58. Jahrgang.
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Uo. 357»
LerlagS-Fernspreche« Ro. Mi».
Mittwoch» de« 3. August.
RebaktionS-Fernsprecher No. 52.
1904.
Morgen - Ausgabe.
1. Matt.
Jur Hygiene unserer Straßen.
Die Straßenhygiene hat Lei uns in Len letzten Jahrzehnten zweifellos bedeutende Fortschritte gemacht. Medizin, Kommunal- und Sozialpolitik verbanden sich -u gemeinsamer ersprießlicher Wirksamkeit. Die Er- kmntnis, daß mit dem Straßenstaub so oft der Keim zu Michen Krankheiten eingeatmet wird und daß die größere Reinlichkeit einer Ltadt mit einer Herunter- jetzMg der Sterblichkeitsziffer fast immer verbunden zu sein Pflegt, ist in unseren Lagen Gemeingut aller größeren städtischen Verwaltungen geworden. Zu einer M, wo in Amerika noch die bedeutendsten Städte wie Aelv Dort und Washington unter der Kalamität Mangel» Wer straßenhygienischer Vorkehrungen zu leiden haben, ist in den meisten unserer Hauptstädte bereits ein System der Reinigung nnd Besprengung von Straßen durchge» führt worden, dessen Vorzüglichkeit von ausländischen Besuchern gerne anerkannt wird. Neuerdings scheint nun in diesen Bestrebungen ein kleiner Stillstand eingetreten zu sein. Es muß deshalb ausdrücklich darauf hin- Mösen werden, daß auch die Straßenhygiene unserer deutschen Städte noch lange nicht den Höhepunkt ihrer Entwickelung erreicht hat. Noch immer erweist sich der Ztmßenstaub als ein Gegner der Gesundheit, dessen Gebiet von der Technik noch nicht eingedämmt worden ist. Lchon bei mäßigem Windgang werden die leichteren Be- siandteile des Straßenpflasters, wie Sand, Kies, gemahlener Pferdedünger usw., als Staub tu die Höhe ge- irietet, ohne daß es bisher gelang, ein Mittel gegen diese lalamität ausfindig zu machen. Die Staubentwickelung M bekanntlich nicht bloß für Schotter- und Klopsstein- siraßen, wo sich der in Verbindung mit Wasser zur Fugenausfüllung verwendete Sand nach Verdampfung k» Wassers loslöst, sondern auch für Granit- und As- bhaltpflaster, wo sich der Staub aus den durch den Der- lchr abgetriebenen Teilchen der Oberfläche znsammen- >eht. 'Die modernen Verkehrsmittel, vor allem aber das tiuwmobil, haben dazu beigetragen, daß diese Abnutzung lascher vor sich geht als in früheren Jahren, 'wodurch die ktaubentwickelung natürlich um so größer wird. Zwei MMN sind es nun. die in diesem Zusammenhang anfge- toorfen werden mußten: Läßt sich ein Pflasterungs- Material konstruieren, 'dessen Zusammensetzung bereits !lne Gewähr gegen allzu intensive Staubbildung gibt? ^dec kann, wenn die Staubenkwickelung nun einmal unvermeidlich ist, ein Mittel gesunden werden, um sie ^nlgstens zu lokalisieren, cinzuschränken? Was die chtere Frage anbelangt, so glaubte man eine Zeitlang,
daß Holz- oder Asphaltpflaster einen schlechten Boden für Staub abgeben. Die Erfahrungen, die nach der Richkung hin in verschiedenen Städten Englands, Deutschlands und Frankreichs' gemacht wurden, haben diese Hoffnung als trügerisch erwiesen. Mit neuen Pflasterungsmaterialien werden gegenwärtig in verschiedenen Laboratorien Versuche gemacht, deren Resultate noch obzuwarsen sind. Für jedenFall hat diese Axt der Lösung des Problems bisher keine praktischen Resultate gezeitigt. Dagegen kommen, um uns der zweiten Frage zuzuwenden, jene Versuche einer praktischen Lösung näher, welche die Straße einer chemischen Behandlung unterworfen wissen wollen, nachdem sich das ursprünglichste Mittel der Staubbekämpfung, die einfache Besprengung mit Wasser, als unzureichend erwies. Auch hier gab und gibt es eine Anzahl von Schwierigkeiten. Nicht jedes Pflasterungsmaterial ist widerstandsfähig genug, um einer Imprägnierung, die es gegen iw Staub feit, ohne Schädigung seiner Oberfläche ausgesetzt werden zu können. Wie.man sieht, greisen die beiden oben ausgestellten Fragen eng ineinander. Was nun die Methoden der chemischen Behandlung -anbelangt, so kommen hier zunächst die Ein- ölung und die Beteerung von Straßen in Betracht. Die Einölung von Straßen, bei der es sich im wesentlichen um eine Durchsickerung oberflächlicher Sandschichten mit Ol handelt, ist in Frankreich, England und Amerika der- suchsweise vorgenommen wovden, wobei es sich herausstellte, daß diese Methode bei einigermaßen empfindlicher Stvaßenoberfläche picht ratsam ist. Als wirksamer hat sich die Belegung der Straßen mit einer Teerschicht erwiesen; aber auch hier ist es noch nicht gelungen, eine durchaus homogene Verbindung mit dem Straßen- material, wie sie das Ideal einer derartigen Imprägnierung wäre, herbeizusühren. Neuerdings sind dann mit „Westvumit" Versuche gemacht -worden, einem mineralischen Stoff, durch dessen Verbindung mit dem beim Straßenbau verwendeten Sand eine für geraume Zeit staubfreie Oberfläche erzielt werden soll. Diese Versuche wurden zunächst in Berlin vor einem Kreis von Fachleute und später an mehreren Orten des Genfer Sees vorgenommen. Die zweimalige Besprengung (zuerst mit einer Iffprozewigen, später mit einer 3—oprozenttgen Westrumitlösung) sollte die also behandelte Straße für längere Zeit staubfrei machen. Es zeigte sich nun allerdings, daß das' Mittel für den Augenblick und auch für eine Reihe von Tagen die Staubentwickalung verhinderte, aber schon nach einer Woche begann es zu versagen. Dian kann es also nur für jene Fälle verwenden, wo ein nur vorübergehender starker Verkehr (etwa bei festlicher Gelegenheit) für bestimmte Straßen eine außergewöhnliche Staubbildung befürchten läßt, oder man müßte die Besprengung so oft wiederholen, daß die Behandlung trotz der relativen Billigkeit des Materials zu kostspielig würde. Immerhin ist mit diesem Mittel, das vielleicht
noch vervollkommnet werden kann, der Fingerzeig zu weiteren Versuchen nach derselben Richtung hin gegeben. Vor allem aber wäre es wünschenswert, daß auch die größeren städtischen Verwaltungen derartige Experimente in jeder Beziehung fördern, da ein lediglich passives Wohlwollen zur Lösung der für die Hygiene der Städte so wichtigen Staubfrage^wenig beitragen kann. (Wie bekannt, hat man einige Straßen unserer Umgebung mst Westrumit besprengt. Man wird sich wohl erst in einigen Wochen über den Erfolg vollständig klar werden können. Die Red.)
Politische
Zur Mirbach-Affäre.
Berliner Blätter veröffentlichen in Sachen Mirbach eine Erklärung der Vertreter des Evangelisch-Kirchlichen Hülfsvereins mit seinen Zweigvereinen und des Evangelischen Kirchenbauvereins: Die Mittel zu dieser umfassenden Liebestätigkeit sind durch Sammlungen de- schafft worden, bei denen sich Fvhr. v. Mirbach in hervor- ragender Weise beteiligt hat. Die Einzelheiten seiner Sammeltätigkeit sind uns nicht vollständig bekannt und sind daher von uns nicht zu vertreten; aber wir können als berufene Zeugen dafür eintreten, daß in den sechzehn Jahren enger Arbeitsgemeinschaft uns kein tatsächlicher Anhalt für das Urteil vor Augen getreten ist, daß den zahlreichen, unseren Vereinen durch ihn zugewendeten Gaben ein M^gkel anhaste, insbesondere, daß dieselben teilweise durch Zusagen von Auszeichnungen erlangt worden seien. Wir beklagen es, daß die öffenttiche Meinung fort und fort eine persönlich verletzende Haltung ein- nimmt und wünschen im Interesse unserer Dereinsarbest dringend, daß Wer einige in der Öffentlichkeit besonders scharf betonte Fragen gerichtlich' oder amtlich sichergestellte rasche Klärung, soweit dies nicht bereits geschehen ist, herbeigeführt werde: Hierzu rechnen wir insbesondere den Verbleib des nicht zur Abhebung für den Kirchenbauverein gelangten 'Tests des Guthabens bei der Pommernbank, worüber Frhr. v. Mirbach selbst Auskunft zu geben nicht imstande ist. Gegenüber der von den verschiedensten Stimmen in drängendem Ton ausgesprochenen Meinung, daß .das öffentliche Wohl das Ausscheiden des Frhrn. v, Mirbach aus seiner bisherigen Wirksamkeit erfordere, sprechen wir auf Grund unserer umfassenden Kenntnis 'der Sachlage den Wunsch und die Hoffnung aus, Daß der hochverdiente Mann, der zur Linderung der äußeren und inneren Not unseres Volkes so viel geleistet hal, Dieser Tätigkeit noch lange erhalten bleibe. — Der Zweck dieser Erklärung ist klar. Frhr. v. Mittbach soll in seiner Stellung erhalten 'werden. Die „Voss. Ztg." bemerkt zu dieser Erklärung: Wir sind uns nicht bewußt, eine die Person des Frhrn. v. Mirbach verletzende Haltung einge»
Feuilleton.
Nmuttliche Himmelsfchnu Qluguft).
Bon Dr. F. K. D. Müller.
Merkur befindet sich am 7. August im absteigenden ^wten. erreicht am 17. August um 11 Uhr nachts die «lttienserne, am 19. August um 5 Uhr morgens seine Mtc östliche Elongation (27° 24'), ist aber wegen «>nes tiefen Standes nicht leicht aufzufinden. Am
^August um 10 Uhr vormittags ist er in Konjunktion m dem Monde. Bcnus steht am 11. August in Kon- mit Regulus, am selben Tage um 8 Uhr vor- m in Konjunktion mit dem Monde, erreicht am August um 9 Uhr vormittags die größte nördliche ^zentrisch« Breite und geht vom 22. August an um M als eine halbe Stunde nach der Sonne unter, wird » am Abendhimmel immer mehr sichtbar. Mars ver-
|r.' sich am Morgcnhimmel aus den Zwillingen in J? Krebs. Am 9. August steht er um 5 Uhr morgens ... öem Monde in Konjunktion. Ende des Monats Jt er um 2 Uhr 30 Min. nachts auf. Jupiter geht am August um 10 Uhr, in der Mitte des Monats ® Uhr 20 Min., Ende August schon vor 9 Uhr auf. D August um 2 Uhr nachmittags und am 80. August 8 Uhr nachts steht er mit dem Monde in KoNjunk- M lDa Jupiter stationär ist und am 20. August »m „Uhr nachmittags rückläufig wird, hat man da ein gutes ,'Üiel für di« wahre side rische Mondumlaufszeit.) M>rn, der am 10. August in Opposition mit der Sonne S* nnd am 20. August gegen 7 Uhr ansgeht, ist im fast die ganze Nacht hindurch sichtbar. Am August steht er mit dem Monde in Konjunktion. ..J&! 4. August um 3 Uhr 2,8 Min. nachmittags haben „.)."tztes Viertel am 11. August um 1 Uhr 58,1 Min., ^.Mittags Neumond, am 17. August um 5 Uhr 27,1 z ?; morgens erstes Viertel und am 25. August um i 2 Min. nachts Vollmond. Am 11. August um 25 vormittags steht der Mond in Erdnähe, am ‘ 'Must um 5,2 Uhr morgens in Erdferne. Verfin
sterungen der Jupitermond« finden statt: am 2. August um 11 Uhr 31 Min. 51 Sek. nachts Austritt des zweiten Mondes aus dem Schatten (Eintritt um 9,1 Uhr nachts), aur 3. August um 1 Uhr 15 Min. 20 Sek. nachts Eintritt des ersten Mondes (Austritt am Rande Um 4,8 Uhr morgens),, am 5. August um 10 Uhr 50 Min. 53 Sek. nachts Austritt des dritten Mondes (Eintritt um 8,8 Uhr nachts), am 9. August um 11 Uhr 40 Min. 26 Sek. Eintritt des zweiten Mondes (Austritt um 2 Uhr 6 Min. 38 Sek. nachts), am 9. August um 2 Uhr 20 Min. Eintritt des zweiten Mondes am Rande (Austritt um 4,8 Uhr morgens), am 10. August um 3 Uhr 9 Min. 31 Sek. Eintritt des ersten Mondes (Austritt um 6,7 Uhr morgens am Rande), am 12. August um 9 Uhr 88 Min. 6 Sek. nachts Eintritt des ersten Mondes (Austritt am Rande um 1 Uhr 7 Min. nachts), am 12. August um 12 Uhr 48 Min. 52 Sek. nachts Eintritt des dritten Mondes (Austritt um 2 Uhr 50 Min. 52 Sek. nachts), am 16. August um 2 Uhr 15 Min. 22 Sek. Eintritt des zweiten Mondes (Austritt um 4,7 Uhr morgens), am 19. August um 11 Uhr 32 Min. 21 Sek. nachts Eintritt des ersten Mondes (Austritt am Rand« um 2 Uhr 57 Min. nachts) und am 26. August um 1 Uhr 26 Min. 40 Sek. nachts Eintritt des ersten Mondes (Austritt am Rande um 4 Uhr 47 Min. morgens).
Am 23. August um 3 Uhr nachmittags tritt die Sonne in das Zeichen der Jungfrau (Ende der Hundstage). Die Sonne geht am 1. August um 4 Uhr 21 Min. auf, um 7 Uhr 51 Min. unter, am 10. August um 4 Uhr 35 Min. auf, um 7 Uhr 34 Min. unter, am 20. August um 4 Uhr 52 Min. auf, um 7 Uhr 14 Min. unter und am 31. August um 5 Uhr 10 Min. auf, um 6 Uhr 50 Min. unter. Am 1. August beträgt die Tagesläng« 15 Stunden, 30 Min., die Nachtlängc 8 Stunden 80 Min., am 31. August die Tageslängc 13 Stund«» 40 Min., die Nachtläng« 10 Stunden 20 Min. — der Tag nimmt iw August um 1 Stunde 50 Min. ab.
Um Mitternacht am höchsten am Himmel stehen im August die Fixsterne: Epsilon Schwan (3,2. Größe) am 2. August, Ecta Schwan (3. Größe) am 8. August, Alpha Cepheuö (3,2. Größe) am 10. August, Beta Wassermann
(3. Größe) und Beta Cepheus (3. Größe) am 13. August, Epsilon Pegasus (2,3. Größe) am 16. August, Delta Steinbock (3. Größe) am 17. August, Alpha Wassermann (3. Größe), am 21. August, Theta Pegasus (3,4. Größe) am 23. August, Ceta Wassermann (3,4. Größe) am 27. August, Delta Cepheus (veränderlich) am 28. Augnst, Ceta Pegasus (3,4. Größe) und Eta Pegasus (3. Größe) am 81. August.
Auf die Nachtstunden fallen im August folgende Minima von Veränderlichen des Algoltypus. Am 1l. August um 4 Uhr, am 14. August um Mitternacht, am 17. August um 9 Uhr bei Algol, am 4. August um 4 Uhr, am 9. August um 3 Uhr, am 14. August um 3 Uhr, am 19. August um 3 Uhr, am 24. August um 2 Uhr, am 29. August um 2 Uhr bei 17 Ccphei, am 2. August um 4 Uhr, am 5. August um 3 Uhr, am 8. August um 3 Uhr, am 11. August um 8 Uhr, am 12. August um 3 Uhr usw. bis 29. August uw 8 Uhr bei Y des Schwanes, am
I. August um 9 Uhr, am 11. August um 1 Uhr, am 2l. August um 4 Uhr bei 17 des Pfeiles.
Maxima hellerer Veränderlicher vom Miratypus sind im August zu erwarten: bei R des Großen Bären (Maximum 7. Größe, Minimum 13. Größe) am 4. Aug. um 10 Uhr 37,6 Min. nachts (Periode 302 Tage), 8 der Jungfrau (Maximum 6,5. Größe, Minimum 12. Größe) am 7. August um 1 Uhr 27,8 Min. nachts (Periode 376 Tage), J des Schwanes (Maximum 7,5. Größe, Minimum 12. Größe) am 0. August um 7 Uhr 58,6 Min. morgens (Periode 266 Tage), R der Schlange (Maximum 7. Größe, Minimum 13. Größe) am 11. August um 3 Uhr 46,1 Min. nachts (Periode 357 Tage), R des Pegasus (Maximum 7,5. Größe, Minimum 14. Größe) am 19. August um 11 Uhr 1,6 Min. vormittags (Periode 380 Tage) und R der Triangel (Maximum 6. Größe, Minimum 12. Größe) am 30 . August um 2 Uhr 31 Min. nachmittags (Periode 306 Tage).
Am 30. August wird der Stern Xi" Ceti (4,3. Größe) vom Monde bedeckt. Eintritt des Sternes um 4 Uhr
II, 9 Min. nachts, Austritt um 6 Uhr 82,8 Min. morgens (Mondaufgang nur 2 Uhr 29 Min. nachrs, Sonnenaus» gung um 5 Uhr 16 Min.).
