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Donnerstag, 21. Oktober 1915.
Morgen * Ausgabe.
Nr. 491. ♦ 63. Jahrgang.
500 Jahre Hohenzollern!
Ein nationaler Gedenktag.
Es war am 21. Oktober 1415, als Kaiser Sigismunb den Nürnberger Burggrafen Friebrich von Hohenzollern in die Mark Brandenburg einsetzte und die Erbhuldigung für den neuen Fürsten in Berlin st-attsand. 500 Jahre sind seit diesem äußerlich so unscheinbaren Mt verflossen. Und heute gedenken wir mit Stolz und Freude der Tatsache, daß damals in die Wirrnis der Ljdark Brandenburg durch eine fe st e Hand Ordnung gebracht und sich aus dem kleinen fortschreitend im Laufe der Jahrhunderte das große Preußen und das größere einige Deutschland entwickelte. Wir gedenken des Jubelta-ges der Hohenzollern freudig in einer Zeit, die diesem Fürstengeschlecht und dem einmütig hinter ihm stehenden Volke so viele neue'gewaltige Ausgaben und Probleme gestellt hat.
In -der Urkunde, die dem Burggrafen Friedrich berm Antritt seiner neuen Würde übergeben wuvde, erkannte der Kaiser seine „Redlichkeit, Vernunft, Festigkeit und andere seiner Tugenden, sonderlich seine lautere und bewährte Treue" rühmend an. Das sind Eigenschaften, die sich durch die Jahrhunderte hindurch auf dre meisten der Hohenzollern weiter vererbt haben. Und diese Eigenschaften der Fe st i g k e i t und der Treue — sie sind es hauptsächlich gewesen, die es vermocht haben, daß das Hahenzollernhaus in all dem wilden Wirbel der politischen und kulturellen Ereignisse, in dem so viele mrftenhäuser kamen und gingen, fest und unverbrüch- sich blich an der Stätte, die ihm das Schicksal bereitet mtte. Eine wunderbare Beharrlichkeit liegt •n dem Zuge des Hohenzollerngeschlechtes nach vorwärt s und a u f w ä r t s. Alle die großen Geschehnisse, die das Weltall während dieser fünf Jahchunderte durchtübten, konnte das Haus der Hohenzollern nicht entwurzeln aus dem Boden, in den es sich einmal em- gegraben hatte. Und es fühlte seine hohe Mission Brandenburg zum Kristallisationspunkt einer großen deutschen Zukunft in Einigkeit und Macht zu erheben.
Das Gcheimnis der großen Erfolge der Hohen- zollern liegt begründet in ihren staatsmanNischen Eigenschaften. Klare Zielerkennung. Weitblick gepaart mit nüchterner, praktischer Auffassungsgabe, sol- datische Eigenschaften, strenge Hingcche an die über- nommenen Pflichten für Staat und Volk, Pflichtgefühl urd Kunst, auch mit bescheidenen Mitteln Tüchtiges zu ieiiftett — das sind die Vorzüge der Hohenzollern ge- h>e?en wenn sie auch natürlich in der langen Reche der Herrscher sich in verschiedenartigster Ausprägung zeig- ten Bis zu wahrer Größe und Genialität erhoben sich die' charakteristischen Hohenzollerneigenfchalsten mr Nroßen .Kurfürsten und in Friedrich dam Großen. Für sorgliche Sandesväter und zielbewußte Mehrer des San
Zum Hohenzollerrrlag.
Von Marie Sauer (Wiesbaden).
An allen Grenzen, Deutschland, steht dein Heer!
An allen Grenzen schützt dir heil'ge Treue Den Heimatboden . . . deiner Kinder Erbe.
Sie bluten . . . fallen . . . deine Heldensöhne-
Und schließen fester ihren ehsinen Ring.
Dem bärt'gen Mann folgt mutentflammt der Knabe,
Den kaum der Mutter weiche Hand entließ.
Und rennt im Sturm des Feindes Bollwerk an: ^
„Hurra für Deutschland, — Deutschland über alles!
Und aus der Schlachten dunkler Wolke steigt Das deutsche Banner — seiner Adler Flug.
Die große Zeit bringt Taten uns und Tage —
So ungeheuren Geschehens voll.
Daß schier der Atem stockt im raschen Schau n.
Und unser Blick nur noch dem Heute gilt.
Das flammend in ein Morgen überströmt Voll unbegreiflich wunderbaren Glanzes.
Doch heute, Deutsche, wollen wir rückwärts schauen!
Ein halb Jahrtausend liegt der Tag zurück,
D-i Hohenzollernfaust den Frieden gab der Mark Und Pflicht und Recht an ihre Banner band.
Die Mark und Zollern . . .! fünfmal hundert Jahre Sind hohe Zeugen ihrer Bundestreue!
Wie Faust und Schwert die Schlacht zusammenschmiedet, So wuchsen sie zusammen: starke Wehr —
In Zeiten, die den Frieden kaum gekannt..
Denn dort, wie heut, hielt Neid die Augen offen Hub sah voll Scheelsucht Brandenburgs GÄreih'n.
bes legten sie -den wahren Grund zu der Größe Preußens und zu seinem beherrschenden Einfluß- Und -die Älteren -unter uns kennen noch den ehrwürdigen Herrscher -Wilhelm I., der, geleitet von seinem starken und schönen Pflichtgefühl, die ihm von den_ deutschen Stämmen /angetragene Kaiserkrone auf fein Haupt
Wir sehen in dein j e tz i -ge n Träger der deutschen Kaiserkrone die Zusammenfassung und Verkörperung aller der männlichen und staatsmännischen Eigenschaften, die die Hohenzollern durch die Jahrhunderte hindurch getragen haben. Wir erkennen das sein ganzes Wesen durchdringende Verantwortlichkeitsgefühl -gegenüber Staat und Volk, idas sich nie schöner und Mer zeigte als beim Beginn des Krieges. Da haben wir es ihm -alle aufs Wort -geglaubt, daß sein Wille die Erhaltung des Friedens war und daß nur die bittere, eherne N o tw eNd i g kei t ihn daM -führen konnte, «das Schwert aus der Scheide zu ziehen. Und auch darin ganzer Hohenzoller, daß, nachdem die Würfel gefallen find, die kriegerffche Arbeit unter Ausbietung aller Kräfte des Staates und unter Einsetzung der eigenen Persönlichkeit und -der gesamten Familie geleistet wird! Wir haben nie so fest gcisÄhlt wi-e jetzt, daß -das H o h e n z o l l e r n h a u s und das preußische, das deutsche Volk eng zueinander gehören, daß sie auf Gedeih uNd Verderb miteinander verbunden sind. Die Hohenzollern sind mit ihrem Lande verwachsen, das Wort vom Herrscher als dem ersten Diener des Staates trifft auf sie zu; sie und wir wollen kein Sonnerikönigt-nm, keine Herr- scherschicht, die wert über uns in den Wolken thront. Sie wollen ar b e i t e n für Staat und Volk, und das sichert ihnen Liebe und Zuneigung. Treue um Treue! Fürstenhaus und Volk eng der - b u n d e n, werden den Stürmen der Jetztzeit und den Schicksalen der Zukunft trotzen können. Unsere treuen Wünsche für das Gedeihen des Hohenzollern- Hauses sind, so aufgesaßt, gleichbedeutend mit unseren Wünschen für Deutschlands Größe und Macht.
Das 300 -jährige Hohenzollern- Jubiläum.
Die Stammburg des Geschlechts Hohen- , ollern steht ans dem Berge Zoller in Schwaben, den die Römer nach dom Sonnonkultus der Germanen Mons solarius nannten. Der Name Hohenzollern statt Zollern ist erst seit 1350 und zunächst nur in der schwäbischen Linie gebräuchlich. Der Stonnm-Vater Mer späteren Linien dieses Hauses ist Friedrich !., der erste Wogt des Klosters Alpirsbach, und dessen Enkel Friedrich III., Burggraf von Nürnberg. Durch
Des großen Friedrichs Eisentritte klirrten Durch sein Jahrhundert . . . Heil dir, Brandenburg!
Es wächst dein Stern durch dunkler Zeiten Wettern Und strahlt hernieder auf Luisens Sohn.
Der Kurhut wandelt sich zur Königskrone —
Dem Deutschen Kaiser huldigt Volk und Reich.
Von Zeiten wißen wir, die schwer und dunkel.
Aus Nacht den sonnenhellen Tag geboren;
Bon Zeiten, die wir Späten „groß" genannt —
Mit leisem Gram, daß unsrer Tage Fluten Solch starkes Fühlen uns nicht zuerkannt.
Wir wissen's anders nun in Deutschlands Gauen! Wir gehen sterben, wie die Väter starben.
Für unsrer Heimat lichtes Heiligtum;
Wir gehen opfern, wie zu jener Zeit Die Mütter, Frauen, Bräute opferten.
Wir gingen heim zu unsrer Väter Glauben ....
Das Lutherlied brach unsrer Ängste Bann —
Und trägt der Herzen Zuversicht empor.
Der Friedenskaiser hält die Zollernkrone —
Mark Brandenburg — Alldeutschland steht für dich! Alldeutschland steht zur Wacht auf Meer und Klippen - Auf Felsenhängen — steht in Sumpf und Moor —
Und immer höher zieht der Zollern-Adler Die Kreise über Lug und Haß empor.
Die Blicke fliehen von dem Meer der Schmerzen Hinein in Deutschlands lichten Zukunstsglanz Und sehen auf Germaniens hehrem Haupte Den unverwelklich frischen Eichenkranz.
In ihrem Diadem flammt Pflicht und Treue —
Der Väter Erbe — not- und todgeglüht —
Und strahlt dem Morgen, dessen hehre Klarheit Aus dieser Zeiten Weltenbrand entblüht.
seine Sohne Konriad und Friedrich ist er der gemeinsame Ahnherr der Könige von Preußen und der Fürsten von -Hohenzollern. K-onr-ad I. erhielt bei der Teilung des väterlichen -Erbes um 1204 dos Burggrafentum Nürnberg sowie die -fränkischen Besitzungen nnd -wurde so der Stifter der Hauptlinie: Nürnberg-Brandeüb-urg- Preußen.
Die Macht des Ha-uses Hohenzollern gründete sich in den ältesten Zeiten auf den eigenen Besitz in Schwaben. Er wurde durch Kauf, Tausch, Erbschaft und Lehen pkririnäßig erweitert. Der bedeutendste Zuwachs des burggräflichen Besitzes war 1248 der Erwerb von Bayreuth und etwas später derjenige der Herrschaft Plassenburg und Kulmbach. Trotz ^dieser M-acht- erweiterung wurden -die Hohenzollern erst im Anfang des 14. Jahrhunderts in den Reichsfürstensiamd ausge- noinmen. Durch das Amt des Burggrafen von Nürnberg traten sie in enge Beziehung zu Kaiser und Reich. Sie gewannen den Anschluß an die Staufen, indem Friedrich III. die Wahl Rudolfs von Habsbuvg betrieb. Friedrich IV. entschied die Schlacht bei Mühldorf zu» Mnsten Ludwigs des Bayern, für den Johann II. im, Jahre 1346 als Hauptmann in die Mark Brandenburg kam. Ldamentlich aber hat sich Friedrich VI. als Wat und Minister des Königs Sigismund durch die Teilnahme an der Reichs- und Kirchenpvlftik verdient gemacht. Durch einen dreifachen Mt kam er in dem Besitz der Ma rk B r a n d e n b u r g, die nach dem Aussterben der Askanier unter den Wittelsbachem und Luxemburgern in arge Verwirrung geraten war. Am 8. Juli wunde er zum obersten Verweser der Mark und als; Hauptmann bestellt, noch ohne kurfürstliche Würde. Aim 30. April 1415 erhielt er -das KursürstentnM- s-amt der Kur- und Erzkämmererwürde und äm 18.ApriI 1417 fand die Belchnung in Konstanz statt. So faßte das schwäbische Fürstengeschlecht auf dem neudeuffchen Kolon ialboden des Ostens festen Fuß. Damit wurde die Mark, die fast viermal so groß -war wie die ftänkr- schen Besitzungen des Hauses Hohenzollern in Verwal- tung und Politik der Kern des künftigen Großstaates, der Ausgangspunkt der Entwicklung flir- Preußcn und das Deutsche Reich.
Schon Kurfürst Friedrich I. wollte die -Mark zum Mittelpunkt eines Großstaates machen. Er sowie auch seine Nachfolger konnten ihre landessürstliche Gewalt jedoch nur bis zu einem gewissen Grade durchsetzen, trotz -der verschiedensten Mittel, welche man versuchte' Bündnisse mit den Nachbaren, Bevorzugung ba-Id der Städte, -bald des Adels, rückhaltslose Anerkennung der Sonderrechte der Stände. Dieser Umstand sowie die -finanzielle Mißwirtschaft des Landes machten eine Machtpolitik der Hohenzollern nach außen vollkommen unmöglich. Bestimmend für die auswärtigen Verhält-
Miszrllen ;um Hohenzollern-Jubiläum.
Des alten Dessauers Nachruf auf Friedrich Wilhelm I.
Vor 10 Jahren ist in den „Denkmälern der preußischen Staatsverwaltung im 18- Jahrhundert", die die preußische Akademie der Wiflenschaften herausgibt, ein -Band Friedrich Wilhelms I- an feinen Vertrauten Leopold von Deffau erschienen. Hier teilt uns der Herausgeber auch die Würdigung mit, die der „alte Dessauer" seinen Nachfolgern gegenüber dem befteundeten Herrscher zuteil werden läßt: „Dieser große
König hat seit Anno 1718 so weislich regieret, daß er seine Armee nickt nur ans 80 000 Mann gesetzet, sondern dasselbe auch von solcher schönen auserlesenen Mannschaft mit soviel Sorgfalt formieret hat, daß gewiß, so lange die Welt gestanden, solche Armee von auserlesener Mannschaft noch nicht zusammengebracht worden. Da nun eine so formidable Armee von Sr. Königl. Majestät Friedrich Wilhelm hat können gehalten werden, so ist gewiß, daß dero Lande durch Sr. Majestät immer währenden Fleiß und beständige Application nicht nur in solchen Stand und so hoch gebracht, sondern auch konservieret worden, daß von selbigen die vortreffliche Armee ohne die geringste Subsidien hat können erhalten werden, und ist noch hierbei zn gedenken, daß die völlige Armee aller Monat ohne den geringsten Abzug ist richtig bezahlet worden. . Leopold weist dann weiter auf den Wiederaufbau Litauens hin, das durch die „Anno 1709 gewesene Pest so ausgestorben nnd ruinieret war; daß es nicht genug zu beschreiben', und schließt mit den Sätzen: „Aus allem diesem ist dann wohl zu eisehen, was dieses vor ein großer, verständiger Herr uni*
