung und eine Festsetzung ans asiatischem Boden etwas arideres bc- deuterr könnt« als die hoffnungslose Abhängigkeit von dem zu-künffigen russischen Nachbar und von England als dem Behervscher der wichtigsten ägäischen Inseln. Über Vieles und das Wichtigste, was sich nach der siegreichen Durchführung unserer, mit Bulgarien und der Pforte gemeinsam unternommenen Aktion erfüllen wind, läßt sich heute noch nicht sprechen. Aber wenn Bulgarien trotz der Ber-. heißnngen von der Gegenseite gewählt hat, wie es ge-, schätzen ist, und wenn sich Rumänien durch die Zusage von gewaltigen Gebietserweiterungen aus Kosten idesi Donaureichs nicht hat verleiten lassen, ldann wird man; wohl auch in Griechenland wissen, daß sich der kluae Vemicht aus Eintagsgewinne in einer späteren Zeit reichlich lohnen wird. War eine Vlerständigung zwischen der Morte und Bulgarien möglich, so wird sie, wenn es die Umstände so erfordern sollten, auch zwischen der Pforte und Griechenland erfolgen können. Ditz griechischen Interessen im Ägäischen Meer brauchen denen der Türkei nicht gegensätzlich zu sein, und was die Ostküste der Adria betrifft, so werden wir und unsere Verbündeten nach glücklichem Gelingen einer Opera- tion, die eigentlich gar nicht mehr verhindert weiden k a n n, b c s s e r als unsere Feinde in der Lage und befähigt sein, bleibende und Dauer versprechende Grenz- festsetzungen in diesen Gebieten zu machen, wobei Griechenland gewiß nicht Schaden nehmen würde. Man kann nach alledem mit Zuversicht ans die in den .nächsten Tagen zu erwartenden griechischen Ent-, schlüsse blicken.
Rein griechisch-bulgarisches Abkommen.
IV. T.-B. Athen, 24. Okt. (Nichtamtlich. Agenee Havas.)' Der Minister des Äußern erklärt die Nachricht von dem 'Abschluß eines griechisch-bulgarischen Abkommens sowie dis Meldungen über Unterhandlungen in dieser Angelegenheit für unrichtig.
vie Angebote aus fremdem Besitz an Griechenland.
W. T.-B. Paris, 24. Okt. (Nichtamtlich.) Über die englischen Angebote, die Griechenland für den Fall seiner Teilnahme am Kriege gemacht wurden, erfährt „Petit Parisien", datz Griechenland die Wtretung Joniens, der serbi- s ch e n Bezirke am unteren Wardar, die bulgarische Küste am Ägäischen Meer mit Porto-Lagos und Dedeagatsch, sowie Zypern von England angeboten worden seien. D» England im letzten Jahre Ägypten annektiert hat und somit Herr des Landes sei, habe es nicht mehr das gleiche Intern esse an dem Besitz Zyperns wie früher. , ' "
