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Naunarstag, A»»gitk 1904.

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flächst dadurch eine Bereicherung erfahren, daß ein 5T ( r Eisenbahnfunktionär, für den man ein beträcht- Lj Löfegeld verlangen konnte, gefangen genommen -n sollte. Ob diese Absicht durch die Verhaftung ver-

Ljt worden ist, bleibt abzuwarten. Mittlerweile ve- !tz»cn auch die Griechen in Makedonien unruhig zu wer- »n und es den Türken vorzuwerfen, daß sie für ihre : aujBjjten Dienste in der makedonischen Sache von feiten der t mfj j j Lite keinen Dank eingeerntet haben. Zwischen dem

psychischen Metropoliten Mgr. Joachim und Hilmi «chcha ist es deshalb zu einer recht lebhaften Auseinan- Myung gekommen. Jedenfalls ist diesen Hellenen, die Et -er Rechten eine türkische Belohnung einheimsen diHMtN, wahrend sie mit der Linken gegen die Türkei ies * "'il, ein gewisser Sinn für Humor nicht abzusprechcn.

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Aus Stadt und Land.

Wiesbaden, 18. August.

Die Adolf-Dtistung zur Ausbildung nassauischer

Werwaisen begeht am 21. d. M. ihr 40jähriges »»Liläum. Sie wurde an diesem Tage zu Ehren der MhrigenRegierungszeit des Herzogs Adolf von Nassau M der nassauischen Lehrerschaft beschlossen, um armen Khrerwvisen hülfreiche Hand zu bieten bei der Schaffung kiner Existenz. Herzog Adolf genehmigte das Vorhaben « Lehrer und erlaubte, daß die Stiftung seinen Namen ijjhre. Zugleich gab er zu dem kleinen Grundstock von M Gulden und etlichen Kreuzern bare 1000 Gulden « feiner Schatulle. Vierzig Jahre sind seit jener Zeit verstrichen und heute verfügt die Stiftung über ein Kapitalvermögen von mehr als 180 000 Mark, dessen Men in Form von Stipendien an bedürftige Lehrer- Men während ihrer Ausbildung gegeben werden. Auf diese Weise hat die Stiftung schon viel Gutes gewirkt, ««d wohl recht stattlich dürfte die Zahl derer sein, Welche ihr eine gesicherte Lebensstellung zu verdanken haben.

Bahnhofswirtschaft Limburg. Bei der Kgl. Eisen- Wdirvktion wurden am 15. d. die Snbmtssionsosferten der Bewerbe; um die Limburger Bahnhofswirtschaft er- hwet. Im ganzen lagen 88 Bewerbungen vor mit An- ßkbvten von jährlichen Pachtsummen von 6000 bis 15 000 Mark. Bezüglich eines Angebotes, das auf nur 8000

orb- Mark lautete, bemerkte einer der mttwirkenden Beam­ten, dieser Submittent müsse wohl niemals in Limburg giiocsen sein. Der Zuschlag wird binnen 1 Wochen erteilt.

Statistisches. Daß im Branercigewerbe auffallend otele Verletzte alljährlich zu entschädigen sind, ergibt sich ns der Reichsvcrsicherungsstatlstik, wie Prof. I)r. Gutt­at in seiner SchriftSterblichkeitsverhältnisse der Schnürte und anderer männlicher Personen in Preußen, velche mit der Erzeugung, dem Vertrieb und dem Ber- Knf alkoholhaltiger Getränke gewerbmäßig beschäftigt ind, im Vergleich zu anderen wichtigen Bcrufsklassen" Mag von Gustav Fischer, Jenas nachwcist. Während aas 1000 versicherte Personen sämtlicher gewerblicher Ncrussgenosscnschaften im deutschen Reiche in den fünf Jahren von 1897 bis 1901 nur 41 bis 46 Verletzte, soweit Unfallanzeigen jährlich erstattet sind, entfielen, war bei den Vrauereigenossenschaftcn dieses Verhältnis auf 99 bis US festgestellt worden. Die Unfälle in den Braueoei- md Mälzereigenossenschaften übertreffen sogar die Un- W« beim Bergbau.

Ein nmgetaufter Wcinort. In Rheinhessen gibt 6 einen Wcinort mit Namen Schwabenhei m, der zam Unterschied von seinen zahlreichen Namensvettern bauer-Schwabenheim hieß. Tie guten Sauer-Schwaben- Mmer waren mit dem Namen, der vielleicht ursprünglich «in Spitznamen war, nicht recht zufrieden. Die Groß- »ttzogliche Regierung, die, wo sie kann, gerne hilft, fand hre Beschwerde gerecht und übernahm die Rolle eines umtaufpaten. Sie verlieh dem freundlichen Orte den harmlosen NamenSchwabenheim an der Selz". Damit ® (r man in Schwabenheim sehr zufrieden. Aber man

hatte die Rechnung ohne das Reichspostamt gemacht. Dieses hat die BezeichnungSchwabenheim an der Selz" nicht anevkannt, weildie Selz" ein zu unbedeutender Wasserlauf sei. Man könne bei den in Deutschland zahl­reich vorhandenenSchwabenheimen" den Postämtern nicht zumuten, erst durch ein langwieriges Suchen das richtigeSchwabenhetm" zu finden. Das Reichspostamt hat daher bestimmt, daß die offizielle Bezeichnung des Ortes im PostverkehrSchwabenhetm (Kreis Bingens" sein soll. Hoffentlich lassen sich die doppelt getauften Schwabenheimer nun nicht verleiten, auch ihren Wein umzutaufen.

Die Hasenjagd wird nach dem neuen Gesetz am 1. Oktober eröffnet werden. In verschiedenen Regierungs­bezirken war ihr Beginn bereits auf einen früheren Ter­min, 12., 14. oder 15. September zumeist, angesetzt wor­den. Wir weisen deshalb ausdrücklich daraus hin, daß Freund Lampe fortan bis zum 1. Oktober Schonzeit hat.

Poetisch wie orthographisch gleichgut" begrüßt folgender Spruch die Gäste beim Eintritt in die Wirt-, schüft des Winzer-Vereins zu Hallgartcn:

Gott Lieben, macht Selltg,

Wein trinken, macht fröhlia,

Darum liebe Gott, und trinke Wein,

So wirst du Sellig und fröhlig drin sein.

DereiuS-R achrickten.

* Wie alljährlich, so veranstaltet auch in diesem Jahre das Sänger-QuartettEintracht" einen ganztägigen Familien- ansflug. Derselbe findet am Sonntag, den 21. d. M., statt ibei ungünstigem Wetter 8 Tage späterj. Die Tour geht diesmal nach Idstein und Umgebung und die Abfahrt erfolgt morgens 8 Uhr 25 Min. Gäste sind willkommen, mögen sich aber vor Abgang des Zuges beim Präsidenten vorsteüen. Das Mittagessen wird in Esch eingenommen.

* Die Sachsen-Thüringer-BereinigungS a x o n i a" be­geht am Sonntag, den 21. August, ihr Stiftungsfest im Gam» brinus in Biebrich.

* Der KlubBorussia" veranstaltet kommenden Sonn­tag, den 21. August, im SaaleZum Burggraf", Waldstraße, von nachmittags 4 Uhr ab eine humoristische Unterhaltung und Tanz.

* Sonntag, den 21. August, veranstaltet derSachsen- u n d T b ü r i ng e r - B e r e i n" in dem oberen Garten der Restauration Kronenburg" sein diesjähriges Sommersest, ver­bunden mit allen möglichen Bolksbelustigungen und Tanz. Auch für Kinderspiele ist in jeder Art gesorgt. Die berühmten Thüringer Rostbratwürste werden auch diesmal ihre Anziehungs­kraft nicht verfehlen. Die Veranstaltung findet bei ungünstiger Witterung im großen Saale statt.

oo. Erbenheim. 17. August. Der Bahnwärter Friedrich Nutz und der Weichensteller Johann Krug feiern kommenden Sonntag ihr ökjähriges D t e st j u b t l ä u m. Gelegentlich einer kleinen Feier, welche derEisenbahn-Beamtett-Verein" am gleichen Tage im GasthauseZur schönen Aussicht" abhalten wird, erhalten die beiden Jubilare je eine künstlerisch ausge­führte Ehrenurkunde. Die Störche sind nach Süden ab- geretst. Die Erntearbetten sind soweit beendet und vier Dreschmaschinen mit dem Ausdrusch des Getreides beschäf­tigt. Die Körner sind schön ausgereist und von vorzüglicher Güte. Quantitativ ist die Gerstenernte gegen die Borjahre zurückgeblieben. Die Schnitter und Schnitterinnen, die hier in großer Anzahl beschäftigt wurden, sind wieder in ihre Heimat abgcreist, um dort ihre mühevolle Arbeit sortzusetzen. Es ist wirklich staunenswert, wen» man den Fleiß und die Ausdauer dieser Leute beobachtet. Morgens vor 8 Uhr erheben sie sich von ihrem Lager, bereiten ihren Kaffee und beginnen ihr Tagewerk. Um 11 Uhr wird Mittagspause gemacht, um im Hause des Arbeit­gebers das Mittagessen einzunehmen. Ist dies geschehen, so geht cs sofort wieder hinaus ans die Flur, um bis in die Dunkelheit hinein zu arbeiten. Abends um 10 Uhr kehren sie in Scharen und unter melodischem Gesang ins Dorf zurück. Ist der Sonn­tag gekommen, so ziehen sie in geschlossenen Reihen nach Wies­baden zur Kirche. Abends wird bei Mutter Roos der Schnittertanz aufgesübrt. Die Gartenbesitzer kommen in diesem Sommer, obgleich das Gemüse teuer ist, nicht auf ihre Kosten. Der Boden ist derart ausgetrocknet, daß selbst starkes Begießen der Pflanzen nichts nützt. Erbsen- und Busch- bohnenbeete sind verdorrt und von den Stangenbohnen fallen die Blüten und Fruchtansätze ab. Die Blätter der Gemüsepflanzen sind von den Raupen stark zerfressen. Die Stoppelfelder können wegen der anhaltenden Trockenheit nicht umgepflügt und deshalb nicht mit Stoppelrüben bestellt werben. Für den Herbst scheint

Futternvt eintreten zu wollen. Auf Anregung der hiesigen Bürgermeisterei findet im Laufe des nächsten Monats auf dem Rathause ein dreitägiger Ob st- und Gemüsever­wert u n g s k u r i u s für Frauen und Mädchen statt. Der Knrius steht unter Leitung des Kreisobstbaulehrers Herrn Bickel- Wicsbaüeu und erstreckt sich auf die Herstellung der gebräuch­lichsten Obst- und Gemüsekonserven, Dürrobst und Liköre. Der Kursus ist unentgeltlich. Anmeldungen zur Teilnahme sind so­fort an Herrn Bürgermeister Merten zu richten.

Igstadt, 17. August. Bei der am Sonntag stattgesundenen T u r n f a h r t desM itteltaunus-Gaues" über den Kellerskopf nach Niedernhausen, verbunden mit volkstüm­lichem Wettturnen daselbst, erhielt in der Oberstufe mit 34 Punkten der Turner Wilhelm Lauck den 2. Preis. In der Unterstufe beteiligten sich 5 Turner und erhielten August Sommer mit 3g>/ 2 Punkten den 4., Heinrich Sterniberger mit 28 1 /., P. den 19., Ludwig Greß mit 28 P. den 20.. Eduard Schindler mit 27 P. den 28. und Karl Preuß mit 26 P. den 24. Preis. In der oberen Stufe waren 45 und in der unteren Stufe 220 Mann angetrcten und war in ersterer SO 1 /, und in letz­terer 38 Punkte die höchste Punktzahl, die erreicht werben konnte. An den Stabübungcn beteiligten sich 160 Turner. Aus Anlatz dieses schönen Erfolges wurde abends derTurnverein" von sämtlichen hiesigen Vereinen unter Vorantritt eines Musikkorps am Bahnhof abgeholt und nach dem Bereinslokal geleitet.

wb. Osfenbach, 17, August. DieOffenlbachex Zeitung" meldet: Heute früh verschied auf Schloß Birstein der Königlich Preußische Landrat a. D. Graf Georg zu Nsenburg- Büdingen-PhllippKeich im 65. Lebensjahre.

Sport.

* Touristcn-Kongrcß. Die diesjährige ordentliche Hauptver­sammlung des Verbandes deutscher Touristenvereine findet am Samstag, den 10. September 1904, nachmittags 4 Uhr, in Heidel­berg im Rathanssaale statt. Die Tagesordnung enthält folgende Punkte: 1. Bericht über die Tätigkeit des Zentralausschusies im «bgelausenen Bereinsjahre. 2. Bericht des Rechnungsjührers.

з. Bericht des Lerkehrsausschusscs. Bericht des Ausschusses zur Bearbeitung des Deutschen WanderbucheS. ö. Antrag des Zentralausschusses aus Genehmigung des mit der Firma Hobbing

и. Büchle vorläufig getroffenen Abkommens auf Übernahme der

Druckkosten für den 12 Bogen übersteigenden Umfang des Deuischen Wanderbuches Band 2 auf die Verbandskasse. 8. Be­richt des Ausschusses zur Prüfung des Berlagsvertrages mit dem Tourist und Vorlage eines neuen Bertrags-Entwures. 7. Er­strebtes und Erreichtes. Ein Rückblick auf die Tätigkeit des Verbandes iu den ersten zwanzig Jahren seines Bestehens und ein Ausblick auf die Zukunft. Berichterstatter: Or. Luthmer.- 8. Wahl des Festortes sür 1905. 9. Mitteilungen aus den Ver­einen und Verschiedenes. Die Festor-dnung ist ebenfalls sehr reichhaltig: Hauptversammlung im großen Rathausjaale: abends 8 1 /, Uhr: Festbankett in der Harmonie lHauptstraße 110). Sonn­tag, den 11. September, morgens 9 Uhr: Besichtigung des Schlosses in einzelnen Gruppen: morgens 11 Uhr: Weinfrühschoppen mit Musik am großen Faß: mittags 2 Uhr: Festessen tn der Stadi- halle: alsdann Spaziergang zur Stiftsmühle, daselbst von P/, Uhr ab Gartenkvnzert: abends 8 Uhr: Abfahrt von der Stiftsmühle in Booten zur Schloßbeleuchtung mit Brillantfeuerwerk, die etwa 8 1 /-, Uhr stattiftndet! darnach gemütliches Beisammensein tn der Stadthalle. Montag, den 12. September: Ausflüge. 1. An die Bergstraße: Benöheim-Felsberg lFelsenmeerj, Malchen-Auer-

bacher Schloß-Auerbach: 2. ein Ausflug ins Neckartal. Eine Teil­nehmerkarte, Preis 2 M., für Familienangehörige 1 M., ist zu lösen. Sic berechtigt zur Teilnahme au allen Festlichkeiten, ins­besondere zu einem Platz bei der Bootfahrt für Besichtigung der Schloßbeleuchtung: ferner zur unentgeltlichen Besichtigung des Schlosses im Innern und Äußern am Sonntag, morgens von 9 bis 12 Uhr. Die Wahl des Platzes zur diesjährigen Hauptver­sammlung deutscher Touristeuvereiue, deren Zahl über 50 be­trägt, verspricht ein volles Gelingen des Festes.

Vermischtes.

* Ei« blinder Fußwaudcrer und andere berühmte Blinde. Aus London wird berichtet, daß ein völlig erblindeter Mann, James Clarence Snape aus Liver­pool, zu Fuß quer durch England von Blackpool dis Margate wandern will und sich nur die wenigen ersten Meilen geleiten lassen wird. Da Snape, der 28 Jahre alt ist, erst vor 6 Jahren erblindete, lebt in ihm noch deutlich das Bild der Welt, die ihm nun verdunkelt ist, und ein feines Gehör wird ihn leiten, durch die Finster- llis, die ihn umgibt, sich hindurchzutasten. Der blinde

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Kicrt den Tataren, Persern und anderen Moslim doch zeigt ihnen ihre Stellung. Die Russen verstehen «Ktt vorzüglich mit diesen Völkern umzugehcn und ^ffen, daß man bei aller Nachsicht und Toleranz ihnell "»ch stets zeigen muß, wo die Macht liegt.

Bor dem Hotel war ein schöner öffentlicher Garten, w hier spielte wieder eine Regimentsnmsik. Fein und MNöhnlich promenierte aus und ad, und ich sah wieder Wreiche interessante Trachten. Besonders elegante konnte ich aber nicht entdecken. Höchstens die Osfi- rf® s und einige Beamtcnfamilien schienen den besseren '(Mn anzugehören, und verschiedene Perser spielten sich Gigerl auf. Die Armenier aber, auch ivenn sie ganz 7 "««rn europäisch gekleidet sind, haben durchschnittlich Gewöhnliches, gerade sv wie ihre Damen, die trotz °t«Ieil iSchmuckes und riesiger Pariser Hüte fast immer ^Halbwelt erinnern. Dabei sollen sie jedoch moralisch M anständig sein. Also ich sah hier nicht viel Jnter- Mtes. Den Abend verbrachte ich im Zirkus, in wel- «in Amerikaner kinematographische Bilder vor- [Mte. Sie waren klein, aber gut und zeigten nicht das | ;. er R, welches ihnen noch meist anhängt. Der größere ii Zuschauer waren Armenier, Perser und Ta- Je gemeiner die Bilder wurden, desto mehr wuchs -.^ Entzücken dieser Naturmenschen, und bei der Vor- einer arabischen Bauchtänzerin gerieten sie ganz o°^nch vor Begeisterung. Mich ergriff eine solche nach »7 Erstellung, als ich beim Nachhauseweg die beiden ß^rate wolkenfrei vom Vollmond mit magischem Licht , «gossen sah. Das war wirklich begeisternd. Die Ba- ^ von Eriwan mögen jemalidcn, der nie im Orient ««fallen. -Sie sind der Mehrzahl nach rein orien- Iih. SesHst Hie Anlage mit Dächern über den einzel- tz «Es ist wie in Tunis oder Damaskus. Und doch Seit ^ dasselbe. Es fehlt die würdevoll« Art und inmT 4»«r Mohammedaner. Diese sind Händler, aber «in ^ anständige und höflich«. Der Armenier aber ist Ist-ßENiöhnlicher Schacherer ohne die vornehme und px-Mwürdige Umgangsform des Moslem. Nur in den inie» Chans und in den Teilen, in welchen die Ta- jM-? nberwicgen, wurde ich sympathischer berührt. Es daß gerade diese armenischen Christen so sehr ^'Apathische Menschen sind. Aber es würe Unrecht, re ttötöfen Gründen besser zu schildern, als sie cs h^nen. Ich atmete auf, als ich aus dem Gewirr des cj., 8 die große und schöne Moschee trat. Durch ein r Gktttentor kam ich in einen großen Haram, in dem

prächtige, schattenspenüende Bäume um das große Bassin der Mitte standen. Irisches Wasser floß ununterbrochen zu. An der Südseite erhebt sich die hohe, mit arabischen Kacheln geschmückte Hauptmoschee. Das eingelegte Min- bar und der geschnitzte Mihrab sind hier genau in der Mitte. Eine mit bunten Kacheln belegte Kuppe-l deckt diese Moschee. Am Nordende des Harams steht eine kleinere, ebenso gebaute, und die Ost- und Westseite wer­den von den Wohnungen der Molahs und Sofias einge­nommen. Auch hier herrschte die ruhige, würdevolle Stimmung wie tn allen Moscheen. Von dem im Baedeker verzeichncten Sadarpalais aus altpersischer Zeit hatte hier in Eriwan kein Mensch ein« Ahnung. Ich fand es nicht.

Schon am folgenden Tage verließ ich diese im all­gemeinen nicht sympathische Stadt wieder, um abermals durch die arntenische Hochebene nach Alexandropol zurück­zukehren. Die Fahrt war märchenhaft schön. Nicht eine Wolke am Himmel, und die beiden Ararat, sowie der Allagoes und die anderen Schnecspitzen wie zum Greifen nah vor mir. Man könnte in ein Delirium von Natur- schwärmerei geraten. Am Fuße des Alagoes war ein Tatarenlager, und vor den meisten Zelten weideten Tausende von Stück Vieh und Hunderte von Kamelen und Pferden. Dieses Bikd, diese Berge liehen mich alle unangenehmen Menschen vergessen, und ich war glück­lich über meinen Entschluß, auch Armenien zu besuchen. Die beiden Getreuen, Ararat und Alagoes, begleiteten mich bis abends sieben Uhr. Erst zwischen Ani und Agin mußte ich ersteren zum letzten Male grüßen. Der zweite zeigt sich noch bis hinter Alexandropol. Bisher auf der ganzen Reihe nicht, hier aber, und zwar in starkem Maße, entstand in mir der Wunsch, noch einmal in dieses Land zu komme», um noch einmal diese wunderbaren Berge zu sehen. Wenn sie nur nicht in Armenien lägen, nur etwas näher der deutschen Heimat! Der Wunsch wird Wunsch bleiben. Ehe ich nach Adrianopel kam, ging ein prächtiges Gewitter nieder und überschüttete die Schnee- bcrge um den Kars Tschat mit blendendem Feuer.

Abends acht Uhr war ich in Alexandropol, der rus­sischen Festung mit 82 000 Einwohnern. Eine solche Stadt, wie ich sie am anderen Tag« erkannte, habe ich noch nicht gesehen. Mindestens 95 Prozent der Häuser haben kein Oberstockwerk, und über dem Erdgeschoß ist kein Dachstuhl, sondern einfach die mit Erde oder Rasen belegte Decke. Sogar in meinem Hotel haben die Zimmer innen Goldtapeten und Holzplafonds, und direkt über

letzterem ein Nasendach. Als ich mir von einem höheren Punkt aus Alexandropol betrachtet, hatte ich gar nicht den Eindruck, eine verhältnismäßig große Stadt vor mir zu haben, und als ich, um mich umzusehen, in einer Hügel­straße vom Weg abging, merkte ich erst nach einiger Zeit, daß ich auf den Dächern tiefer gelegener Häuser spazierte. Interessant waren auch die in einigen Höfen wie Wüsche aufgehängten, matzenartigen Brote der Armenier. Die Einwohner sind meist Russen und Grusiner, dann Arme­nier und Tataren. Der erste mir begegnende Reiter war aber ein Türke aus der Siachbarschast.

Die Eisenbahn brachte mich immer höher, nämlich auf 1756 Meter bet Kars. Viein Besuch dieser, an der türkischen Grenze gelegenen Festung war für mich eine Erinnerung. Im Jahre 1878 halte ich in der Kriegs­akademie zu Berlin die Darstellung der Erstürmung von Kars als erste größere Arbeit gefertigt. Theoretisch kannte ich alle Forts, alle Wege, die Stadt und den Kars Tschai genau. Das wollte ich jetzt in natura sehen. Nun stand ich zwischen den Werten, auf der Brücke und vor der Citadelle. Im Geist sah ich die in der Nacht stürmen­den russischen Regimenter, die entsetzt aus ihren für un­einnehmbar geltenden Werken fliehenden Türken und auf jener Moschee den Halbmond. In Wirklichkeit wehten ans den Forts russische Fahnen, auf der einstigen Moschee steht das Kreuz über dem Halbmond, und unten am Fluß exerzieren russische Bataillone. Das war hübsch. Wen aber nicht ein solcher besonderer Grund hierher führt, der schenke sich die weite Fahrt in dieses halb verfallene Staubnest.

Auch ich kebre zurück nach Tiflis, nach Europa. Zum letzten Mal grüßt michdas Auge Gottes" (so heißt Ala­goes), ich nehme wieder Abschied von Asien.

Ans Kunst und Leben.

* Mirsenm von Meisterwerken der Natirrwiffenschast nnd Technik. Die städtischen Kollegien in Nürnberg haben beschlossen, für das Museum ein Gemälde zu stiften, das ein wichtiges Ereignis in der Entwickelung der deutschen Technik, nämlich die Eröffnung der Eisen­bahn zwischen Nürnberg und Fürth, darstellcn wird. Mit der Ausführung des Gemäldes, dessen Größe 8 auf 4 Meter betragen wird, ist .Herr Professor Heinrich Heim von der Kunstschule Nürnberg betraut, der be­kanntlich an der künstlerischen Ausschmückung der neuen