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ii Der Roman, ft

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i« .-»1 Moraen.veilage des Wiesbadener Tagblatts. >-—771»!

Nr. 249.

Sonntag, 24. Oktober.

IVIÖ.

(23. Fortsetzung.)

S. m. S. Grille l

Roman von Otto Elster.

(Nachdruck verboten.).

Schweigend legte man den Weg bis zu der Wohnung zurück. Wie frisch und froh hatte früher das Lachen Kurts diese Räume erfüllt, in denen die Liebe einer Mutter geherricht I Wie glücklich hatte «man an Weih­nachten, am Neujahrstage zuisaimmengesessen — :ut4> nun alles leer und öde und tiefes Schweigen!

Käthe setzte sich erschöpft in einen Winkel; sie konnte die Tränen nicht zurückhalten, leise weinte sie vor sich hin. Kurt saß am Fenster und sah ernst in das Schnee­gestöber hinaus, während Fred in Gedanken versunken ans und ab ging. Er war der älteste der Geschwister; auf ihm ruhte die Sorge für die Geschwister. Er faßte sich zuerst, atmete tief auf und sagte dann ernst und ruhig:

„Wir dürfen uns unserem Schmerz um die liebe Mama nicht so hingcben. Das Leben stellt Anforderun­gen an uns, wir müssen daran denken, wie sich unsere Zukunft gestalten soll."

„Ja, du hast recht, Fred", sagte Käthe leise. „Wir muffen unseren 'Schmerz überwinden . .

„Soviel ich weiß", fuhr Fred fort, ,-hat Mama nur ein kleines Vermögen Hintersassen. Wenn wir drei uns darin teilen, kommt auf jeden von uns ein sehr geringer Betrag, der unsere Zukunft nicht sicher stellen kann. Ich will deshalb aus mein Erbteil verzichten . . ."

Kurt erhob sich.

„Das können wir nicht annchmjen, Fred", sagte er rasch.

„Weshalb nicht? Ich habe die paar tausend Mark nicht nötig. Meine Stellung ist so günstig, daß ich vor jeder Sorge geschützt bin, ja, ich denke, mir'nach und nach selbst ein kleines Vermögen zu machen. Du als Offizier hast aber einen kleinen Zuschuß sehr nötig . . ."

„Und Käthe? — Fiir sie muß vor allen: gesorgt werden."

„Sorgt euch nicht um mich", nahm Käthe das Wort. „Mein Entschluß ist gefaßt. Ich werde als Kranken- hslegerin im Roten Kreuz tätig fein."

„Nein, Käthe, das geht nicht!" rief Kirrt. „Ein solch freudloses Leben sollst dir nicht fiihren. Ich verzichte liebet gleichfalls auf mein Erbteil. Ich werde mich schon durchschlagen."

Ein leises Lächeln umspielte Freds Lippen.

„Wir wollen uns hier nicht an Edelmut überbieten", sagte er urit leichtenr Scherz. „Aber darin stimme ich Kurt bei, als Krankenpflegerin möchte ich dich auch nicht scheu, Kleine."

„Weshalb nicht? Viele Frauen finden darin ihre Befriedigung."

„Ich schätze diese Frauen und Mädchen, die sich der Krankenpflege widmen, auch schr hoch", entgegnete Fred. „Mer ob sie sich glücklich fühlen? — Und ich möchte»dich gern glücklich sehen, Käthe."

„Slch, was ist Glück?"

„Nun, nun — nur nicht verzweifeln. Ich gehe im Frühling wieder nach Schanghai, willst du mich nicht wieder dorthin begleiten?"

„Ich weiß es nicht, Fred — ich danke dir — aber ich kann mich noch nicht entschließen."

„Dazu ist ja auch noch immer Zeit", sagte er lächelnd. „Du weißt, daß du bei mir stets ein Hein: findest . . . vielleicht findest du aber auch hier eine Heimat . . .“

„Ich glaube es nicht, Fred ..."

Sie sah mit scheuem Blick zu ihn: empor. Er strich ihr leise und zärtlich über das Haar.

„Wir wollen es abwarten — nur nicht den Mut ver­lieren, Kleine", sprach er ernst und milde. „Und nun komm', Kurt", rvandte er sich an den Bruder. „Ich möchte mit dir noch etwas besprechen — laß uns einen Gang ins Freie machen. Käthe soll sich ein wenig nie­derlegen, um sich zu erholen. Die Arme sieht blaß und abgespannt aus

„Bleibt nicht zu lauge. lieber Fred", bat Käthe. „Mir ist so einsam hier . . ."

„Wir sind in einer Stunde wieder da. Ruhe dich nur aus", sagte Fred, ihr die blasse Wange streichelnd. Dann entfernte er sich »nt Kurt.

In sich versunken saß Käthe eine Meile da. Drau­ßen an den: Fenster rieselten die »Schneeflocken herunter, leise irnd lautlos, wie ein Tvanm. Käthe dachte au das einsame Grab weit draußen auf den: öden, verschneiten Friedhof und aufs neue traten ihr die Tränen iir die Augen. Doch nein, sie wollte nicht wieder weich werdenl Sie wollte tapfer und stark sein und dem Leben mit festeni Mut eutgegensehen, einerlei, ob sie die Tracht der Kvankenpftegerin tragen sollte oder mit ihrem Bruder wieder in die weite Welt gehen würde..

Und ihre Gedanken schweiften hinaus in die weite Welt, in die uebelblauc Ferne. Sie sah wieder das end­lose Meer — ■ den sterueuübersälen Himmel der Tropen, die leuchtenden Sonnenuntergänge, den breiten Strou:, die grünen Berge und die geschäftigen, volkerfüllten Straßen der fernen Stadt. Sie fühlte wieder den Pnlsschlag des Lebens durch ihre Adern rieseln •— und sie sehnte sich fort ans dieser Stille, dieser Einsamkeit, dieser Tatenlosigkeit in ein Dasein voller Pflichten und Arbeit.

Aber an jene Stadt knüpfte sich eine herbe Erinne­rung, eine Enttäuschung ihres vertrauenden Herzens, und sie scheute sich fast, jene Stätten wioderznsühen, wo sie einst ihr Glück zu finden glaubte. Wer würde sie an der Seite jenes Mannes glücklich gewovden fein, der sich als so wenig fest in seiner Liebe und Treue erwiesen hatte?

Die Gestalt eines anderen Mannes stieg vor ihren seelischen Angen enchor, der heute, am schwersten Tage ihres Lebens, ihr nahe gewesen, um ihr zu zeigen, daß sie nicht allein dastehe in der Welt, die ihr jetzt so öde und leer Vorkommen mußte. Ein warmes Dankbarkeits­gefühl durchströmte tröstend und erquickend ihr Herz.,

Das Dienstmädchen trat ein mrd meldete, daß ein Herr draußen sei, der Herrn Fred öder Käthe zu sprechen wünsche.

Käthe, i,r der Meinung, daß es irgend ein G eischäM,