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" 8»®’*'*™* erscheinenden Ausgabe, wie für
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«erlag^Hernsprecher *o. !9M.
Mittwoch, de« 27. Juli.
K,5»[H#n#^5wnt,«*M s>». 52. 1904*
Abend - Ausgabe.
Vii MW-MW iauöElsnerfeeljr.
s. Patis, 24. Juli.
ata Mt instruktiver Bericht über 'die französisch- Handelsbeziehungen, dessen Kenntnisnahme Re künftige Regelung des kommerziellen Verkehrs k Lden Länder nicht ohne Bedeutung sein dürfte ist „ W mit der Vorbereitung der Handelsverträge bebauten Kommission der französischen Kammer veroffenl- izn worden. In der Ernleitung wird zunächst eur Ruck- Mck mf die 'landwirtschaftliche und industrielle Enttvick- Deutschlands.innerhalb des letzten Jahrzehnts ge- Rm Bezüglich der deutschen Landwirtschaft führt die «schau zu Lem Zugeständnis, daß die Getveide- Stieu in Deutschland von den festgesetzten Schutz- -Nen eine Förderung zu erwarten hatte. In bezug auf ^Industrie wird konstatiert, daß die Fortschritte der «scheu Bergwerks- und Hüttenindustrie nur denen der ^«iniaten Staaten an die Seite gestellt werden könnten.
Bericht weist fernerhin darauf hin, .daß der Außen- bandel Deutschlands feit 1902 um 48 % zugenommen <L während der entsprechende Zuwachs bei der Union yz % bei England 22 %, bei Belgien 17 %, M der Mweiz 15 % und bei Frankreich nur 10 % betrug. Nach >ie en Präliminarien beschäftigt sich das Dokument unmittelbar mit dem Handelsverhältnis zwischen Frankreich und Deutschland. Seit 1894 ist der Export von ersterem nach letzterem ziemlich stationär geblieben, wahrend der Import aus dem Deutschen Reiche eine Erhöhung um nind 125 Millionen Mark aufzuweifen hat. Mus einer MN folgenden Zusammenstellung von 29 französischen Handelsartikeln, die in den Nachbarstaat eingeführt werden geht hervor, daß der Import Frankreichs bei folgen- den Produkten Einbußen erlitt: Wein, Seide, Pofamen- jerie und Bänder, Schaf- und Baumwollwaren, Metall- Werkzeuge, Öl, Früchte und Spirituosen. Außerdem ist such die Vieheinfuhr zurückgegangen. Der Rückgang im Weinexport beläuft sich aus 18 Millionen Frank, was zum Teil daraus erklärlich ist. bafe man in Deutschland vielfach einheimischen und italienischen Weinen vor dm französischen den Vorzug zu geben beginnt, zum Teil aber auch mit Vorgängen zusammenhängt, die noch weiter unten Erwähnung finden sollen. Eine Zunahme weisen feit 1892 die französischen Verkäufe in Rohhäuteu und gekämmter Wolle auf. Deklarierte Postpakete, hauptsächlich Pariser Luxusartikel enthaltend, erfuhren, im letzten Dezennium einen Wertzuwachs um 55 Millionen Frank. Im einzelnen verteilt sich der vermehrte Import Deutschlands auf Kohlen, Koks, Maschinen, Seide, Ch.emika.lien, Papier, Drucksachen (Bücher) und
Gravüren. Nach eingehender Behandlung der kommerziellen Bedingungen der beiden Länder kommt der Bericht zu der Schlußfolgerung, daß die Republik rm Verkehr mtt den: Reiche nicht jene Chancen hätte, die ihr von Rechtswegen gebührten. Es wird dann eine genaue Übersicht über den deutschen Zolltarif gegeben, wobei, die französische Kommission den Erhöhungen der, Wmnzolle besondere Aufmerksamkeit schenkt. In früheren Zähren kam ungefähr die Hälfte des nach Deutschland emge- führten Weines im Werte von 24 Millionen Frank aus Frankreich. Tie Weinzölle waren damals sehr niedrig. Der Umstand, daß sie nun auf 20 Bdark pro Hektoliter erhöht worden sind, erregt in den betreffenden Handels- kreisen große Beunruhigung, die auch in einem forni- lichen Protest der Handelskammer von Braune, einem der ivichtigsten französischen Weinzentren, ihren Ausdruck gefunden hat. Als besondere Herausforderung wirdcs empfunden, daß Deutschland mit Spaiiien ein Übereinkommen traf, durch das den Weinen aus diesem ^ande gegen gewisse Vergünstigungen bei der Einfuhr deutscher Jndustriepvodukte bedeutende Zollerleichterungen zugestanden wurden. Was nun die übrigen Positionen des deutschen Zolltarifs anbelangt, so dürfte der Export an französischen Seifen und Parfümerien nach Deutschland, dem Nachbarlande, fast gänzlich verloren gehen, wenn die diesbezüglichen Bestimmungen des Generaltarifs nicht durch ein Spezialabkommen ersetzt werden. Besonders ungünstig aber stehen die Verhältnisse für die französischen Textilwaren, die im Handelsverkehr Der beiden Länder eine bedeutende Rolle spielen. (Der Import nach. Deutschland betrug 1900 nahezu 65 Millionen Frank!) Eine Fachkommission, welche die entsprechenden Zollsätze zu prüfen hatte, erklärte, daß dieselben „ultraprotektionistisch" seien und für den Handel und die Industrie der Republik eine direkte Gefahr bedeuten. Ihre Annahme von seiten Frankreichs würde in Anbetracht der großen Zahl der in der Gewebe- und Textsiindustrie beschäftigten Arbeiter auch, einen allgemein-wirtschaftlichen Rückschlag zur Folge haben müssen. Viele Fabriken könnten sich überdies veranlaßt sehen, Frankreich zu verlassen, um unter den veränderten Verhältnissen bestehen zu können, wodurch die französische und die deutsche Arbeiterklasse gleichzeitig eine Schädigung erfahren müßte. — Der Bericht gibt jedenfalls einen Fingerzeig, in welcher Richtung sich Vertragsverhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich zu bewogen hätten, die den Abschluß eines nicht nur die Meistbegünstigung sestsetzcn- dcn Abkommens beziveckten. Daß für Zugeständnisse in der Wein- und Tcrtilfrage von Frankreich entsprechende Kompensationen gewährt worden würden, kann nach der ganzen Lage der Dinge schon jetzt keinem. Zweifel unter- iicgcn und Aufgabe -der deutschen Handelspolitik wäre cs dann, über die Art dieser Kompensationen rechtzeitig schlüssig zu werden.
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Zur Mirbach-Affäre.
Oberhofmeister Freiherr v. Mirbach findet im Grau, denzer „Geselligen" eine Verteidigung, der er wohl selbst nicht ganz fernstchen dürfte. Seine Verdienste um die Sammeltätigkeit der evangelischen Hülfs- und Kirchenvereine sollen alle ih-m gemachten Vorwürfe^ hinweg- räumen. Rühmend- wird erzähll, daß in lo ^nhren nt Berlin 32 Millionen Mark für Kirchenbauten aufgebracht worden feien, wovon 12 Millionen von Mirbach gesammelt wurden; hiervon stammen WA Millionen Mark Von einzelnen Gebern. ,.Als ein besonderes Verdrenü ist es dabei Freiherrn v. Mirbach anzurechnen", so, sagt das Graudenzer Blatt, „daß er namentlich die Kreise zu großeu Opfern willig gemacht hat, die, mit irdsichm Gütern reich gesegnet, bis dahin das Geben nicht gewohnt waren." Aber mit welchen Mitteln sind diese Kreise „willig" gemacht worden. Die Verbindung des Oridens- und Titelwesens mit dieser „freiwilligen Wohi- tätiqkeit hat ja gerade so viel Erbitterung hervorgerusen, Erbitterung auch bei den „willig" Gemachten selbst und an was für Elemente Freiherr v. Mirbach dabei m ferner .durch „keine Skrupel beengten" Sammeltätigkeit geraten ist, das haben ja u. a. die Sauden, Scyultz und Romeick bewiesen. Daß auch, in bezug auf die Pommernbank Freiherr v. Mirbach ganz exkulpiert wird, zeigt den Wert des Graudenzer Machwerks, das völlig verschweigt, daß die Rückzahlung der willigen Gaben, der betrug.eisich.en Gaben der Pommernbankdirektion nicht unter dem Druck der Öffentlichkeit erfolgt ist. In dem Graudenzer Blatt wie auch in einigen anderen Blättern wird auf den Fall Michon in Hamburg Bezug genommen, über den me „Franks. Ztg." nach einer Zuschrift und nach ihr viele Blätter berichtet fjattcn. Eine Ausführung des Kur- Direktors Freiherrn v. Maltzahn erklärt jene Darstellung für unrichtig. Es war gesagt worden, daß. Freiherr v Mirbach von der vor Jahresfrist verstorbenen Frau Michon in Homburg v. d. Höhe für .den Bau der Erlöser- kirche 5000 Mark erhalten und ihr dafür den Lmsenorden überreicht habe. Der Sachverhalt soll aber folgender ge- wesen fein: Frau Witwe Michon, die Wohltätigkeits- anstalten und gemeinnützige Vereine, sowie die Armen vielfach unterstützte, hat im Sommer 1900 dem Oberbürgermeister Or. Tettenborn für das au errichtende Denkmal des letzten Landgrafen von Hessen-Homburg 6000 Mark übergeben und zugleich mstgeteilt, daß sie in ihrenli Scftcintcnt bcr @tabt §>o>m!buvst 100 000 Mav? für Arme aller Konfessionen verniaäst nnb die katholische Ge- meinde noch besonders mit 63 000 Mark bedacht habe. Oberbürgermeister Dr. Tettenborn habe an zuständiger Stelle eine Auszeichnung beantragt, worauf Frau Michon am 21 Oktober 1900 das Frauenverdienftkreuz (nicht den
Villa Tournesol.
Baüeroman von Paul Bonhomme.
Autorisierte Übersetzung von Wilhelm Thal.
(1. Fortsetzung.)
„Ja, aber was soll man denn damit anfangen?" fragte Madeleine.
„Sie an Ort und Stelle verkaufen, und dir die 35 000 Frank auszahlen lassen", fuhr Berthe mit lautem Lacheii fort, und sah, eine Zustimmung in den Augen dep Eltern suchend, diese fragend an.
„Ja, wenn man sie verkaufen kann", warf Madame Tournesol hin, „Was meinst du dazu, Maxime?"
„Aber/ liebes Kind, ick habe keine Meinung."
Er hatte keine Lust, den Zwischenfall vom Diner aufs neue heraufzubeschwöreil.
„Aber Papa, wenn man dich doch- um deine Meinung bittet", bestand Berthe.
| „Nun", .meinte er endlich, „rvenn die Gewinne in barer Münze bezahlt werden, d. h. wenn man von Veranstaltern der Lotterie die Villa überläßt und dafür mit wendender Post die 36 000 Frank bekommt, auf die sie geschätzt wird, so erscheint mir Berthes Kombination ziemlich prakttsch . . ., aber das ist vielleicht gar nicht der Fall; es ist vielmehr zu befürchten, daß, wenn man unseren Freund Meier mit dem Verkaufe der Villa beauftragt, er nicht die nette, kleine Summe bekommt, auf die Ihr zu rechnen scheint."
„Na, siehst du", triumphierle Madeleine, und fuhr dann in demselben Atem fort, „wenn man sie dagegen winmen ließe, könnte man an einem hübschen Ort ein ^errain kaufen oder mieten . . . Wir würden alle den Sommer dort zubringen . . ."
„„Und dein Lotteriegewinn", ergänzte der Vater, >,würde uns schließlich 100 000 Frank kosten. Übrigens", fuhr er lächelnd fort, „ist das gewöhnlich so, wenn man das „Glück" hat, in einer Lotterie zu gewinnen."
„Man könnte ja etwas Massen", meinte Berthe. «Em klÄner Rabatt."
„Ach, du bist gut, mit deinem Rabatt", unterbrach Madeleine, „wenn man alles wieder verliert, braucht man ja gar nicht erst zu gewinnen."
Die Diskussion zog fick in die Länge. Bald wurde sie sogar so lebhaft, daß der Schriftsteller auf jede Hoffnung, wieder au die Arbeit gehen zu können, -verzichten mußte.
Berthe verteidigte ihre Idee, die Villa zu verkaufen, auf das lebhafteste.
Madeleine dagegen hielt ihren Wunsch, sie kommen zu lassen, aufrecht. Den Atlas in der Hand, bewies sie, auf den Schreibtisch ihres Vaters sich lehnend, daß Hamburg ziemlich nahe am Meere lag und es infolgedessen nicht kostspielig sein konnte, sic per Schiff bis nach Havre zu transportieren, von wo man sie nach der Normandie bringen konnte. Der Schriftsteller, der gern seine beide Töchter zufrieden gestellt hätte, war in großer Verlegenheit.
Auch Madame Tournesol wußte nicht, auf tvessen Seite sie sich stellen sollte.
Da die beiden Schwestern indessen um Mitternacht noch immer stritten, ohne daß die Frage um einen Schritt weiter gekommen wäre, hielt es ihr Vater für klug, die Lösung auf 'den nächsten Tag zu verschieben.
Es war ungefähr ein Uhr morgens, als jeder in fein Zimmer ging, Noch einen Augenblick hörte Herr Tonrnesol. seine Töchter schwatzen, und hütete sich übrigens wohl, ihnen Schweigen zu gebieten. Als er sich zur Ruhe begab, glaubte er, die Fee der Inspiration ganz, besonders anflehen zu müssen, .denn er hatte eine düstere Ahnung, daß die bescheidene 1000 Frank-Note, die er für die Verwirklichung seiner Pläne für genügend gehalten, für die Situation, wie sie sich jetzt gestaltet hatte, nicht mehr ausreichend erschien.
II.
Maxime Tournesol zählte 62 Jahre. Er bewohnte in der Rue Legendre ein kleines Haus, das man nach seinem bescheidenen Umfang für das Haus eines Philosophen hätte halten können. Um einen volkstümlichen
Ausdruck zu gebrauchen, hätte man sagen können: der Käfig sei dem Vogel angepaßt.
Tournesol nahm tatsächlich in der Literatur nicht die erste Stelle ein, er hauste nicht auf jenen stolzen Höhen, die jene Adler mit Beschlag belegen, die sich in Geier verwandeln, wenn es sich darum handelt, ihren Platz schneller an der Sonne zu erobern. Doch von Stufe zu Stufe, von Erfolg zu Erfolg hatte ihn sein ruhiges, anmutiges und lustiges Talent mit langsamer Hartnäckigkeit zu jenen lachenden Höhen erhoben, wo man schon den Ruhm streift und die Berührung mit der Erdenwett doch nicht verliert.
Er hatte in seinem Leben seinen Kollegen nur einen häßlichen Streich gespielt; nach sieben bis acht Jahren des Elends hatte er sich ein so glänzendes Debüt auf dem Theater erlaubt, daß ihm seine literarische Generation das fast nie verzeihen konnte. Ein erschwerender Umstand: das Stück war nickt unanständig. Es war ein harmloser, kleiner Dreiakter, — „Die Nachsichtigen", — war der Titel, gut gebaut, lebhaft, temperamentvoll, ein Stück von menschlicher, wahrer Beobachtung, und dabei von einer so einfachen Idee, daß es jeder hätte schreiben können, obwohl tausende von Autoren achtlos daran vor- übergegangen waren.
Das Stück war hintereinander 260 Mal aufgeführt worden. Man. kann sich denken, wie sich- die Eifersucht der lieben Kollegen über einen solchen Erfolg geärgert hatte. Wer war denn dieser junge Mensch, der eben erst anfing und mit 28 Fahren -inehr Erfolg zu haben sich erlaubte, als ein alter Theaterveteran? Na, er sollte nur sehen, wie man ihn in kleine Stückchen zerriß. Tatsächlich wurde jedesmal in den folgenden 15 bis- 20 Jahren, wenn Maxime Tournesol es sich einfallen ließ, ein neues Stück aufführen zu lassen, die Parole ausgegeben, ihn bei der ersten Vorstellung tüchtig zu verreißen. Und die lieben Kollegen versäumten nie, dieser freundlichen Aufforderung zu entsprechen.
Der junge Autor ließ sich nicht einschüchtern. Um der Kritik Zeit zu lassen, sich ihre Krallen abzustumpfen, wandte er sich dem Roman zu, und errang hier neue Erfolge.
