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Der Homo
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ol. ; ; Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagdiatts. i- ■ •
Nr. 248. Samstag» 23. Oktober.
(22. Fortsetzung.)
S. m. S. Grille l
Roman von Ott» Elster.
(Nachdruck verboten.)
„Ich glaube Ihnen", sagte sie, ihn frei und offen ansehend, „aber Ihre Gattin bann ich nicht werden..."
„Weshalb nicht? — Sie lieben mich nicht?"
Eine flüchtige Röte flammte in ihren Wangen ans. Ihr Herz pochte heftig; in diesem Augenblick fühlte sie, daß sie ihn liebte; sie hätte sich in seine Anne 'werfen mögen und ihm zurufen mögen: Nimm mich hin und halte und schütze mich, du stolzer, starker Mann . . . aber ihr Stolz bäumte sich gegen dieses Gefühl, das sie heiß durchflutete, auf und bebend kam es von ihren Lippen:
„Und wenn ich Sie liebte, ich könnte Ihre Gattin nicht wenden . .
Seine Mienen verfinsterten sich, sein dunkles Auge blickte sie zornig an, so daß sie fast Furcht vor ihm empfand; sie nahm ihren ganzen Stolz, ihre ganze Kraft zusammen und sagte:
„Ich wende mich nie in Kreise drängen, wo ich nicht freudig willkoinmen geheißen wende . .
Da lachte er zornig auf.
„Und wer sagt Ihnen, daß meine Kreise Sie als meine Gattin nicht willkommen heißen wenden?"
.Denken Sie an Frau von Haidebrink . . ."
„Ja >— die gute Dame war allerdings entsetzt, als ich ihr die Möglichkeit vor Augen stellte, daß ihr eigener Sohn um Sie werben könnte . . . aber was geht das uns an?"
„Sie haben mit der Baronin von Horst gesprochen?" fragte Käthe erschreckt.
„Ja — und ich glaube, die gute Dame hat ihr Söhn- chen vor Ihnen gewarnt . . . wenigstens schrick sie mir derartiges . . ."
Ansschluchzend schlug Käthe plötzlich die Hände vor das Gesicht, das in heißer Scham erglühte. Das war des Rätsels Lösung! Jetzt verstand sie das Benehmen Horsts ihr gegenüber! Auf die Mahnung seiner Mutter hin hatte er sich von ihr abgewandt, hatte er alle die Worte der Licke und Treue vergessen, die er zu ihr gesprochen! Und sie hatte ihm geglaubt, sie 'hatte geglaubt, ihn zu licken, sie hatte Leid, um ihn getragen, während er ein leichtfertiges Spick mit ihr getrieben.
Ach, diese Schmach! Diese Schande für ihr stolzes Herz!
Neithavdt sah sie erstaunt an. Dann flog es wie ein jähes Erschrecken über sein Gesicht.
„Sie licken Horst?" fragte er leise.
Sie schüttckte den Kopf, und >dann richtete sie sich stolz auf. Ihre Augen waren feucht, ihre blassen Lippen bckten, aber mit gewaltsamer Ruhe entgegnete sie:
„Ich liebe ihn nicht — aber Sie sehen aus all dem, daß eine Verbindung zwischen uns unmöglich ist . .
,„Käthe . . ."
Sie machte eine abwehrende Handbewegung.
„Genug. Herr von Neiihardt — die Selbstachtung zwingt mich dazu — es ist mein letztes Wort . . ."
Sie wollte gcken. Da vertrat er ihr den Weg.
„Aber es ist nicht mein letztes Wort, Käthe", sprach er mit tiefer Stimme, die fast wie leises Zürnen klang.
„Ich weride nicht Nachlassen, um Ihre Licke zu wecken •— ich werde Sie mit meiner Licke verfolgen, bis Sie überzeugt von meiner Licke sind, bis Sie an mich glauben werden. Eimnal schon hatte die Licke emo: Frau den Weg inoines Lebens gekreuzt — damals mußte ich verzichten — und dieser Verzicht hat mich zu dem einsamen und glücklosen Mann gemacht, der ich war. Ich habe jene Licke längst überwunden, ich glaubte, mein Herz sei hart für die Licke, bis ich Sie sah, bis ich Sie kennen lernte. Und jetzt sollte ich wieder verzichten müssen?! Nein, tausendmal nein! Ich verzichte nicht, denn, Käthe, es gilt cks Glück meines Lckens — ich will noch einmal glücklich werden in meinem Lcken und noch fühle ich die Kraft und den Willen in nrir, nicht nur selbst glücklich zu werden, sondern auch glücklich zu machen. Und das ist mein letztes Wort, Käthe — und nun gehen Sie — aber gedenken Sie dieser Stunde —> gedenken Sie meines lebten Mortes!"
Erschüttert stand Käthe vor diesem Ausbruch seiner Leidenschaft ba. Sie wagte nicht, das Auge zu ihm zu erheben; sie wagte kein Wort der Erwiderung, sie befand sich wieder in dem Zanbeckann, den sein Wesen von Anfang an um sie geschlagen. Wenn er jetzt wieder um ihre Licke geworben, wenn er ihr die Arme ent- gegengestreckt hätte, sie wäre an seine Brust gesunken, bezwungen von der Gewalt seiner Licke.
Aber er stand da wie in zorniger Drohung. Mit ausgestreckter Hand wies er sie von sich, er hickt sie nicht mehr zurück, er gab ihr den Weg frei, er sprach kein bittendes, schmeichelndes Wort — furchtsam fast sah sie zu ihm auf — dann ging sie davon mit demütig gesenktem Haupt. Jiu Hotel kam ihr Fred eilig entgegen.
„Wir inüssen sofort abreisen", sagte er hastig. „Socken erchalte ich ein Telegramm von Kurt, daß Mama erkrankt ist. Sie hat Sehnsucht nach uns und nröchte uns gern um sich haben. Mach' dich fertig, daß wir mit dem Nachtschnellzug reisen können. Hier ist auch noch ein Brief für dich — wohl von deiner Freundin Wera."
Käthe erschrak. Die arme Mama! Sie machte sich Vorwürfe, daß sie die Mutter so lange allein gelassen. Sie eilte auf ihr Zimmer, um ihr Reisegepäck zu ordnen. Dann fick ihr der Brief Weras wieder ein, hastig erbrach sie ihn. Er lautete:
„Meirre licke Käthe! Verzeih', daß. ich so lange nichts von mir hören ließ. Wer was soll ich aus meiner ländlichen Einsamkeit Dir schreiben, die Du im Getriebe der großen Welt lebst. Wie ich Ach dämm beneide! Doch jetzt werde ich bald Gelegenheit Haben, diese große Welt, von der Du solch entzückende Schilderungen entworfen hast, kennen zu lernen. Denke Dir, Horst hat sich verlobt! — Ich hegte immer die geheime Hoffnung, Dich, meine licke Käthe, als Schwägerin begrüßen zu dürfen, aber vielleicht ist es c-anz gut so, denn ohne harte Kämpfe mit Mama, deren Ansichten Du ja kennst, wäre es doch wohl nicht abgeqaugen, und so wie ich meine stolze Käthe kenne, wäre ihr das in hohem Grade peinlich gewesen. Jetzt hat sich Horst zu Mamas großer Be«
