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Heit- 2.

Freitag. 18. Juli 1»04.

Wiesbadener Tagblatt.

Morgen-Ausgabe. 1. Blatt.

N». 32 b

Türkei haben, mit der sich Griechenland andererseits «ns jede Weis« anzubinden sucht eine Politik, -die der Nach­kommen der qlten Hellenen nicht sehr würdig ist. Für die deutschen Werften möchten wir darauf Hinweisen, daß die bewilligten Kredite durchaus noch nicht dafür bürgen, daß auch pünktlich bezahlt wird, weshalb es sich empfehlen würde, größere Aufträge auf Schiffbauten nur gegen Barzahlung und Sicherstellung entgegenzunehmen. Es heißt zwar, daß die griechische Marinekasse genügend dotiert ist und über eine ansehnliche Reserve verfügt, aber Worsicht scheint auch hier der Weisheit besserer Teil zu sein. Im übrigen sind Verwicklungen zwischen Griechen­land und der Türkei nicht wahrscheinlich, da man sich beiderseits in LiebeZbeweisen erschöpft. So hat General-

Besonders gereizt ist die Stimmung unter den Truppen m Makedonien, die voll Neid sehen müssen, wie die Gendarmerie dort, hinter der die ausländischen Mächte stehen, zum Teil-mit den Einkünften aus -den Wilajetö von Pkonustir, Saloniki und Kossowo. gut und pünktlich bezahlt wird, während ihnen schon seit Monaten der Sold vorenthalten bleibt. Die chrisüichen Polizisten, die eine Art Vorrecht vor ihnen genießen, sind den türkischen Soldaten natürlich ein besonderer Dorn im Auge, und so erklärt es sich, daß die ohnehin schon seit langem unge­duldigen Truppen revoltieren und -energisch ihren Sold verlangen. Würde die Bewegung auf Makedonien be­schränkt bleibe», so wäre die Pforte scksiießlich um ein Mittel zur Unterdrückung derselben nicht verlegen, aber

über mit Versprechungen und Drohungen begnüg^H eine Methode, die wohl nicht geeignet «scheint, die ziplin unter den ohnehin demoralisierten Truppen im Grunde nur ihr Recht verlangen, zu fördern. ' ^

Zum Much der deuMen Flotte !n ftmom

Wehl selten ist bisher ein deutsches Geschwader . solchem Maße im Auslände ausgetreten, wie 5-os.je»;« n das dieser Tage auf der Reede von Plymouth itj-ciu!" Wir nehmen daraus Anlaß, unseren Lesern das schwader im Bild vorzuführen. Die Leser selbst werz7' verstehen, daß der Besuch einer solchen Unzahl

ft BlANlufcRO K)04

t., Kaiser Wilhelm II. r. Kaiser Friedrich. - tr . 8. Prinz Heinrich. 10 . Friedrich Karl.

t. Kaiser Wilhelm der Grosso. «. Kaiser Karl dar Grosse. 8. Wittelsbach. #. Wettin. I KeeWenhurar. #. Zähring-en. 11. Amazone 12 . Ariadne. 18, Medusa. 14. Frauenloh. 18. Ar-cona. 18. Niobs. 17. Blitz. 18. Pfeil

inspekteur Hilmi Pascha -den türkischen Behörden oben erst den Auftrag -gegeben, die Bulgaren in Makedonien, die bereits der griechischen Kirche angehören, zu veranlassen, unter keinen Umständen zum Exarchat zurückzukehren und andererseits den Übertritt der Bulgaren zur griechi­schen Kirche in jeder Weise zu erleichtern. Griechenland läßt -es an entsprechenden Gegenleistungen nicht fehlen und so darf mg» auch seinen Rüstungen keine welt­historische oder auch nur politische Bedeutung zuschreiben.

Türkische Verlegenheiten.

I. Konstantinopel, 11. Juli.

Die Soldaten des Sultans konnten sich seit jeher in bezug aus pünktliche Bezahlung von Seiten ihres Brot­herrn keinen Illusionen hingeben, und man kann es diesen Vaterlandsv-erteidigern, -die zu schlechter Bezahlung mangelhafte Ernährung und Kleidung in -b-ert Kauf nehmen, nicht verübeln, wenn sie zu nuirren beginnen.

die Furcht scheint begründet, daß die Revolte sich auch auf andere türkische Provinzen verpflanzen wird, wodurch sich die Regierung einer sehr schwierigen Situation gegen­übergestellt sehen würde. Sie steht mm vor der Alter­native, entweder einen Teil -der Truppen zu entlassen oder sie durch Bezahlung zum Gehorsam zu bringen. In beiden Fällen würde ihre finanzielle Leistungsfähigkeit übermäßig in Anspruch genommen werden, da ja auch den zu entlassenden Soldaten der seit Monaten rück­ständige Sold ausgehändigt werden müßte. Der Minister­rat hier hat sich eingehend mit dieser zweischneidigen Frage beschäftigt, ohne indes was wohl für die Situation bezeichnend ist zu einem Entschluß gelangen zu können. Am wahrscheinlichsten ist noch, daß man sich zu einer neuen Anleihe entschließen -wird, aber auch das -braucht Zeit, und die Forderungen der Soldaten werden unterdessen immer dringender. Für -den Augenblick dürften sich die türkischen Behörden den Soldaten g-egen-

Schissen, deren Besatzung sich aus 10 000 Mann bettinst, nicht unbeachtet vorübcrgehcn kann. Die Engländer geben sich ja auch alle Mühe, unseren Blaujacken Len Ausenthalt dort so angcnch-m wie möglich zu machen. Hoffentlich wird der Besuch, wie bisher, so auch weiter sich in. demselben friedlichen und freundschaftliche» Rahmen abspielen.

Der ruPsch-japonische Krieg.

Der Priester als Held.

Einer der Helden der russischen Armee ist der Pater Iwan Gtcherbatkowsky, der, das Kruzifix hoch empor- schwingend, das 12. Regiment zu einem Todcskamps gegen die japanischen Reihen führte. Er liegt jetzt im Lazarett von Charbin mit drei Kugelwundcn in der Brust; er selbst erzählte, wie ein englischer Korrespon-

We falschen MMiden in der OffenttWett

itnb deren schädlicher Einfluß ans die Rechtschreibung.

Bortrag, gehalten imWiesbadener Lehrer-Borein" von H. Paul.

Veröffentlicht (int Auszug) auf Anregung der Versammlung.

Wenn auch der orthographische Unterricht nach der neuosten Methode betrieben wird, so zeigen sich immer und immer wieder Fehler bei den schriftlichen Arbeiten der Schüler. Hierzu tragen wesenttich bei die falsch ge­schriebenen Wörter, welchen wir allenthalben in der Dfsemtlichkeit, auf der Straße, tu den Anlagen, an Häu­sern, Fuhrwerken ufw. begegnen. Die Bücher sind nicht wie die Zeitungen für einen Tag gesetzt, daher muß mau in den Lehr- und Lesebüchern, welche in der Übergangs­zeit noch die alte Orthographie haben, Me Kinder veran­lassen, die Abweichungen nach der neuen Schreibweise zu korrigieren und dadurch Fehler zu verhüten suchen.

Wenn alle behördlichen Formulare mit alter Ortho­graphie aufgebraucht sind, werden von dort aus sämtliche Schriftstücke in neuer Orthographie abgefaßt sein. Die Behörden könnten unsere Tätigkeit aber auch noch in der Weise unterstützen, indem sie darauf drängen, daß die von ihnen in neuer Orthographie auf-gegebenen Bekanut- wachrmgen, Bersügungen usw in ihren Organen und der -Tagespresse auch so veröffentlicht werden. DaS ist noch wicht allenthalben der Fall; aber Kinder -lesen auch Zeitungen.

Die Aufschriften an Amtszimmern ufm wie Ober- Secretär, Schulinspector dürfen auch in neuer Ortho- graphic erfolgen, desgleichen die -amtlichen Schreiben an die -Fnspcctionen, sowie die -Kohleuv-crthcilmig seitens der Armenverwaltung ohne h. Das h -in Nerothal, Da-mbachthal ufw. hat feine Berechtigung, weil diese Wörter Eigennamen sind; aber inRathhaus" genügt ein h.

Die Stempel der staatlichen und Kvmmuna-lV-ehördcn enthalten ebenfalls noch Verstöße gegen die neue Ortho­graphie, z. B. Frei lt. Ayers. No. 21, Kgl. Fisc. Bau- Abth.

Die Eisenbahn-Verwaltungen haben begonnen, W der neuen Orthographie zu bedienen, so inTür" ufw. Die Nothbremse hat noch ihr gegossenes, rot angestrichenes h behalten, auch die Anschläge in den Wagen, Wartesälen sind nicht frei von Fehlern, so in

Hunte und andere Thiere" ufw. Wartcsääte findet man nicht mehr häufig mit zwei ä. Der Beamten- vcrein schreibt aus den Quittungen Cassirer mit C und ohne e nach i. ß wird häufig durch ss ersetzt, aller­dings in lateinischer Schrift. Wenn das Kind ein von sonst maßgebender Stelle ergangenes Schriftstück w-ie in Kgl. preussisches Amtsgericht" sieht, so überträgt es nicht selten in deutscher Schriftpreussisch"; -derselben Schreibweise bedient sich auch die Bahnverwaltung z. B. -in Türe schliessen oderPreussisch - Hessische Staatseisenbahn-en, sodann findet sie Anwendung auf Wandkarten: O-iessen, so daß es nicht zu verwundern ist, wenn das Kind überträgt: Giessen. Die -Schreib­maschinen, fast durchgängig mit lateinischen Tu per, schreiben auch ss statt ß. Neuerdings wird -es aber be­hördlich gewünscht, daß die Maschinen, auf -welchen ge­richtliche Aktenstücke ang-efertigt werden, eine ß - Lupe haben. In unseren Lesebüchern -weist der lateinische Text eine ß - Type auf, dann könnte dies auch in oder auf anderen Lernmitteln der Fall sein. Die Maschinenschrift enthält meistens noch einen Verstoß gegen die neue Ortho­graphie bei Darstellung der Umlaute in Großbuchstaben: Oel, A-ermel, Uebung, doch (int Rathause gibt cs auch Lcssentliche Bekanntmachungen".

In der Öffentlichkeit begegnen wir einer solchen Menge von orthographischen Fehlern, die von unseren Kindern gesehen werden und demgemäß anch Anwendung finden. Da sich aber das falsche Wortbild dem Geiste ebenso leicht einprägt wie das richtige, so müssen wir dahin streben, daß dem Kinde tunlichst keine Wörter mit fehlerhafter Orthographie zu Gesicht kommen. Was niitzt alle Belehrung in der -Schule, wenn die Öffentlichkeit das Gute wieder niederrcißt, was die Schule aufgebaut hat. Daher fort mit -der alten Orthographie in der Öffent­lichkeit!

Die Zahl -der falsch geschriebenen -Wörter in der Öffentlichkeit ist so groß, daß sic hier nicht alle einzeln, sondern nur in Gruppen aufgeführt werden können. N-ehmcn wir zunächst die F i r m c n s ch i l'de r. Hier -lesen wir: Taback, Cabinet, zum Rasifesreu und Fri- sifcfr-en, Actiengcscllschaft, Colonialw-aaren, Victualiea- haudlung, Consum verein, Weiß- und Rothw-etne, sel­tener Wirthschaft, Oel und Landesprvducte, zuweilen so­gar Produckte, eigenes Wachsthum, direct vom Pass, Mass- und -Reparaturwerkstätte, Wäsche - Confectivn, Wcißwasasren viererlei Art: Weiß, weiss, weis mit

einem Querbalken über 8 und Weis, so auchZur Stabt Weiscnburg", Local (des Auktionators usw.

Anzeigen auf Plakaten: Electrische Aufzüge,

Brennerei mit electrischem Betrieb, Hier Möblileirt« Zimcr zu vermiethen, Abonnisesrt, sämmtliche Artikel, Thor zumachen oder Lieferanten durchs Thor, Telefon­anschluß, Tapeziiesrfer), Dekorateur. Täglich bemerkt man Kinder vor Läden mit -solchen -Inschriften, sie sehen, wenn auch nur flüchtig, die fehlerhaft -geschriebenen Wör­ter, und da -wundern wir uns, daß die Schüler trotz öfterer Hinweise Produkte, Insekten usw. falsch schreiben. In der Ne-ugassc -steht dieStaedtischc Feuerwache" und daneben das-Städtische Accise-amt", wahrend i-m amt­lichen -Blatte richtigAkzlse"amt veröffentlicht ist. Sogar in Räumen und Gängen der -Schulen sind Tafeln mit falsch -geschriebenen Wörtern angeschlagen: Missbräuch­liche Benutzung der Feuermelder, Closet usw. Zahl­reiche Verstöße gegen die neue Orthographie findet man bei den Inschriften auf Friedhöfen; schon vor -den Fri-eL- höfcn empfiehlt man sich imAnlegen von -Gräbern und Grüften. In -der Dotzheim-erstraße gibt es Hcitzantagen. Die fehlerhaften Veröffentlichungen auf den Anschlag­säulen will ich nur erwähnen. Die Anwvndung des Zeichen & für und ist historisch berechtigt und als eine Verschlingung der Buchstabenzcichen von e und t (et) cmfzufassen.

Das Programm eines ,>Bundessestes" wies auf einer Seite nicht weniger als 0 Fehler auf; also auch die Vcr- ein-e müssen Mitwirken. In einem Vereinshause sin) (allerdings in Zierschrtft) -alle Wörter eines -Satzes groß geschrieben. Von -der -Schreibweise, ganze Wörter in Großbuchstaben darzustcllen, ist man auch noch nich(t ganz abgckommen.

Ein Buch, in dom sich -doch mancher Rat holt. Adreßbuch, enthält eine Unmenge erwähnter Schreib« weisen: Accum-nlatoren, Schocolade, Balcon, P-ar>

qu-ctt usw.

Selbst die Fuhrwerke -stehen hierbei nicht zurück Wohl jeder hat das Wort Brod mit einem 60 Zentimeter hohen, gewiß in die Augen fallenden d an den Wagen prangen sehen, ferner: nicht explodirendcs Petroleu-m", gaiantirt reine Vollmilch. Es ist wohl nicht anders denk­bar, als daß -diese Verstöße gegen die gebräuchliche Ortho­graphie von schädlichem Einfluß aus die Rechtschreibung -unserer Kinder sind. Kann doch der Wagen mitdrei­mal täglich- frischer Mich" auf seinen Hin- und Herwegen

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