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Mittwoch, 20. Oktober 1915.

Abend-Ausgabe.

Nr. 490. * 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Die Ereignisse auf dem valkan.

Vas deutsch-österreichisch-ungari/che Vor­dringen im lNorawa-Tal.

Br. Wien, 20. Oft. (Eig. Drahtibericht. Zenf. Bln.) Aus N «sch toi ui) gemeldet: Die deutschen und oster-

rcichisch-ungarlschen Truppen halben im Morowa-Tale bisher 1 ü K i I o me t e r Gelände gewonnen. Sie griffen die Serben von den i*ct§ MorMoa-Tal von dem PUava-Tale trennenden Höhen mit starken Krnf- ten an. Dieser Angriff hat anscheinend das Ziel, «s nächst gelegene Kupferbergwerk Zagubrica and Za j e rar in die Hände zu bekommen.

Der planmäßige Verlauf der Operationen in Serbien.

Br. Konstantinopel, 20. Oft. (Eig. Dvchtbcricht. Zens. Bln.) Hiesige Militärkreife sind^des Lobes voll über die bulgarischen Operationen in -Serbien, dre bis- her in voller Übereinstimmung mit den ver­bündeten Plänen verlaufen. Besondere Genug- tuuna erregt die Einnahme B r a n j a s, durch welche die Verbindung Salonikis mit Nisch an einem wichtigen Punkte in die Hände der BnlMren gelange. Wenn sich die Privatmeldung bestätigt, baß die Bulgaren auch von Strumitza bis zur Eisenbahn vorgerückt sind, würde die ohnehin sehr zw e i f eIDE) aste Hilfe der Verbündeten für Serbien völlig wertlos werden, weil die Narur des G e l ä nd e s des südöstlichen Zipfels Serbiens die Entwicklung größerer Truppen­transporte unmöglich macht.

ver hartnäckige widerstand der Serben im Timokgebiet.

Bereits 50 W0 freiwillige Mazedonier im bulgarischen Heere.

Berlin, 20. Olt. (Jens.. Bln.) Ein deutsches Flusgeug- geschwader hat, einer Meldung des „B. L.-A." zufolge,

K r a g u j e v a c, wo sich ein serbisches Arsenal befindet, mit Bomben belegt. Verzweifelt kämpfen die Serben im T i m o k g e b i e t, um die Verbindung der bulgarischen Armee Bojadjeff mit der Armee Gallwitz zu verhindern. Es kommt hier stets zu Kämpfen Mann gegen Mann. — Meldungen aus Sofia besagen, daß dort der Zustrom frei­williger Mazedonier stark sei. Etwa 50 000 Mann seien bereits eingekleidet; sie bilden eigene Divisionen mit eigener Artillerie und Kavallerie.

Die vulgaren laut amtlichem Bericht ln vranja eingezogen!

Auch Egripalanka und Kotschana besetzt.

W. T.-B. Ofenpcst, 20. Olt. (Nichtamtlich.) „Az Est" meldet aus Sofia: Wie der bulgarische amtliche Bericht vom 16. Oktober meldet, sind die Bulgaren am 15. Oktober in die Stadt Vranja eingezogen. Sie haben außerdem Egripalanka und Kotschana besetzt.

Oie Freude über die Einnahme von vranja in Sofia.

Dringendere Hilferufe, wachsende Verstimmung in Serbien.

Berlin, 20. Okt. (Jens. Bln.) Die Einnahme von Vranja hat in Sofia, wie dem „B. T." vom 18. Oktober gemeldet wird, große Freude hervorgerufen. Mit der Besetzung dieses OrteS ist das eigentliche Königreich Serbien von Mazedonien abgeschnitten. — Nachrichten aus Ofenpcst zufolge, heißt eS weiter, hat die Unterbrechung der Verbindung Saloniki- Nifch, die die Folge des Verlustes von Vranja ist, im serbischen ' Hauptquartier große Verwirrung hervorgerufen. Die Staatsarchive seien von Nisch nach M i t r o w i tz a verbracht worden. Der Sitz der Regierung ist nach P r i s ch t i n a ver- legt worden, wohin der König sowie die diplomatischen Ver­treter der Entente folgen werden. Der Ruf nach der H i l s e Rußlands werde'immer dringender, die Verstimmung, vor allem gegen England, wachse. — Die Zahl der Gefangenen, die die bulgarischen Truppen bisher gemacht hätten, betrage ungefähr 30 00, darunter zahlreiche Offiziere.

Das bulgarische vorrücken.

Bukarest, 20. Okt. (Zeus. Bln.) Aus Sofia wird be­richtet: Man erwartet stündlich die Nachricht von der Ein­nahme K n j a z e v a c s. Die äußerste bulgarische Vorhut be­findet sich in unmittelbarer Nähe der Stadt. Die Eisenbahn­linien um Kujazevac sind von den Serben völlig zer­stört worden. Wie erst jetzt bekannt wird, drang unmittel­bar nach der bulgarischen Kriegserklärung an Serbien eine kleine Schar bulgarischer Infanteristen durch die serbische Linie aus Knsazevac, legte Feuer in einem Teil der Stadt und zog sich erst zurück, als die serbische Übermacht erdrückend zu werden drohte.

Das junge bulgarische Fliegerkorps zeichnet sich besonders miS. Die Festung P i r o t wurde zum wiederholten Male von bulgarischen Fliegern mit Bomben belegt. Die D o n a u - schiffahrt ist endgültig gesperrt. Bulgarische Flußdampfer erbeuteten noch weitere acht serbische Transport- dawpler urw mehrere Schlepper. Das ganze bulgarische User

wurde mit Minen belegt. Die Donau entlang haben deutsche und österreichisch-ungarische Truppen bereits die Verbindung östlich Semendria miteinander hergestellt.

Verwundete Bulgaren über die erbitterte» Kämpfe.

Br. Sofia, 20. Okt. (Eig. DrcchtLericht. Zenf. Bln.) Die ersten Verwundeten-Transporte sind hier eingetraf- tzn. Die Verwundeten erzählen, die Serben kämpften durchaus tapfer, aher planlos und ohne System. Die Kämpfe tragen einen sehr erbitterten Charakter. Die Gegner werfen sich mit großem Un­gestüm aufeinander und verbeißen sich gewissermatzem Die Serben bauten viele Schützengräben, in denen sich nur die ersten Kamipfreihen befinden, während «die übri­gen frei stehen.

Einstellung der in österreichisch-ungarischer Kriegs­gefangenschaft gewesenen Mazedo-Bulgaren un bulgarischen Heere.

Pest, 20. Okt. (Zeus. Bln.) Der letzte Transport bis­her in österreichisch-ungarischer Kriegsgefangenschaft befindlich gewesener Mazedo-Bulgaren, dir in der serbischen Armee hatten kämpfen müssen, ist nach Bulgarien abgegangen, um dort in die bulgarische Armee eingereiht zu weiden. Ihre Zahl betrug 1000 Mann. Im ganzen hatten sich 6000 in Kriegsgefangenschaft befunden, deren größter Teil bereits früher freigelassen und nach Bulgarien abgeveist war.

Oie „Gäben" in Varna?

Berlin, 19. Okt. (Zens. Bln.) Das „B. T." meldet aus Äugano: Der türkische Kreuzer „Sultan Jowus tselim" kreuzte pf. Stunde lang vor Konstanza und fuhr mit Volldampf nach Varna weiter.

Der russische 3ar „an dar bulgarische Volk?"

W. T.-B. Paris, 20. Okt. (Nichtamtlich.) „Petit Parisien" meldet aus Petersburg: Die Kriegserklärung Ruß­land s an Bulgarien steht unmittelbar bevor. Möglicher­weise wird die Ankündigung des Kriegszustandes mit der Ver­öffentlichung eines Manifestes des russischen Zaren an das bulgarische Volk zusammenfallen. — Bezüglich Italiens will das Blatt wissen, daß Salandra dem Königs eine von ihm und Sonnino gemeinsam ausgearbeikete Note über­sandte, welche besagt, daß Italien an der B l o ck a d e der bulgarischen Küste im Ägäischen Meer teilnehme.

Der türkisch-bulgarische Freundschaftsbund.

Ofenpest, 20. Okt. (Zens. Bln.) Der türkische Ge­sandte Fetschi-Bei in Sofia erklärt in der „Kambana", das Abkommen mit Bulgarien verbürge eine feste Freund- schaft für immer. Die Türken seien nie so widerstands­fähig bei den Dardanellen gewesen wie jetzt. Von seiten des Vierverbandes sei kein neuer ernster Angriffsversuch mehr zu erwarten. Tie Landung in Saloniki sei bloß eine Diver­sion gegen Griechenland. Bulgariens Eingreifen sei für den Endsieg von entscheidender Bedeutung.

Die schwierige Lage der in Saloniki gelandeten Truppen.

Sofia, 19. Okt. (Zens. Bln.) Wie aus Saloniki hier vorliegend« Meldungen erkennen lassen, haben die dort liegenden Ententetruppen mit enormen Schwierigkeit«» zu kämpfen. Es be- st a t i fl t sich, daß die Bahn Nisch-Salonikü an verschiedenes Stellen zerstört ist. Fünf vollbeladene Eis-nbahnzüge, die mit Truppen und Kriegsmaterial von Saloniki nach Serbien unter- Wegs waren, wurden ans Besrhl des Oberkommandos auf offene» Sticcke angehalten und k e h r t en n a ch S a l o n i k i z u r ü ck. Die Truppen kommen wieder in ihre Barackenlager, ebenso wurde da» Kriegsmaterial ausgefrachtet. Auch di- sanitären Verhältnis!« in den Trnppcnlagern der Entente bei Saloniki lassen sehr zu wünschen übrig. Im Hafen von Saloniki liegen seit Tagen mir Truppen voll gefüllte Transportdampfer. Die Mannschaften können nichr gelandet werden, da k e i n Unterkommen mehr für sie zu haben ist.

Griechenland verlangt energisch den Ab- Iransport der fremden Truppen? Androhung von Maßregeln gegen venizelos.

Sr. Men, 20. Okt. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) AnS Athen wird gemeldet: In der Note Griechenlands an den Bier- Verband wird in entschieden st er Form der sofortige Rücktransport der bei Saloniki gelandeten Truppen ge­fordert. Bei Außerachtlassung dieser Forderung werde Grie­chenland die nicht abtransportierten Truppen entwaffnen und internieren. — Da Benizelos fortfährt, die Ge­sandten der Verbündeten zu beraten, will man in ein- grweihten Kreisen wissen, daß Benizelos neuerdings von der griechischen Regierung vertraulich eröffnet worden sei, daß die Regierung es gern sähe, wenn er ihr die Ergreifung energi­scher Maßregeln ersparen würde, die geeignet wären, den ehemaligen Ministerpräsidenten von Athen f e r n z u h a l t e it. Bekanntlich hatte sich Venizelos nach seinem ersten Rücktritt im März nach K r e t a zurückziehen müssen.

Gunaris und Theotokis gewinnen an Einfluß

W. T.-B. London, 20. Okt. (Nichtamtlich.) „Daily Tele­graph" erfährt über Mailand aus Athen, daß G u n a r i s und Theotokis an Einfluß gewinnen. Kaimis drohe mit seiner Demission.

Der griechische Generalstab in Saloniki.

Rotterdam, 20. Ott. (Jens. Bln. DaS Lelsgramm^ist verspätet eingetroffsn.) Reuter meldet aus Saloniki: Der griechische Generalstab ist in Saloniki ange­kommen, onxäf der König wird sich wahrscheinlich dorthin begeben.

Lluch ein österreichisch-ungarischer Protest in Athen.

IV. T.-B. Lyon, 20. Ott. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) „Republicain" nreldet aus Athen: Der österreichisch-ungarische Gesandte protestierte im Auftrag seiner Regierung da­gegen, daß es den Alliierten gestattet würde, Truppen in Saloniki zu landen, sowie gegen die Besetzung der Eisen-- bahnlinie Salornki-Monastir kund SalonikisUesküö durch vie griechische Verwaltung und die Entlassung des öster­reichisch-ungarischen Personals.

Russische und englische Vorstellungen wegen der Auslegung des serbischen Vertrags in Athen:

Br. Amsterdam, 20. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) „Reuter" erführt aus Athen: Die Gesandten

Rußlands und Englands hüben dem grrochrMn Ministerpräsidenten Zaimis eröffnet, 'daß ihre Re- gierungen mit der griechischen Auslegung der Ver- tragsverpflichtun gen Griechenlands gegenüber Serbien nicht übereinstimmen.

Der Vierverband hofft noch immer auf Griechenland u»rd Rumänien.

W. t.-B. Paris, 19. Ott. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Presse erörtert noch immer das Balkanproblem und hofft, daß es schließlich doch noch gelinge, Griechenland und Rumänien für die Sache des Vierverbandes zu gewinnen. Der „Temps" wünscht eine russische Offensive aN der rumänischen Grenze, da diese auf die weitere Entwicklung auf dem Balkan den größten Einfluß ausüben könnte. Der „Gaulois" fordert, daß Griechenland sich erkläre, ob es für oder gegen den Bierverband sff, dann werde der Vierverband seine entsprechenden Maßregeln treffen. — Die „Liberte Parole" meint, die Flotten sollten vor Piräus demon­strieren, um eine Begeisterung des griechischen Volkes auszu- lösen, welcher die Regierung nicht mehr widerstehen könnte.

General Sarrail auf dem weg nach Serbien.

Genf, 20. Okt. (Zenf. Bln.) Wie die französischen Zei­tungen melden, hat General Sarrail am 18. Oktober, morgens, Saloniki verlassen, um sich nach Serbien zu be­geben. -

Ein Unfall des Prinzen Alexander von Griechenland.

W. T.-B. Mailand, 20. Oft. (Nichtamtlich.) Der „Courier« della Sera" meldet aus Athen: Prinz Alexander von Griechenland stürzte bet Übungen mit seiner Batterie vom Pferde. Er wurde in einem Sanitätswagen nach Athen ver­bracht.

Italiens Abneigung gegen den valkanfeldzug.

Bern, 20. Okt. (Zenf. Bln.) Die Polemik über die Haltung Italiens in der Balkanfrage dauert fort. , Der „Secolo" schließt nun auch aus verschiedenen Anzeichen, daß ein sofortiger Eingriff Italiens auf dem Balkan an der Seite Serbiens geringe Aussicht habe, im Rahmen des italrem- scheu Krieges berücksichtigt zu werden. Haltamtlich wird mitgeteilt, wegen der zu großen, dem Balkanunternehmen sich entgegenstellenden technischen Schwierigkeiten wäre auf Italiens Mithilfe vorderhand nicht zu rechnen. Die „Adea Nazionale" erklärt, erst wenn alle Verbündeten gleichmäßige, den absoluten Erfolg garantierende Anstrengun­gen machten, um zum gemeinsamen Ziele zu gelangen, erit wenn der Vierverband Griechenland mit Waffengewalt in Schranken halte, damit es den ausgeschrfften Truppen nicht in den Rücken falle, erst dann werde Italien nicht verfehlen, ebenfalls Hilfe zu bringen.

ver Druck desvierverbandes aufRumänien?

Der geforderte Truppcndurchzng durch Rumänien.

Br Bukarest, 20. Okt. (Eig. Dirohtbericht. Zenf. Sln.) ' Von neuem taucht das Gerücht auf, R u tz - a n d fordere von Rumänien die Erlaubnis zum Turch- ma russischer Truppen durch die Dobrudscha. Aller­dings soll diesmal eine derartige Forderung nicht von Kußland allein, sondern von der G e s a m t h c l l der Vierverbandsmachte gestellt worden sein. Wort­führer ist diesmal England. Rumäniens öffentlrche Meinung ist in keiner Weise beunruhigt. Es unter­liegt keinem Zweifel, daß Bratianu festbleiben wird.

Die deutschen und Ssterrelchischen U-Boots» erfolge im Mittelmeer.

Br. Paris, 20. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Sonst gut unterrichtete Kreise versichern, die wirksame Tätigkeit der deutschen und österreichisch-ungarische» Unterseeboote im Mittelländische» Meere zwinge dre französssch-engkische B°^tx zur völligen Untatrg. feit.