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68. Jahrgang.
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verlagS-Fernsprecher Sk». 296».
Sonntag, den 3. InU.
RedakilonS-Fernfprecher No. 62.
1904.
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Politische Wochenschau.
Die Schlußakkorde der Tätigkeit des p r e u ß i s ch en Abgeordnetenhauses sind mit zahlreichen Dir- akkorden untermischt gewesen. Es ist in der letzten Woche im preußischen Abgeordnetenhause ungewöhnlich lebhaft und stürmisch zugegangen, und der heiße Kanipf um das Ansiedelungsgesetz hat die Gemüter in einer Werse erregt und ©türme entfesselt, wie sie im preußischen Parlament nur zu den seltenen Ausnahmen gehören. Fm,übrigen hat das Abgeordnetenhaus in den letzten Tagen einen im« heimlichen Arbeitseifer entwickelt und noch einen statt- Lchen Teil des Gesetzgeliungsmaterials ausaearbertet, dessen „Rest", zu dem auch die Kanalvorlage gehört, erst in dem am 18. Oktober beginnenden zweiten Abschnrtt dar Session in Angriff genommen werden wird. Bis dahin wird der Herr Minister des Innern voraussichtlich auch, die von dem Oberpräsidenten erbetenen Auskünfte rn Sachen der Mirbach-Interpellation erhalten haben, welche Frhr. v. Hammerstein in der Donnerstag- sitzung des Abgeordnetenhauses noch nicht beantworten zu können erklärte. Des weiteren werdeir sich bis dahin hoffentlich auch die Aussichten der K a n a l v o r I a g e geklärt haben, die fürs erste in der Kominnssion eine Ruhestatt gefunden hat, welche von Pessimisten mit Rücksicht auf die früheren Schicksale der Kanalvorlagen als eine Art Erbbegräbnis angesehen wird. Jedenfalls wird man es fürs erste noch als zweifelhaft ansehen müssen, ob die Zukunft der Kanalvorlage auf dem Wasser oder auf dem Trocknen liegt.
Das von unserem Kaiser geprägte Wort ..Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser" ist auch das Leitmotiv der bei der Kieler Woche gehaltenen Kaiserreden gewesen. Aber nicht minder haben die jüngsten Reden des Kaisers Zeugnis abgelegt für die aufrichtige Friedensliebe und für das rückhalllose Bestreben der deutschen Politik, auch für die Erhaltung des Weltfriedens das ibriae beizu
tragen. In dieser Beziehung hat zwischen den Tnnk> sprüchen des deutschen Kaisers und denen des Kömgs Eduard von England eine vollkommene Harmonie geherrscht, und in der Kundgebung für eine ehrliche Friedenspolitik liegt die Bedeutung der Kieler Fürsten-Zu- sammenkuuft, der man vergeblich andere Beweggründe und Ziele unterzuschieben versucht hat. ,
Diese Bekundung der Friedenspolitik seitens zweier Großmächte ist jedenfalls von, Bedeutung in einer Zeit, wo die Weltlage durch den nrörderischen K r i e g z w i - schenRußlandundFapan, dessen Ausgang und dessen Folgen noch garnicht abzusehen sind, eine ganz besonders gespannte geworden ist. Nahezu fünf Monate dauert jetzt das heiße Ringen um die Vorherrschaft in Ostasien, und doch ist das, was sich bisher abgespielt hat, nur als die Ouvertüre zu den blutigen Kämpfen zu be- trachten, welche die Entscheidung bringen werden. Zurzeit hat es freilich den Anschein, als wenn wir uns diesen entscheidenden Kämpfen mit Riesenschritten nähern. Von Süden und Osten sind die Heere der Japaner so weit m die Mandschurei vorgedrungen, daß ihre Vorposten sich bereits der Hauptstellunq Kuropatkins nähern; und gleichzeitig schließt sich, der Ring um Port Arthur immer dichter und fester, den die verlustreichen Ausfälle der russischen Schiffe vergeblich zu durchbrechen suchen. Unter diesen Umständen wird auch die defensive Taktik der Russen öcn Entscheidungskampf in der Mandschurei nicht mehr lange htnauszuzögern vermögen.
Ter einzige „sich freuende Dritte" bei dem russisch- japanischen Kriegsdrama ist bisher England, das bei aller feierlichen Betonung seiner Friedensliebe die Gelegenheit wahrgenormnen hat, sein Schäfchen in Tibet ins Trockne zu bringen. England hat seine Expedition in das geheimnisvolle und großenteils unerforschte Hoch- land langsam, aber sicher fortgesetzt und die Tibetaner bereits so weit mürbe gemacht, daß sie sich zu Verhandlungen bereit erklärt haben. Die Engländer werden klug genug sein, keine allzu harten Bedingungen zu-stellen und sich mit dem Spatz in der Hand begnügeir, denn ber eipem weiteren Vordringen zur Residenz des Dalai-Lama könnten die Engländer unter Umständen mit der verhäng- insvollen Möglichkeit eines „heiligen Krieges" rechnen.
Ten „heiligen Krieg" gegen die Regierung predigen in Frankreich zurzeit die vereinigte,: Klerikalen und Nationalisten, aber die Hoffnung, daß die K arst äu ser- Affaire eine praktische Handhabe zum Sturz des Kabinetts Combes bieten werde, hat sich nicht erfiillt. Trotz der Peinlichen Gründlichkeit, mit der die parlamentarische Untersuchungskommission arbeitet, hat sich bisher nichts dem Ministerpräsidenten Belastendes ergeben, wahrend andere in diese Angelegenheit verwickelte Personen, wie der zweideutige Herr Millerand, desto schlechter ab- schuitten. Haben somit die Nationalisten bisher ihre Ziele nicht erreicht, so nimmt auch der Dreyfus- Handel, den sie ja. zu ihrer Parteisache gemacht haben, für sie durch die neuerdings erfolgten Verhaftungen der bloßgestelltcn Ofiziere eine immer ungünstigere Wendung.
Politische Mrrsrchl.
Neue Schwierigkeiten auf dem Balkan.
a. Sofia, 29. Juni.
Da der Kriegsministcr Oberst Sawof trotz der Bemühungen des Fürsten, ihn davon abzubringen, daraus besteht, den Beschluß des Kabinetts, wonach 15 000 Mann während der Ernte entlassen werden solle,:, zu anullieren, ist eine Ministerkrists wahrscheinlich. Diese Hartnäckigkeit kommt dem Herrscher aus zwei Gründen sehr ungelegen; erstens: weil er unter solchen Umständen die
Frage der Vecfassungsrevision, die u. a. auch seine Er- Hebung zum Könige umfaßt, nicht anschneiden kann. Der zweite Grund ist der, daß der Sultan dem bulgarischen Unterhändler in Konstantinopel. Natschewitsch, nicht nur fest zugesagt, er würde 100 Redifbataillone, die in Makedonien und Adrianopel stationiert sind, entlassen, sondern die betreffende Order sogar tatsächlich ausgefertigt hat. Reduziert nun Bulgarien seinen Armeebestand nicht,, so steht zu erwarten, daß die Pforte nur zu froh sein wird, diesen Vorwand zu ergreifen, um die besagte Order zu- rückzuziehen. Dazu hätte sie umsomehr Veranlassung, als die Soldaten sich weigern, ihre Waffen abzugeben, bevor sie den rückständigen Sold erhalten haben und das Geld sich anscheinend nicht beschaffen läßt. Jedenfalls hält man es tu Konstantinopel wohl für ratsamer, me Truppen in den Kadres zusammenzuhalten. als daß sie aus eigene Hand sich durch Plündern, zu entschädigen suchen und mit den Baschi-Bosuks gemeinschaftliche Sache machen. Daß bei solchen Verhältnissen die Bandenbe- wegung wieder neue Nahrung-erhält, steht ebenfalls zu befürchten, kurzum, die Dinge auf dem Balkan nehmen von neuem eine bedrohliche Gestalt an.
Der rujsifch-jnpanische Krieg.
Wie Port Arthur belagert wirb.
Die Methoden, deren sich die Japaner bei der Re. lageruug von Port Arthur jedenfalls bedienen werden, schildert ein Sachverständiger in einem Londoner Blatt folgendermaßen: Die Prophezeiungen, wie lange Port Arthur sich halten wird, gehen weit auseinander. Wenn mau indessen erwägt, was cs bedeutet, einen tapfer verteidigten und befestigten Platz durch Belagerung zu nehmen, so erscheint es wahrscheinlich, daß die Japaner mindestens sechs Wochen Arbeit vor sich, haben, von der Zeit an, in der die ernsthaften Operationen beginnen. Bestimmte Angaben kann niemand machen, da es zum erstenmal ist, daß eine moderne Festung mit Spreng, granaieu und Schießen in hohem Winkel angegriffen wird Eine regelrechte Belagerung ist eine langwierige Dache. Wenn das belagernde Heer feine Stellung eingenommen hat, muß das Vorrücken in Grüben erfolgen. Biele Meilen Gräben von vier Fuß Diese und mindestens zehn Fuß Breite müssen gegraben werden, und zwar nachts Sobald die Beschießung, die von ihrem Anfang
Feuilleton.
Monatliche Himmels schau (Mi).
Gon Dr. F. K. D. Müller.
Merkur ist im Fuli kaum sichtbar, da er am,7. Juli um 9 Uhr vormittags mit der Sowie in obere, Konjunktion gelangt; er wird Abendstern. Am 2. Juli um 2 Uhr nachmittags kommt er in Konjunktion mit dem, Mars,, am 4 Juli um 11 Uhr varnüttags befindet er sich, im Perihel, am 9. Juli um 10 Uhr vormittags in Konjunktion mit Venus, am 13. Juli um -1 Uhr nachmittags inKonjunktion mit dem Monde, am 15 Juli befindet er sich in der größten nördlichen heliographischen Breite, am 31. Juli in Konjunktion mit Regulus. Venns kommt am 7. Juli um 9 Uhr vormittags in obere Konjunktion mit der Sonne und wird Wendstern, bleibt aber noch, unsichtbar. Am 12. Juli um 10 Uhr vormittags steht sie mit dem Monde in Kunjanktion, am 23. Juli um 2 Uhr, nachmittags im Perihel. Mars steht in der Morgendämme, rung rm Sternbild der Zwillinge und wird allmählich sichtbar; Ende des Monats geht er 1 3 A Stunden vor der Sonne auf, am 11. Juli steht er mit dem Monde in Konjunktion. Jupiter geht Anfang Juli um 10 Uhr, Mitte Juli um 11% Uhr, Ende Juli schon vor 11 Uhr nachts auf. Am 6. Juli um 2 Uhr nachts steht er mit dem Monde in Konjunktion, am 22. Juli mit der Sonne in Ouadratur. Sarurn geht anfangs des Monats um 10 Uhr, am 20. Juli gegen 9 Uhr, Ende Juli schon vor 9 Uhr,auf. Am 1. Fuli um 3 Uhr nachmittags steht er in Konjunktion mit dem Monde, desgleichen am 28. Juli um 6 Uhr nachmittags. Es ist die Länge des siderischen Monates, die Abnahme der Rektaszension und Deklination . des Saturn zu beobachten.
Am 5. Juli um 11 Uhr 64,2 Minuten vormittags haben wir letztes Viertel, am 12. Juli um 6 Uhr 27,3 Minuten morgens Neumond, am 19. Fuli um 9 Uhr 48,6
Minuten vormittags erstes Viertel und am 26. Juli um 8 Uhr 41,9 Minuten vormittags Vollmond. Am 2. Juli um 6,4 Uhr morgens steht der Mond in Erdferne, am 14 Juli um 5,2 Uhr morgens in Erdnähe, am 30. Juli um 9,1 Uhr nachts in Erdferne. Verfinsterungen der Jupiter-monde finden statt'. Am 8. I-ulr u>m 2 Uhk 28 Minuten 60 Stunden Austritt des zweiten Mondes (Eintritt um Mitternacht); am 8. Juli um 2 Uhr 40 Minuten Eintritt des zweiten Mondes am Rande (Austritt um 5,2 Uhr morgens); am 11. Juli um 1 Uhr 4 Minuten 35 Sekunden Eintritt des ersten Mondes (Austritt am Rande um 4,6 Uhr morgens); am 15. Juli um 2 Uhr 37 Minuten 9 Sekirnden Eintritt des zweiten Mondes (Austritt um 5,1 Uhr morgens): am 18. Jul, um 2 Uhr 58 Minuten 39 Sekunden Eintritt des ersten Mondes (Austritt am Rande um 6,6 Uhr morgens).
Ilm 4. Juli um 2 Uhr nachts steht die Sonne in Erdferne. am 22. Juki um 9 Uhr vormittags tritt die Sonne in das Zeichen des Löwen, die Hündstage beginnen. Die Sonne geht am 1. Juli um 3 Ubr 43 Minuten apf, um 8 Ubr 24 Minuten unter, am 10. Juli um 3 Uhr 51 Minuten auf, um 8 Uhr 19 Minuten unter, am 20. Juli um 4 Uhr 3 Minuten auf. um 8 Uhr 8 Minuten unter und am 31. Juli um 4 Uhr 19 Minuten auf, um 7 Uhr 62 Minuten unter. Am 1. Juli beträgt die Tageslänge 16 Stunden 41 Mnuten, die Nachtlänge 7 Stunden 19 Minuten, am 31. Juli die Tageslänge 15 Stunden 33 Minuten, die Nachtlänge 8 Stunden 17 Minuten, der Tag nimmt also im Juli um 1 Stunde 8 Minuten ab.
Um Mitternacht am höchsten stehen am Simmel int Juli die Fixsterne: Beta Leier (veränderlich) am 3. Juli, Sigma Schütze (2,3. Größe) am 4. Juli. Gama Leier (3,4. Größe) am 5. Juli, Ceta Schütze (3,4. Größe) am 6 Juli, Ceta Adler (3. Größe) und Lamda Adler (3,4. Größe) am 7. Juli, 'Pi Schütze (3. Größe) am 8. Juli, Delta Drache (3. Größe) am 10. Juli, Delta Adler (3,4. Größe) am 12. Juli, Beta Schwan (3. Größe) am 13. Juli, Gama Adler (3. Größe) und Delta Schwan (3.
Größe) am 17. Juli, Atair (1,2. Größe) am 18 Juli, Eta Adler (veränderlich) am 19. Juli, -vheta Adler (o. Größe) am 23. Juli, Alpha Steinbock (3,4. Größe) am 25 Juli, Beta Steinbock (3. Größe) am 26. Juli, Gama Ichwan (3,2. Größe) am 27. Juli Beta Delphin (3,4. Große) am 30. Juli und Deneb (2,1. Größe) am 31. Juli.
Auf die Nachtstunden fallen im Juli folgende Minima von Veränderlichen des Algoltypus: Am 2. Juli um Mitternacht, am 22. Juli um 2 Uhr nachts und am 24. Juli um 2 Uhr nachts bei Algol, am 30. Juli um 4 Uhr morgeirs bei Y des Schwanes, am 15. Juli uni Mitternacht, am 25. Juli um 3 Uhr nachts bei 17 des Pfeiles. ,
Marima hellerer Veränderlicher vom Miratnpus fmd zu erwarten bei R der Zwillinge anfangs Juli, bei 17 deS Herkules Mitte Juli. .
Am 9. Juli wird der Stern Theta 1 des Stieres (4,2. Größe) vom Monde bedeckt (Eintritt am hellen Rande um 3 Uhr 3,3 Minuten, Austritt um 3^Uhr 58,9 Minuten morgens), am selben Tage der Sterii Theta 2 des Stieres (4,2. Größe) (Eintritt am Hellen Rande um 3 Uhr 6,6 Minuten, Austritt um 3 Uhr 56 Minuten morgens), am selben Tage Alpha des Stieres (1. Größe) (Eintritt um 6 Uhr 39,7 Minuten morgens. Austritt um 7 Uhr 43,1 Mnuten morgens), — nur im Fernrohr zu sehen. Ter Mond geht am 9. Juli um 1 Mr 44 Min., nachts, die Sonne um 3 Uhr 57 Minuten auf: am 10. Juli wird der Stern 111 des Stieres (5,5. Größe) vom Monde bedeckt. (Eintritt am Hellen Rande um 2 Uhr 38,2 Minuten, Austritt um 3 Uhr 25,2 Minuten nachts). Ter Mond geht um 2 Uhr 29 Minuten nachts auf.
Tie (am 20. und 27. Juli austretenden) Meteore der Juliperiode kommen wegen des Vollmondes schlecht zur
Geltung. _ ,
Seit Beginn des neiden Jahres liegen wieder Ent- deckungen neuer Planetoiden vor. Darunter sind zwei von Wolf entdeckte besonders interessant, der am 12. April entdeckte Planet XIV mit einer täglichen Bewegung in
