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Der Komm
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^Morgen.veilage des Wiesbadener Tagblatls. i«—~»i
Nr. 245. Mttlrooch, 20. Oktober. 1915.
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(19. Fortsetzung.)
$. m. S. Grille r
Roman von Ott» Elster.
(Nachdruck verboten.)
Es war wiederum eine Pause in dem Gespräch ein- getreten. Der Generalkonsul war in sein Arbeits- -immer gegangen, um mit dem Sekretär zu konferieren. In der Chimien-Stadl war das dumpfe Brausen zu etnem tosenden Lärm angcwachsen. Man hörte wilde Schreie, angstvolle Rufe hevüberschallen, Schüsse krachten dazwischen, und plötzlich gellte ein einziger, furchtbarer Schrei wie von einer tausendköpfigen Menge durch die Nacht, so daß Asta erschreckt emporfuhr und auch Frau von Steinitz sich beunruhigt erhob.
„Ich werde eine Patrouille nach dem Tor schicken", sagte Horst.
Doch in diesem Augenblick kam ein Matrose eilig hevbeigelausen.
„Was gibt's?" fragte Horst ihm endgegentretend.
„Tie Aufständischen haben das Tor der Chinesen- Stadt erstürmt", meldete der Matrose, „und dringen in Hellen Hausen in die Vorstadt ein."
„Um Gotteswillen, sie werden doch nicht hierher« kommen?" fragte Frau von Steinitz erbleichend.
Zitternd stand Asta da, die großen, dunklen Augen mit Tränen gefüllt.
Der Generalkonsul trat wieder ein, auch er hatte Meldung von dem Vordringen der Ribellen erhalten.
„Was wollen Sie tun. Herr Leutnant?" fragte er.
„Beruhigen Sie sich, gnädige Frau -— Fräulein Asta — wir sind stark genug, um jeden Angriff abgu- schlagen", sagte Horst. „Außerdem wende ich eine Meldung an Kapitän Sanders schicken — er mtb uns schon Hilfe schicken. Für jetzt bitte ich mich zu eurlchuldigen ■— ich muß ru meinen Leuten . . ."
Noch einen Blick warf er auf Asta, die ihn mit großen angstvollen Augen in stummem Flehen anlsaih. Dann eilte er mit den' Matrosen davon.
Immer näher fern «das Geschrei, das Toben der Menge. Die Negierungstvupven, die das Ehinefen- Viertel bislang m Schach gehalten hatten, schienen vollständig überwältigt zu sein; entweder waren sie niedergeschlagen oder sie waren entflohen. Wenn sich dieser Haufen wild enipörter, fanatisch erregter Menschen in die Stadt ergoß, würden die unheilvollsten Folgen daraus entstehen. Auch in der EuropäerStadt gärte es ja in der chmesischen Bevölkerung; die Lastträger, die Kulis, die chinesischen Matrosen — sie würden sich mit den Rebellen die Hände reichen, und was konnten diese paar tausend Doutsche, Franzosen, Engländer und Amerikaner gegen die Hnnderttausende von Chinesen aus- richten, die in wildem, mord- und raublustigen Fanatismus die unglückselige Stadt überschwemmten?
„Kommt in das Haus", sagte der Generalkonsul zu seinen Damen. „Wir können hier nichts nützen und nriissen uns auf die Tapferkeit unserer braven Matrosen verlassen. Auch die Engländer und Franzosen haben Mannschaften gelandet. So dürfen wir hoffen, daß es gelingt, den Aufstand niederzuschlagen."
Er führte die Damen in das Hans, als draußen aus der Straße ein wildes Gcheul erschallte.
,Sie sind da", flüsterte Frau von Steinitz bebend.
Ausschluchzend Preßte Asta die Hände vor das Gesicht und sank fassungslos in einen Sessel. Der Generalkonsul ergriff einen Revolver und eilte, gefolgt von seinem Sekretär, in den dunklen Park.
Die chinesischen Diener und Mägde drängten sich ängstlich in den Souterrainräumllichkeiten der Villa zu- sammen.
Plötzlich knatterten einige Schüsse! Asta schrie erschreckt auf; Frau von Steinitz legte ihr tröstend die Hand aus das Haupt.
„Ruhig, Kind", sprach sie, sich selber zur Ruhe zwingend. „Wir sind in sicherem Schutz . . ."
Asta warf sich an die Brust der Mutter.
„Mama, Mama", jammerte sie, „wenn er getötet würde . .
„Wen meinst du? — Papa . . ."
Das geängstigte -Mädchen barg das Gesicht an ihrem Herzen. Der Name Horsts zitterte auf ihren Lippen.
Frau von Steinitz lächelte ein wenig. Sie streichelte zärtlich den dunklen Scheitel Astas.
„Liebst du ihn denn so sehr?"
Asta preßte sich fester in ihre Arme. Ein abermaliges -Knattern der Gewehre, ließ sie von neuem erbeben.
Inzwischen lobte draußen der Kampf. Horst sperrte mit seiner Abteilung die Straßen und an dem festen Nut, an der Unerschrockenheit der deutschen Matrosen scheiterte der wilde, tumultuarische Angriff der Menge. Den Matrosen schlossen sich andere Europäer an; von allen Seiten strömten sie herbei, und bald hatte sich eine feste Mauer gebildet, an der der Ansturm de« Menge sich brach. Gewehrschüsse kmchten, gellende Schreie ertönten — und plötzlich drang ein lauter, dumpfer Krach durch die Nacht, und auf einen Augenblick verstummte das Geschrei, als sei in die Menge ein erstarrender Schreck gefahren.
Und wieder der dumpfe Krachl Und ein Zischen und Fauchen in der dunklen Lust. Die Geschütze dev Kriogsschise hatten das Feuer auf die Ghinesen-Stadt eröffnet.
Und da erscholl ein kräftiges, donnerndes Hurra! Und im Laufschritt mit gefälltem Bajonett kam die Lcm- dungsmannichrft der „Grille" die Straße entlang und warf sich der wild anfschreienden Menge entgegen.
Ein kurzes Handgemenge —- dann flohen die Rebellen in toller Angst, in wildem Tumult davon, um sich in den engen Gassen der Ehinesen-Stadt, in den Gärten und Wäldern der Umgebung zu verbergen. Niemand achtete a-uf seinen Nebenmann; jeder dachte nur an die eigene Rettung. Frauen und Kinder, Greise und Kranke wurden unter die Füße getreten, wurden, in der Masse eingekeilt, erdrückt, niemand sah sich nach ihnen um, ihr Wimmern und Jammern verhallte in dem allgemeinen Tosen dieser von Todesangst gepeitschten Menschenflut.
Und dann ward es still. Nur «inzelne Kommando- Worte deutscher Offiziere erklangen draußen hell und
