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Samstag, 6. August 1904.
Wiesbadener TagblaH.
Msvgen-Ausgabe, 1. Blatt.
Ns. 363
Reichsgerichts augerufen. — Meines Erachtens ist es Sache fies Auswärtigen Amts, wenn es den Majestäts- ä&elelbiguug und Hochverrat gegen befreundete Herrscher ievi» Staaten veMetenden Paragraphen unseres Straf- gesetzbuchs auch ferner angewendet zu scheu wünscht, für eine amtliche deutsche Veröffentlichung zu sorgen, aus der ersichtlich ist, in welchen Staaten die Gegenseitigkeit verbürgt ist. Gegen die andern besteht Rede- und Handlungsfreiheit.
Politische Mersrcht.
Strafbestimmungen für das neue deutsche Aktiengefetz.
-n. 8 o n 'S o it, 4. August.
Ein Vorfall, der sich hier auf finanziellem Gebiet ereignet hat, ruft in den beteiligten Kreisen große Beunruhigung hervor, und es verlohnt sich wohl, auf die Begleiterscheinungen desselben zurückzukommen, da aus dem Fall für die Beratung des neuen deutschen Aktiengesetzes manche wichtige Lehre gezogen werden kann. Die
International Bank of London, trotz ihres englischen
Namens ein rein deutsches Institut, ist bekanntlich vor einiger Zeit in Zahlungsschwierigkeiten geraten; es wurde aber gleich erklärt, daß. nur eine temporäre Stockung vorliege und später hinzugefügt, daß eine Anzahl deutscher Banken für das gefährdete Institut ein- treten und seine Angelegenheiten in zufriedenstellender Weise regeln würde. Diese Angaben sind nun, wie sich jeüt cher-ausgestellt hat, nicht richtig, denn die Gläubiger iahen sich veranlaßt, die zwangsweise Liquidation des Unternehmens zu beantragen. Daraus ergibt sich natürlich, daß die deutschen Interessenten, die in die Interna der Bank keine Einsicht haben konnten und des Glaubens sein.mußten, die Sanierung sei tatsächlich vollzogen worden, erhebliche Verluste erleiden. Es wäre nun zu erwägen, ob nicht gegen die tendenziöse Verbreitung derartiger falscher Nachrichten, die ja -meist in bestimmter Absicht von beteiligter Seite ausgeht, strafrechtlich, vor- gegangen Werder: könnte. Aber auch noch in anderer -Hinsicht scheint der vorliegende Fall von Wichtigkeit. Die International Bank war es, die im Verein mit der Dresdenerbank seinerzeit eine Anleihe des Staates Guatemala in der Höhe von 80 Millionen Mark übernommen hatte. Als die Verhältnisse in dem erwähnten Staate sich sehr ungünstig gestalteten, weigerten sich die beiden Banken, das Geld auszuzahlen, so daß die Regierung von -Guatemala in London gegen dieselben klagbar wurde. Wie dieser Prozeß geerrdet hat, verlautete nie und die Dresdener Bank hat sich etwaigen Anfragen gegenüber stets in Schweigen gehüllt. Möglicher Weise schwebt die Angelegenheit also noch, für jeden Fall aber bleibt es unaufgeklärt, warum die Verwaltung der Bank sich zu keinerlei Erklärung herbeiläßt, trotzdem das Objekt so bedeutend ist, daß die Aktionäre nach den neuesten deutschen Rechtsentscheidungen darüber informiert werden müßten. Auch hier ist die Frage aufzuwerfen, ob für derartige Unterlassungen resp. Vertuschungen nicht entsprechende Strafbestimmungen in das neue deutsche Aktiengefetz aufzunehmen wären, durchs die der Möglichkeit einer solchen Nichtbeachtung der Aktionäre von vornherein vorgebeugt würde.
Ein französisches Arbeitsgesetzbuch.
Im Jahre 1896 wurde zum ersten Male im französischen Parlament der Vorschlag gemacht, eine Kommission damit zu beauftragen, alle Gesetze, die sich mit der Wah- rung der Interessen der Arbeiter und der Regelung ihrer Beziehuirgen zu den Arbeitgebern befassen, zu sammeln, einer Durchsicht zu unterziehen und zu einem Arbeitsgesetzbuch (Volle lln travail) auszugestalten. Die An
gelegenheit wurde in den folgenden Jahren- wieder ausgegriffen, aber erst im Jahre 1901 setzte der Minister Mllerand die Kommission zur Zusammenfassung der Arbeitergesetze ein. Dieser Ko-mmission gehören Professoren, Deputierte, Senatoren, Ministerialbeamte, Staatsräte nsw. an. Sie hatte die Aufgabe, mehr Ordnung und klarere Ausdrucksweise in die Arbeitsgesetze zu bringen, die zerstreuten Bestimmungen zu sammeln und zu ordnen und gleiche und ähnliche Bestimmungen zusammenzufassen. Dock blieb die Kommission nicht auf diese sammelnde und klärende Tätigkeit beschränkt; sie arbeitete einen neuen Entwurf aus und lieferte Beiträge zur Ausarbeitung zukünftiger gesetzlicher Bestimmungen. Die Berichte über die beiden ersten Bände des Arbeitsgesetzbuches liegen jetzt vor, ebenso ein Gesamtbericht über die Tätigkeit -der Kommission. Das erste Buch behandelt die Bestimmungen über den Arbeitsvertrag, das zweite
von 1892 -bis 1902 für Arbeiislosermnterstützung weniger als 75 Millionen Mark ausgegeben. Die HAM. Ziffer zeigt das Jahr 1893 mit 9 357 000 Mark niedrigste das Jahr 1899 mit 3 820 000 Mark-' jjf Jahresdurchschnitt betrug 6 803 000 Mark. Am stärkii^ war die Arbeitslosigkeit in der Metall-, Maschinen- uS Schiffbauindustrie. Der dritte Teil bis zur Hälfte oll» llnterstützrmgsausgaben entfiel in den einzelnen Jahry, auf die Gttverkschaften, die diesen Industriezweigen g», gehörten. -_
Der JnfltonH in DeriW-MmsWka.
Zur Lage i« Südwestafrika.
Auch in Südwestafrika drängen die Dinge nach eine, Entscheidung. Dank unserer seit langer Zeit vorbereitete» Maßnahmen- haben wir verhindern können, daß die Hauptmacht der Hereros aus fca> Waterberg entkommen konnte. I,. zwischen sind sämtliche nur fc» Waterberg aufgestellten Detachements wesentlich -verstärkt wort«» Sie sind miteinander in Fühlung getreten und es hat sich somit förmlich ein Ring um die Schwarze gelegt. Es wird hoffentlich möglich sein, sie zum Entscheiduugskmnpse zu stellen, und es ist ja an;»- nehmen, daß die Deutschen, da»; ihrer Überlegenheit, den Sieg vontragen werden. Oberstleutnant Müller, bei dem sich auch das -Generalkommando befindet, vn, fügt über drei Kompagnie» u«i eine große Anzahl Witbois, desgleichen die Majore v. d. Heyae, v. Estorff und Meister, mich letzterer wahrscheinlich zwischen dem 2. Feldregiment und dem Grafen Brockdorff steht. Wer je 2 Kompagnien verfügen Haupt- mann v. Fiedler und die Truppe» des 2. Feldregiments. Oberstleutnant Volkmann hat iy 2 Kompagnien, Graf Brockdorff eine Kompagnie zur Verfügung. Jeder dieser einzelnen Heereskörper ist reichlich mit Artillerie -versehen; es sind auch mehrere Maschinenge- gewehre zur Stelle. Wir wolle» noch darauf Hinweisen, daß die Missionsstationen jener Gegend selbstverständlich mit starken Trup- penabtcilungen belegt sind.
diejenigen über die Regelung der Arbeitszeit, Einschränkung der Frauen- und Kinderarbeit, hygienische Bestimmungen und Arbeitsinspektion. In die übrigen Bücher wird vor allem auch die Arbeiterversicherung ausgenommen werden. Den Kammerberatungen über den Entwurf ist mit Interesse entgegenzusehen. s. r.
Die Arbeitslosenunterstützung in dm engl. Gewerkschaften.
In welchem Umfang in den englischen Gewerkschaften die Arbeitslosenunterstützung eingeführt ist, zeigt eine statistische Zusammenstellung üb-er die Ausgaben für diese Unterstützung im letzten Jahrzehnt. Insgesamt wurden
Vom „hl. Bureaukratius im Felde" wird der „Rhein.-WestsA. Ztg." geschrieben: In seinem letzten Briese aus Deutsch-Südwestafrika, den der „B. L.-A." veröffentlicht, erzählt Hauptmann O. Danii- Hauer, wie er zusammen mit Gouverneur -Leutm-ein in Owikokorero nach Okahandja ritt, um dort die erste Begegnung mit dem neuen Oberkommandanten Genera v. -Trotha zu haben. „Halbwegs," so heißt es in dem Brief, „kreuzten wir mit dem zu seiner neuen Abteilung eilenden v. Glasenapp und desgleichen mit einer
großen Feldpost, di« auch uns Briefe aus der Heimat bringen mußte. Aber die Briefsäcke waren plombiert Ihr Inhalt durfte erst im Feldpostamt von Owikokorero verteilt werden. -So mußten wir sie denn vorübcpzichen lassen, ohne die uns bestimmten Brief- und ZeitungE- schätze heben zu können, und das war doppelt schwer, <- fl
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schädigt. Da erschaut man über das Wiesental hinaus Eltville mit dem Rhein und dessen linksseitige Nfer- ümgebung, tief unten die Häuser von Kiedrich und seine Kirchen, sowie das weitläufige St. Balentinushcrus. Nach Norden schaut man in ein reizendes Waldtälchen, in dem die Salzquelle mit Kuranstalt Bad Kiedrich reizend eingebettet iit, und über dem sich die Taunüsberge waldreich erheben. Ein -herrliches Stückchen Erde, dessen Schönheit -zu uxni-g bekannt ist, und zu wenig gewürdigt wird. Der „Wiesbadener Rhein- und Ta n n uö - K l n b" beabsichtigt, nächsten Sonntag Kiedrich und dem Scharfenstein einen Besuch abzustatten. Die Fahrt soll nachmittags 2 Uhr 25 Min. bis Eltville gehen und von dort der Familienspaziergang das Tal hinauf unternomwe-n werden. Nach einem Picknick auf der Burghöhe wird in der „Burg Scharfc-nstein" bei Gastwirt Rehm Einkehr gehalten werden. Der Anschluß an diesen Ausflug ist daher sehr empfehlenswert.
GrsimdlMlicher Wink für Badegäste.
Unter diesem Titel wird, von einigen hervorragenden deutschen Ärzten unterzeichnet, ein sehr zeitgemäßes Flugblatt in den deutschen Badeorten verbreitet, das folgenden Wortlaut hat:
Der gewaltige wissenschaftliche Aufschwung der letzten Jahrzehnte hat naturgemäß auch in der Hygiene der Badekur mit manchem Vorurteil aufgeräumt und manche Lehre gestürzt, die bis dahin als unantastbar gegolten. Den praktisch wichtigsten Teil nimmt in dieser Beziehung wohl die Anschauung über den gesundheitlichen Wert des Al-kobolgennsses ein, die eine völlige Umkehrung erhalten hat. Glaubten früher Arzte und Laien, in den alkoholischen Getränken, besonders in Wein, Bier und Kognak, höchst wichtige und unentbehrliche Stärkungsund Kräftigungsmittel zu haben, so hat die Wissenschaft der neuesten Zeit, einen strengen, kritischen Maßstab anlegcnd, mit Hülse moderner und besserer Unter- suchungSmethoden gezeigt, daß manche Erscheinungen, die nach dem Alloholgenuß austreten, früher ungenau oder falsch gedeutet worden sind, und man kann sagen, daß von Jahr zu Jahr der Alkohol in der ärztlichen Welt in einen immer schlechteren Ruf kommt. Vor wenigen Dezennien noch war man der Ansicht, daß man den Organismus in einem Kampfe gegen die Tuberkulose unterstützen könne durch reichliche Alkoholzufuhr, besonders. in der Form von Kognak; noch in der Hamburger
Eholeraepide-mie von 1802 wurde von ärztlicher Seite dir Parole ausgegcben: Reichlicher Kognakgenuß schützt in gewissem Sinne gegen Cholera; es ist noch nicht lange her, daß Bleichsüchtigen Rotwein zur Blutbildung und Kulmbacher Bier zur Kräftigung verordnet wurde, ja selbst die Zeiten liegen noch nicht so fern, daß schwächliche Kinder ein Fläschchen Tokayer erhielten. Und heute? „Kindern auch nicht ein bischen Alkohol" ist ein allgemein anerkannter Leitsatz geworden: „Mit jedem Tropfen Alkohol, den du deinem Kinde reichst, gibst du ihm fürs Leben einen Tropfen Dummheit und Nervosität." Daß Rotwein blutbildend wirke, glaubt kein Arzt mehr, und die jetzt allgemein geltende Ansicht betreffs der Verordnung von Alkohol zur Stärkung drückt Professor Martins, Rostock, folgendermaßen aus: „Es gebe wohl heute keinen Arzt mehr, der schwere Weine oder starke Vier« zu Stärkungszwecken verordne. Wo das dennoch vorkomme, müsse dies scharf gebrandmarkt werden."
Wie man über Alkohol und Tuberkulose heute denkt, erhellt am besten daraus, daß eS jetzt Lungenheilstätten gibt, welche prinzipiell keinen Tropfen Alkohol v rwen- den. Für Tuberkurose, Cholera und alle anderen Infektionskrankheiten steht 'eit, daß sie in einem an Alkobol (auch im mäßigsten Grade) gewöhnten Körper bedeutend eher sich sestsetzen können, als in einem völlig alkoholfrei gehaltenen. Wie sehr überhaupt der Alkoholgenuß Erkrankung und Lebensdauer beeinflußt, beweisen die Erfahrungen großer Berstcherungsgesellsch-aften in England, wo die Zahl der Alkohol-Enthaltsamen (Abstinenten) recht groß ist (ca. 7 Millionen). Die Erfahrungen der englischen Lebensversicherungsgesellschaftcn, die gesonderte Tabellen über Enthaltsame und Nichtenthalt- fame führen, zeigen, baß die Abstinenz die Lebensdauer durchschnittlich um etwa 10 Prozent verlängert. Die Versicherungen, welche natürlich nur kaufmännisch rechnen, nicht irgendwie volksaufklärend wirken wollen, geben deshalb den Abstinenten bis zu 15 Prozent Prämienrabatt und andere Vergünstigungen. Einige deutsche Gesellschaften tun schon dasselbe. —
Was bedeuten diese Erfahrungen nun für die Badekur? -Außerordentlich viel! Jeder, der entweder ganz und gar seiner Gesundheit wegen ins Bad geht oder doch wenigstens die angenehme Zerstreuung, die das Badeleben ihm bietet, auch nebenbei zur Auffrischung seiner Gesundheit verwenden will, der meide vor allen
Dingen alkoholische Getränke! Zwar ist ja im Battleben so vieles, was gerade im entgegengesetzten &nn< zu wirken sucht: die freie Zeit, das gemütliche Nicht»' tun, das Umhevschlendern, die reichliche Gelegenheit j» trinken und der mehr oder minder sanfte Zwang, der t» vielen Hotels und Pensionen nach dieser Richtung W ausgeübt wird; ja, stand doch noch vor einigen Jahren r» ö-enr Prospekt eines vielbesuchten Seebades als BorzuS angegeben, daß die frische Seeluft zum Alkoholgenntz auffordere und daß man in dem Seeklima viel metz trinken könne als auf dem Festlande! Wer aber uve die Wirkung des Alkohols aufgeklärt ist, der hat geraa- im Bade die beste Gelegenheit, einen praktischen VerfW zu machen und auch am eigenen Körper zu erfahren, wst unendlich viel wvhler, genutzsähiger und fröhlicher M ist, wenn man niemals Wein, Bier usw. trinkt! ‘‘
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rigkeiten infolge geschäftlicher oder gesellschaftlicher^^
pflichtungen gibt es hier nicht; auch die Rücksichten a den Wirt fallen fort, weiß der Wirt doch, daß seine Nv ihrer Gesundheit wegen da sind, uu-d außerdem ge»! ' eine so reiche Menge erprobter alkoholfreier Weine n anderer Getränke, daß jeder Wirt dieselben gern » ' rätig halten wird, sobald seine Gäste sie verlangen, » es kann dem Wirt ja eins sein, ob er sein Geld an «i holfreien oder alkoholhaltigen Getränken verdient. , liegt also in der Hand der Gäste selbst! In nranai Badeorten gibt es auch schon alkoholfrei« Restaurants- Wer an der alkoholfreien Lebensweise Oicsa e findet und Neigung verspürt, auch für das Wohl anv etwas zu tun — in diesem Falle ohne jedes pcrson Opfer — und in einer eminent kulturfärderndcn wegung mithelfen will, der kann sich einer Äbstin
vi-ganisation anschließen, deren cs zahlreiche verschütt!^ -Art gibt; in Deutschland zählte man 1903 ca. 40 0W . .
stinenten. Di« Unterzeichneten Arzte erteilen Steril* gerne Auskunft. .J1
Dr. med. Bonn«, Klein-Flottbeck bet -Or. med. Fock, Hamburg, Hoheweide.
I)r. med. Clemenz, Schönwalde in How Dr. med. Gaye, Stettin, Lindenstratzc 10.
Dr. med. Hi lg«r, Magdeburg, Halber, tadt», Dr. med. K e f e r st e i n , Lüneburg. ^ ,,
Dr.. med. Pf leiderer, Ulm, Karlstraße • Dr. med. Schaumann, Albersdorf in Dr. med. Strecker, Berlin N., Stralfun straße 68.
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